Ein Hang zur Perfektion, der zum Wahnsinn treibt

Theater-Kritik von Christian Dick

Das Rheinische Landestheater hat aktuell das Stück „Die Macht der Gewohnheit“ des österreichische Schriftstellers Thomas Bernhard im Programm. Thomas Bernhard ist für seine skurrilen, provozierenden und gesellschaftskritischen Themen bekannt. So ist es auch bei diesem Stück, das zwar als Komödie bezeichnet ist, aber mit Drama treffender umschrieben wäre. Der Zuschauer wird durch das Bühnengeschehen aufgerüttelt und auch regelrecht geschockt. Für schwache Nerven ist dieses Stück eher nichts. An dem Hang der Hauptfigur, des Zirkusdirektors Caribaldi, zur Perfektion, einer Charaktereigenschaft, die sich bis hin zu den aller extremsten emotionalen Ausbrüchen steigert, führt der Autor vor Augen, dass geistreiche, kreative und auch hochintelligente Menschen oft auch sehr stark zum Wahnsinn neigen.

Angaben zum Stück

Zirkusdirektor Caribaldi hat Großes vor. In absoluter Vollendung möchte er Franz Schuberts „Forellenquintett“ aufführen. Dieses hohe Ziel verfolgt er Tag für Tag, und zwar seit 22 Jahren! Zur Umsetzung seines Wunsches ist Caribaldi auf seine Zirkustruppe angewiesen. Seine Enkelin, eigentlich Seiltänzerin, der Jongleur, der Dompteur und der Spaßmacher sollen neben ihren Zirkuspflichten regelmäßig mit ihm üben. Mit seiner Beharrlichkeit und seinem Ringen um Perfektion stößt der Direktor dabei keineswegs auf Gegenliebe. Kein Bogenstrich genügt den Ansprüchen Caribaldis und die Truppe boykottiert die Proben. Auf diese Weise werden das tägliche Üben und der nicht immer leise Protest der Zirkustruppe selbst zu einem Spiel für die Zuschauer.

Zwar erklingt in diesem Schauspiel Franz Schuberts „Forellenquintett“ nicht, jedoch ist „Die Macht der Gewohnheit“ ein durch und durch musikalisches Werk. Thomas Bernhard verwendet Worte und Phrasen geradezu leitmotivisch, und lässt die Sprachmelodie rhythmisch fließen. Kreist Thomas Bernhards Komödie auf den ersten Blick um den Perfektionszwang von Musikern und Artisten, ist sie auf den zweiten Blick eine Metapher für das Leben. Die Macht der Gewohnheit, 1974 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt, ist Thomas Bernhards erste „Komödie“. Der 1931 geborene österreichische Schriftsteller provozierte mit seinen Werken in seinem Heimatland Skandale und gilt bis heute als international gefeierter Autor.

Besetzung

Autor   Thomas Bernhard

Regie Esther Hattenbach

Bühne             Sven Schlötcke

Kostüme         Alide Büld

Musik Matthias Mainz

Dramaturgie   Reinar Ortmann

Caribaldi         Joachim Berger

Enkelin            Sigrid Dispert

Jongleur          Henning Strübbe

Dompteuer     Pablo Guaneme Pinilla

Spaßmacher Michael Großschädl

 

Dauer ca. 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause.

Weitere Termine

Mo, 23.03.15, 20.00 Uhr

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So, 29.03.15, 18.00 Uhr

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Sa, 25.04.15, 20.00 Uhr

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Mi, 20.05.15, 19.30 Uhr

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