Bert-Gerresheim-Ausstellung in Neuss

Autor: Christian Dick

„Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt, und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Muthe. Ich bin dort geboren und es ist mir, als müsste ich gleich nach Hause gehn. Und wenn ich sage nach Hause gehn, dann meine ich die Bolkerstraße und das Haus, worin ich geboren bin …“ (Heinrich Heine 1827 in Ideen. Das Buch Le Grand.)

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Foto: das Heinrich-Heine-Denkmal von Bert Gerresheim am Schwanenmarkt in der Düsseldorfer Altstadt (Aufnahme: Christian Dick)

In Walhalla in Donaustauf bei Regensburg wurde im Jahre 2010 eine von Bert Gerresheim geschaffene Heinrich-Heine-Büste aufgestellt.

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Foto: Bert Gerresheims Heinrich-Heine-Büste in der Walhalla (Aufnahme: Christian Dick)

Im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich der aktuellen Ausstellung über das künstlerische Schaffen des Düsseldorfer Bildhauers Bert Gerresheim im Clemens-Sels-Museum in Neuss, bekundete Bert Gerresheim, dass ihm das Heinrich-Heine-Denkmal am Schwanenmarkt am meisten am Herzen liegt. Bert Gerresheim ist am 8. Oktober 2015 80 Jahre alt geworden.

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Foto: Bert Gerresheim vor Ausstellungsobjekten der aktuellen Ausstellung im Neusser Clemens-Sels-Museum (Aufnahme: Christian Dick)

Das Heinrich-Heine-Denkmal am Schwanenmarkt in Düsseldorf wurde anlässlich des 125. Todestages Heinrich Heines, am 17. Februar 1981, errichtet: Der 30. Geburtstag dieses Monuments im Jahre 2011 wurde nun zum Anlass dafür genommen, dass Michael Serrer, Leiter des Literaturbüros NRW, den Bildhauer Bert Gerresheim interviewte, der diese „vexierte Physiognomie“ geschaffen hat. Es handelte sich um eine Veranstaltung im Rahmen der Literaturtage, die unter dem Motto „Heines Europa heute“ stehen. Der Andrang im Heinrich-Heine-Institut auf der Bilker Straße war so groß, dass 30 Personen aus Sicherheitsgründen nicht mehr in den Vortragssaal Einlass bekamen.

In sehr versierter Weise kitzelte Michael Serrer sehr viel interessante Hintergrundinformationen aus Bert Gerresheim heraus. Mit Bezug auf die Erstellung des Heinrich-Heine-Denkmals bezeichnete Michael Serrer Bert Gerreheim als „Schöpfer des größten künstlerischen Kommentars zu Heinrich Heine der letzten dreißig Jahre“.

Interessant ist zum Beispiel die Frage, wie überhaupt die Idee zu dem Denkmal auf dem Düsseldorfer Schwanenmarkt entstanden ist. Bert Gerresheim beschrieb, wie im Jahre 1978 der Münchener Mäzen Stefan Kaminsky an ihn herangetreten ist und ihm seine Idee unterbreitete, ein großes Heinrich-Heine-Denkmal zu finanzieren. Bert Gerresheim ergriff diese Gelegenheit beim Schopf und begann mit der Planung des Monuments.

