Josef-Neuberger-Medaille 2018 verliehen

Autor: Christian Dick

Am 11. Oktober 2018 hat die Jüdische Gemeinde  die Josef-Neuberger-Medaille verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören zum Beispiel Angela Merkel, Roman Herzog und die Toten Hosen. Ausgezeichnet wurde in diesem Jahr die Vizepräsidentin des Landtags, Carina Gödecke (SPD), und der Düsseldorfer Rechtsanwalt und Steuerberater Professor Dr. Jochen Lüdicke. Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf würdigt alljährlich Personen und Institutionen, die sich die sich um die Förderung jüdischen Lebens, den Kampf gegen den Antisemitismus oder der Erinnerungskultur an nationalsozialistische Verbrechen verdient gemacht haben.

Dr. Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, erklärte in seiner Begrüßungsrede „Die Anzahl der Erdogans, Orbans und Kim Jong-Uns ist leider größer geworden“ und warnte vor rechtsextremistischen Parteien, deren Politiker die Ermordung von 6 Millionen Juden während des Nationalsozialismus in Deutschland als „Vogelschiss“ bezeichnen. Der heute wieder stark verbreitete Antisemitismus in Deutschland, so Horowitz, bereite vielen Gemeindemitgliedern Sorgen. Als positiv stellte Horowitz den großen Zuspruch für das seit drei Jahren bestehende jüdische Gymnasium in Düsseldorf, das Albert-Einstein-Gymnasium, dar, das nicht den diesjährigen Sommerferien fast 50 neue Schüler aufgenommen habe.

Foto: Carina Gödecke (Aufnahme, copyright: Christian Dick)

Carina Gödecke habe sich schon als Landtagspräsidentin regelmäßig mit interkulturellem und interreligiösem Dialog befasst, bringt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf in der Begründung für die Auszeichnung zum Ausdruck. Als „Politikerin aus Leidenschaft“, als „in Wolle gefärbte Sozialdemokratin“ und, obwohl sie als Bochumerin bekennende Westfälin sei, auch als „wahre Freundin“ der Stadt Düsseldorf bezeichnete Laudator Oberbürgermeister Thomas Geisel Carina Gödecke. Ihr sei es immer darum gegangen „Vertrauen zu schaffen“ und „Grenzen zu überwinden“, sie sei eine „Brückenbauerin“. „Versöhnen statt Spalten“ beschrieb Thomas Geisel als wesentliche Handlungsmaxime Carina Gödeckes, und dies sei auch die Voraussetzung, dass eine Gesellschaft wie unsere überhaupt existieren könne. Oft, so Geisel, gehe es nur um Besitzstandswahrung und Partikularinteressen, nicht aber um das gesellschaftliche Miteinander. Der englische Begriff „Commonwealth“ stehe demgegenüber dafür, dass Staat und Gesellschaft unser gemeinsamer Wohlstand seien, den wir gemeinsam bewahren wollen. Carina Gödecke habe schon sehr lange ein besonderes Vertrauensverhältnis zu Vertreten der Jüdischen Gemeinden gehabt und habe als Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion noch Paul Spiegel kennen und schätzen gelernt. Es sei alles andere als selbstverständlich, dass das Verhältnis zu den Juden heute in Deutschland zur Normalität geworden sei. „Es gibt praktisch keine Zivilisation, die nicht auch eine jüdische Komponente hätte“, unterstrich Geisel. Schließlich hob er das Engagement Carina Gödeckes für den Verein „HEIMATSUCHER e. V.“ hervor, dessen Ziel es ist, Menschen in Deutschland zu bewegen, sich gegen das Vergessen und für das Erinnern einzusetzen.

Foto: Professor Dr. Jochen Lüdicke (Aufnahme, copyright: Christian Dick)

Professor Dr. Jochen Lüdicke begleitet die Interessen der Jüdischen Gemeinde und damit des jüdischen Lebens in Düsseldorf seit vielen Jahren „sehr aktiv“ als Anwalt und Steuerberater. Laudator Michael Dederichs, stellvertretender Stadtdechant und Pfarrer der Gemeinde St. Antonius und St. Benediktus im linksrheinischen Düsseldorf, legte dar, dass Jochen Lüdicke, der für die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer als Rechtsanwalt und Steuerberater tätig ist, seit 25 Jahren im Vorstand der Pfarrei St. Antonius ehrenamtlich aktiv ist. Er hob hervor, dass sich Lüdicke im Kampf gegen den Antisemitismus und für ein Wachhalten der Erinnerungskultur an die Verbrechen des Holocaust sehr stark engagiert. .“ Der Antisemitismus gehört zu den dunkelsten Kapiteln der Geschichte der zivilisierten Menschheit, auch der kirchlichen Vergangenheit. Seit dem Dekret „Nostra aetate“ des II. Vatikanischen Konzils ist dieses dunkle Kapitel, jetzt auch offiziell, geschlossen. „Denn das Heil kommt von den Juden“, wie es im Johannes-Evangelium heißt, ist für uns Christen, wenigstens für die allermeisten, zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Gott sei Dank!

Der Antisemitismus gehört auch zu den allerdunkelsten Kapiteln der Vergangenheit auch in unserem Land. Leider, so kann man mittlerweile vermehrt den Eindruck gewinnen, ist diese Vergangenheit noch nicht überwunden. Tätliche Angriffe, Beleidigungen und Schmähungen von deutschen Mitbürgern, die jüdischen Glaubens sind, kommen immer häufiger vor. Haben wir nichts gelernt? Zu der Gleichheit aller Menschen, die im Grundgesetz verankert ist, gibt es keine Alternative! Wir, als Christen, müssen in dieser Situation ganz klar und deutlich Position beziehen! Wir, als Christen, müssen uns vor und hinter unsere jüdischen Mitbürger, die Papst Johannes Paul II. als unsere älteren Geschwister bezeichnete, stellen. In einer Familie hält man zusammen! Jochen Lüdicke möchte in dieser eigentlich unfassbaren Situation helfen, Bildung zu fördern und Kindern und Jugendlichen ein gutes intellektuelles Rüstzeug mitzugeben“, betonte Dederichs. Lüdicke engagiere sich weiterhin im Förderverein des Albert-Einstein-Gymnasiums. Schließlich hob Dederichs hervor „Das zur Tradition gewordene Gedenkkonzert am Jahrestag der Pogromnacht, in diesem Jahr kommt die Ausstellung der Heimatsucher in der Pfarrkirche St. Antonius hinzu, all das wäre ohne die Unterstützung und Hilfe von Jochen Lüdicke nicht möglich! So haben wir alle, nicht nur die jüdische Gemeinde, einen guten Grund, Professor Dr. Jochen Lüdicke ein Dankeschön zu sagen.“