Archiv für den Monat: Juli 2018

Manfred Lütz zu Gast beim Apollinaris-Empfang

Foto: Festredner Dr. Manfred Lütz (Aufnahme. Christian Dick)

Autor: Christian Dick

Kreuzzüge, Hexenverfolgung und Inquisition – mit dem Christentum werden oft nur Skandale assoziiert. Aber ist diese Betrachtungsweise nicht zu einseitig, wenn man die Geschichte des Christentums objektiv verstehen will? Eignet sich das Christentum noch als geistiges Fundament Europas? Und ist den Menschen überhaupt noch klar, wovon sie reden, wenn sie vom christlichen Menschenbild, von christlichen Werten oder gar vom christlichen Abendland sprechen? Mit falschen Vorstellungen und Verzerrungen in der öffentlichen Debatte und oft grotesken Informationen in den Medien und mit der Unkenntnis vieler Menschen über das Christentum aufzuräumen – das ist das Ziel von Dr. Manfred Lütz mit seinem Buch „Der Skandal der Skandale – Die geheime Geschichte des Christentums“, das Anfang dieses Jahres im Herder Verlag erschienen ist. Über dieses Buch referierte der renommierte Psychiater und Theologe Manfred Lütz am 18. Juli 2018 beim Apollinaris-Empfang der Katholischen Kirche der Stadt Düsseldorf.

Unter wissenschaftlicher Mitarbeit des Historikers Arnold Angenendt erzählt Manfred Lütz in seinem aktuellen Buch die Geschichte des Christentums, wobei er sich auf den neuesten Stand der wissenschaftlichen Forschung stützt. Das Buch ist aber keineswegs nüchtern geschrieben, sondern es fesselt den Leser wie ein Krimi.

„Gregor Gysi hat bei der Vorstellung meines Buches gesagt, er sei Atheist, aber er habe Angst vor einer gottlosen Gesellschaft, weil der die Solidarität abhanden kommen könne. Sozialismus sei schließlich nichts anderes als säkularisiertes Christentum. Und da hat er recht. Viele Menschen sitzen heute noch den falschen Behauptungen auf, die Hitler und Honecker über das Christentum in die Welt gesetzt haben, und deswegen ist Aufklärung da dringend nötig. Das Buch stellt das gesicherte Wissen dar, das wir heute über all die spektakulären Ereignisse der Geschichte des Christentums wirklich haben. Es ist kein Bekenntnisbuch, sondern ein Wissensbuch – für Atheisten und Christen“, hob Lütz hervor.

Zum Thema Atheismus führte Lütz weiterhin aus „Während Christen nie Kriege im Namen Gottes geführt haben, hat der Atheismus im 20. Jahrhundert 160 Millionen Tote verursacht, wenn man mal die Opfer von Hitler, Stalin und Mao Tse-tung zusammenrechnet. Also der Atheismus ist auch keine Lösung!“

Über kaum etwas gibt es laut Lütz heute so viel Unkenntnis wie über das Christentum, von Bäumen weiß man inzwischen in der Öffentlichkeit mehr. Sogar die Christen selbst schämen sich meist sicherheitshalber für ihre Geschichte – ohne sie zu kennen. Dabei hat die Wissenschaft in den vergangenen Jahren ganz erstaunliche Ergebnisse erbracht, von denen selbst ich als Theologe nichts wusste. Nun hat sich Lütz mit dem Werk „Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert“ des renommierten Kirchenhistoriker Arnold Angenendt auseinandergesetzt. Dieses umfasst allerdings mit 800 Seiten und 3000 Anmerkungen. Deswegen hat Lütz zusammen mit Angenendt auf 286 Seiten eine ergänzte leicht lesbare Kurzfassung herausgebracht, die alle gängigen Skandale aus 2000 Jahren Kirchengeschichte enthält: Kreuzzüge, Inquisition, Hexenverfolgung, das Verhältnis von Christen und Juden bis hin zum Missbrauchsskandal. „Die Ergebnisse der neusten Forschung dazu sind wirklich spektakulär. Ich habe das Buch von führenden deutschen Historikern lesen lassen, damit alles stimmt, aber auch von meinem Friseur, damit es locker und allgemeinverständlich bleibt“, merkte Lütz an.

