Gedenken an Pfarrer Franz Boehm

Autor: Christian Dick

 

Von Kardinal Meisner wurde er mit Fug und Recht als „Märtyrer“ bezeichnet. Sein Mut und seine Standhaftigkeit wider allen Druck der Nationalsozialisten haben am Ende dazu geführt, dass er am 13. Februar 1945 im Konzentrationslager Dachau an einer Gesichtsrose starb. Die Rede ist von Franz Boehm, dessen Priesterweihe vor 110 Jahren im Kölner Dom die Ortsgemeinschaft Monheim am Rhein des KKV (Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung) am vierten Fastensonntag (Laetare), dem 6. März 2016 in einer Messe mit drei ehemaligen Pfarrern der Pfarrei St. Gereon am Rhein, wo einst Franz Boehm gewirkt hatte, gedachte. Konzelebrant der Messe am 6. März in Monheim war Pfarrer Piotr Nowak aus dem polnischen Boleszyn, der Geburtsstadt von Franz Boehm.

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Foto: Pfarrer Piotr Nowak aus dem polnischen Boleszyn (Aufnahme: Christian Dick)

Franz Boehm wurde am 3. Oktober 1880 im damaligen Westpreußen geboren. Seine erste Pfarrstelle hatte er ab 1917 in St. Katharina in Gerresheim/Vennhausen (heute Düsseldorf-Gerresheim) inne. 1923 wurde er zum Pfarrer in Sieglar ernannt.

Franz war ein bedeutender Widerstandskämpfer, dessen Lebensweg im Schulunterricht Pflicht sein sollte. So kümmerte er sich um 300 arbeitslose Menschen. Ebenso couragiert stand er den polnischen Zwangsarbeitern zur Seite. Dass er mit diesen die Messe auf Polnisch feierte, war den Nationalsozialisten ein ganz besonderer Dorn im Auge, aber Franz Boehm hielt allem Druck stand. Dafür blies ihm viel Gegenwind entgegen. Dies rief den seinerzeitigen Sieglarer Bürgermeister Jakob Hörsch auf den Plan, der es billigte, dass die Staatspolizei mehrfach gegen Boehm ermittelte und eine Reihe von Sanktionen gegen ihn erließ. 1934 kam es zu einem Strafverfahren, das aber eingestellt wurde; 1935 wurde gegen Franz Boehm ein Verbot ausgesprochen, weiterhin Religion zu unterrichten. Parallel hierzu erfolgte seine erste Ausweisung, die jedoch 1936 durch eine Amnestie aufgehoben wurde. 1937 wurde die zweite und endgültige Ausweisung aus dem Regierungsbezirk Köln gegen Boehm ausgesprochen. Boehm war gezwungen, aus Sieglar wegzuziehen und sich durch das Kölner Generalvikariat eine neue Pfarrei zuteilen zu lassen. Diese Praxis des Erzbischofs zum Schutz der eigenen Priester empfand Boehm auch als Kaltstellung. Boehm stellte in einem Brief an seinen Mitbruder dar, er sei „von seiner kirchlichen Behörde [….] enttäuscht, da er keine Anerkennung und Hilfe erfahren“ habe. Er habe jedoch „das stolz-demütige Bewusstsein in Sieglar […] [seine] letzten Kräfte eingesetzt“ und nach dem „Leitfaden“ gelebt, „einmütig für den Glauben und das Evangelium kämpfen und sich in keiner Weise von Widerstand einschüchtern lassen“ zu wollen. (siehe Helmut Moll (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz),: Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Paderborn u. a., 6., wieder erweiterte und aktualisierte Auflage 2015, ISBN 978-3-506-78080-5, Band I, S. 342-345). An das Generalvikariat trug der die Bitte heran, „sich des körperlichen und seelischen Drucks“ zu erbarmen und ihm „eine neue Wirkungsstätte baldmöglichst zuzuweisen“. (siehe Helmut Moll (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz),: Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Paderborn u. a., 6., wieder erweiterte und aktualisierte Auflage 2015, ISBN 978-3-506-78080-5, Band I, S. 342-345.)

1938 nahm Boehm seinen Dienst als Pfarrer in Monheim am Rhein auf. Er leistete auch hier weiterhin beharrlichen Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Er konzentrierte sich insbesondere auf die Arbeit mit Jugendlichen. Die immer drastischer werdenden Maßnahmen der Nationalsozialisten erwiderte Boehm regelmäßig mit dem Bibelwort: „Es sind lauter stumme Hunde, sie können nicht bellen“(Jes 56,10 EU). 1938 wurde Boehm mit einer Geldstrafe belegt, 1941 erhielt er eine Verwarnung auf Grund von Messfeiern auf Polnisch.  1942 wurde er zu einem Sicherungsgeld in Höhe von 3.000 Reichsmark wegen einer Christkönigspredigt verurteilt. Seine Predigt zu Ostern im Jahre 1944 hatte eine kritische Auseinandersetzung mit dem NS-Filmwesen zum Gegenstand, woraufhin er verhaftet wurde. Im Zuge der Verhaftungen um den 20. Juli 1944 wurde Boehm nach einer Messe in der Kirche verhaftet. Am 11. August 1944 wurde er in den Pfarrerblock im Konzentrationslager Dachau gebracht. Der Bischof versuchte vergeblich, hiergegen zu intervenieren.

Im Jahre 2005 wurde von Monheimer Kirchengemeinde St. Gereon im Eigenverlag das Buch „Pfarrer Franz Boehm 1880 – 1945 – Glaubenszeuge und Märtyrer“ von Peter Buter und Rudolf Pohlmann veröffentlicht.

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Foto: Peter Buter war auch beim Gedenken für Pfarrer Franz Boehm dabei. (Aufnahme: Christian Dick)