Archiv für den Tag: März 21, 2016

Bosbach fordert Gesellen zu lebenslangem Lernen auf

Autor: Christian Dick

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(Aufnahme: Christian Dick)

Gruppenfoto mit Wolfgang Bosbach_klein

Foto: Gruppenfoto der neuen Gesellen der Innung Sanitär, Heizung und Klimatechnik der Handwerkskammer Düsseldorf mit Wolfgang Bosbach (Aufnahme: Christian Dick)

Die Besten mit Wolfgang Bosbach_klein

Foto: Die Jahresbesten: Obermeister Hans Joachim Hering, Tobias Eckert, Matthias Reinberg, Wolfgang Bosbach, Florian Alberty, Mike Horn (Aufnahme: Christian Dick)

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Foto: Obermeister Hans Joachim Hering, Gesellin Jacqueline Reimers, Wolfgang Bosbach. (Aufnahme:: Norbert Opfermann)

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Foto: Johannes Zipfel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf, und Wolfgang Bosbach; MdB  (Aufnahme: Christian Dick)

Am 20. März feierte die Innung Sanitär-Heizung-Klima Düsseldorf traditionell das Ende der Lehrzeit und die erfolgreichen Prüfungen mit ihren Jungesellinnen und Junggesellen des SHK-Handwerks in der Handwerkskammer Düsseldorf. Gastredner der Veranstaltung war in diesem Jahr der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach.

Insgesamt haben 54 Lehrlinge ihre Prüfung bestanden, darunter zwei Gesellinnen. Anna Küper und Jacqueline Reimers haben beide ihre Ausbildung im Betrieb Dipl.- Ing. Georg Schulhoff Gmbh & Co. KG gemacht. Innungs-Obermeister Hans Joachim Hering sprach in seiner Rede die Themen Flüchtlinge und deren Integrationsfähigkeit für das SHK-Handwerk, die Nachwuchsgewinnung und die Qualifikationssteigerung der Betriebe vor dem Hintergrund einer immer komplexeren SHK-Welt an. Das Handwerk könne Integration, weil es betriebliche Wirklichkeit sei. Hering mahnte insbesondere an, dass die Landesregierung für Sprachunterricht der Flüchtlinge sorgen müsse. Wirtschaftlich gesehen gehe es der technischen Gebäudeausrüstung in der Landeshauptstadt gut. Allerdings werde bei der Energiewende zu viel Gewicht auf die Stromseite gelegt. Er forderte eine steuerliche Begünstigung zur Erneuerung von Wärmeanlagen. Angesichts der aktuellen Diskussion um den Ausbau der Fernwärme warnte er vor neuen Kartellen. „Der Verbraucher kann nicht frei entscheiden, wenn er Anschlusszwängen und Anschlusssubventionen ausgesetzt ist. Wir halten mehr von einer dezentralen Energieversorgung“, sagte Hering. Zusammen mit den Stadtwerken werde demnächst ein neues Internetportal an den Start gehen, um den Verkauf von Wärmeanlagen zu fördern.

„Sie denken jetzt wahrscheinlich „Ein Politiker. Oh Gott, lass Abend werden. Jetzt wird es langweilig.“ Ich kann Sie beruhigen. Sie wissen es wahrscheinlich. Ich bin einer von den Guten!“, mit dieser Satz hatte Wolfgang Bosbach bei der Lossprechung der neuen Gesellen durch die Innung für Sanitär, Heizung und Klima der Handwerkskammer Düsseldorf am 20. März 2016 auf seiner Seite.

