Archiv für den Tag: April 9, 2011

Landschaftsverband und Greven Verlag stellen vor: „Von Apfelkraut bis Zimtschnecke“

Von Dr. Egon Schlesinger

Foto: Dr. Berthold Heizmann, Dr. Dagmar Hänel, Chefkoch Michael Hofmann, 1. Lexikon der Rhein. Küche (Aufnahme: Andrea Matzker)

So heißt das erste Lexikon der rheinischen Küche, das vom LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte gemeinsam mit dem Greven Verlag jetzt vorgestellt wurde. „Wir verstehen uns als Regionalverlag,  dessen Anliegen es ist, regionale Geschichte wie regionale Besonderheiten und Traditionen in guten und nachhaltigen Büchern zu verbreiten, um damit einen Beitrag zur möglichen Identifikation des breiten Publikums mit der heimatlichen Region in Zeiten der Globalisierung zu leisten“, so Damian von Mehlis, Leiter des Greven Verlages. Folgerichtig war in diesem Sinne, dass der Volkskundler und gebürtige Schwabe Dr. Berthold Heizmann mit Koautorin Dr. Dagmar Hänel vom Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Rheinland in Bonn seine 30-jährige Forschungsarbeit zum Lieblingsthema über die rheinische Esskultur nun in einer besonderen Form aufbereitet  hat: „Von Apfelkraut bis Zimtschnecke“ heißt das vom Kölner GREVEN Verlag herausgegebene „Lexikon der rheinischen Küche“. Auf 288 Seiten wird für 18 Euro das nördliche Rheinland, das von Emmerich bis Trier, andererseits von Aachen bis ins Ruhrgebiet hinein nach Essen reicht, und  für das der hiesige Landschaftsverband zuständig ist, anhand von Kochtopfinhalten beleuchtet. Das Besondere der rheinischen Küche ist zum einen eine lange Tradition des Multikulturellen: „Angefangen bei den Römern ist das Rheinland eine klassische Einwanderungsregion – und alle Immigranten haben etwas in die heimische Küche mitgebracht“, weiß Heizmann. “Die Römer den Wein sowie manche Obst- und Gemüsesorte, die Franzosen interessante Wurstsorten wie die Andulsch (Andouille), die Preußen die Kartoffel, die polnischen Zechenarbeiter brachten Salzgurken ins Ruhrgebiet, und die osteuropäischen Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg das Pilzesammeln.“  Noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war Fleisch auf den Tellern Mangelware, und die vielseitige Kartoffel, selbst Einwanderer aus Südamerika, kam als Sättigungsgrundlage schon zum Frühstück auf den Tisch – gekocht, gebraten oder erkaltet als Brotaufstrich. Auch die Texte im „Lexikon der rheinischen Küche“ sind mit Augenzwinkern und viel Liebe für die Details der Alltagskultur geschrieben. Sie werden ergänzt von den Illustrationen des Karikaturisten Thomas Plassmann. Außerdem stößt man beim Lesen immer wieder auf Gerichte oder Begriffe, die mancher Rheinländer aus der Kindheit oder Erzählungen der Großeltern kennt. Damit ist dieses Lexikon ein echtes Familienbuch und die Rezepte machen Lust auf Kochen und die Erfahrung, dass Heimat gut schmecken kann.

Foto: Michael Hofmann kocht Rheinische Spezialitäten Mangold und Bröckelbohnen (Aufnahme: Andrea Matzker)