Gemeinsam Bergisch 2018

Foto: der Wuppertaler Oberbürgermeister Andreas Mucke und der Festredner des IHK-Neujahrsempfangs NRW-Wirtschaftsminister Professor Dr. Andreas Pinkwart (Aufnahme, copyright: Christian Dick, www.nrw-depesche.de)

Foto: 1200 Gäste waren beim Neujahrsempfang 2018 der Bergischen IHK (Aufnahme, copyright: Christian Dick, www.nrw-depesche.de)

Foto: der Präsident der Bergischen IHK Thomas Meyer, IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge, der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach, Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast Weisz und der Wuppertaler Oberbürgermeister Andreas Mucke (Aufnahme, copyright: Christian Dick, www.nrw-depesche.de)

Autor: Christian Dick

Am 10. Januar 2018 fand unter dem Motto „Gemeinsam Bergisch 2018“ der Neujahrsempfang der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid statt. 1200 Gäste waren der Einladung in die Historische Stadthalle von Wuppertal gefolgt. „Das Jahr 2017 war für die deutsche Wirtschaft ein ausgesprochen gutes Jahr. Zur günstigen Entwicklung seit der Finanzkrise 2008/2009 haben aber hauptsächlich Faktoren beigetragen, auf die Bundes- und Landesregierungen nur wenig Einfluss hatten. Verantwortlich waren neben dem preiswerten Öl etwa der für deutsche Verhältnisse zu niedrig bewertete Euro, sowie die Politik des billigen Geldes und niedriger Zinsen durch die Europäische Zentralbank. Diese Faktoren wirkten wie starke „Dopingmittel“ für die weltweite Nachfrage nach deutschen Gütern und Dienstleistungen sowie für den heimischen Konsum“, hob IHK-Präsident Thomas Meyer hervor. Und das Bergische Land kann eine Erfolgsbilanz aufweisen. Denn laut Meyer kann sich die Region auf Grund der hohe Zahl an Industriearbeitsplätzen mit den süddeutschen Innovationsstandorten messen.

Drei Kernforderungen betonte der IHK-Präsident: „1.) NRW muss wieder das Land der besten Bildungs- und Zukunftschancen werden. Die Entscheidung für eine Berufsausbildung verdient die gleiche Wertschätzung wie die Entscheidung für ein Studium. Außerdem muss NRW bei Forschung und Innovation wieder europaweite Spitzenplätze einnehmen. Unser Land muss Vorreiter der Digitalisierung sein. 2.) NRW muss wieder das Land der schnellen und belastbaren Wege mit einer hervorragenden Verkehrs- und Breitbandinfrastruktur werden. Wir als Unternehmer bauen darauf, dass die neue Landesregierung die harten Standortfaktoren Breitband, Fläche; Energie und Verkehrsinfrastruktur ganz oben auf ihre Agenda setzt. Und 3.),[…] NRW muss wieder das Land der Unternehmer und Gründer werden, damit unser Land mit einem starken Wirtschaftswachstum den Menschen im Land Wohlstand und Arbeitsplätze bieten kann. Die neue Landesregierung muss das Land modernisieren und fit für die Zukunft machen. Unabdingbar sind ein Ende der sozial- und umweltpolitischen Alleingänge sowie ein sofortiger Regulierungs-Stopp. NRW benötigt eine neue Willkommenskultur für Unternehmen und Arbeitsplätze sowie eine Gründeroffensive, um jungen innovativen Unternehmergeist zu wecken. Die Landesregierung muss für die gesellschaftliche Akzeptanz von Wirtschaft, Industrie und Innovationen sorgen.“

Und schließlich hat das Thema Digitalisierung für das Bergische Land höchste Priorität. Mit einem jährlichen Wachstum von 8 Prozent und über 2.300 Unternehmen hat die IT_Branche im Bergischen Städtedreieck ihren festen Platz. Um den Austausch und die Vernetzung dieser bedeutenden Branche zu fördern, bietet die IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid jährlich Veranstaltungen zum Thema Digitalisierung und hat einen IHK-Ausschuss Digitale Wirtschaft Bergisches Land ins Leben gerufen. Zentrale Themen für die Digitale Wirtschaft im Bergischen Land sind der IT-Fachkräftemangel, die IT-Sicherheit, die Industrie 4.0 sowie die Außenwahrnehmung der Digitalen Wirtschaft Bergisches Land. Um diese zu befördern, hat die IHK unter anderem den Digitalkongress IHK-digit@ble Bergisches Land ins Leben gerufen, der alle Akteure der digitalen Wirtschaft „an einen Tisch“ bringen und nach außen sichtbar machen möchte. Der nächste IHK-digit@ble Bergisches Land findet am 15. Februar 2018 statt.