„Das Christentum ist eine Grundlage unserer Gesellschaftsordnung und da gehört es zur Allgemeinbildung, seine eigene Geschichte zu kennen. Deswegen muss dieses Buch eigentlich jeder Deutsche lesen. Sie gewinnen jedes Quiz über das Christentum, wenn Sie „Der Skandal der Skandale“ gelesen haben“, so Lütz. So seien mindestens 70 Prozent der Menschen in Deutschland der Meinung, dass die Hexenverfolgung auf die Inquisition der Kirche zurückgehe. Dies sei aber nicht richtig, verantwortlich für die Hexenverfolgung sei die weltliche Justiz gewesen. Auch seien 90 Prozent der Menschen, die man auf der Straße befragen würde wahrscheinlich der Meinung, dass die Sklavenbefreiung der Aufklärung zuzuschreiben sei. Es seien jedoch die Christen, die für die Sklavenbefreiung verantwortlich seien. Sogar die Begründer der nordamerikanischen Freiheit, wie die Aufklärer wie Thomas Jefferson und George Washington, hätten selber Sklaven gehabt.

Lütz will mit seinem Buch vor allem deutlich machen, dass das Christentum keineswegs eine einzige Aneinanderreihung von Skandalen ist. Die Kreuzzüge sind laut Lütz insofern skandalös, als das frühe Christentum pazifistisch war. Lütz hebt hervor, dass die Kreuzzüge  keine Heiligen Kriege waren. Diese seien nie Kriege zur Ausbreitung des Christentums gewesen. Es sei vielmehr darum gegangen, die angegriffenen Christen zu verteidigen.

Interessant ist zum Beispiel, dass Toleranz (Lateinisch „tolerantia“ = Lasten tragen, Baumstämme tragen) eine christliche Erfindung ist. Christen haben daraus gemacht „Menschen anderer Meinung ertragen“. Atheisten wie Jürgen Habermas sagen das Christentum gehört in die Genealogie der Menschenrechte, betont Lütz.

Weiterhin hebt Lütz hervor, dass die Forschung beschreibt, dass die Emanzipation der Frauen nicht in Afrika, Indien oder in China erfolgt, sondern dort, wo das Christentum herrscht. Denn das Christentum glaubt an den Ehekonsens.

Wichtig sei, so Lütz, dass das Buch nicht nur für Christen, sondern vor allem für Atheisten sei, dass diese mal aufgeklärt werden, was das Christentum eigentlich ist. Es geht Lütz darum, bestimmte Fehlinformationen richtig zu stellen. Jedoch geht es ihm nicht um Reinwaschen. Aber, wenn man diese ganzen Skandale wirklich so glaube, wie das Klischee es sage, dann könne man sich eigentlich nicht sinnvoller Weise mit dem Christentum beschäftigen, stellt er fest.

„Es ist ein Skandal, wenn man die Geschichte des Christentums nur als Skandalgeschichte sieht. Wenn wir die Fundamente nicht kennen, dann laufen wir Gefahr, dass die Donlad Trumps, Dieter Bohlen und Heidi Klums die Oberhand gewinnen. Donald Trump ist kein Narzist. Er ist unmoralisch. Sein Vater hat ihm beigebracht „Das wichtigste im Leben ist Geld und Erfolg und der Größte sein. Und dafür darf man alles tun, da ist alles erlaubt“ Und diese Mentalität die haben wir hier in Deutschland mittlerweile auch. Dieter Bohlen sagt zu einem Kandidaten „Was Dich von einem Eimer Scheiße unterscheidet, ist der Eimer“ oder Heidi Klum, wie die die jungen Mädchen abserviert“, erklärte Manfred Lütz abschließend..