Beeindruckend an diesem Denkmal ist, dass es in mehrere Teile zerlegt ist. Der Kopf Heinrich Heines ist in der Mitte durchgeschnitten. Das Denkmal ist begehbar, was 1981 den damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens dazu veranlasste Bert Gerresheim zu fragen, ob er es gut fände, wenn Kinder auf der Nase dieses bedeutenden Schriftstellers herumtanzten. Hierauf antwortete Bert Gerresheim, dass dies besser sei, als wenn die Kinder Kriegsspiele machten. Der Hintergedanke Gerresheims dabei, als er kein Standbild Heinrich Hernes, sondern ein in mehrere Einzelteile zerlegtes Denkmal schuf, war der, dass er die Vielschichtigkeit Heinrich Heines darstellen wollte. Zu diesem Zweck hatte Gerresheim, wie er darlegte, in der Planungsphase für das Kunstwerk die Möglichkeit, Zeichnungen anhand der Totenmaske Heinrich Heines zu erstellen, die ihm vom Heinrich-Heine-Institut zur Verfügung gestellt worden war. Anschließend erstellte er unterschiedliche plastische Entwürfe. Beim Betrachten dieser Maske stellte sich Bert Gerresheim immer mehr die Frage, wer dieser Mensch überhaupt war. Folglich zog er Sekundärliteratur heran, wie etwa eine Biographie von Fritz J. Raddatz, der festgestellt hat „Heinrich Heine ist ein Plural“ und weiterhin ausgeführt hat, dass sich eine Vexierantologie aus den widersprüchlichsten Zeugenaussagen zusammenstellen lässt. Gerresheim, der sich schon lange der Schaffung von Vexierporträts gewidmet hatte, griff diese Idee auf. Er wollte Heine zunächst plastisch abbilden, angefangen mit kleinen Vexierporträts des jugendlichen, später des alten Heine. Diese Porträts hatten schließlich ein Gesicht, wie das des Lazarus. Dann entstand eine Sitzfigur, anschließend eine Matratzengruft, was an das Leiden des Dichters während der acht Jahre seiner Krankheit erinnern sollte, und zu guter Letzt entstand  eine physiognomische Vexierlandschaft. Das im Ergebnis entstandene Vexiergesicht im Bronze ist auf unterschiedliche Art und Weise interpretierbar. Charakteristisch für Bert Gerresheim ist, dass er in seinen Werken immer wieder das Thema Leid aufgreift. Bert Gerresheim merkte hierzu beim 30jährigen Jubiläum des Denkmals an, dass er bei seinem künstlerischen Schaffen dem Hl. Augustinus folge, der bereits festgestellt habe, dass der Mensch verletzt sei. Das Denkmal weist einen „Reißverschluss“ auf. Dies ist allgemein ein Symbol für die Zugänglichkeit von Reliquien. Außerdem findet man bei dem Denkmal eine Trommel mit dem Leitspruch der Französischen Revolution „liberté – égalité – fraternité“. Dies ist eine Anspielung Bert Gerresheims auf die Figur eines Trommlers, die in Heines Buch Le Grand vorkommt. „Ich wollte, dass das mit dem Denkmal geschieht, was mit Heine selbst geschieht, nämlich, dass man immer wieder neue Schichten erfährt. Man kann Dichter nicht wie Heiligenfiguren in einen Kasten tun. Das ist keine Reliquie.“, stellte Gerresheim fest im Juni 2011 bei einer Führung durch dieses Denkmal fest.

Widerstand und Zuspruch

Etwa drei Jahre lang erhielt Bert Gerresheim auf Grund der Schaffung des Denkmals Drohbriefe von Antisemiten. Seitens der Jüdischen Gemeinde Düsseldorfs kam Zuspruch. Diese interpretierte den durchgeschnittenen Kopf Heinrich Heines in der Weise, dass hierdurch Auschwitz nicht in Vergessenheit gerate.

Nach Meinung Gerresheims wäre es heute nicht mehr möglich, ein solches Denkmal aufzustellen, da derartige Dinge „tot diskutiert“ würden. Dass sein Denkmal etwa die Düsseldorfer Universität dazu bewogen haben könnte, sich nach Heinrich Heine zu benennen, glaubt Gerresheim nicht. Er habe die Debatte damals nicht angezettelt.

Trotz aller religiöser Motive, kein Missionar

Seit 1976 ist der Bert Gerresheim Mitglied des weltlichen Franziskanerordens. Die katholische Kirche ist ein großer Auftraggeber von ihm. Dennoch erklärte Bert Gerresheim, dass es ihm als Künstler fernliegen etwa dem Glauben fernstehende Menschen zu missionieren. Dies sei nicht Aufgabe des Künstlers. Der Künstler wolle vielmehr zu einer Auseinandersetzung mit dem von ihm geschaffenen Werk anregen.

