Archiv für den Tag: April 30, 2016

Ein Kleinod auf dem Dach der Bundeskunsthalle in Bonn

Autor: Christian Dick

FÜRST PÜCKLER: DER GARTENKÜNSTLER UND SEINE PARKOMANIE

14. Mai bis 18. September 2016

Bundeskunsthalle in Bonn zeigt Ausstellung über die faszinierenden

Gartenlandschaften des Fürsten Pückler

Begehbarer Gartenreich auf dem Dach mit Tausenden von Pflanzen und knapp 70 Bäumen

 

Pückler-Dachgarten Bonn 1_klein Pückler-Dachgarten Bonn 2_klein Pückler-Dachgarten Bonn 3_klein

Fotos: Impressionen vom Fürst Pückler-Dachgarten auf dem Dach der Bundeskunsthalle in Bonn (Aufnahmen, copyright: Christian Dick)

Auf dem Dach der Bundeskunsthalle kann man von Mitte Mai bis Mitte September einfach nur die Seele baumeln lassen. Außerdem kann man sich durch das Flair des im Stil von Fürst Pückler gestalteten Dachgartens dank der Zitronenbäume ein bisschen wie in wie in mediterranen Gefilden fühlen. Und, nicht zuletzt, kann man sich dabei sehr wertvolle Anregungen für die Gestaltung des eigenen Gartens holen.

Ein genialer Gartenkünstler wird wiederentdeckt: Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871), eine der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Seine nach englischem Vorbild angelegten Landschaftsparks in Bad Muskau/Leknica (UNESCO Weltkulturerbe), Babelsberg und Branitz zählen zu den Höhepunkten europäischer Landschaftsgestaltung im 19. Jahrhundert. Diesen drei bedeutendsten Gartenanlagen des Fürsten und den damit verbundenen innovativen Ideen widmet die Bundeskunsthalle Bonn vom 14. Mai bis 18. September 2016 die Ausstellung „PARKOMANIE. Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler“.

Pückler begriff den Garten, wie er es selbst formulierte, als eine „begehbare Bildergalerie“, in der alle paar Schritte eine zum Kunstwerk idealisierte Natur immer wieder Überraschendes bot. Nach dieser Überzeugung gestaltete er ganze Landschaftsräume in höchster Perfektion neu – mit ausgeklügelten Wasser- und Wegesystemen, mit Blickachsen und Aussichtspunkten. Er leitete Flüsse um, ließ Bäume mit eigens entwickelten Maschinen versetzen, schüttete Hügel auf oder setzte lebende Personen als Dekoration in seine Gärten. Ideell und praktisch wurde er unterstützt von seiner Ehefrau Lucie. Beide teilten die Leidenschaft für die Gartenkunst, die sie teilweise bis an den Rand des finanziellen Ruins trieb. Ausgedehnte Reisen, u.a. nach England und in den Orient, dienten ihm nicht nur

als Inspiration für seine eigene Lebensinszenierung, sondern machten ihn auch zum Mittler zwischen den Kulturen. Der gartenbegeisterte Pückler brachte Ideen und Pflanzen mit und prägte durch seine Reiseerzählungen auch das deutsche Orientbild.

Die korrespondierende Ausstellung versammelt rund 250 Exponate aus ca. 30 namhaften Museen und Stiftungen, darunter die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, die Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“ und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Zu sehen sind bedeutenden Zeugnisse der Pücklerschen Gartenkunst, etwa Originalpläne seiner Gärten, historische Fotografien und Veduten sowie Exponate aus dem bewegten Leben des Fürsten.

Die Erstausgabe von Pücklers Werk „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ ist ebenfalls ausgestellt. Das Buch dokumentiert eindrucksvoll die Kreativität und den Einfallsreichtum des Gartenkünstlers, wenn er unter anderem in einfachen Zeichnungen einen idealen See, einen perfekten Flussverlauf oder eine Wegeführung entwirft und daneben das Negativbeispiel aufzeigt. Zudem thematisiert die Schau die Auseinandersetzung Pücklers mit seinem Rivalen, dem Gartenkünstler Peter Joseph Lenné.

