Archiv für den Monat: März 2016

Filigraner Einsatz von Licht- und Schatteneffekten

 

Portrait Zipora 2_klein

Foto: Portraitfoto von Zipora Rafaelov (Quelle: Weithorn Galerie)

Autor: Christian Dick

Licht und Schatten – das sind Gegensätze wie Leid und Freude, Tag und Nacht, Ying und Yang oder – abstrahiert betrachtet – wie die Höhen und Tiefen des Lebens. Es heißt oft, dass sich Gegensätze anziehen. Solche Gegensätze spiegeln die Darbietungen von Schattentheatern eindrucksvoll wider. In den vergangenen Jahren sind diese in Mode gekommen – nicht zuletzt die Show „Shadow Land“ hat weltweit Furore gemacht und zieht die Menschen in ihren Bann. Durch Schattentheater ist die Kunst des Scherenschnitts wieder in den Fokus des Interesses der Kunstszene geraten. Diese Technik wird oft verkannt und fälschlicher Weise als trivial eingestuft. Dass dem ganz und gar nicht so ist, stellt die in Düsseldorf lebende Israelin Zipora Rafaelov seit vielen Jahren erfolgreich unter Beweis. Dieser Weg war ein hartes Stück Arbeit. Die Künstlerin ist ihren Weg von der Pike auf gegangen, sie absolvierte ein Studium am Institute of  Beau-Art, Bat-Yam, Israel, und schloss als Meisterschülerin an der Kunstakademie Düsseldorf im Bereich Bildhauerei ab.

Am 3. März 2016 fand die Vernissage statt – die Kunstwerke sind in einer Ausstellung unter dem Titel „Zimchia“ in der Weithorn Galerie in der Mutter-Ey-Straße 5 im Herzen der Düsseldorfer Altstadt zu sehen. Die Ausstellung dauert bis zum 4. April 2016.

Zipora Rafaelovs Kunstwerke bestechen im Auge des Betrachters, wie die Künstlerin bei ihren Bildern fast ausschließlich die Farben Weiß und Schwarz einsetzt. Ihre Arbeit ist äußerst filigran, sie braucht viel Fingerspitzengefühl – denn bei ihren Bildern sitzt jede Linie und jede Kontur. Und ihre Bilder entstehen nicht mal eben so auf die Schnelle. Der Schaffensprozess erstreckt sich vielmehr über mehrere Monate. In dieser Zeit kann sich das Ursprungskonzept immer wieder ändern, die Emotionen und individuellen Stimmungen der Künstlerin fließen immer in ihre Werke ein. Auf einem Bild sind zum Beispiel zwei liegende Menschen dargestellt, die sich küssen. Auch Bilder der Frau als Verführerin, Sünderin, Mutter, Denkerin oder Gefährtin sind seit einigen Jahren Thema von Rafaelovs Kunst Die Figuren auf die Fläche zu bringen war ein rationaler Prozess im Kopf der Künstlerin. „Die Gedanken, die in meinem Kopf fließen, gehen dann in meine Handbewegungen ein. Im Moment des Zeichnens kommen mehrere Gedanken, Erinnerungen, Überlegungen, und diese kommen dann als Zeichnung als Bild“, beschreibt die Künstlerin ihren kreativen Prozess. Und so lassen ihre Bilder viel Interpretationsspielraum für die Betrachter. Oft schildern die Betrachter Eindrücke, an die die Künstlerin selbst zuvor noch gar nicht gedacht hat. Und gerade das ist das Spannende an den Kunstwerken von Zipora Rafaelov. Jedes einzelne Bild fordert den Betrachter zu einer Auseinandersetzung, zum Hinterfragen heraus.

Auf den ersten Blick wirken Rafaelovs Kunstwerke wie gezeichnet. Erst bei näherer Betrachtung wird das Papier erkennbar, von dem mit dem Skalpell sorgfältig Stücke entnommen wurden, um zur gewünschten Form zu gelangen. „Die Zeichnung ist grundsätzlich zweidimensional. Es ist jedoch meine Intention, die zweidimensionale Zeichnung in die dreidimensionale Räumlichkeit zu übertragen, Das Dreidimensionale meiner Kunstwerke ist der grundlegende Aspekt. Dieser verleiht den Bildern eine Lebendigkeit“, erläutert Rafaelov. Und die gewünschte Dreidimensionalität wird am schönsten durch das Licht erzeugt.