Von 1956 bis 1960 studierte Bert Gerresheim an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Otto Pankok zusammen mit Günther Uecker und German Becerra. Es folgten ab 1960 Studien der Kunstgeschichte, Archäologie und Germanistik an der Universität Köln. Bert Gerresheim war bis 1990 als Studiendirektor am Düsseldorfer Lessing-Gymnasium als Deutsch- und Kunstlehrer tätig. Dies war engte ihn jedoch in seinem künstlerischen Schaffen zu sehr ein, er wollte nicht wie viele Erdkundelehrer enden, die nur dem Globus durch die Schule laufen. Berr Gerresheim wollte den Schüler ein authentisches Beispiel sein, anstatt kluges Gerede von sich zu geben. Als Lehrer war er bereits ein Individualist. Wenn etwa bei Elternsprechtag in der Schule fragten, wo sie ihn finden könnten, sagte man ihnen „Folgen Sie den Gipsspuren im Treppenhaus, dann kommen Sie zum Zimmer von Herrn Gerresheim.“

Hier einige Monumente, die Bert Gerresheim geschaffen hat.

Das Denkmal zum Kölner Weltjugendtag im Jahre 2005 ist eines seiner Werke.

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(Aufnahme: F. N. Otterbeck)

Vor dem Kölner Priesterseminar Bert Gerresheim die Hl. Edith Stein in drei Gestalten entworfen, um die verschiedenen Facetten von Edith Stein darzustellen. Einmal Edith Stein als junge Frau, die auf einem Hocker sitzt und sich nachdenklich auf einen Davidstern stützt. Dahinter steht eine Frau, die aussieht als sei der Kopf gespalten und wieder zusammengesetzt worden. Daneben steht eine Ordensfrau, die den gekreuzigten Jesus in ihren Händen trägt.

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Foto: Monument zu Ehren von Edith Stein, geschaffen von Bert Gerresheim (Aufnahme: Christian Dick)

In der Kapelle des Heiligen Papst Johannes Paul II. im Towhouse, Bilker Straße 36, in der Düsseldorfer Altstadt hat Bert Gerresheim die gesamt Ausstattung, wie Altar, Ambo, Kruzifix und die drei Kupferbilder geschaffen. Nachfolgend sehen Sie zwei dieser Kupferbilder.

Kreuzabnahme durch Mutter Theresa links und Papst Johannes Paul II rechts_klein

Foto: Kreuzabnahme durch Mutter Theresa links und Papst Johannes Paul II rechts (Aufnahme: Christian Dick)

Papst Johannes Paul II trägt das Kreuz Jesu Christi_klein

Foto: Papst Johannes Paul II trägt das Kreuz Jesu Christ (Aufnahme: Christian Dick)
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Foto: Stadterhebungsdenkmal, geschaffen von Bert Gerresheim, am Burgplatz in Düsseldorf (Aufnahme: Christian Dick)

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Foto: Denkmal für den Hl. Jakobus auf dem Freithof in Neuss (Aufnahme: Christian Dick)

Im Frühjahr 2016 wird in Düsseldorf ein neues Denkmal von Bert Gerresheim zu Ehren der bedeutendsten Düsseldorfer Galeristin und Kunstförderin der 1920er Jahre, Johanna Ey, besser bekannt als Mutter Ey, aufgestellt. Diese konnte Bert Gerresheim noch kennenlernen als er 12 Jahre alt war. Das Modell von Bert Gerresheim für dieses Monument ist in der aktuellen Ausstellung im Clemens-Sels-Museum in Neuss zu sehen.

Bert Gerresheim neben Mutter Ey-Büste_klein

Foto: Bert Gerresheim vor dem Modell des neue Mutter-Ey-Monuments (Aufnahme: Christian Dick)

Die Ausstellung im Clemens-Sels-Museum – Adresse Am Obertor, 41460 Neuss – kann noch bis zum 7. Februar 2016 besichtigt werden.

Cover_Bert Gerresheim alles vexiert

Zu Ausstellung ist ein Katalog unter dem Titel „Bert Gerresheim – Alles vexiert – Hommage zum 80 Geburtstag im B. Kühlen Verlag erschienen, der reich an interessanten Bildern ist und Bert Gerresheim auch in seiner Werkstatt zeigt. Das Buch enthält auch viele Zitate des Künstlers. Die Lektüre dieses Buches ist sehr zu empfehlen. Hier die Angaben zum Buch:

Gerresheim – Alles vexiert – Hommage zum 80. Geburtstag

Uta Husmeier-Schirlitz

Preis    29,90 €

ISBN   978-3-87448-460-2

Bestell-Nr.       1080

Einband          Hardcover mit Fadenheftung

Umfang          192 Seiten