Ebenfalls zu Gast beim Apollinaris-Empfang waren unter anderem der ehemalige Präsident des CC Düsseldorfer Carneval e. V. Engelbert Oxenfort und Dr. Esther Betz, Mitherausgeberin der Rheinischen Post, die den Ausführungen von Manfred Lütz gespannt zuhörten. (Aufnahme: Christian Dick)

Zum Autor:

Dr. med. Dipl. theol. Manfred Lütz ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Theologe, Chefarzt des Alexianer-Krankenhauses in Köln. Bekannt wurde er als Vortragsredner und als Gast in Funk und Fernsehen, vor allem aber als Autor zahlreicher Bestseller, darunter „Gott – Eine kleine Geschichte des Größten“, für den er den internationalen Corine-Literaturpreis erhielt, „Irre – Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen“, zuletzt „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden“ und mit dem Auschwitzüberlebenden Jehuda Bacon: „Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden.

Der Skandal der Skandale

Die geheime Geschichte des Christentums

von Manfred Lütz (Autor)

Verlag Herder

  1. Auflage 2018

Gebunden mit Schutzumschlag

288 Seiten

ISBN: 978-3-451-37915-4

22,- Euro

Giovanni Battista Beinaschi

Beinaschi Die Ausstellung „Das Auge reist mit“ Foto Andrea Matzker

Beinaschi Madonna Foto Andrea Matzker

Beinaschi Männlicher Akt Foto Amdrea Matzker

Beinaschi Skizze Foto Andrea Matzker

Autoren: Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

Bis zum 7. Oktober 2018 zeigt das Museum Kunstpalast den Großteil eines Schatzes von Zeichnungen aus der historischen Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf, der in seinem Archiv lagert. 70 dieser 250 Blätter des im Piemont geborenen Malers werden ausgestellt. Seit 1651 lebte und arbeitete der Künstler in Rom und weitete seinen Arbeitsbereich bis nach Neapel aus. Fortan pendelte er zwischen den beiden Kunstmetropolen, um seinen Aufträgen für Altarbilder und figurenreiche Fresken nachzukommen. Drei Jahrzehnte lang schmückte er Kirchen und Paläste mit seinen Werken, die er mit vielfachen Skizzen und Studien vorbereitete. Die Ausstellung mit dem Titel „Das Auge reist mit“ zeigt mit ihrer Auswahl der „Bozzetti“ eindrucksvoll die Fähigkeit des Künstlers, den Ausdruck von schmerzlichem Leid, überschwänglicher Lebensfreude durch Mittel wie dynamische Linienführung, lebhaftes Spiel von Licht und Schatten oder gelungene perspektivische Verkürzungen darzustellen. In der Sammlung befindet sich der weltweit bedeutendste und zahlenmäßig größte Teil des zeichnerischen Werkes Giovanni Battista Beinaschis. Die Präsentation bietet einen Überblick über das Gesamtschaffen des Künstlers, vor allem für denjenigen, der nicht gerade die Zeit hat, die Originalorte zwischen Rom und Neapel aufzusuchen, zumal er hier vor wunderschönen kleinformatigen, übersichtlichen, aber vor allem authentischen Originalen steht. Denn oft werden die großen Gemälde vor Ort, wie man ja hinlänglich weiß, bereits seit Jahrhunderten auch mit Hilfe von Schülern der jeweiligen Meister gefertigt.

200 Jahre Jacques Offenbach

Jacques Offenbach auf einem offensichtlich handschriftlich unterschriebenen Photo des Archivs Foto Andrea Matzker

Jacques Offenbach auf einem Photo des Archivs Foto Andrea Matzker

Komposition aus dem Archiv Foto Andrea Matzker

Letzte Feier auf der Bühne des Opernhauses in den Kulissen der Meistersinger, aufgenommen von der legendären Titus-Höhe   Foto Andrea Matzker

