Archiv für den Tag: Februar 26, 2016

Ennio Morricones einziges Deutschland-Konzert in Köln

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Fotos: Impressionen des Konzerts von Ennio Morricone in Köln (Aufnahmen: Andrea Matzker)

Autoren: Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

Lange mussten die Kölner auf ihn warten. Nachdem im Jahr 2014 das lang ersehnte Konzert des Maestro erst verschoben und dann aus gesundheitlichen Gründen ganz abgesagt werden musste, fand es nun endlich statt. Es war das einzige seiner Europa-Tournee mit dem Titel „The 60 Years of Music Tour“ in ganz Deutschland. Für rund 500 Kino-und Fernsehproduktionen schrieb der 1928 in Rom geborene Morricone  im Laufe seines Lebens den Soundtrack. Für Filmregisseure, wie zum Beispiel Pier Paulo Pasolini, gestaltete er die Musik zu “Die 120 Tage von Sodom“, “Große Vögel kleine Vögel“ und „Teorema“. Der gesungene Vorspann zu “Große Vögel kleine Vögel“ war selbst für Morricone eine einzigartige Erfahrung, die durch die Stimme von Domenico Modugno geadelt wurde. Hätte Pasolini länger gelebt, wäre daraus sicherlich eine Zusammenarbeit auf beider Lebenszeit geworden. Allen drei Welterfolgen von „Ein Käfig voller Narren“ unterlegte Morricone die Musik. Auch komponierte er über viele Jahre lang die Filmmusik zu der Erfolgsserie „La piovra“, auf Deutsch „Allein gegen die Mafia“ mit Michele Placido.

Der ausgebildete Komponist, bekennende Bach-Verehrer und Konzerttrompeter schrieb auch Kammermusik, Kantaten und Messen. In seiner Filmmusik gibt es öfter passacaglia- oder chorähnliche Sequenzen. Durch den weltweiten Erfolg von Filmen wie “Spiel mir das Lied vom Tod“ oder “Mein Name ist Nobody“ wird sein Name vornehmlich mit dem Italo-Western in Verbindung gebracht, obwohl er derer nur ungefähr 30 an der Zahl vertonte. Für den Titel  „The Wild Bunch“ im Film „Mein Name ist Nobody“ von 1973 arrangierte er Wagners Ritt der Walküren. Neben unzähligen anderen internationalen Preisen erhielt er 2007 den Oscar für sein Lebenswerk und gilt auch jetzt wieder als Anwärter dafür. Er sagt selbst dazu: “Ein Oscar ist wie ein Gewinn im Lotto.“ Für seine diesjährige Tour hat sich der Meister auf einige seiner eigenen Lieblingstitel konzentriert. Das zweieinhalbstündige Konzertprogramm in der Kölner Lanxess-Arena gliederte sich in verschiedene Suiten. Über zwei große Bildschirme wurden die jeweiligen Titel und Themen aber auch Künstlernamen eingeblendet, ohne dass irgendwelche Störfaktoren, wie Ansagen oder Moderationen, das Konzert unterbrechen mussten. Als Chor und Orchester die Bühne betraten, hatte man den Eindruck, es käme gleich eine Mahler-Sinfonie zur Aufführung. Fast 200 Musiker und Sänger bildeten den Klangapparat. Das Tschechische Nationale Symphonieorchester, dass auch sonst viele Hollywood-Melodien ein spielt, sowie zwei vereinigte Chöre aus Ungarn begleiteten Morricone zu seiner Deutschland-Station. Bevor er selbst pünktlich um 20:00 Uhr (nicht wie manch andere Superstars) die Bühne betrat, konnte man in der riesigen, gut besetzten Arena selbst weit entfernt einen Plastikbecher zu Boden fallen hören, so gespannt waren die Besucher, und so bestechend war die Akustik. Der Maestro betritt die Bühne, setzt sich zum Dirigieren an sein Pult, erhebt den Taktstock und beginnt mit einem Block, der Giuseppe Tornatore gewidmet ist. Die Feinheiten der Crescendi, Diminuendi, Ritardandi und vieler weiterer musikalischer Effekte gelingen sämtlich äußerst geschmackvoll und zeugen von harter und ausführlicher Probenarbeit mit dem absolut professionellen Klangkörper. Es folgen Themen aus „Maddalena“ mit der Titelmelodie „Chi mai“ zum „Profi“ aus dem Jahr 1971, aus „Metti, una sera a cena“ (1969) oder „The Good, The Bad and The Ugly“ (1966). Tosender Beifall brandet auf, als die Titelmelodie „The Man with the Harmonica“ zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Deborah’s Theme“ aus dem gleichnamigen Film von Sergio Leone aus dem Jahr 1968 mit der Sopranistin Susanna Rigacci erklingt. Die letzte Suite ist u. a. Quentin Tarantino gewidmet. „Gabriel’s Oboe“ aus „The Mission“ aus dem Jahr 1986 von Roland Joffé und „Stage Coach to Red Rock“ aus Tarantino’s aktuellem Film “The Hateful Eight“ begeistern das Publikum zu stehenden Ovationen. Morricone gibt drei Zugaben, die letzte davon dirigiert er stehend. Nach weiterem, nicht enden wollenden Beifall gibt das Publikum auf und strömt zu den Ständen, an denen man CDs, DVDs, T-Shirts und signierte Bücher des Maestros erwerben kann, wovon reichlich Gebrauch gemacht wird. Insgesamt für das Publikum ein wunderschöner und unvergesslicher Abend.

