Archiv für den Tag: November 30, 2018

Weihnachten in Köln

Der Dicke Pitter beim Probeläuten am 30.10.2018 im Südturm des Kölner Doms Foto Andrea Matzker

Von Dr. Egon Schlesinger

Wie könnte Weihnachten in Köln besser eingeläutet werden als vom „Dicken Pitter“ im Hohen Dom?! Endlich klingt die Petersglocke wieder, denn nach langen Instandsetzungsarbeiten konnte der neue Klöppel aufgehängt und eingerichtet werden, und alle Beteiligten stellten nach mehreren Probeläuten einstimmig fest, dass die zweitgrößte frei schwingende Glocke der Welt schöner klinge als jemals zuvor. Bis zum November 2016 war der Dicke Pitter die weltweit allergrößte frei schwingende Glocke mit ihren 24.000 kg, 3,20 m Höhe und 3,22 m Durchmesser. Der Klöppel allein wiegt 600 kg. Nun wurde sie von der Bukarester Glocke der österreichischen Glockengießerei Grassmayr überrundet. Trotzdem ist es immer ein Erlebnis, den Dicken Pitter zu hören, gleichgültig, ob von der Erde aus, oder vom Glockenstuhl selbst aus. Dies sicherlich ist ein unvergessliches Erlebnis. 1923 wurde sie vom Glockengießermeister Heinrich Ulrich in Apolda gegossen. Die ursprünglich 1875 gegossene Kaiserglocke oder Gloriosa war im Jahr 1918 eingeschmolzen worden. Der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer und Kardinal Schulte setzten sich dafür ein, dass die Kaiserglocke ersetzt wurde. Zunächst wollte keine Gießerei das Risiko auf sich nehmen. Über 1 Million Mark kostete das Metall für die Petersglocke. In 9 Minuten und 32 Sekunden wurde sie gegossen. Im November 1924 erreichte die Glocke auf dem Schienenweg Köln. Noch am gleichen Tag wurde sie geschmückt und von tausenden von Menschen begleitet zum Dom gefahren. Dort wurde sie, grün-weiß-rot geschmückt, am 30. November von Kardinal Schulte vor 20.000 Menschen geweiht. Da die Glocke nicht durch die 1,84 m breiten Türen passte, musste der Mittelpfeiler des Hauptportals ausgebaut werden. Der anschließende Transport in den 53 m hoch gelegenen Glockenstuhl dauerte mehrere Wochen. Die Glocke sollte das erste Mal am Heiligabend 1924 zu hören sein. Doch erst zehn Monate später, am 28. Oktober 1925 um 12:00 Uhr, erklang sie zum ersten Mal in der Domstadt. Doch dies war nicht das einzige Missgeschick der Glocke. Im Jahr 1951 riss sie und wurde erst 1956 geschweißt und um 20° gedreht wieder aufgehängt, damit der Klöppel nicht an die gerissene Stelle schlug. Am Dreikönigstag 2011, um 9:35 Uhr vor dem Hochamt, riss der Klöppel ab und donnerte in den Glockenstuhl. Die Erschütterung war so stark, dass sie von vier Erdbebenstationen registriert wurde. Die Glocke konnte, mit einem neuen Klöppel ausgestattet, am 7. Dezember 2011 wieder erklingen. Im April 2017 wurde der neue Klöppel demontiert, um eine neue Aufhängung anzufertigen. An Allerheiligen, dem 1. November 2018, wurde die Glocke zum ersten Mal wieder geläutet, nun mit einem weicheren Anschlag und einem besseren Klang. So Gott will, wird sie auch an Weihnachten läuten.