Universitätsfest Bonn

„Die Zukunft der Wissenschaft ist weiblich!“

 

Foto: Magnifizenz Rektor der Uni Bonn, Prof. Dr. Jürgen Fohrmann beim Unifest Bonn (Aufnahme: Andrea Matzker)

 

Foto: OB Jürgen Nimptsch, der erste Bürger Bonns und KMGV-Mitglied, lauscht Konrad Beikircher auf dem Uniball 2013 (Aufnahme: Andrea Matzker)

 

 

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

Aus dem ehemaligen Residenzschloss der Kölner Kurfürsten wurde am 18.10.1818 das Hauptgebäude der renommierten Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, in dem heute auch die Philosophische Fakultät untergebracht ist, deren Studentenanzahl von 10000 ein Drittel der Gesamtzahl der Studierenden ausmacht. Somit ist sie die größte der in Bonn vertretenen sieben Fakultäten. Als einzige Universität Deutschlands begeht sie das alljährliche Unifest mit der Absolventenfeier in festlichen und farbenprächtigen Roben. Die Dekane tragen Talare in den Farben ihrer Fakultäten, und der Rektor ist Träger eines purpurfarbenen, goldbestickten Radmantels, wie er auch im neugegründeten Unimuseum zu besichtigen ist.

Den vorabendlichen Auftakt zu den Festivitäten des  9. Bonner Universitätsfestes bildete ein ökumenischer Absolventengottesdienst in der katholischen Kirche Sankt Remigius mit dem großartigen Organisten Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider.

Am darauffolgenden Morgen versammelten sich alle diesjährigen Absolventen der Bonner Uni, sämtlich in schwarzem Talar und Barett sowie Schal und Quaste in der jeweiligen Fakultätsfarbe, und zogen, angeführt von ihren Dekanen, im Sternmarsch auf die Hofgartenwiese. Im großen Festzelt wurden sie bei karibischen Klängen vom Rektor der Uni, Prof. Dr. Jürgen Fohrmann,  begrüßt und zu ihrem erfolgreichen Abschluss beglückwünscht, nicht ohne sie an ihre Patinnen, die neun Musen und Töchter von Zeus zu erinnern. Da in diesem Jahr zwei Drittel der 1200 Abgangszöglinge weiblichen Geschlechts sind, meinte er voller Überzeugung, dass die Zukunft der Wissenschaft weiblich sei. Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch mahnte die Alumni seinerseits: „Passen Sie auf, wen sie heute treffen und küssen! John Lennon habe Paul McCartney an einem 6. Juli erstmals getroffen, und zudem werde an diesem Datum der Tag des Kusses zelebriert. Weiter forderte er sie auf, als Botschafter den „Bonn Spirit“ in die Welt hinaus zu tragen, was soviel bedeute wie: Man solle auch unter schwierigsten Bedingungen zu friedlichen Einigungen kommen.

Festredner war Ex-Bundesarbeitsminister Dr. Norbert Blüm, selbst Promotionszögling der Bonner Uni und nun im neueröffneten Unimuseum neben Heine, Nietzsche und Marx gewürdigt. Er sprach sich eindeutig gegen die Mentalität der Schnäppchenjäger und Vorteilssucher aus und rief zum Aufstand gegen den Imperialismus des Homo oeconomicus auf. Wahre Tugenden, wie Liebe, Treue, Freundschaft und Vertrauen, hätten damit nichts zu tun. „Ideen verändern die Welt, und Universitäten müssen Ideenträger bleiben!“ Wie seine humorvollen Vorredner erntete er donnernden Applaus und sogar stehende Ovationen der 5000 Festgäste.

Im Anschluss wurden den Alumni die lateinischen Graduierungsurkunden von ihren Dekanen überreicht.

Nach der Verabschiedung durch Seine Magnifizenz, der die Festgemeinde zum abendlichen Uniball in die Arme von Polyhymnia entsandte, gab es das obligatorische Foto unter der Regina Pacis, auf dem alle Absolventen unter lautem Jubel ihre Hüte in die Luft werfen. Diese Tradition ist einzigartig in ganz Deutschland. Trotz umfangreicher Vorsichtsmaßnahmen mussten allerdings die Malteser wegen lädierter Nasen eingreifen.

Am Abend trafen sich dann im Maritim 1700 Tanzfreudige zum Uniball, der mit der exquisiten Konrad Kater Kapelle und ihrer hinreißenden kubanischen Sängerin Jane Maturell aufwartete. Für alle Teilnehmer war das gesamte Unifest rundum ein unvergessliches Erlebnis, was viele dazu anregen wird, dem Alumni-Netzwerk beizutreten.

 

Foto: In Preußisch Blau, der Farbe der Philosophischen Fakultät, Dr. Norbert Blüm begeisterte als feuriger Festredner beim Unifest Bonn (Aufnahme: Andrea Matzker)