Wie Manager und Marken ticken

Frank Dopheide vor Bild von Ulli Hoeneß_klein

Foto: Frank Dopheide (Aufnahme: Christian Dick)

Autor: Christian Dick

Kann man das Thema Marke auf Führungspersönlichkeiten übertragen? Diese Frage schlüsselte Frank Dopheide anhand von vielen Illustrationen und Fallbeispielen aus der Praxis beim Neusser Wirtschaftstreff am 23. Februar 2016 zum Thema „Lichtgestalten – Vom Vorteil eine Persönlichkeitsmarke zu sein“ auf. Der Funke beim Auditorium sprang über. Denn Dopheide, der an der Sporthochschule in Köln mit dem Schwerpunkt Journalistik studiert hat ist keineswegs ein Fachtheoretiker, sondern ein Pragmatiker, der Sachverhalte aus dem oft scheinbar grauen Unternehmensalltag äußerst lebendig darzustellen vermag. 1990 war der Beginn seiner Karriere als Werbetexter bei Spiess Ermisch Abels, später wechselte er als Senior-Texter zu der Düsseldorfer Werbeagentur Grey, zu der er nach einer zwischenzeitigen Berufsstation  bei BMZ im Jahre 2003 zurückkehrte, Die Agentur Grey berief ihn im Jahre 2004 in das Global Creative Board. Er holte den ersten Löwen für Grey in Cannes. 2011 gründete Dopheide selbständig mit der Deutschen Markenarbeit GmbH, für die er auch heute noch tätig ist. Seit 2012 ist er Mitglied der Geschäftsführung der Düsseldorfer Wirtschaftszeitung Handelsblatt.

Die Qualität ist nach Darstellung von Dopheide die Basis für den Erfolg einer Marke. Hinzu kommen dann Bekanntheit und Akzeptanz. Von der Qualität, Bekanntheit und Akzeptanz eines Produkts hängt das Vertrauen entscheidend ab. Und das Vertrauen ist ein Schlüssel zum Erfolg. Nur wenn Qualität, Bekanntheit und Akzeptanz einer Marke gegeben sind kommt es beim Verbraucher zur Identifikation mit einer Marke. Die Identifikation mit einer Marke ist entscheidend, da beispielsweise die Supermarktkette Rewe 55.000 Produkte in ihren Regalen hat und alle diese Produkte durch die Stiftung Warentest durchschnittlich mit „gut“ (2,5) bewertet werden. „Es gibt von allem zu viel. Und alle Produkte sind vergleichbar gut“, stellte Dopheide fest. Von der Identifikation mit einer Marke hängt schließlich ab, ob sich jemand einen Füllfederhalter von Mont Blanc für 399,00 Euro oder einen von Lamy für 19,90 Euro kauft. Und die Kunden, die das Reinigungsmittel „Meister Proper“ kaufen, würden laut Dopheide niemals das Reinigungsmittel „Der General“ kaufen.

Die Formel für das Funktionieren von Produktmarken und Persönlichkeitsmarken

„Ja“ – so lautete Frank Dopheides Antwort  auf die Eingangsfrage. „Denn Marken funktionieren immer nach derselben Formel“, führte er weiter aus und erläuterte „Marken, unabhängig davon, ob wir über Unternehmensmarken, Produktmarken oder  Persönlichkeitsmarken reden, funktionieren immer nach derselben Formel: Können + Charakter x Kontinuität. Das Fundament des Markenerfolgs ist die Qualität: Was kann die Marke? Das allein macht aber im Markt noch nicht den Unterschied. Stiftung Warentest findet, dass die Miele Waschmaschine genauso gut wäscht wie die von Bosch, allerdings kostet sie das Doppelte. Der entscheidende Markenmehrwert entsteht durch den Charakter und die Werte, die Kontinuität, die eine Marke verspricht. Man hat eine konkrete Erwartungshaltung an die Marke, die erfüllt wird. Das macht den großen Wertunterschied aus. Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der Kaffee mit verbundenen Augen zuordnen kann, aber ein Pfund Melitta Feine Milde kostet 3,49 Euro, ein Pfund Nespresso eben 23,00 Euro. Und das ist begründet in dem Markencharakter. Bei Nespresso kaufe ich eigentlich gar keinen Kaffee, sondern „La Dolce Vita“ mit George Clooney und italienischem Design. Dieses Prinzip von Können + Charakter x Kontinuität lässt sich 1:1 auf Menschen übertragen. Beispielsweise gibt es zahllose Modedesigner, die ihr Handwerk verstehen. Aber es gibt nur einen Lagerfeld. Er kann sein Handwerk, steht aber auch für deutsche Disziplin, Ernsthaftigkeit und Ideenreichtum. Wenn ich die Augen zumache, sehe ich von allen Designern der Welt ihn am klarsten: schlanker Mann, Pferdezopf, schwarze Brille. Das funktioniert auch bei Politikern, Sportlern, Managern.“