Oper am letzten Tag vor den Umbauarbeiten   Foto Andrea Matzker

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

Unter dem Motto „Yes We Cancan“ feiert die Stadt Köln im Jahr 2019 den 200. Geburtstag ihres berühmten Sohnes. An der Stelle des heutigen Opernhauses stand früher die jüdische Synagoge, an der Vater Isaak Offenbach Kantor war. Bereits als kleiner Junge half Jakob, der spätere Jacques, seinem Vater bei den Vorbereitungen zum Gottesdienst. Er lernte Geige und Cello und erhielt Unterricht bei einem Kölner Theatermusiker. Als er 14 Jahre alt war, schickte der Vater ihn 1833 nach Paris, damit er am dortigen Konservatorium studieren könne. Fortan arbeitete er als Cellist an der Opéra-Comique von Paris und als Komponist von Walzern und Salonromanzen. Nach Köln kehrte er regelmäßig zurück und verbrachte dort auch die Zeit rund um das Revolutionsjahr 1848. Anschließend ging er zurück nach Paris, wurde Kapellmeister und gründete 1855 sein eigenes Theater, das Théâtre des Bouffes-Parisiens, wo er Eigenkompositionen zur Uraufführung brachte, die später als Operetten bezeichnet wurden. Sie vereinten eingängige Musik mit satirischer Gesellschaftskritik. In seinen letzten Lebensjahren schrieb er die Phantastische Oper „Hoffmanns Erzählungen“, deren Uraufführung im Februar 1881 er leider nicht mehr miterleben konnte, da er am 5. Oktober 1880 in Paris starb. Gerade mit dieser Oper verbindet die Stadt Köln eine unvergessliche Sternstunde. 1981, genau 100 Jahre nach ihrer Uraufführung, sang Placido Domingo die Titelrolle und schenkte der Stadt gemeinsam mit Edda Moser und anderen großartigen Musikern einen der Höhepunkte der Kölner Operngeschichte. Davon existiert glücklicherweise ein Mitschnitt. Edda Moser ist im Übrigen die einzige Sopranistin, die auf der goldenen CD im um die Erde schwebenden Satelliten Voyager „Music From Earth“ vertritt. Sie singt darauf ihre damalige Paraderolle, die Rachearie der Königin der Nacht.

An den „Mozart der Champs-Elysées“, wie Rossini den Kollegen nannte, erinnern in Köln außer dem Offenbachplatz noch eine Gedenkplakette an der Stelle des Geburtshauses, die Grabstätte des Vaters auf dem alten jüdischen Friedhof in Deutz, eine Figur am Rathausturm und das dortige 18-Uhr-Glockenspiel. Im eingestürzten Historischen Archiv der Stadt lagerten viele Fotos und Autographen, von denen nur zu hoffen bleibt, dass sie gerettet werden konnten.

Das Offenbach-Jahr wird eingeläutet mit einer rasanten Offenbachiade des Gürzenich-Orchesters in der Kölner Philharmonie. Das Divertissementchen und das Puppentheater sowie der Kölner Karneval werden ihn zum Thema machen. Das Kölner Stadtarchiv widmet ihm eine Ausstellung. Ein internationales Symposium zu Offenbach findet in Verbindung mit der Hochschule für Musik und Tanz vom 18. bis 23. Juni 2019 statt. Am 18. Juni 2019 hält Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki im WDR den Vortrag „Eine kirchliche Perspektive auf das Lachen und den Humor“. Neben vielen weiteren Terminen, Veranstaltungen und Konzerten, auch im Umland, wird es ein großes Überraschungsfest am 200. Geburtstag selbst, dem 20. Juni 2019, am Offenbachplatz geben.

