Mathilde Franziska Anneke – Eine beeindruckende Persönlichkeit

Anneke als Reiterin Foto Wikipedia

Die Briefmarke mit Annekes Konterfei Quelle Wikipedia

03.04.2019 Köln Kölnisches Stadtmuseum Übergabe der originalen Rathausfigur von Mathilde Franziska Anneke zu ihrem 202. Geburtstag Portrait der 23jährigen Anneke Foto Andrea Matzker

03.04.2019 Köln Kölnisches Stadtmuseum Übergabe der originalen Rathausfigur von Mathilde Franziska Anneke zu ihrem 202. Geburtstag Foto Andrea Matzker

Von Dr. Egon Schlesinger

Als in den achtziger Jahren der Kölner Rathausturm mit 124 Figuren bestückt und verziert werden sollte, gelang es gerade fünf Frauen, in die Riege dieser erlauchten Persönlichkeiten zu gelangen. Inzwischen sind daraus acht geworden. Immerhin. Eine dieser Figuren stellte die Journalistin, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Mathilde Franziska Anneke dar. Sie wurde von der Bildhauerin Katharina Hochhaus erschaffen und trägt als Attribute eine Zeitung, zerbrochene Ketten und einen Reiterhelm. Leider wurden die Figuren damals im guten Glauben mit einer falschen Beschichtung versiegelt, sodass der Stein bald darunter litt, und sie wieder herab genommen werden mussten. Sie wurden ersetzt, und so ist auch Mathilde Franziska Anneke wieder vom Altermarkt aus am Rathausturm zu sehen. Die Originalstatue der Rathausturmfigur wurde nun an ihrem 202. Geburtstag, dem 3. April 2019, dem Kölnischen Stadtmuseum übergeben.

Anneke, die in den 1840er Jahren in Köln lebte, gilt als eine der bedeutendsten rheinischen Protagonistinnen der Frauenrechtsbewegung im 19. Jahrhundert. Ihr Leben war nicht einfach, was auch durch das Attribut der zerbrochenen Kette symbolisiert wird. Mathilde Franziska Anneke wurde damals zwangsverheiratet mit einem adeligen Weinhändler, der leider nur allzu sehr seinem eigenen Produkt zusprach, Alkoholiker war und sie regelmäßig schlug. Das schwierige Unterfangen einer damaligen Scheidung wurde insofern gewährt, danach musste sie allerdings zehn Jahre lang mit dem Tadel der Geschiedenen leben. Als sie ihren zweiten Mann Fritz Anneke kennenlernte, hatte auch der eine sogenannte unehrenhafte Vergangenheit, da er wohl einem anstehenden Duell aus dem Wege gegangen war. Beide führten eine für damalige Verhältnisse außerordentlich fortschrittliche Ehe, denn beide gingen gleichgeschlechtlichen Neigungen nach.

Ihre erste Schrift lautete “Das Weib im Konflikt mit den sozialen Verhältnissen” und ist heute im Reclam Verlag zu erhalten. Sie gründete das sogenannte Kommunistische ästhätische Clübchen (mit zwei “ä”). Die Neue Kölnische Zeitung ist ihr zu verdanken. Daher auch das Attribut der Zeitung in ihrer Hand. Ein weiteres Attribut sind die zerbrochenen Ketten, die auf ihr Werk mit dem gleichen Titel hin zielen und ihre Situation in sozialer Hinsicht zeigen. Karl Marx wünschte, dass sie sein Erbe antrete. Ein weiteres Attribut, der Reiterhelm zu ihren Füßen, lässt daran erinnern, dass die begeisterte Reiterin, für damalige Verhältnisse äußerst ungewöhnlich, im Herrensattel ritt und Ordonnanzoffizier war. Mit einer für damalige Verhältnisse recht ungewöhnlichen Größe von 1,80 m war sie eine äußerst imposante Erscheinung, nach vielen Zeitzeugen äußerst attraktiv und daher nicht zu übersehen.

Später wanderte sie mit ihrem Mann nach Amerika aus, wo sie weiterhin tätig war, sich für das Wahlrecht der Frauen einsetzte, auf vielen Kongressen sprach und bis zu ihrem Tod lebte. Sie bekam sieben Kinder, von denen fünf verstarben, da sie nicht gegen die Pocken geimpft waren.

Mathilde Franziska Anneke gilt als Vorbild der Frauenbewegung. Auch ist eine Briefmarke mit ihrem Konterfei erschienen.