Der Erfolg gibt Zipora Rafaelov Recht. Im Jahre 2014 hat sie den Rheinischen Kunstpreis erhalten. Und ab April wird sie ihre Bilder im Rheinischen Landesmuseum in Bonn ausstellen. Die Künstlerin wird seit 2015 von der Weithorn Galerie vertreten.

Die Düsseldorfer Galeristen Henrietta Weithorn und Zipora Rafaelov kennen sich schon lange und beschreiben sich als „Sandkasten-Freundinnen“. Henrietta Weithorn war daran gelegen, diese Ausstellung auszurichten, weil die Künstlerin auf Grund ihrer Arbeit mit viel Licht und Schatten, Schwarz und Weiß anders arbeitet als andere Künstler. „Zipora Rafaelov hebt sich von der Masse ab“, so Henrietta Weithorn. Generell ist es der Galeristin wichtig, die Vielfalt der Künstler und deren Stärken besonders zu akzentuieren.

Zusatzinformationen

Der in der Mitte des 18. Jahrhunderts aufkommende Schwarzschnitt wird allgemein mit dem Scherenschnitt assoziiert, wobei der Weißschnitt parallel weiter existierte.

In Deutschland war der Scherenschnitt beliebt in der Kultur der Goethezeit und des 19. Jahrhunderts; auf den künstlerischen Scherenschnitt spezialisiert hat sich Paul Konewka. Ein bedeutender Vertreter des Scherenschnitts im Jugendstil ist der Illustrator Marcus Behmer, der seine Scherenschnitte teils auch als Vorlage für ornamentale Gestaltungen herangezogen hat. Der Deutsche Scherenschnittverein e. V. widmet sich der Pflege dieser Kunst und der Archivierung von Künstlerbiographien und Werkbeispielen.

Am 17. März 2016 findet wird der Film „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ von Lotte Reiniger-Animation und Avantgarde der absolute Film – in der Weithorn Galerie vorgeführt wird – 66 Min,s/w und Farbe Der Eintritt ist frei.

Weitere Impressionen des Scherenschnitts und Information über Zipora Rafaelov sind unter folgender Internetadresse zu finden:

http://www.rafaelov.com/

Die Website der Weithorn Galerie ist unter folgendem Link abrufbar:

http://www.weithorn-galerie.de/

 

Ministerin Schulze zeichnet exzellente Forscher mit Innovationspreis 2015 aus

Autor: Christian Dick

Bedeutendster Forschungspreis Nordrhein-Westfalens geht nach Köln, Jülich und Mülheim

Wissenschaftsministerin Svenja Schulze hat bei einer Festveranstaltung in Düsseldorf vier exzellente Forscher mit dem NRW-Innovationspreis ausgezeichnet. Der bedeutendste Forschungspreis des Landes geht an: Prof. Jürgen Wolf (Innovation, Universitätsklinikum Köln), Stephan Binder und Georg Schaumann (Nachwuchs, Forschungszentrum Jülich) und Prof. Robert Schlögl (Ehrenpreis, Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion, Mülheim an der Ruhr). Über 400 Gäste aus Wissenschaft, Gesellschaft und Politik machten die Preisverleihung in der K 21 Kunstsammlung zu einem glanzvollen Abend.

„Für echten Fortschritt braucht es Menschen, die den Mut haben, neue Wege zu gehen“, sagte die Ministerin. „Mit dem Innovationspreis ehren wir vier Wissenschaftler, die diesen Mut aufgebracht haben. Sie bringen uns mit ihrer Forschung in Zukunftsfeldern wie Medizin, Energie und Ernährung voran – und stehen damit für die exzellente wissenschaftliche Arbeit in unserem Land. Die heutige Preisverleihung zeigt das hohe Innovationspotenzial des Wissenschaftsstandorts NRW.”