Anbei bisher noch nie gezeigte Aufnahmen der Autoren. Zunächst zwei originale Fotos Offenbachs und eine Komposition mit französischem Text, aufgenommen während der Ausstellungseröffnung zum 50. Jubiläum des Historischen Archivs der Stadt Köln im Jahre 2007, bevor es einstürzte. Die Bühnenaufnahme von der vorerst allerletzten Opernaufführung am Offenbachplatz am 7. Juni 2012 zeigt eines der Bühnenbilder aus den Meistersingern in der sensationellen Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg. In den Kulissen des Offenbachplatzes mit Opernhaus und anliegendem 4711- Haus fand damals eine rauschende Party mit Mitarbeitern aller Bereiche des Hauses zum Ende der Saison statt. Nie waren Chor, Orchester, Solisten, Maske, Licht und Bühnenarbeiter so eins wie damals. Das Bild zeigt die Perspektive von der legendären Titushöhe aus. Die Außenaufnahme von der Oper mit dem Grümmer-Brunnen entstand am gleichen Tag und ließ bisher zum letzten Mal freien Blick auf den Ripahn-Bau zu. Am Folgetag fingen bereits die Umbauten an. Der Opernbrunnen enthält originale Mosaiksteine der Yacht Christina von Aristoteles Onassis, auf der dessen schicksalsträchtige erste Begegnung mit Maria Callas stattfand, die wiederum im Mai 1957 mit der Sonnambula zur Eröffnung der Oper einmalig auf der Kölner Bühne stand und Geschichte schrieb. Es bleibt zu hoffen, dass all diese Bilder nicht weiterhin zur Geschichte gehören, und dass sich frühere Spitznamen wie „Indisches Grabmal“ oder „Grabmal des gescheiterten Intendanten“ wieder in „Schönster Theaterbau Deutschlands“ verwandeln mögen.

Edda Moser Foto von Andrea Matzker

Music From Earth mit Edda Mosers Stimme

Das Apadana in Köln

Apadana Die charmante Gastgeberin Foto Andrea Matzker

Apadana Detail der Inneneinrichtung Foto Andrea Matzker

Apadana Foto Andrea Matzker

Autor: Dr. Egon Schlesinger

Wer die klassische persische Küche liebt und einen unvergesslichen und zugleich gut bekömmlichen Abend in Köln verbringen möchte, dem sei das Apadana am Mauritiussteinweg im Zentrum empfohlen. Der von außen eher schlichte Eingang lässt nicht vermuten, dass man im Restaurant selbst in eine andere Welt entführt wird. Donnerstag, Freitag und Samstag kann man dort die außergewöhnlich herzliche Gastfreundschaft der Familie Owzar genießen. Bereits vor vielen Jahren war sie weit bekannt als Besitzerin des legendären Caspian in der Krypta der Kirche auf der Moltkestraße, die zu einem Glaspalast umgebaut wurde. Stattdessen gibt es nun schöne Abende in der Atmosphäre des Apadana, dessen Innenräume dem 2500 Jahre alten gleichnamigen Tempel in Persepolis mit seinen unvergleichlichen steinernen Reliefs nachgebildet wurden, oft auch mit Livemusik und Bauchtanz bis spät in die Nacht. Trotz seiner 100 Plätze sollte man doch rechtzeitig reservieren, da das Restaurant oft ausgebucht ist.

Ein neuer Stern am Hotelhimmel

Bürgermeister Dario Nardella und Unternehmer Charlie MacGregor im TSH  Foto Andrea Matzker

Der Gnomone im Dom von Florenz Foto Andrea Matzker

Der unvergleichliche originale David des Michelangelo Foto Andrea Matzker

Autor: Dr. Egon Schlesinger

Im Rahmen eines wissenschaftlichen Seminars an der Universität in Florenz von Doktoranden der Universität Bonn, die ihre trinationale Promotion erwerben, fanden diverse kulturelle Veranstaltungen erster Güte statt. Neben Vorträgen und Präsentationen der Doktorarbeiten besuchten Professoren und Doktoranden die Accademia della Crusca, die als Wiege der italienischen Sprache gilt.

Zufällig fiel genau in diese Zeit das seltene Phänomen des „Gnomone“ statt, zu dem viele Menschen aus der ganzen Welt nach Florenz reisen. Diese genaueste Sonnenuhr der Welt funktioniert seit 500 Jahren auf beeindruckende Art und Weise. Inmitten der herrlichen Brunelleschi – Kuppel des Domes ist an einem Fenster eine kleine Bronzescheibe mit einem Loch angebracht, durch das jährlich viermal im Juni der Sonnenstrahl fällt und – so die Wolken ihn nicht verdecken – durch den Dom an der Wand entlang und über die im Boden eingelassene marmorne Sonnenuhr wandert. Am 21. Juni trifft er regelmäßig das runde Zentrum.

