Handwerkskammer verleiht Goldenen Füllfederhalter und Georg-Schulhoff-Preis 2014

Autor: Christian Dick

Plakat Handwerk Weihnachten_klein

(Aufnahme: Christian Dick)

Plakat Junioren des Handwerks_klein

(Aufnahme: Christian Dick)

Die Handwerkskammer Düsseldorf zeichnete am 25. November 2014 den Chefredakteur des Focus Ulrich Reitz mit dem Goldenen Füllfederhalter aus. Bei anschließenden Herbstempfang der Handwerkskammer erhielt der Arbeits- und Sozialminister des Landes Nordrhein-Westfalen die Georg-Schulhoff-Medaille.

Zum 15. Mal hat die Handwerkskammer Düsseldorf einen „Goldenen Füllfederhalter“ an einen herausragenden Publizisten vergeben. „Focus“-Chefredakteur Ulrich Reitz nahm die Auszeichnung am Dienstag im Rahmen der Herbst-Vollversammlung der HWK aus den Händen von Präsident Andreas Ehlert entgegen. Mit dem Goldenen Füllfederhalter würdigt die Kammer Journalisten, die über einen längeren Zeitraum ein lebendiges, wertschätzendes, analytisch-kritisches, die tatsächliche Bedeutung des Wirtschaftssektors reflektierendes Bild vom Faktor Handwerk gezeichnet haben. Eine regelmäßige publizistische Beschäftigung mit Themen, Anliegen oder Rahmenbedingungen des Wirtschaftsbereichs, mindestens ein Jahrzehnt herausgehobenen journalistischen Wirkens, und eine wahrnehmbare Wirkung der Beiträge – im Sinne einer Einflussnahme auf das Meinungsklima über Handwerk und Mittelstand – sind weitere Voraussetzungen für die Ehrung.

Handwerkskammerpräsident Andreas Ehlert hob in seiner Laudatio insbesondere „die nachhaltige Auseinandersetzung von Ulrich Reitz mit einer nachlassenden Achtung für den beruflichen Bildungsweg in Deutschland“ hervor. „Warum soll ein studierter Philosoph etwas Besseres sein als ein Schreinermeister?“ Uli Reitz hat diese Frage zugespitzt so beantwortet: ‚Wenn eines meiner Kinder eine Lehre absolviert, dann ist es ein Bildungsverlierer.‘ Gerade in der – so Ehlert – „besonders wirksamen“ journalistischen Stilform des Kommentars fänden sich bei Reitz in dessen Zeit als Chefredakteur der Rheinischen Post (1997-2005) und der WAZ (2005-2014) „immer wieder solche kleinen, vom Mainstream des politischen und Meinungs-Betriebs abweichenden Randbemerkungen, die das bildungspolitische Erfordernis einer Gleichwertigkeit des dualen und akademischen Bildungswegs thematisieren.“ Darüber gehöre zu den „roten Fäden“ in Reitz´ Kommentierung das Beharren auf dem Konzept der Sozialen Marktwirtschaft als ordnungspolitischer Grundlegung der Republik, gepaart mit einem „christlich geprägten Gerechtigkeitssinn“, so der Laudator.

Ulrich Reitz erklärte in seiner Dankesreplik „Der Journalismus ist ein Handwerk. Voraussetzungen dafür sind Sorgfalt, ein kühler Kopf, eine souveräne Haltung und vielleicht ein bisschen Abgeklärtheit. All das sind auch die Tugenden des Handwerks.“ Dass der Journalismus ebenso wie Geschick braucht wie das Handwerk machte er an folgendem Beispiel deutlich „Der Focus ist fehlerfrei. Darüber würden sich viele Tageszeitungen freuen. Es ist so, dass heute alles immer schneller wird, immer zitteriger, es wird immer weniger geprüft, es wird immer weniger kuratiert.“ So müssen alles sorgfältig recherchiert und es müssen den Dingen auf den Grund gegangen werden. Die Regel im Journalismus laute „Nicht ohne zwei Quellen“, so Reitz. Er selbst habe sogar eine dritte Quelle als notwendige Bedingung für die Veröffentlichung einer Nachricht eingeführt. Mit Besorgnis erfüllt Ulrich Reitz die Tendenz, dass Journalisten meist nur noch Meldungen in den Computer und ins Internet eingeben, aber dass dabei die „Face-to-Face Communication“ verloren gehe. So. machten es Twitter und facebook möglich, Thesen zu vertreten, weil man jemandem dabei nicht von Angesicht zu Angesicht gegenüber sei. Dennoch zeigte er sich zuversichtlich „Ich glaube, dass wir irgendwann eine Rückkehr dazu haben werden, auch die öffentlichen Meinungsbildung wieder als Handwerk zu begreifen.“ Darüber hinaus kritisierte Reitz die unveränderte Regierungspraktik in Bund und Land, den ausbildenden Mittelstand in Sonntagsreden zu preisen und werktags mit Regulierungsknüppeln zu blockieren.

