Archiv für den Tag: März 11, 2019

„Mach was draus: Sei Zukunft!“

Misereor wird 60 Jahre alt

Autoren: Christian Dick und Beate Macioszek

Foto: Gregorio Kardinal Rosa Chávez (Aufnahme, copyright: Christian Dick)

In diesem Jahr feiert das Hilfswerk Misereor sein 60jähriges Jubiläum. Dieses wurde am 10. März 2019 mit einer Feier in Köln begangen. Im Kölner Dom wurde am gleichen Tag zunächst die 61. bundesweite Misereor-Fastenaktion eröffnet. Sie steht unter dem Motto „Mach was draus: Sei Zukunft!“. Bei der feierlichen Eröffnungsmesse war Gregorio Kardinal Rosa Chávez  aus San Salvador anwesend. Dies hatte einen besonderen Grund: Der Fokus liegt in diesem Jahr auf der Zukunft der jungen Menschen in El Salvador. Ziel der diesjährigen Misereor-Fastenaktion ist die Unterstützung der weltweiten Chancengleichheit junger Menschen, dieses Jahr insbesondere in El Salvador.

Zu Beginn seiner Predigt in dieser Eröffnungsmesse prangerte Rainer Maria Kardinal Woelki das Vorhaben des amerikanischen Präsidenten Donald Trump an, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu bauen, weil Trump der USA vor einer Migration von Flüchtlingen, Kriminellen und Drogen Schutz bieten wolle. Dabei sei die USA ein Land, „das fast komplett von Einwanderern und deren Nachkommen aus allen Teilen der Welt besiedelt ist“, führte der Kardinal vor Augen: „Übrigens einschließlich der Familie Trump mit ihren deutschen und schottischen Wurzeln“.

Auf die politische und kriminelle Gewalt, die das Leben der Menschen in El Salvador bestimmt, wies Kardinal Woelki im Folgenden in seiner Predigt nachdrücklich hin. Er sprach über die Arbeitslosigkeit, Armut, und Perspektivlosigkeit in diesem Land. Die von Misereor geförderten Projekte machten sich stark „für eine Zukunft jenseits des Teufelskreises aus Gewalt und Gegengewalt, aus Armut und Flucht“, fuhr Woelki fort.

Woelki schilderte die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen in El Salvador, die sich, in der Hoffnung auf das schnelle Geld vielfach Jugendbanden zum Zweck des Drogen- und Waffenhandels zusammenschließen. In Jugendbanden zu seien bedeutet in El Salvador Woelki zufolge, Macht und Geld erlangen zu können. Eine Abhilfe hiergegen leistet das Hilfswerk Misereor mit seiner Arbeit vor Ort, die einen nachhaltigen Effekt hat. Hierdurch, so Woelki, lernten junge Menschen wieder das Träumen von einem neuen Himmel und einer neuen Erde, in denen Gerechtigkeit wohnten. Sie lernten Vertrauen in ihre Stärke und Fähigkeiten und sie gestalteten damit ihr Leben und ihr soziales Umfeld.

Der eindringliche Appell des Misereor-Hauptgeschäftsführers Pirmin Spiegel zielte darauf ab, sich auf Grundlage des christlichen Glaubens aktiv für eine bessere Zukunft einzusetzen: „Die Beispiele aus El Salvador zeigen mir: Es gibt Wege für Veränderung, im eigenen Leben, in unserer Welt“, erklärte er. Die Botschaft der Bibel ermutigte, die Gegenwart mit zu gestalten: Mitzubauen an einer solidarischen, gerechten und offenen Gesellschaft.

Die Projekte von Misereor unterstützen Jugendliche in El Salvador unter anderem bei ihrer Lebensplanung. Dazu gehören Angebote von Persönlichkeitstraining, Bewerbungskursen und Seminaren zur Geschäftsgründung. Junge Familien werden mit gemeinschaftlichen Bau- und Wohnprojekten unterstützt. Länder wie El Salvador, denen Misereor hilft, werden durch diese Unterstützung auch derart gestärkt, dass sie wiederum anderen Ländern helfen können.

Misereor ist das katholische Werk für Entwicklungszusammenarbeit. Bis Ostern sind verschiedene Aktionen wie der Verkauf von Brot oder gemeinsame Fastenessen in den Gemeinden geplant, um Spenden für Misereor-Projekte zu sammeln. Höhepunkt ist der Misereor-Sonntag am 7. April, an dem bundesweit in allen katholischen Gottesdiensten um Spenden gebeten wird. Seit seiner Gründung im Jahr 1958 hat das Hilfswerk über 108.000 Projekte mit mehr als sieben Milliarden Euro unterstützt. Zurzeit fördert das Werk mehr als 2.900 laufende Projekte in knapp 90 Ländern.

Foto: Rainer Maria Kardinal Woelki und Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel beim Jubiläums-Empfang von Misereor im Kölner Maternus-Haus (Aufnahme, copyright: Christian Dick)

Foto: Gregorio Kardinal Rosa Chávez aus San Salvador und Rainer Maria Kardinal Woelki (Aufnahme, copyright: Christian Dick)

Bei einem Empfang, der sich an die Messe anschloss, anlässlich des 60jährigen Bestehens des Hilfswerks Misereor im Kölner Maternushaus erklärte Kardinal Rainer Woelki in Anlehnung an den Apostel Paulus („Freuet euch mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden!“, Römer 12,15 und 1. Korinther 12:26 „Und so ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; und so ein Glied wird herrlich gehalten, so freuen sich alle Glieder mit“ ) „Wenn andere leiden, leiden wir mit ihnen. Wenn sich andere freuen, freuen, wir uns mit ihnen.“ Wir alle seien der Leib Christi, so Woelki. Wenn es einem Glied am Leib Christi schlecht gehe, so gehe es dem ganzen Leib schlecht. Und daher müsse man sich gerade um die Schwachen und Armen kümmern.

Der Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel erinnerte daran, wie wichtige gerade der Einsatz für die Verletzlichsten und Schwächsten sei.

„Die Zukunft gehört den jungen Menschen!“ betonte Gregorio Kardinal Rosa Chávez aus San Salvador, der den im vergangenen Jahr heiliggesprochenen Oscar Romero noch persönlich gekannt hat. „Die jungen Menschen haben Träume, die älteren Menschen haben Visionen“, erklärte er und fuhr fort „Die älteren Menschen müssen den jungen Menschen dabei helfen, die Zukunft zu gestalten.“

Bei dem Empfang des Empfang stach Kardinal Woelki ein Bierfass mit Fastenbier an, dass völlig alkoholfrei war.

Foto: Kardinal Woelki beim Fassanstich (Aufnahme, copyright: Christian Dick)

Weitere ausführliche Informationen zur diesjährigen Misereor-Fastenaktion sind im Internet unter folgendem Link abrufbar:

https://www.misereor.de/fileadmin/publikationen/fastenaktion-2019-grundlagen-und-praxistipps.pdf