Utilitas publica private est semper praeferanda

 

12.07.2019 Köln Rathaus Hansasaal OB Henriette Reker ist glücklich über die rückkehr der 8 Propheten auch wenn sie diesen ganz besonders vermisst nachdem er so lange in ihrem Vorzimmer stand Foto Andrea Matzker

12.07.2019 Köln Rathaus Hansasaal OB Henriette Reker ist glücklich über die rückkehr der 8 Propheten Der 4. von links ist ihr Lieblingsprophet Der einzige ohne Bart Das Gemeinwohl geht immer vor das Eigenwohl Foto Andrea Matzker

12.07.2019 Köln Rathaus Hansasaal OB Henriette Reker ist glücklich über die rückkehr der 8 Propheten Ebenso Schnütgen-Direktor Dr. Moritz Wölk Foto Andrea Matzker

12.07.2019 Köln Rathaus Hansasaal OB Henriette Reker ist glücklich über die rückkehr der 8 Propheten Foto Andrea Matzker

Autor: Dr. Anton Schlesinger

Seit 2012 sind die acht Propheten nun zum ersten Mal wieder auf ihren Podesten im Hansasaal des Rathauses zu sehen. Sie entstanden um 1430/1440 und sind jeweils fast 1,20 m hoch. Sie tragen keine Namen, aber dafür Spruchbänder, und geben dadurch moralische Richtlinien vor. Sie stehen symbolisch für die Freiheiten, die sich die Kölner Bürger mit dem Verbundbrief von 1396 errungen hatten.

Die originalen, mittelalterlichen Holzfiguren stehen seit 2012 aus konservatorischen Gründen im Museum Schnütgen und können dort sechs Tage pro Woche aus der Nähe besichtigt werden. Es gibt dort auch einen Katalog dazu mit dem Namen „Unter der Lupe“. Oberbürgermeisterin Henriette Reker fehlten die acht Propheten im Rathaus sehr. Daher regte sie an, Repliken anzufertigen. So wurden nach neuesten digitalen Standards Originale am Computer zu einem 3D Modell errechnet, verarbeitet und extra in Augsburg ausgedruckt. Die farbigen Oberflächen wurden jeweils von Künstlerhand in Köln gestaltet. Die Herstellung allein einer der Figuren dauerte mindestens einen Monat lang. Allein das Einscannen währte bereits mehrere Stunden. Die Qualität der Republiken ist das Beste, was es zur Zeit gibt.

Die Oberbürgermeisterin begeistert sich besonders für einen der Sprüche auf den Spruchbändern: Das gemeine Beste ist dem persönlichen immer vorzuziehen. D.h., das Gemeinwohl geht immer vor dem Eigenwohl. (Oben der Originaltext in Latein.) Lachend fügte sie hinzu: „Verschwiegenheit wäre allerdings auch recht oft zu wünschen hier im Rathaus…“ Als Spiritus Rector der gesamten Aktion ist sie überglücklich, dass die Rathausfiguren, wenn auch nur als so genannte Brüder der Originale, nun endlich wieder auf ihre Sockel zurückgekehrt sind.

Ihr fehlt der Prophet, der bislang in ihrem Vorzimmer stand, sehr. Aber sie freut sich, dass er nun wieder an seinem angestammten Platz steht. Besonders gerne hat sie den vierten von links, den einzigen ohne Bart, d.h. den einzigen jungen Propheten. Da die Spruchbänder nicht mehr gut leserlich sind, war man sich nicht so sicher, ob er derjenige des Gemeinwohls ist, oder ob es der so genannte Scharfrichter ist mit dem Spruch: Es ist billig, dass ein Meister des Totschlages durch sein eigenes Handwerk umkommt. D.h., jemand der andere tötet, soll selbst getötet werden.

Da das Rathaus nicht für jedermann und zu jeder Zeit zugänglich ist, wird ausdrücklich auf das Museum Schnütgen hingewiesen, dass sechs Tage die Woche geöffnet ist. Allerdings haben alle Interessierten am 8. September, dem Tag des offenen Denkmals in Köln, die Möglichkeit, die Propheten im Hansasaal zu besichtigen.