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Foto: Man merkte, dass das, was Wolfgang Bosbach sagte, aus seinem Herzen kam. (Aufnahme: Christian Dick)

An Obermeister Hans-Joachim Hering gewandt sagte Bosbach „Sie haben es gesagt, Herr Hering, ich kann komplizierte Sachverhalte mit einfachen Worten erklären. Ich übersetze das mal. Das heißt „schlichtes Gemüt“. Wenn man einfache Sätze formuliert mit Subjekt, Prädikat, Objekt, gilt man schnell als schlichtes Gemüt. Wenn man kompliziert spricht, gilt man als intellektuell. Der Rheinländer gilt ja als chronisch gut gelaunt. Dadurch macht er sich in Berlin schon verdächtig.“

Ausbildung als Mittel gegen Fachkräftemangel

„Das Beste gegen Fachkräftemangel ist die Ausbildung im eigenen Betrieb. Wer wortreich den Fachkräftemangel im eigenen Lande beklagt, dem möchte ich sagen, dass heute, so ist das leider heute im Jahre 2016, nur noch 21 Prozent aller Betriebe in Deutschland ausbilden. Dann dürfen sich die anderen 79 Prozent nicht damit davon schleichen, dass sie sagen „Wir haben Mühe, Fachkräfte zu finden.“

Bosbach beschrieb dann „den unglaublich rasanten Wandel in der Welt“, nannte dann die Energie, wobei Deutschland Vizeweltmeister in der Solarenergie sei und eigentlich über 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen könnte. „Wir exportieren diesen Strom. Bedauerlicherweise, müssen wir dafür bezahlen, damit uns andere diesen Strom abnehmen. Deutschland hat neun Nachbarländer, mehr hat keiner Was machen die Österreicher? Sie pumpen mit unserem Strom das Wasser nach oben, erzeugen Wasserkraft und verkaufen uns den Strom.  Egal wieviel Sonnenkollektoren auf Dächern der Deutsche Bundestag nun beschließt, es gibt immer Schwankungen bei den erneuerbaren Energien, das es nachts zum Beispiel dunkel sei. Daher liegt Deutschland zur Zeit bei der Erzeugung von Strom durch erneuerbare Energien bei 30 bis 40 Prozent“, so Bosbach.

Es müsse auch noch Menschen geben, die die Dienstleistungen erbringen bzw. die handwerklichen Leistungen, hob Bosbach hervor. „Der Mensch beginnt nicht beim Akademiker, Wir brauchen Architekten, die die Gebäude planen, aber wir brauchen auch Bauhandwerker, die Stein auf Stein setzen und diese Gebäude errichten“, führte er weiter aus.

Die Dampfmaschine, die  industrielle Revolution, der Computer – all das habe die Welt grundlegend verändert. Heute habe jeder sein Smartphone. In den USA werde jede achte Ehe dadurch geschlossen, dass sich die Eheleute im Internet kennengelernt haben. Er selbst, so Bosbach, habe seinerzeit noch kein Internet gehabt und seine Ehefrau bei einer Karnevalssitzung kennengelernt. „Information holen wir uns heute aus dem Computer. Wir sind vernetzt. Die Menschen vergleichen Preise und Qualität im Internet. In fünf bis zehn Jahren wird es Produkte im Internet geben, an die wir heute noch nicht einmal denken“, erklärte Bosbach.

„Die Steinzeit ist nicht zu Ende gegangen aus Mangel an Steinen, sondern aus Mangel an Bodenschätzen. Deutschland hat keine Bodenschätze. Wer nichts im Boden hat, muss was in der Birne haben. Das, was wir als epochale Veränderung empfinden, das fand doch nicht im Laufe einer Generation statt, sondern im Laufe von 1000 Jahren. Der Mensch hat sich der Maschine unterworfen. Wir waren in der Lage immer gleiche Produkte herzustellen, immer gleiche Stückzahlen, immer gleiche Qualität, immer zu gleichen Kosten“, unterstrich Bosbach. Er lobte die duale Ausbildung als Erfolgsmodell und den Meisterbrief als gelebten Verbraucherschutz. Der rasante Wandel der Welt mit großen Herausforderungen in kurzer Zeit erfordere ein permanentes Lernen. Heute bestehe die Herausforderung der deutschen Wirtschaft darin, Produkte nicht nur zu entwickeln, sondern vor allem zeitnah marktfähig zu machen. Dieser Prozess verlange enorm qualifizierte Fachkräfte und eine flexible Arbeitsweise. „Lebenslanges Lernen gehört dazu. Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Herausforderungen annehmen und nicht daran verzweifeln“, gab er den Gesellen mit auf den Weg.