Filigraner Einsatz von Licht- und Schatteneffekten

 

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Foto: Portraitfoto von Zipora Rafaelov (Quelle: Weithorn Galerie)

Autor: Christian Dick

Licht und Schatten – das sind Gegensätze wie Leid und Freude, Tag und Nacht, Ying und Yang oder – abstrahiert betrachtet – wie die Höhen und Tiefen des Lebens. Es heißt oft, dass sich Gegensätze anziehen. Solche Gegensätze spiegeln die Darbietungen von Schattentheatern eindrucksvoll wider. In den vergangenen Jahren sind diese in Mode gekommen – nicht zuletzt die Show „Shadow Land“ hat weltweit Furore gemacht und zieht die Menschen in ihren Bann. Durch Schattentheater ist die Kunst des Scherenschnitts wieder in den Fokus des Interesses der Kunstszene geraten. Diese Technik wird oft verkannt und fälschlicher Weise als trivial eingestuft. Dass dem ganz und gar nicht so ist, stellt die in Düsseldorf lebende Israelin Zipora Rafaelov seit vielen Jahren erfolgreich unter Beweis. Dieser Weg war ein hartes Stück Arbeit. Die Künstlerin ist ihren Weg von der Pike auf gegangen, sie absolvierte ein Studium am Institute of  Beau-Art, Bat-Yam, Israel, und schloss als Meisterschülerin an der Kunstakademie Düsseldorf im Bereich Bildhauerei ab.

Am 3. März 2016 fand die Vernissage statt – die Kunstwerke sind in einer Ausstellung unter dem Titel „Zimchia“ in der Weithorn Galerie in der Mutter-Ey-Straße 5 im Herzen der Düsseldorfer Altstadt zu sehen. Die Ausstellung dauert bis zum 4. April 2016.

Zipora Rafaelovs Kunstwerke bestechen im Auge des Betrachters, wie die Künstlerin bei ihren Bildern fast ausschließlich die Farben Weiß und Schwarz einsetzt. Ihre Arbeit ist äußerst filigran, sie braucht viel Fingerspitzengefühl – denn bei ihren Bildern sitzt jede Linie und jede Kontur. Und ihre Bilder entstehen nicht mal eben so auf die Schnelle. Der Schaffensprozess erstreckt sich vielmehr über mehrere Monate. In dieser Zeit kann sich das Ursprungskonzept immer wieder ändern, die Emotionen und individuellen Stimmungen der Künstlerin fließen immer in ihre Werke ein. Auf einem Bild sind zum Beispiel zwei liegende Menschen dargestellt, die sich küssen. Auch Bilder der Frau als Verführerin, Sünderin, Mutter, Denkerin oder Gefährtin sind seit einigen Jahren Thema von Rafaelovs Kunst Die Figuren auf die Fläche zu bringen war ein rationaler Prozess im Kopf der Künstlerin. „Die Gedanken, die in meinem Kopf fließen, gehen dann in meine Handbewegungen ein. Im Moment des Zeichnens kommen mehrere Gedanken, Erinnerungen, Überlegungen, und diese kommen dann als Zeichnung als Bild“, beschreibt die Künstlerin ihren kreativen Prozess. Und so lassen ihre Bilder viel Interpretationsspielraum für die Betrachter. Oft schildern die Betrachter Eindrücke, an die die Künstlerin selbst zuvor noch gar nicht gedacht hat. Und gerade das ist das Spannende an den Kunstwerken von Zipora Rafaelov. Jedes einzelne Bild fordert den Betrachter zu einer Auseinandersetzung, zum Hinterfragen heraus.

Auf den ersten Blick wirken Rafaelovs Kunstwerke wie gezeichnet. Erst bei näherer Betrachtung wird das Papier erkennbar, von dem mit dem Skalpell sorgfältig Stücke entnommen wurden, um zur gewünschten Form zu gelangen. „Die Zeichnung ist grundsätzlich zweidimensional. Es ist jedoch meine Intention, die zweidimensionale Zeichnung in die dreidimensionale Räumlichkeit zu übertragen, Das Dreidimensionale meiner Kunstwerke ist der grundlegende Aspekt. Dieser verleiht den Bildern eine Lebendigkeit“, erläutert Rafaelov. Und die gewünschte Dreidimensionalität wird am schönsten durch das Licht erzeugt.

Der Erfolg gibt Zipora Rafaelov Recht. Im Jahre 2014 hat sie den Rheinischen Kunstpreis erhalten. Und ab April wird sie ihre Bilder im Rheinischen Landesmuseum in Bonn ausstellen. Die Künstlerin wird seit 2015 von der Weithorn Galerie vertreten.

Die Düsseldorfer Galeristen Henrietta Weithorn und Zipora Rafaelov kennen sich schon lange und beschreiben sich als „Sandkasten-Freundinnen“. Henrietta Weithorn war daran gelegen, diese Ausstellung auszurichten, weil die Künstlerin auf Grund ihrer Arbeit mit viel Licht und Schatten, Schwarz und Weiß anders arbeitet als andere Künstler. „Zipora Rafaelov hebt sich von der Masse ab“, so Henrietta Weithorn. Generell ist es der Galeristin wichtig, die Vielfalt der Künstler und deren Stärken besonders zu akzentuieren.

Zusatzinformationen

Der in der Mitte des 18. Jahrhunderts aufkommende Schwarzschnitt wird allgemein mit dem Scherenschnitt assoziiert, wobei der Weißschnitt parallel weiter existierte.

In Deutschland war der Scherenschnitt beliebt in der Kultur der Goethezeit und des 19. Jahrhunderts; auf den künstlerischen Scherenschnitt spezialisiert hat sich Paul Konewka. Ein bedeutender Vertreter des Scherenschnitts im Jugendstil ist der Illustrator Marcus Behmer, der seine Scherenschnitte teils auch als Vorlage für ornamentale Gestaltungen herangezogen hat. Der Deutsche Scherenschnittverein e. V. widmet sich der Pflege dieser Kunst und der Archivierung von Künstlerbiographien und Werkbeispielen.

Am 17. März 2016 findet wird der Film „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ von Lotte Reiniger-Animation und Avantgarde der absolute Film – in der Weithorn Galerie vorgeführt wird – 66 Min,s/w und Farbe Der Eintritt ist frei.

Weitere Impressionen des Scherenschnitts und Information über Zipora Rafaelov sind unter folgender Internetadresse zu finden:

http://www.rafaelov.com/

Die Website der Weithorn Galerie ist unter folgendem Link abrufbar:

http://www.weithorn-galerie.de/