Das muss Liebe sein

4.7.16 Köln Lübbe-Verlag Katja Kessler Lesung "Das muss Liebe sein" Foto Andrea Matzker

Foto: 4.7.16 Köln Lübbe-Verlag Katja Kessler Lesung „Das muss Liebe sein“ Aufuahme: Andrea Matzker

Autoren: Andrea Matzker und Christian Dick

Unter diesem Titel beschreibt und durchleuchtet Journalistin Katja Kessler, die zu dem Thema „Eisenaufladung und Antioxidantienstatus bei Patienten mit homozygoter β-Thalassämie unter Gabe des Chelators Deferiprone“ im Bereich Zahnmedizin promoviert hat,  die ganz nebenbei Mutter von vier Kindern und Ehefrau des Herausgebers der BILD-Zeitung Kai Diekmann ist, unterhaltsam, kurzweilig und doch wissenschaftlich untermauert, Vorgänge, die uns alle täglich beschäftigen.

Laut einer Umfrage, so heißt es in diesem Buch, glauben 72 Prozent der Deutschen an die Liebe auf den ersten Blick, 40 Prozent der Deutschen haben diese schon erlebt. (S. 73). Aber Liebe geht laut Katja Kessler in Deutschland auch durch die Anwaltskanzlei. Laut einer Parship-Umfrage, so die Autorin, würden von 100 Menschen 37 niemals ohne Vertragswerk vor den Traualtar treten. „Je kühler das Land, desto mehr Anwalt“, stellt Kessler fest. Ganz anders ist dies in Spanien und Italien.

Stolperfallen für Männer

Too much information ist laut Katja Kessler gefährlich. Man könnte auch sage, dass die goldene Regel lautet „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.“ Will sagen: Männer tendieren im Allgemeinen dazu, sehr viel über vorheriges Liebesleben in epischer Breite zu erzählen. Dies wollen Frauen laut der Autorin aber überhaupt nicht. So berichtete Katja Kessler von einer Freundin, deren Mann einen Seitensprung gebeichtet habe und dabei so sehr geweint habe, als wolle er auch noch das Mitleid seiner  Frau erregen. Besser wäre es in diesem Falle gewesen, von dem Seitensprung nichts zu erzählen. Es klingt grotesk, aber auch nachdenklich, wenn es in dem vorliegenden Buch heißt „80 Prozent der Frauen und Männer, die fremdgehen, lieben ihren Partner.“ (S. 157). In dem Buch wird beispielhaft der Schwan als das treueste Tier in Sachen Liebe aufgeführt. Es wir allerdings darauf gewiesen, dass das Weibchen dem Männchen regelmäßig Kuckuckskinder unterjubelt, was das Männchen gar nicht bemerkt. Katja Kessler kommt in dem Kapitel „Ist ein Seitensprung das Ende?“ (S. 151 ff.) zu dem Fazit, dass heute laut Studien „serielle Monogamie“ vorherrschend sei. Die heißt „Wir sind total treu – bis zum Nächsten.“ (S. 158).

„Ein Ehevertrag killt die Liebe“ – der Titel dieses Kapitel spricht für sich. Hier berichtet Katja Kessler zum Beispiel „Als mein Mann und ich heirateten, war da nichts, was wir vor dem Zugriff des anderen hätten schützen müssen. Meine Mitgift bestand in erster Linie aus einem Bett und einem Klamottenhaufen. Mein Mann brachte lauter Scheidungsgründe mit in die Ehe. Biedermeiermöbel, balinesische Holzfrüchte, Servietten mit Monogramm seiner Ex. Dass ich ihn trotzdem geheiratet habe, zeigt, wie sehr ich an die Kraft des Sperrmülls, äh, der Liebe glaube.“ (S. 136). Weiterhin stellt die Verfasserin fest „Die einen glauben, dass der Ehevertrag im Kern ein Scheidungsvertrag ist. Und wer will schon über das Ende von etwas diskutieren, das noch nicht mal begonnen hat? Ich kaufe ja auch nicht das Backofenspray und dann den Puter. Falscher Anstieg. Liebe ist nicht verhandelbar. Daher: In guten und in schlechten Zeiten. Mit Haut und Haar. Ohne Ausstiegsklausel. “ (S. 136).

Gewarnt wird auch vor zu teuren Eheringen und zu teuren Hochzeitsfeiern. Wird zu viel Geld ausgegeben, steigt später das Risiko einer Scheidung erheblich, analysierte Katja Kessler im bei der Vorstellung ihres Buchs „Das muss Liebe sein“ im Bastei Lübbe-Verlagshaus in Köln am 4. Juli 2016. Wenn zum Beispiel eine Hochzeit sehr teuer gewesen sein, so beginnen nicht selten hinterher der Katzenjammer wegen der Schulden, die sich in der Folge ergeben.

Probleme können sich laut der Autorin auch im Kommunikationsverhalten zwischen Männern und Frauen auftun. Es ist nicht nur so, dass Männer nicht zuhören können. Dem Wort „Wir“ in einer Aussage wird zum Beispiel nach Katja Kesslers Beobachtung von Männern und Frauen eine völlig unterschiedliche Bedeutung beigemessen. Wenn etwa der Mann sage „Wir müssen mal den Klempner anrufen“, dann greife die Frau sofort zum Telefonhörer und rufe den Klempner an.

Fazit: Glück kann man nicht erzwingen. Auch kann man es nicht definieren. Katja Kessler Buch ist jedoch auch ein humorvoll verfasster Ratgeber, um Probleme besser zu umschiffen, wenn man einmal in den Hafen der Ehe eingefahren ist. Die Ehe, so macht das Buch auch deutlich, ist kein Experiment. Niemals sollte man sich daher blind in eine Ehe stürzen. Auch sollte man gewiss sein, dass in jeder Beziehung der normale Alltag beginnt, wenn die Schmetterlinge im Bauch nicht mehr da sind und man die Ecken und Kanten des Partners immer klarer sieht. Und genau dann zeigt sich die wahre Liebe. Jede Frau, aber auch jeder Mann, kann von Katja Kesslers treffenden Erklärungstheorien vor allem beziehungstechnisch profitieren.

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Foto: Katja Kessler bei ihrer Buchvorstellung am 4. Juli 2016 im Verlagshaus Bastei Lübbe in Köln (Aufnahme, copyright: Christian Dick)

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Angaben zum Buch:

KATJA KESSLER

DAS MUSS LIEBE SEIN

54 1/2 PFLEGETIPPS FÜR DIE GLÜCKLICHE EHE

MIT ILLUSTRATIONEN VON PETER „BULO“ BÖHLING

14,99 €

BASTEI LÜBBE

PAPERBACK

LEBENSHILFE

352 SEITEN

ISBN: 978-3-431-03946-7