Festredner war NRW-Wirtschaftsminister Professor Dr. Andrea Pinkwart. Deutschland habe im Jahre 2017 erneut von der Globalisierung profitiert und die Weltwirtschaft wachse, legte er dar. Die Steuerreform in den USA sei eine Herausforderung für die deutsche Wirtschaft, aber diese werde auf Pump finanziert, stellte Pinkwart weiterhin fest. „Damit wir die Herausforderungen der nächsten Jahre gestärkt bewältigen können, brauchen wir erfolgreiche junge Frauen und Männer weltweit. Als Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie liegt Andreas Pinkwart besonders am Herzen, dass Deutschland den Digitalisierungs-Wettbewerb erfolgreich meistert. „Vieles entwickelt sich in der Digitalisierung exponentiell. Die Umstellung von analoger auf digitale Technik haben wir hinbekommen. Jetzt haben wir es mit einer ganz anderen Exponentialität des Wissens zu tun. Wir haben über 4 Milliarden Smartphone-Besitzer weltweit. Die Weltbevölkerung wächst. Die Welt wächst schneller. Wir Deutschen werden älter. Für das Zeitalter der Digitalisierung gilt: Wir müssen jung, neugierig und vor allem wissenshungrig bleiben, um uns im internationalen Wettbewerb behaupten  zu können,“ unterstrich Pinkwart in einem leidenschaftlichen Appell.

Im Bergischen Land, so der Minster weiter, sei die Industrielle Revolution erfunden worden. Das Bergische Land liege heute in Deutschland an 6. Stelle bei den Innovationen, hierauf können die Region sehr stolz sein. Gerade das Bergische Städtedreieck sei führend in Sachen Gründung, beispielsweise mit dem Gründernetzwerk „bizeps“ und der Jackstädt-Stiftung. Das Unternehmen Bayer sei im Jahre 1911 durch Friedrich Bayer in Wuppertal gegründet worden, ein weiteres erfolgreiches Unternehmen aus dieser Region sei die Firma Vorwerk.

„Die Digitalisierung, die wir jetzt erleben, bietet Chancen der Gründung für die Friedrich Bayers des 21. Jahrhunderts. Wir brauchen diesen Unternehmergeist, damit es weiter Wachstum und Beschäftigung gibt. Dafür wir brauchen wir gute Rahmenbedingungen, in den Schulen müssen mehr Lehrerstellen geschaffen werden und wir müssen die Inklusion wieder mehr mit Verstand angehen. Es muss wieder deutlich gemacht werden, dass Leistung nicht zwingend schädlich sein muss“, forderte Pinkwart. Es könne nicht sein, dass Studenten aus Nordrhein-Westfalen Propädeutika an Universitäten in anderen Bundesländern brauchen, damit sie das dortige Niveau erreichen. „Wir müssen die Köpfe stark machen. Wir müssen die Ausstattung der Schulen stark machen. Wir brauchen eine  starke berufliche Bildung und wir brauchen eine starke akademische Bildung“, forderte der Minister mit Nachdruck.

Als Vorbild hob er die digitale Verwaltung in Estland hervor, 90 Prozent der Esten hätten eine ID-Nummer und eine Chipkarte und könnten so viele Dinge online abwickeln.

Es gelte weiterhin die Genehmigungsverfahren in NRW zu hinterfragen, da diese im Ländervergleich zu lange seien, merkte Pinkwart an. Als wichtig für Infrastruktur in NRW nannte Pinkwart den Ausbau der Glasfaser, er war hier für Investitionen der Unternehmer. Und schließlich forderte er mehr Marktwirtschaft im Energiebereich.

Nach der Rede von Andreas Pinkwart tauschten sich die Gäste bei kulinarischen Köstlichkeiten und Getränken weiter aus. Dabei wurden viele interessante Kontakte geknüpft.