Archiv für den Tag: August 5, 2018

Fulminante Broicher Schlossnacht 2018

 

Foto: Innenhof von Schloss Broich (Aufnahme, copyright: Christian Dick)

Autor: Christian Dick

„Kunst kennt keine Behinderung“, sagte einst Joseph Beuys. Und dieses Motto hat sich die  Broicher Schlossnacht im Mülheim ganz groß auf die Fahnen geschrieben, sie liefert hierdurch einen vorbildlichen Beitrag zu Inklusion und zieht alljährlich viele Menschen in Ihren Bann. Das Wetter hätte diesmal besser nicht sein können, an dem lauschigen Sommerabend kam ein frischer Wind auf, der in diesen Wochen lang ersehnt war. Ensembles mit und ohne Handicap kamen aus verschiedenen Städten der Welt im Broicher Schlosshof zusammen und gestalteten mit ihren Darbietungen außergewöhnliche Stunden in einzigartiger Kulisse. Das Programm zur 10. Broicher Schloßnacht am 4. August 2018 bot mit Flugartistik, Wortakrobatik, Tanz, Komik und Musik eine sehr große Bandbreite der Unterhaltungskunst, und das zu einem sehr günstigen Eintrittspreis.

Unter anderem standen folgende Darbietungen auf dem Programm:

tanzbar_bremen „# B Kiste“

Bauen, formen, verändern, wandeln, verhandeln, gestalten: umgeben von Kisten werden die Tänzer Dario Redecker und Adriana Könemann von der tanzbar_bremen zu Baumeistern, die in dieser Choreographie die Gestaltungsspielräume von Beziehungen ausloten.

Bereits zum dritten Mal war die tanzbar_bremen bei der Broicher Schlossnacht mit von der Partie.

Danza Mobile „Encuentros y Saludos“

(Aufnahmen, copyright: Christian Dick)

Danza Mobile aus Spanien ist das Urgestein des inklusiven Tanztheaters in Europa, betreibt seit Jahrzehnten eine modellhafte Schule für Tänzerinnen und Tänzer mit geistiger Behinderung und ist nicht zuletzt durch den Kinohit „Me too – wer will schon normal sein?“ einem breiten Publikum bekannt. Zumeist mit abendfüllenden Tanzstücken auf großen Bühnen zu Hause, präsentierte Danza Mobile eigens für die Schlossnacht das kurze Tanzduett „Encuentros y Saludos“: tiefgründig, körperbetont und dabei voller Humor.

Matthias Romir „Schwarz“

Diese Show ist wie guter Kaffee: bitter wie das Leben, schwarz wie die Zukunft und doch auf seltsame Weise ein Genuss. Die schwerelose Leichtigkeit der Heliumballons bekommt in den Händen der kauzigen Kunstfigur auf Rollschuhen eine groteske Note. Aus dem verspielten Kampf mit den Tücken des Objekts entwickelt sich bald eine zugleich urkomische wie berührende Geschichte. Hier wird die Kunst des Scheiterns konsequent zu Ende gedacht. „Schwarz“ ist ein Sammelsurium kurioser Einfälle und ein Bekenntnis zu großen Gefühlen. Eine Show, die unter die Haut geht, aber vor allem eines ist: zum Totlachen.

Die Couchies „Die Drei vom Sofa – Swing“

Diese Berliner Formation spielte so fetzig, dass das Publikum mittanzte und mitsang. Die Größe der Bühne ist den drei Ausnahmeswingern Hank Willis, Colt Knarre und Couchy Couch egal. Ihre Show findet immer auf dem Sofa statt. Eng sitzen sie mit Geige, Gitarre und Kontrabass, herausragend ist die Stimme von Sängerin Couchy Couch. Fast vergessene Schlager aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts und eigene Songs stehen im Mittelpunkt des Programms. Weitere Informationen sind unter folgender Internetadresse zu finden: http://www.diecouchies.de/

Marcus Jeroch

Viel Applaus erhielt der Wort-Akrobat Marcus Jeroch für sein Programm „Literarite II“. Er wurde in Hamburg geboren, erlebte seine Kindheit in Afrika. Kurz vor seiner Schulpflicht kehrte er mit seiner Familie nach Deutschland zurück. Nach seinem Abitur entschied sich Marcus Jeroch für ein Jura-Studium, wandte der Rabulistik nach drei Semestern den Rücken zu und arbeitete als Körperkünstler.

Er studierte Jonglage und Akrobatik an der „Etage“ Berlin, zahlte sein Lehrgeld in der Straßenkunst und engagierte sich als Mitbegründer im „SCHEINBAR-VARIETÉ“ Berlin sowie im „ROCK-ZIRKUS GOSH“. Letzterer prägte die Arbeit und Lust Jerochs entscheidend, im kontinuierlichen Auftritt und mit einem ebenso professionellen wie wilden Team aß Jeroch das Brot des Künstlers: Applaus, Licht und trotzdem Gage. 1990 erhielt er beim „13. FESTIVAL MONDIAL DU CIRQUE DE DEMAIN“ seine erste große Auszeichnung im Metier Jonglage. Jeroch komplettierte seine Tätigkeit als Jongleur durch sprachartistische Arbeiten und erhielt 1991 in der Fernsehsendung „Hut Ab“ sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis für seine Interpretation der Rede mit den wegfallenden Buchstaben von F. Kändler.

Im Jeroch Verlag iist ein Buch erschienen! Mit Texten von Friedhelm Kändler: „Schöner Denken mit WoWo“ – das Spiel der Worte kann nachgeschaut werden.

Im Programm von Marcus Jerocih wird es wirbelnd präsentiert, singend sogar. Ob Gegenstände oder Poesie, Wortkaskaden oder Hüftschwung mit Hula-Hoop, Marcus Jeroch überrascht mit seinen eigenwilligen Jonglagen aus Ton und Wirklichkeit. Weitere Informationen sind unter folgender Internetadresse zu finden: https://marcusjeroch.de/

Omnivolant „Gravity is a mistake “

Bei diesen Artisten blieb vielen Menschen im Publikum vor Spannung fast der Atem stehen. Omnivolant ist eine der wenigen Gruppen in Europa, die die Kunst der Artistik am Fliegenden Trapez beherrschen.

Den krönenden Abschluss bildete ein Flying Wheelchair – ein Mann im Rollstuhl wurde mit Hilfe  eines Krans in die Lüfte gehoben, wobei der Rollstuhl in einer Konstruktion war, die Flügel hatte.