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Foto: Ulrich Reitz und Handwerkskammerpräsident Andreas Ehlert (Aufnahme: Christian Dick).

Der Urkundentext:

„In anderthalb Jahrzehnten herausgehobenen publizistischen Wirkens als Chefredakteur der ‚Westdeutschen Allgemeinen Zeitung‘ und zuvor als Chefredakteur der ‚Rheinischen Post‘ hat Ulrich Reitz große Verdienste um die Förderung der öffentlichen Wahrnehmung des Wirtschaftssektors Handwerk in Deutschland erworben. Zahlreiche Beiträge aus seiner Feder, überwiegend in der journalistischen Leitform des Kommentars, betonen den Stellenwert des Handwerks in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sowie handelnder Persönlichkeiten aus dem Wirtschaftsbereich, und stellen einen Zusammenhang zwischen persönlicher und unternehmerischer Freiheit und einer Verantwortungsethik heraus, wie sie den handwerklichen Mittelstand prägt. Wiederholt haben Artikel von Ulrich Reitz dazu beigetragen, das Meinungsklima zugunsten von Handwerk und Mittelstand zu beeinflussen. In Anerkennung und Würdigung dieser besonderen Verdienste wird Ulrich Reitz der ‚Goldene Füllfederhalter‘ der Handwerkskammer Düsseldorf verliehen.“

Düsseldorf, 25.11.2014;

Andreas Ehlert, Präsident; Dr. Axel Fuhrmann, Hauptgeschäftsführer 

Guntram Schneider mit dem Georg-Schulhoff-Preis ausgezeichnet

Bedeutendste Ehrung für Verdienste um das berufliche Bildungswesen

Andreas Ehlert: Landesvorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss“ Meilenstein der Bildungspolitik – Laudator Ulrich Reitz: „Minister Schneider weiß, dass der Mensch nicht erst mit dem Studium anfängt“

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Foto: (von links nach rechts: Dr. Axel Fuhrmann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf, Focus-Chefredakteur und Laudator Ulrich Reitz, NRW-Arbeits- und Sozialminister Guntram Schneider und Handwerkskammer-Präsident Andreas Ehlert (Aufnahme: Christian Dick)

Guntram Schneider ist der diesjährige Träger des Georg-Schulhoff-Preises. Der Minister für Arbeit, Integration und Soziales erhielt die Auszeichnung des Vereins zur Förderung der Beruflichen Bildung e. V. – Stiftung Georg Schulhoff Preis am Dienstag überreicht. Die Ehrung würdigt herausragende politische, publizistische, bildungspraktische oder wissenschaftliche Verdienste auf dem Gebiet des Beruflichen Bildungswesens. Die nach dem verstorbenen, langjährigen Präsidenten der Handwerkskammer Düsseldorf Georg Schulhoff (1949-1985) benannte Auszeichnung wurde erstmals vor 29 Jahren verliehen und ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro dotiert.

