Harald Schmidt beim Talk am Dom

Harald Schmidt im Talk am Dom Foto Andrea Matzker

Harald Schmidt, Anke Bruns, Winfried Bönig Foto Andrea Matzker

Harald Schmidt improvisiert gekonnt auf der Melodica Foto Andrea Matzker

Harald Schmidt als Kleiner Matrose  Foto Andrea Matzker

Autor: Dr. Egon Schlesinger

„Einfach himmlisch!“ war das Motto der KirchenMusikWoche 2018. Neben großartigen Orgel- und Chorkonzerten fanden viele interessante Gesprächsrunden statt, wovon die sicherlich launigste die vom Domorganisten und Musikhochschulprofessor Dr. Winfried Bönig mit Late-Night-Talker und „C-Kirchenmusiker“ Harald Schmidt war. Journalistin und Autorin Anke Bruns moderierte die Veranstaltung. Schmidt und Bönig stammen beide aus Süddeutschland und begannen jeweils mit 13 Jahren, Kirchenmusik zu studieren und das Orgelspiel zu erlernen. Schmidt arbeitete daraufhin 10 Jahre lang als Organist, bevor er sich hauptberuflich – eher zufällig als geplant – anderen Herausforderungen widmete. Für Bönig hingegen kamen Alternativen anderer Art überhaupt nicht infrage, also blieb er dabei und hat heute eine der begehrtesten Organistenstellen der ganzen Welt. Er gerät ins Schwärmen, wenn er von seinem Beruf spricht: “Im Dom verliert man die Zeit, als ob es gar keine Uhr gäbe.“ Er hat den Dom abends und nachts ganz für sich allein. Bönig: “Das wird nie langweilig. Der Dom ist ein Suchtfaktor.“ Schmidt ist trotz seiner facettenreichen Karriere nach wie vor musikalisch tätig. Am Klavier spielt er gerne die Zweistimmigen Interventionen und Haydn-Sonaten. Improvisierten Blues mit emotionalem Getue überlässt er gerne Anderen. Ganz besonders schätzt er die Choräle von Bach. Seine Einstellung zur Ausbildung seiner Kinder ist dementsprechend: “Ein Musikinstrument aufgeben ist schlimmer, als das Abitur nicht zu schaffen.“ Hervorragend bestand er eine mit viel Geschmack und ganz entzückend ausgesuchte musikalische Aufgabe, die alle zum Schmunzeln brachte. Der Domorganist spielte am Flügel das Thema der Bach-Kantate „Wachet auf ruft uns die Stimme“, bewusst nicht in der Originaltonart, also doppelt erschwert, und Schmidt musste auf der Melodica dazu improvisieren. Er bestand diese musikalische Prüfung auf Anhieb mit Auszeichnung. Anke Bruhns, von Haus aus Chorsängerin, traf den Nagel auf den Kopf, indem sie kurzerhand einige Texte aus dem Konvolut der Mundorgel ans gesamte Publikum verteilen ließ. Kantor Christoph Kuhlmann setzte sich an den Flügel, und alle sangen gemeinsam unter herzlichem Lachen die Ballade von Bolle. „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ wurde zugunsten des bewegten Singspiels „Der kleine Matrose“ ausgelassen. Schmidt sprang überraschend auf und begann die Prozedur, die er bereits in der legendären Sendung „Schmidteinander“ zur besten Sendezeit 25 Minuten lang live aufgeführt hatte. Bei jeder Strophe des Stückes fehlt ein Wort mehr, das mit Zeichensprache ersetzt werden muss. Damit endete diese geistreiche und zugleich äußerst vergnügliche und kurzweilige Gesprächsrunde. Als zauberhaft ausgesuchte Geschenke bekamen die beiden Musiker, jeweils ihrem Grad des Könnens als Organisten angepasst, kostbare Faksimileausgaben. Schmidt erhielt das Anna Magdalena Bach-Büchlein, und Bönig freute sich über das Wohltemperierte Klavier.