Der Innovationspreis ist mit insgesamt 150.000 Euro dotiert und nach dem Zukunftspreis des Bundespräsidenten die höchstdotierte Auszeichnung dieser Art in Deutschland. Er wurde zum siebten Mal in den Kategorien Innovation, Nachwuchs und Ehrenpreis vergeben. Die Preisträgerinnen und Preisträger waren zuvor von einer Jury unter dem Vorsitz des Präsidenten der Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, Prof. Dr. Henning Kagermann, ausgewählt worden. Geehrt wurden sie für exzellente Forschung, die sich sowohl durch gesellschaftliche Relevanz als auch Praxisbezug auszeichnet.

Die Innovationspreisträger 2015:

Kategorie Innovation (100.000 Euro): Der Kölner Mediziner Prof. Jürgen Wolf (56) entwickelt mit seinem Team personalisierte Therapieansätze für Krebspatienten. Maßgeschneiderte Behandlungen auf Basis genetischer Untersuchungen führen immer öfter insbesondere bei Patienten mit Lungenkrebs zu einer höheren Lebenserwartung. Gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Reinhard Büttner hat der Leiter des Centrums für Integrierte Onkologie an der Uniklinik Köln (CIO) das „Netzwerk Genomische Medizin (NGM)“ gegründet – ein Zusammenschluss von über 250 Kliniken und Arztpraxen. Über das NGM erhalten die Kölner Experten pro Jahr mehr als 5.000 Gewebeproben von Lungenkrebspatienten aus Deutschland. Sie bestimmen durch ihre Analysen, welche genetische Veränderung zu Entstehung oder Wachstum des Tumors geführt hat und geben Empfehlungen für individualisierte Behandlungen. Personalisierte Therapie kann mittlerweile fast flächendeckend Patienten erreichen. In der klinisch-wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Landschaft Deutschlands hat das NGM ein Alleinstellungsmerkmal.

Kategorie Nachwuchs (50.000 Euro): Die Arbeit von Stephan Binder (32) und Georg Schaumann (34) ist von großer Bedeutung für die industrielle Biotechnologie: Die beiden Biologen haben am Forschungszentrum Jülich ein Verfahren entwickelt, das die Suche nach produktiven Mikroorganismen für die Herstellung wichtiger Nährstoffe oder Pharmazeutika millionenfach beschleunigt. Durch den Einsatz intrazellulärer Sensoren werden hochproduktive Mikroorganismen zum Leuchten gebracht und können so unter Milliarden anderer identifiziert werden. Dieses Screening ermöglicht den Unternehmen der industriellen Biotechnologie die schnelle Entwicklung neuer, hochproduktiver Stämme – und kann ihnen große Wettbewerbsvorteile verschaffen. Mikroorganismen produzieren beispielsweise jährlich Millionen von Tonnen Aminosäuren für die Nahrungsmittelindustrie. In ihrem Ausgründungsprojekt SenseUp wollen die Wissenschaftler vom Jülicher Institut für Bio- und Geowissenschaften (IBG-1) die Technik zur Marktreife weiterführen.

Kategorie Ehrenpreis (keine Dotierung): Prof. Robert Schlögl (61) ist einer der renommiertesten deutschen Energieforscher. Er ist seit 1994 Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin und seit 2011 Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Chemische Energiekonversion in Mülheim a. d. Ruhr. Die Arbeiten des Chemikers liefern wichtige Beiträge zur Energiewende. Ein Ziel ist, Sonnenlicht in energiereichen Molekülen zu speichern und Energie auf diese Weise unabhängig von Ort und Zeit nutzbar zu machen. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit: Die Umwandlung von elektrischem Strom in Wasserstoff, künstliche Treibstoffe für Fahrzeuge oder auch künstlicher Dünger. Schlögl leitet auch den Steuerkreis des interdisziplinären Projekts „Energiesysteme der Zukunft“, mit dem die deutschen Wissenschaftsakademien die Umgestaltung der Energieversorgung unterstützen.