„Heute wäre es ein Milliardär“

14.07.2019 Köln Weiden Aachener Str. 1328 Römergrab Foto Andrea Matzker –  Römergrab Köln Weiden Herrenliege aus Marmor mit Büste Foto Andrea Matzker

 

14.07.2019 Köln Weiden Aachener Str. 1328 Römergrab Monika Schmitz vom Regierungspräsidium zeigt das betastbare 3D-Modell der Grabkammer für Blinde Foto Andrea Matzker

14.07.2019 Köln Weiden Aachener Str. 1328 Römergrab Spiritus Rector Prof. Dr. Heinz Günter Horn und Ausstellungsmacher Dr. Ulrich Hermanns Foto Andrea Matzker

14.07.2019 Köln Weiden Aachener Str. 1328 Römergrab Reliefsarkophag  Foto Andrea Matzker

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

So Prof. Dr. Eckhard Deschler-Erb von der kunstwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln, bei seiner Führung durch Ausstellung und Grabkammer, als er von dem ursprünglichen Gutsherren und Erbauer der römischen Grabkammer auf der Aachener Straße 1328 in Köln spricht. Als sie vor knapp 2000 Jahren 9 km außerhalb des römischen Stadtkerns auf der Via Belgica angelegt wurde, konnte sich kaum einer der anderen Zeitgenossen einen solchen Luxus leisten. Die Stadt war damals von mehreren römischen Gutshöfen dieser Art, den sogenannten Villae rusticae, umgeben, die für jegliche Nahrung sorgten, so dass die Stadt völlig unabhängig war. Die Grabkammer in Köln Weiden ist eine absolute Sensation, nicht nur weil sie zu einer der reichsten Familien der damaligen Zeit gehörte, sondern weil sie mehrere Besonderheiten aufweist. Es handelt sich um einen äußerst ausgefallenen Bau, Hypogäon genannt, der nur sehr selten zu finden ist. Er ist nach typisch italienischer Manier wie ein luxuriöser Speisesaal dargestellt. In den drei großen Nischen der Kammer befinden sich Liegebänke aus Marmor, so genannte Klienen, auf denen die Herren zu Tisch lagen. Die Damen hingegen saßen auf einem Korbstuhl. Die zwei original römischen, in Kalkstein gearbeiteten Korbstühle sollten in der Grabkammer für die Ewigkeit halten, daher sind sie nicht aus ihrem ursprünglichen Material hergestellt. Wahrscheinlich sind sie die einzigen Exemplare überhaupt, die in dieser Art bekannt sind. Das Zentrum der Grabkammer jedoch bildet der marmorne Reliefsarkophag, auf dem die vier verschiedenen Jahreszeiten darstellt sind. Er wurde um 300 nach Christus in Rom angefertigt. Allein diese Tatsache spricht für den Reichtum des Auftraggebers. Da der Sarkophag viel zu groß für die schmale Treppe ist, nimmt man an, dass er zu schwer war und dann irgendwann einmal durch die Decke hinunter gestürzt ist. Demnach ist er auch nicht mehr ganz erhalten. Die Abbildungen von Jagdszenen und einem Schiff sind leider zerstört. Der Legende nach wurde damals eine Löwin mit einem Spiegel abgelenkt, so das man sich ihres Jungtiers bemächtigen konnte, das dann später für Jagdszenen eingesetzt wurde. Wegen seiner Ausstattung gehört das Römergrab Weiden zu den bedeutendsten Grabbauten der Römerzeit nördlich der Alpen.

 

Fast so wie bei Tutanchamun, nur ein wenig bescheidener, entdeckte ein Landwirt bei Bauarbeiten im Jahr 1843 eine Treppe, die letztendlich zum Grab führte. Der damalige Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner machte sie museal begehbar. Jahrelang war die Grabkammer geschlossen und ist nun wieder feierlich eröffnet worden dank der unermüdlichen Arbeit vieler Ehrenamtler und Förderer um den passionierten Denkmalpfleger Prof. Dr. Heinz Günter Horn herum. Sie wurde von Wissenschaftlern der Uni Köln und der TH Köln dreidimensional laservermessen, gescannt und rekonstruiert. Sie ist nun auch virtuell begehbar, so dass Gehbehinderte nicht die schmalen Treppen zur Grabkammer hinabsteigen müssen. Auch der Informationsbereich wurde neu gestaltet. Es gibt einen Bereich für die Lebenden und einen Bereich für die Verstorbenen. Er ist bildlich sehr übersichtlich, chronologisch geordnet und klar gegliedert dargestellt, so dass Erwachsene wie Kinder sich mit Freude informieren können. Sogar das Fenster zur Aachener Straße wurde mit integriert und zeigt den imaginären Ausblick von damals auf zart bemalten Scheiben. Es gibt Sitzmöglichkeiten mit Kopfhörern für akustische Führungen. Für Sehbehinderte gibt es ein betastbares, dreidimensionales Modell der Grabkammer mit ihrem Überbau. Die gesamte Anlage verfügt auch über einen idyllischen Garten, den die Besucher benutzen dürfen. Führungen an Donnerstagen zwischen 10.00 und 13.00 Uhr sowie an jedem dritten Samstag im Monat um 15.00 Uhr und um 16.00 Uhr sollten rechtzeitig angemeldet werden, da nur bis zu 15 Personen zugelassen sind wegen des beschränkten Platzes. Einzelbesichtigungen in Begleitung des Servicepersonals sind möglich samstags von 10.00 bis 13:00 Uhr und sonntags von 14.00  bis 17.00 Uhr. Ein Besuch versöhnt jedenfalls absolut mit dem zur Zeit geschlossenen Römisch-Germanischen Museum und bietet Erholung und Entspannung für gestresste Stadtmenschen.