Ebenso zur gleichen Zeit eröffnete Charlie MacGregor sein The Student Hotel Florence Lavagnini in einem ehemaligen Palazzo aus dem Jahr 1864 in Florenz. Es ist das erste seiner Art in ganz Italien, und weitere sind bereits europaweit mit einem Budget von 600 Millionen Euro geplant, unter anderem auch in Dresden und Berlin. Mit 390 Zimmern und 300 neuen Arbeitsplätzen auf 20.000 m² bietet das Projekt quasi eine Stadt in der Stadt mit den verschiedensten Kommoditäten und stellt in seiner Neuheit eine Revolution in der Hotellandschaft dar. Neben Auditorium, Cafeteria, Restaurant, Fitness-Studio, Friseur, Büros, Fahrrädern für jeden  Bewohner, Konzertflügel und Skybar bietet es auch einen sensationellen Swimmingpool auf dem Dach mit der Inschrift „The Beach is Boring“ und dem Blick auf das Panorama von Florenz. 2000 Gäste feierten mit dem Bürgermeister von Florenz, Dario Nardella, der mit dem Fahrrad zur festlichen Gala kam. 100 Prominente der Florentiner Szene wurden zu Bed Talks gebeten in Anlehnung an John Lennon und Yoko Ono, darunter auch zwei sehr bekannte Deutsche, die in Florenz leben. Dr. Eike Schmidt berichtete über seine allgemein und auch von den Florentinern sehr bewunderte und mutige Tätigkeit für die Kunst in seiner Funktion als Direktor eines der großartigsten Museen der Welt, den Uffizien. In Florenz ist er inzwischen zu einer berühmten Figur geworden, die für ihren Einsatz für die Kunst bereits saftige Strafen in Kauf nahm. Weniger auftrittsbereit in der Öffentlichkeit scheint seine deutsche Kollegin Dr. Cecilie Hollberg, die sich aber ebenso intensiv für „ihr Museum“, die bedeutende Galleria dell’Accademia einsetzt. Nach wie vor ist es ihr unverständlich, dass eines der bedeutendsten Kunstwerke der Welt, nämlich „ihr“ David von Michelangelo für unzählige unwürdige Werbekampagnen, Souvenirs und dergleichen herhalten muss, vor allem, ohne dass dafür Abgaben an den Staat gezahlt werden. Aus diesem Grund erfand sie einen zauberhaften und zugleich bei der Florentiner Hitze auch sehr praktischen und nützlichen und doch so einfachen Fächer aus Papier mit „ihrem“ David, der aber zum Teil darauf überschrieben ist, so dass sein Bildnis nicht anderweitig genutzt werden kann. Im Bed Talk mit einer namhaften Fotografin aus Florenz, die auch mit dem Recht am Bild und seinen neuerlichen Regeln zu kämpfen hat, erwiderte sie, auf den Vergleich zu den Uffizien angesprochen, in perfektem Italienisch im Sinne von: “Der (und damit meint sie ihren Kollegen Eike Schmidt von den Uffizien) mit seiner armen Venus (die von Botticelli)… Mein David ist ein viel bedeutenderer Meilenstein in der Kunstgeschichte. Wenn Sie vor ihm stehen, ihm gerade bis zum Knie reichen (und sie selbst ist sehr groß) und sich dann vorstellen, dass ein geringster Fehler an der Nase bedeutet hätte, dass der Künstler das gesamte Werk von vorn hätte beginnen müssen, abgesehen von der unglaublichen Konzeption, eine riesige Gestalt dieser Perfektion erschaffen zu können, sei doch ein Gemälde, das man ja jederzeit korrigierend übermalen könne, unvergleichbar.“

Unter dem für Jung und Alt immer zutreffenden Motto „MAY THE STUDENT IN YOU NEVER DIE“ eröffnet das The Student Hotel Florence Lavagnini offiziell am 1. Juli 2018.

Dr. Cecilie Hollberg mit ihrem Fächer  im The Student Hotel Foto Andrea Matzker

Dr. Eike Schmidt im The Student Hotel Foto Andrea Matzker

Professoren und Doktoranden in der Accademia della Crusca Foto Andrea Matzker