„Das maßgeblich von Minister Guntram Schneider durchgesetzte und verantwortete Landesvorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss“ bedeutet einen Meilenstein auf dem Weg zu einer gleichgewichtigen Betrachtung und Behandlung des akademischen und des beruflichen Bildungswegs,“ lobte der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf und Stiftungsvorsitzende Andreas Ehlert die politische Leistung des Landesministers für Arbeit, Integration und Soziales in seiner Grußansprache, und stellte als Kernelemente die systematische Verankerung von berufsorientierendem Unterricht ab Klassenstufe 8 und die Ausweitung von Wirtschaftspraktika für Schüler aller Schularten heraus. „Ein Paradigmenwechsel, der langfristig die Fachkompetenz auf allen Ebenen der Erwerbstätigkeit in NRW stärken und die Verschmelzung von Ausbildung und Studium und damit die Qualität von Qualifikation in diesem Lande entscheidend voranbringen wird,“ ordnete Ehlert die schul- und arbeitsmarktpolitische Weichenstellung ein. Mit seinem Beharren auf einer gleichmäßig hochstehenden Qualität in der betrieblichen Unterweisung von Auszubildenden habe Schneider auch für die Intensivierung der Fortbildung der Ausbilder im Handwerk etwa mittels der laufenden „Qualitätsinitiative Ausbildung“ der Handwerkskammer Düsseldorf einen wichtigen Impuls gesetzt. Konsequent dränge Schneider auch im Rahmen des „Ausbildungskonsens NRW“ gemeinsam mit Wirtschaft und Gewerkschaften auf eine Weiterentwicklung des Dualen Systems. Und „ganz konkret“ sei die Förderung der beruflichen Bildung in Gestalt von „beachtlichen“ Mittelzuweisungen des Landes für den Betrieb und die Modernisierung der Bildungszentren des Handwerks. Mit Guntram Schneider stehe ein maßgebliches Kabinettsmitglied ferner hinter dem Angebot des Handwerks, dem grassierenden Fachlehrermangel an Berufskollegs des Landes durch Übernahme von Handwerksmeistern in den Schuldienst zu begegnen. Mit der Preisverleihung verknüpfe das Handwerk im Übrigen die Hoffnung, die genannten Schritte und Ansätze zur Stärkung des Berufsbildungswesens zu einer gemeinsamen „Exzellenzinitiative Berufliche Bildung“ von Land und Handwerk weiter verdichten und vorantreiben zu können.

Eine zugleich wertschätzende und scharf gewürzte Laudatio auf den Preisträger hielt Ulrich Reitz, der frühere Chefredakteur der Rheinischen Post und Westdeutschen Allgemeinen Zeitung und jetzige Chefredakteur des „Focus“. Zunächst brachte er jedoch einen Appell angesichts der aktuellen politischen Entwicklung an, indem er feststellte „Der erst linke Ministerpräsident ist vielleicht kein großes Problem für Thüringen. Und, ja es stimmt: Vielleicht kommt es zu einer Art innerem Reinigungsprozess in der Linkspartei, die ja immerhin schon die DDR als Unrechtsstaat gegengezeichnet hat. Aber ein Problem ist das Ganze sicher für die Grünen und für die SPD. Denn die sind in Thüringen gewachsen aus einer Gegnerschaft zur SED, zur PDS, zur Linkspartei. Und glaube doch niemand, so ein Schritt würde keine Auswirkungen haben auf den Charakter, die Persönlichkeit, die Verfasstheit von SPD und Grünen.“ Weiterhin bekannter sich Reitz als vehementer Verteidiger der „Hartz-Reformen“, verwies darauf, dass der Chef der Bundesagentur für Arbeit diese als „einen Segen“ bezeichnet habe, da Deutschland sonst 800.000 Arbeitslose mehr hätte. „Hartz IV ist im Sinne der Arbeiter. Weshalb erkennt das die Sozial- und Arbeiterpartei nicht?“, fragte Reitz. Den Mensch Guntram Schneider beschrieb Reitz mit folgenden Worten als äußerst bodenständig: „Ein gelernter Werkzeugmacher. Nennt sich König der Schlosser. Früh Betriebsrat, erst in der IG Metall, dann erst in der SPD. Ein Gewerkschaftsführer. Ein trinkfester dazu. Haxen und dann Schnaps obendrauf. Kocht gerne westfälische Spezereien, beherrscht, eine Folge seiner Ehe mit rumänischen Malerin Alma Stefanescu, die unter Ceausecus Diktatur ausgebürgert wurde, rumänische Landesküche: Krautwickel, Gulasch, Eintöpfe.“ Der Integrationsminister kämpfe dafür, jungen Menschen zu erklären, wie groß die Karrierechancen in einem klassisch handwerklichen Beruf sind. „Seine Überzeugung ist: Der Mensch fängt nicht erst mit dem Studium an. Duale Ausbildung ist auch Wertigkeit.“ Schneider habe die Bundesregierung gedrängt, sich dafür einzusetzen, in Europa eine dreijährige Berufsausbildung mit dem Abitur gleichzusetzen. „Guntram Schneider ist gegen den wahnsinnigen Gedanken der OECD, dass eine Gesellschaft nur dann gut ist, wenn möglichst alle Menschen in ihr studiert haben. Der auch sagt, dass nicht immer Noten das Entscheidende sind. Sondern der Mensch.“

