„Eine Welt ohne Hunger ist möglich bis 2030“

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Foto: der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer, Dr. Gerhard Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gisela Welbers, Vorsitzende der Neusser Eine-Welt-Initiative und Promotorin für entwicklungspolitische Bildung in der Region Neuss, Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, und Bertram Graf von Nesselrode, stellvertretender Bürgermeister von Grevenbroich (Aufnahme: Christian Dick)

Autor: Christian Dick

Diese mutige These formulierte der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerhard Müller (CSU) jetzt bei einem spannenden Vortrag in Neuss. Die Neusser Eine-Welt-Initiative (NEWI) hatte ihn am 12. Januar 2017 zu einem Vortrag zu dem Thema „Globalisierung gerecht gestalten“ eingeladen. Der Vortrag war hochaktuell, denn der Fokus lag auf den UN-Zielen zur nachhaltigen Entwicklung – kurz Agenda 2030. „Es muss keinen Hunger in Äthiopien und Eritrea geben, allein, wenn wir unser Wissen dorthin bringen und die Menschen ausbilden“, lautete Müllers vehementes Plädoyer für eine von Pragmatismus getragene Entwicklungshilfe, die nach seiner Darstellung für wohlhabende Länder wie Deutschland auch mit einer völligen Abkehr vom vorherrschenden Konsumdenken einhergehen muss. Während eine in einem Entwicklungsland hergestellte Jeanshose dort 5 Dollar kostet, beträgt der Preis in Deutschland für diese Hose 100 Dollar. „Wir verlagern Produktion nach draußen, außerhalb des europäischen Sozial- und Wirtschaftsmodells“, so Müller. „Konsum unter dem Motto „Geiz ist geil“ ist der falsche Weg“, erklärte Müller mit Nachdruck. Er hat aus diesem Grunde ein Textilbündnis ins Leben gerufen. 60 Prozent des deutschen Textilhandels haben sich mittlerweile zu einer fairen Produktion verpflichtet, dies geht zum Beispiel, wenn die Frauen vor Ort, die die Jeanshosen herstellen, 1 Dollar bekommen. Es gilt laut Müller, Arbeitsplätze und Chancen in den Entwicklungsländern zu schaffen. So könne man etwa auch in Bezug auf Radikalisierungstendenzen in den Entwicklungsländern gegensteuern. In Ägypten etwa seien 40 Prozent der Jugendlichen arbeitsl, und dies trotz Ausbildung oder Studium. Im Fernsehen oder in anderen Medien könnten diese jungen Menschen sehen, wie die Menschen in Europa lebten und wollten die gleichen Chancen haben. Als weiteres Beispiel nannte der Minister die Situation der Kakaobauern. Würden die Deutschen nur 5 Cent pro gekaufter Tafel Schokolade an diese zahlen, so wäre dies ein Transfer von 150 Millionen Euro, erklärte er. Am Ende stand noch einmal der dringliche Appell, dass man mit dem Konsum in Deutschland nicht so weiter machen könne, wie bisher. Denn wollte man den Konsum, wie er in Deutschland praktiziert werde, auf die ganze Welt übertragen, dann, so Müller, bräuchten wir eine zweite Erde. Es gelte weiterhin das Klima zu schonen, wegzukommen von den fossilen Brennstoffen und den CO2-Ausstoß deutlich zu reduzieren. Müller Quintessenz lautete „Wir müssen neu teilen lernen und andere an unserem Wohlstand und unserer Wertschöpfung teilhaben lassen.“

Der aus Neuss stammende Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, der seinen Kabinettskollegen Gerhard Müller nach Neuss eingeladen hatte, betonte die Erfolgen in Bezug auf die Behandlung von Aids-Kranken. So hätten heute 50 Prozent von diesen Zugang zu Medizin. Laut Gröhe findet im Jahre 2017 im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft erstmals eine Konferenz der Gesundheitsminister statt“In den letzten 15 Jahren ist die Zahl der jährlichen Neuinfektionen weltweit um 35 Prozent (2015: 2,1 Millionen Neuinfektionen), die jährliche Aids-bedingte Sterblichkeit in den letzten 12 Jahren um 43 Prozent gesunken (2015: 1,1 Millionen Todesfälle). Deutschland unterstützt das Ziel des Treffens („Fast-Track Approach„), durch verstärkte Anstrengungen in den kommenden fünf Jahren HIV und Aids nachhaltig weltweit einzudämmen. Bis zum Jahr 2020 sollen die HIV-Neuinfektionen auf 500.000 gesenkt, weniger als 500.000 Menschen an Aids-bedingten Krankheiten sterben und niemand aufgrund einer HIV-Infektion diskriminiert werden. Deshalb kommt es darauf an, die regional unterschiedlichen Zielgruppen zu erreichen, umfassende Präventions- und Versorgungsangebote bereitzustellen, Diskriminierung weiter abzubauen und HIV-Maßnahmen stärker in die Gesundheitssysteme zu integrieren.“