200 Jahre Jacques Offenbach

Jacques Offenbach auf einem offensichtlich handschriftlich unterschriebenen Photo des Archivs Foto Andrea Matzker

Jacques Offenbach auf einem Photo des Archivs Foto Andrea Matzker

Komposition aus dem Archiv Foto Andrea Matzker

Letzte Feier auf der Bühne des Opernhauses in den Kulissen der Meistersinger, aufgenommen von der legendären Titus-Höhe   Foto Andrea Matzker

Oper am letzten Tag vor den Umbauarbeiten   Foto Andrea Matzker

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

Unter dem Motto „Yes We Cancan“ feiert die Stadt Köln im Jahr 2019 den 200. Geburtstag ihres berühmten Sohnes. An der Stelle des heutigen Opernhauses stand früher die jüdische Synagoge, an der Vater Isaak Offenbach Kantor war. Bereits als kleiner Junge half Jakob, der spätere Jacques, seinem Vater bei den Vorbereitungen zum Gottesdienst. Er lernte Geige und Cello und erhielt Unterricht bei einem Kölner Theatermusiker. Als er 14 Jahre alt war, schickte der Vater ihn 1833 nach Paris, damit er am dortigen Konservatorium studieren könne. Fortan arbeitete er als Cellist an der Opéra-Comique von Paris und als Komponist von Walzern und Salonromanzen. Nach Köln kehrte er regelmäßig zurück und verbrachte dort auch die Zeit rund um das Revolutionsjahr 1848. Anschließend ging er zurück nach Paris, wurde Kapellmeister und gründete 1855 sein eigenes Theater, das Théâtre des Bouffes-Parisiens, wo er Eigenkompositionen zur Uraufführung brachte, die später als Operetten bezeichnet wurden. Sie vereinten eingängige Musik mit satirischer Gesellschaftskritik. In seinen letzten Lebensjahren schrieb er die Phantastische Oper „Hoffmanns Erzählungen“, deren Uraufführung im Februar 1881 er leider nicht mehr miterleben konnte, da er am 5. Oktober 1880 in Paris starb. Gerade mit dieser Oper verbindet die Stadt Köln eine unvergessliche Sternstunde. 1981, genau 100 Jahre nach ihrer Uraufführung, sang Placido Domingo die Titelrolle und schenkte der Stadt gemeinsam mit Edda Moser und anderen großartigen Musikern einen der Höhepunkte der Kölner Operngeschichte. Davon existiert glücklicherweise ein Mitschnitt. Edda Moser ist im Übrigen die einzige Sopranistin, die auf der goldenen CD im um die Erde schwebenden Satelliten Voyager „Music From Earth“ vertritt. Sie singt darauf ihre damalige Paraderolle, die Rachearie der Königin der Nacht.

An den „Mozart der Champs-Elysées“, wie Rossini den Kollegen nannte, erinnern in Köln außer dem Offenbachplatz noch eine Gedenkplakette an der Stelle des Geburtshauses, die Grabstätte des Vaters auf dem alten jüdischen Friedhof in Deutz, eine Figur am Rathausturm und das dortige 18-Uhr-Glockenspiel. Im eingestürzten Historischen Archiv der Stadt lagerten viele Fotos und Autographen, von denen nur zu hoffen bleibt, dass sie gerettet werden konnten.

Das Offenbach-Jahr wird eingeläutet mit einer rasanten Offenbachiade des Gürzenich-Orchesters in der Kölner Philharmonie. Das Divertissementchen und das Puppentheater sowie der Kölner Karneval werden ihn zum Thema machen. Das Kölner Stadtarchiv widmet ihm eine Ausstellung. Ein internationales Symposium zu Offenbach findet in Verbindung mit der Hochschule für Musik und Tanz vom 18. bis 23. Juni 2019 statt. Am 18. Juni 2019 hält Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki im WDR den Vortrag „Eine kirchliche Perspektive auf das Lachen und den Humor“. Neben vielen weiteren Terminen, Veranstaltungen und Konzerten, auch im Umland, wird es ein großes Überraschungsfest am 200. Geburtstag selbst, dem 20. Juni 2019, am Offenbachplatz geben.

Anbei bisher noch nie gezeigte Aufnahmen der Autoren. Zunächst zwei originale Fotos Offenbachs und eine Komposition mit französischem Text, aufgenommen während der Ausstellungseröffnung zum 50. Jubiläum des Historischen Archivs der Stadt Köln im Jahre 2007, bevor es einstürzte. Die Bühnenaufnahme von der vorerst allerletzten Opernaufführung am Offenbachplatz am 7. Juni 2012 zeigt eines der Bühnenbilder aus den Meistersingern in der sensationellen Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg. In den Kulissen des Offenbachplatzes mit Opernhaus und anliegendem 4711- Haus fand damals eine rauschende Party mit Mitarbeitern aller Bereiche des Hauses zum Ende der Saison statt. Nie waren Chor, Orchester, Solisten, Maske, Licht und Bühnenarbeiter so eins wie damals. Das Bild zeigt die Perspektive von der legendären Titushöhe aus. Die Außenaufnahme von der Oper mit dem Grümmer-Brunnen entstand am gleichen Tag und ließ bisher zum letzten Mal freien Blick auf den Ripahn-Bau zu. Am Folgetag fingen bereits die Umbauten an. Der Opernbrunnen enthält originale Mosaiksteine der Yacht Christina von Aristoteles Onassis, auf der dessen schicksalsträchtige erste Begegnung mit Maria Callas stattfand, die wiederum im Mai 1957 mit der Sonnambula zur Eröffnung der Oper einmalig auf der Kölner Bühne stand und Geschichte schrieb. Es bleibt zu hoffen, dass all diese Bilder nicht weiterhin zur Geschichte gehören, und dass sich frühere Spitznamen wie „Indisches Grabmal“ oder „Grabmal des gescheiterten Intendanten“ wieder in „Schönster Theaterbau Deutschlands“ verwandeln mögen.

Edda Moser Foto von Andrea Matzker

Music From Earth mit Edda Mosers Stimme