Mit der Qualität bei einer Marke korrespondiert als Fundament laut Dopheide bei einem Manager das Expertenwissen. Der Bekanntheit einer Marke entspricht der Manager als „Sprachrohr“ eines Unternehmens. Die Akzeptanz einer Marke vergleicht Dopheide mit einer Manager-Persönlichkeit als „Instanz“ im Unternehmen. Das einer Marke entgegengebrachte Vertrauen findet seine Parallele bei der Führungskraft als „Gallionsfigur“. Und hat eine Marke bei den Verbrauchern die höchste Stufe der „Identifikation“ erreicht, so ist das Pendant der Stufe des Managers die „Ikone“.

Und genauso, wie dem Verbraucher klar gemacht werden muss, wofür eine Marke steht, muss auch ein Manager seinen Mitarbeitern klar machen, für welche Werte und für welche Unternehmensphilosophie er steht, machte Dopheide mit folgendem Beschreibung deutlich: „Fachlich sind deutsche Manager weltweit die Nummer eins und anerkannt. Sie haben kein Qualitätsproblem, sondern ein Imageproblem. Die meisten pflegen ganz bewusst eine vornehme Zurückhaltung. Das funktioniert aber nicht mehr. Der Vorstandschef darf seinen Mitarbeitern nicht nur aus dem Internet bekannt sein.“ So hätten etwa die Mitarbeiter der Bayer AG Dr. Marijin Dekkers, der seit 2010 Vorstandsvorsitzender des Konzerns ist, vorher nicht persönlich gekannt. Eine Werbeagentur hatte zahlreichen Mitarbeitern der Bayer AG ein Bild des Holländers gezeigt, der vorher in der 2. Bundesliga Tennis gespielt hatte und einen großen Konzern in den USA geleitet hatte. Das ernüchternde Ergebnis: Viele Mitarbeiter konnten mit seinem Gesicht nichts anfangen. Dies sei schlecht für eine Führungskraft, so Dopheide. Sehr gut geschafft habe dies demgegenüber Steve Jobs von Apple.

Sehr wichtig ist es schließlich zur Abrundung des Erfolgs von Unternehmen und Manager, wenn diese Geschichten erzählen können, mit denen die Verbraucher dann die Unternehmen stets assoziieren. Dass die Verbraucher ein bestimmtes Bild eines Unternehmens, einer Marke im Kopf haben, ist das A und O für das Merkmal der Einzigartigkeit einer Marke. Und genauso gilt dies auch für den Manager. Dieser kann und darf sich daher nicht im stillen Kämmerlein einschließen, sondern muss vielmehr die Menschen in seinen Bann ziehen, sie begeistern und motivieren. „Es muss nicht gleich eine Homestory in der „Bunten“ oder „Gala“ sein. Übertriebene Selbstdarstellung schadet nur. Eine starke Marke als Manager aber wirkt vielfältig: als Identifikationsfigur für die Mitarbeiter, als Vertrauensanker für die Öffentlichkeit, als Wertetreiber für die Shareholder, als Anziehungskraft für talentierte Nachwuchskräfte und als treibender Motor für die Kommunikation. „All das funktioniert aber nur, wenn das Gesicht des Managers bekannt ist und jeder weiß, wofür der Manager steht“, unterstrich Dopheide.

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Foto: Claus Hipp beim Deutschen Marketing-Tag 2013 in Düsseldorf (Aufnahme: Christian Dick)

Als Beispiel für einen Unternehmer, der mit seiner Botschaft sehr überzeugend und authentisch ankommt, nannte Dopheide bei seinem Vortrag in Neuss Claus Hipp, dessen Satz in der Fernsehwerbung „Dafür stehe ich mit meinem Namen“ schon legendär ist. Laut Dopheide ist das Unternehmen Hipp in Deutschland Marktführer mit einem Marktanteil von 40 Prozent, vor dem Unternehmen Nestlé.

Wenn man Vertrauen einmal verspielt hat, kommt man in der Regel nicht wieder hoch. Dies gilt zum Beispiel für den früheren CSU-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg, denn „der nicht gezeigt hat, dass er es wirklich kann“, erklärte Dopheide. Das Feld der Politik ist von seinem Werteraum her, wenn man dem Modell von Dopheide folgt, im Bereich der Dominanz angesiedelt, in dem Macht, Status und Leistung entscheidend sind. Demgegenüber ist es für Dopheide durchaus vorstellbar, dass Ulli Hoeneß nach seiner Haftentlassung wieder zu Bayern München zurückkehrt, da soziale Werte und familiäre Gemeinschaft zu der Vereinsmarke gehören und Ulli Hoeneß hier, nach wie vor, gut ins Bild passe. Und Franz Beckenbauer, der schon ewig den Beinamen „der Kaiser“ hat, wird auch, trotz der angeblich im Zusammenhang mit der Fußball-WM 2006 in Deutschland geflossenen 6,7 Millionen Euro, immer eine „Ikone“ bleiben.