Als Höhepunkt im doppelten Sinn und als Hommage an den Fürsten wird ein begehbares Gartenreich auf dem Dach der Bundeskunsthalle angelegt: In der eigens nach den Pücklerschen Gestaltungsprinzipien inszenierten Gartenlandschaft erwartet die Besucherinnen und Besucher ein besonderes Gartenerlebnis – sie können inmitten von kunstvoll angelegten Baumgruppen, darunter Blutbuchen, Eichen, Espen und Robinien flanieren und sich in der ersten Blühperiode an einem Blumenmeer aus 42.000 Frühblühern, wie verschiedene Tulpensorten und Narzissen erfreuen. Für das temporäre Gartenreich wird ebenfalls ein Wasserbassin nach den Vorbildern des Fürsten geformt und typische wie originelle Elemente aus den Parks integriert. Eine Nachbildung des Muskauer Rosary im „Pleasureground“, einem gartenkünstlerisch besonders fein gestalteten Gartenabschnitt im Übergang zwischen Haus und Park, wird ebenso zu finden sein wie eine Rosenlaube mit der Büste der weltberühmten Sopranistin Henriette Sontag oder die von glasierten Ziegeln umrandeten „Törtchenbeete“, die die Pücklerschen Gärten schmücken.

Rahmenprogramm zur Ausstellung

Quizbar im FAZ-Café/Infopunkt, Hauptgebäude der Uni Bonn

Dienstag, 17. Mai 2016, 19 Uhr

QUIZBAR

Ein Quizchen Spass muss sein

Auf den Spuren des exzentrischen Lebemanns und passionierten Weltreisenden  Pückler erwartet Sie ein fürstlicher Trip von Branitz über Babelsberg nach Kairo und Konstantinopel. Natürlich Erster Klasse, mit Schampus und Senf an der Decke und dem Knigge für rauschende Feste in gehobener Gesellschaft stets in der Fracktasche. Wenn Sie jederzeit stilsicher auftreten, egal ob bei Staatsempfängen, beim Kamelritt oder beim Wasserlassen auf dem Expo- Gelände in Hannover, Sie sich in der Weltgeschichte ebenso gut auskennen wie in Ihrem Garten und die fünf Etappen dieser Abenteuerreise aus Fragen, Bilder- und Soundrätseln besser meistern als der spanische König einst die Elefantenjagd in Botswana, haben Sie gute Chancen, am Ende dieses Abends mal ordentlich die Korken knallen zu lassen. Lassen Sie also Reiseführer, Atlanten und Lexika zu Hause und bringen Sie stattdessen ein dickes Tagebuch mit ins FAZ-Café. Nach dieser Expedition werden Sie einiges zu erzählen haben. 5 € / frei für Studierende mit Ausweis (Abendkasse) Moderation: Darren Grundorf und Tom Zimmermann (Aalhaus-Quiz/ Kultur- Quiz der Körber-Stiftung Hamburg) In Kooperation mit Universität Bonn litterarium Nach einer Idee der Körber-Stiftung Hamburg

Themenführung in Ausstellung und Garten

Samstag, 21. Mai 2016, 16–18 Uhr

Samstag, 2. Juli 2016, 16–18 Uhr

Samstag, 20. August 2016, 16–18 Uhr

Samstag, 2. September 2016, 16–18 Uhr

THEMENFÜHRUNG

Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau.

Andeutungen über Landschaftsgärtnerei

Andeutungen über Landschaftsgärtnerei ist der Titel eines reich illustrierten Buches von Hermann Fürst von Pückler-Muskau, das 1834 bei Hallberger in Stuttgart erschien. Es verbindet die Beschreibung der Landschaftsgärtnerei des Fürsten mit der praktischen Umsetzung in Muskau. Mit diesem Buch brachte Pückler seine Intentionen der Landschaftsgestaltung einem breiteren Publikum nahe. Es wurde eines der erfolgreichsten und prägendsten Fachbücher zur Landschaftsgestaltung des 19. Jahrhunderts und gilt laut Adrian von Buttlar als das „letzte berühmte Werk der Gartenliteratur“.

Frei buchbar: 240 €, inkl. Eintritt in die Ausstellung und den Garten,

Gruppengröße: max. 25 Personen

Weiterführende Informationen zur Bundeskunsthalle sind unter folgender Internetadresse abrufbar:

http://www.bundeskunsthalle.de/index.html