Guntram Schneider erklärte in seiner Dankesreplik zunächst, dass die SPD eigentlich nie eine Arbeiterpartei gewesen sei, sondern vielmehr eine „Handwerker- und Intellektuellen-Partei“. So seien in den 1960er in der SPD mehr Handwerker gewesen, als die FDP damals Mitglieder gehabt habe. In Bezug auf Hartz IV erklärter Schneider, dass das Prinzip „Fordern und Fördern“ sinnvoll sei, aber man habe in den vergangenen Jahren vielleicht zu viel gefordert und zu wenig gefördert. Weiterhin charakterisierte der NRW-Arbeits- und Sozialminister in einem leidenschaftlichen Plädoyer für eine Gleichwertigkeit von einer klassischen Berufsausbildung und einem Studium das Berufsbildungswesen als zentrales Element des Deutschen Bildungssystems und das ausbildende Handwerk als Stabilitätsanker des Arbeitsmarktes und der Volkswirtschaft. Das Duale Ausbildungssystem in Deutschland ist für Schneider der Schlüssel zu Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in den Ländern Südeuropas. Er sagte in Spanien, wo die Jugendarbeitslosigkeit aktuell 50 Prozent betrage, habe man bei der Ausbildung junger Menschen auf die Hochschulausbildung gesetzt, und man habe sich in Spanien nicht an den Bedürfnissen der Arbeitgeber orientiert. Für den künftigen Beitrag des Handwerks zu qualifizierter, sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in Deutschland, so Schneider, komme es in Zukunft massiv darauf an, dass wieder mehr Firmen die Qualifizierungskette lebten und selbst ausgebildeten Nachwuchs als essenziell für die eigene Erneuerung und wirtschaftliche Fortexistenz des Betriebs erachten. Guntram Schneider lobte abschließend seine langjährige enge Verbundenheit zu dem im Februar verstorbenen Handwerkskammer-Präsidenten Professor Wolfgang Schulhoff, den er einen „großen Kommunikator für Region und das Handwerk“ nannte. Schneider zeigte sich zuversichtlich, dass die Handwerkskammer Düsseldorf mit ihrem neuen Präsidenten Andreas Ehlert auch in Zukunft einen erfolgreichen Weg beschreiten wird.

Der Minister sprach vor 350 geladenen Gästen in der Handwerkskammer. Unter ihnen auch zahlreiche Polit-Prominenz, an der Spitze Regierungspräsidentin Anne Lütkes, Staatssekretär im Landesarbeits- und Integrationsministerium Dr. Wilhelm D. Schäffer, die Präsidentin des Oberlandesgerichtes Düsseldorf Anne-José Paulsen, der marokkanische Generalkonsul Zouhair Jibraili, der kroatische Generalkonsul Zvonko Plećaš, der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion Lutz Lienenkämper MdL, DEHOGA-Präsident Olaf Offers, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf Werner M. Dornscheidt, der Generalkonsul der Hellenischen Republik Gregory Delavekouras, der Konsul der Tschechischen Republik Robert Otepka und der SIGNAL IDUNA-Vorstandsvorsitzender Ulrich Leitermann.

Guntram Schneider ist der 19. Träger des Georg-Schulhoff-Preises.

Nach der launigen, leidenschaftlichen und sehr emotionalen Rede von Guntram Schneider stellte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf Dr. Axel Fuhrmann fest, dass er nach Schneiders Rede festgestellt habe, dass Nordrhein-Westfallen eigentlich zwei Handwerksminister habe, nämlich neben Handwerksminister Garrelt Duin noch zusätzlich Guntram Schneider.

Abgerundet wurde die Preisverleihung durch die Jazz-Formation „SaVier“, die ebenfalls zur sehr guten Stimmung während der Veranstaltung beitrug.

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Foto: SaVier (Aufnahme: Christian Dick)

Unter den Gästen der Herbstempfang der Handwerkskammer Düsseldorf waren unter anderem folgende Personen:

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Foto: Handwerkskammer-Präsident Andreas Ehlert mit dem Düsseldorfer Gastronom Karl-Heinz Stockheim und dessen Tochter Carla (Aufnahme: Christian Dick)

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Foto: Andreas Rimkus, Vorsitzender der SPD Düsseldorf, Handwerkskammer-Vizepräsident Dirk Schäfermeyer und der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf Dr. Axel Fuhrmann (Aufnahme: Christian Dick)