Eine Begegnung mit Mario Adorf in Köln

25.03.2019 Köln Flora Mario Adorf erzählt aus seinem Leben und stellt sein Buch Zugabe vor fast 1000 Zuhörern vor Die Veranstaltung war komplett ausverkauft Wie in Bayreuth suchten Anhänger noch Karten mit Schildern Suche Karten Foto Andrea Matzker

25.03.2019 Köln Flora Mario Adorf erzählt aus seinem Leben und stellt sein Buch Zugabe vorr fast 1000 Zuhörern vor Foto Andrea Matzker

25.03.2019 Köln Flora Mario Adorf erzählt aus seinem Leben und stellt sein Buch Zugabe vorr fast 1000 Zuhörern vor Anschließend signierte er mit Autor Tim Pröse sein Buch Foto Andrea Matzker

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

Aus Anlass der lit.COLOGNE und seiner bevorstehenden Lesereise führte der 88-jährige alte Film-Haudegen ein Gespräch mit Knut Elstermann (hier einige Auszüge, in ungefährem aber sinngemäßem Wortlaut wiedergegeben) in der Kölner Flora und las aus seinem neuen Buch mit dem Titel „Zugabe!“

Wann stellten Sie fest, dass Sie Schauspieler werden wollten?

Adorf: Eigentlich sehe ich mich als einen Eifler Bauern, der durch Zufall all und durch Verkettung verschiedener Umstände zum Schauspieler wurde. Ursprünglich wollte ich Theaterdirektor werden. Die Erfahrung bei den Münchener Kammerspielen war prägend für mich. Dort lernte ich, Mensch zu sein.

Wussten Sie um Ihre Gabe als Buchautor?

Adorf: Ich habe Lust, Geschichten zu erzählen, fühle mich aber nicht als Schriftsteller oder Autor. Ich habe ein gutes Gedächtnis. Offenbar hat das noch nicht gelitten.

Sie gelten als Weltstar.

Adorf: Ich bin ein Weltbürger. So genannte Weltstars kamen für mich immer nur aus Amerika, nicht aus Deutschland, Italien oder Frankreich. Meine Vorbilder als Schauspieler waren Spencer Tracy und Jean Gabin.

Sie haben Verehrer in jeder Altersgruppe.

Adorf: Jede Generation hat ein anderes Bild von mir. Diee verbindet mich mit Winnetou, die andere mit dem großen Bellheim. Ich bin stolz darauf, dass ich den Menschen generationsübergreifend bekannt bin.

Sie hatten ein besonderes Verhältnis zu ihrer Mutter.

Adorf: Sie musste mich alleine großziehen und hatte es dadurch nicht leicht. Mit Zärtlichkeiten und Lob war sie recht sparsam. Als ich den großen Bellheim spielte, sagte meine Mutter lediglich: „Endlich spielst Du mal einen Herren!“

Wie ist Ihr Verhältnis zum Lesen?

Adorf: Lesen war immer wichtig für mich. Alles was ich weiß, weiß ich aus Büchern. Deshalb befürworte ich Initiativen für das Lesen.

Wie stehen Sie zum Thema Gewalt?

Adorf: Ich habe in zwei Filmen mitgespielt, in „Fahrt zur Hölle Halunken“ und als ein Mafiaboss, dessen Stunts sich alle selber gedreht hatte. Erst als ich sie danach gesehen habe, waren sie mir zu brutal. Als man mich im Anschluss daran zu einer Rächerfigur und zu einem italienischen Charles Bronson machen wollte, habe ich den dritten Film abgesagt.

An welche Periode in ihrem Leben erinnern Sie sich besonders gerne?

Adorf: Die schönste Zeit meines Lebens habe ich definitiv im Rom della dolce vita verbracht. De ganze Filmwelt verkehrte damals dort, und das Leben war günstig. Es gab Partys ohne Ende, um 23:00 Uhr ging man zum Essen bis 02.00 oder 03:00 Uhr nachts, und danach fuhr man noch ans Meer. Man konnte das Leben richtig genießen, vor allem auch den Moment.  Für den Genuss war ich immer zu haben. Doch diese sorglose Zeit hörte ca. 1973 mit der Energiekrise auf. Es war eine eindeutige Einbuße an Lebensqualität. Italien ist heute nicht mehr heiter. Die Menschen sind genau wie bei uns oder noch schlimmer.

Wie geht Ihre Frau mit Ihrem Erfolg um?

Adorf: Seit 50 Jahren lebe ich mit meiner Frau Monique in Paris, München und Saint Tropez, woher sie stammt. Für sie ist mein Beruf Broterwerb und nichts Besonderes. Sie hat sich immer zurückgehalten. Es ist wohltuend, dass zu Hause alles so normal ist.

Gibt es ein Leben nach dem Tod für Sie?

Adorf: Der Tod ist ein Abschied und totaler Abschluss. Ich werde nicht ganz weg sein oder ganz sterben. Aber es ist definitiv und ich habe keine Erwartungen. Ich lasse mich überraschen.

Das von Tim Pröse lebendig und unterhaltsam geschriebene Buch „Zugabe“ mit vielen bislang unbekannten Fakten, Erzählungen und Anekdoten ist im Kiepenheuer und Witsch Verlag erschienen, hat 256 Seiten und kostet in der gebundenen Ausgabe 20 €.

Kiepenheuer&Witsch
ISBN: 978-3-462-05279-4
Erschienen am: 07.03.2019
256 Seiten, gebunden mit SU
Preis
Deutschland
20,00 €

Österreich
20,60 €

Tim Pröse, geboren 1970 in Essen, ist Autor und Journalist in München. Er war Chefreporter der Münchner Abendzeitung und Redakteur bei Focus. Seine Bücher »Jahrhundertzeugen. Die Botschaft der letzten Helden gegen Hitler« (2016) und »Hallervorden. Ein Komiker macht Ernst« (2017) wurden Bestseller.