Archiv der Kategorie: Europa

Rahmenprogramm zur Karlspreis-Verleihung 2017

Zum 28. Mal  haben die Stadt Aachen und die Karlspreisstiftung im Vorfeld der Verleihung ein damit umfangreiches Programm zusammengestellt, das die Aachener auf den Karlspreis einstimmen soll. Es beginnt auch in diesem Jahr vier Wochen vor der Karlspreisverleihung und umfasst rund 50 verschiedene Termine, Projekte und Auftritte. Wie in den vergangenen Jahren finden in diesem Jahr mehrere Veranstaltungen auch außerhalb der Stadt Aachen statt, um den Karlspreis noch stärker in der Region zu verankern.

Das Rahmenprogramm zur Preisverleihung beleuchtet neben dem Preisträger Timothy Garton Ash selbst die unterschiedlichen Facetten unserer Region und möchte zugleich Akzente in der europapolitischen Debatte setzen: Es geht entsprechend ein auf die digitale Revolution und den erstarkenden Populismus, den Brexit, die europäische Reformdebatte und das transatlantische Verhältnis. Es wirft gleichzeitig einen Blick auf die wirtschafts- und finanzpolitischen Herausforderungen und die für Europa so wichtigen Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Und es stellt einmal mehr zur Diskussion, welches Europa wir eigentlich wollen – und wie viel.

Am Vortag der Karlspreisverleihung findet traditionell das Karlspreis-Europa-Forum statt – diesmal unter dem Titel „Die Welt im Umbruch. Schmerzhafte Kursbestimmung für die EU“. Ebenso traditionell auch das große „Karlspreis Live“ auf dem Katschhof, das musikalische, lebendige und kulinarische Fest für alle Aachener. Hier wird der designierte Karlspreisträger Timothy Garton Ash am Vorabend der Preisverleihung einen Gruß an die Aachener richten und seine Eindrücke von Aachen schildern. – Alle Termine des Karlspreisrahmenprogramms findet man digital unter www.aachen.de/karlspreis sowie ab sofort auch in Form einer gedruckten Broschüre an den üblichen Auslagestellen in der Stadt.

Alle Informationen rund um den Karlspreis und das Rahmenprogramm 2017 sind unter folgender Internetadresse zu finden: http://www.karlspreis.de/de/ .

Herzlich Willkommen Kroatien!

Autor: Christian Dick

 

Foto: Cavtat Autor: Milan Babić, Quelle: Kroatische Zentrale für Tourismus, München

 

Foto: Ban Jelačić Platz, Zagreb, Autor: Mario Brzić, Quelle: Kroatischen Zentrale für Tourismus, München

 

Papst Johannes Paul II. hat immer wieder die prägnante und ausdrucksstarke Darstellung eines Europa verwendet, das auf zwei Flügeln einer Lunge basiert, die beide zum Atmen notwendig sind. Hiermit sprach er eine Mahnung aus, dass Ost und West untrennbar zusammengehören. Damit war Johannes Paul II. für das Zusammenwachsen Europas wegweisend. Der Erweiterungsprozess der Europäischen Union ist nunmehr weit fortgeschritten, aber noch lange nicht abgeschlossen. Es ist äußerst wichtig, dass die Staaten Südosteuropas nach und nach alle in das europäische Haus einziehen, damit das Gebäude langfristig zusammengehalten wird. Nach Slowenien im Jahre 2004 wird nun Kroatien als zweiter südosteuropäischer Staat in die EU kommen.

 

Foto: der kroatische Generalkonsul in Düsseldorf Vejkoslav Krizanec, der kroatische Botschafter in Deutschland Dr.  Miro Kovač, die NRW-Europaministerin Dr. Angelica Schwall-Düren und Nicolaus Kern (Vorsitzender des Europa-Ausschusses des nordrhein-westflälischen Landtags (Aufnahme: Christian Dick)

Kroatien profitiert von EU und gibt der Gemeinschaft auch viel zurück

„Kroatien wird kein neues Milliardengrab“, so versicherte der kroatische Botschafter in Deutschland Dr. Miro Kovač am 28. Juni 2013 im Europaausschuss im Düsseldorfer Landtag. Er hob die Wirtschaftskraft Kroatiens hervor. Gerade mit Nordrhein-Westfalen habe Kroatien in den letzten Jahren sehr gut zusammengearbeitet. Und im Jahre 2011 habe die Feier zum kroatischen Nationalfeiertag in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalens in Berlin in Anwesenheit von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft stattgefunden. „Es ist nicht einfach gewesen, den Weg in Richtung Europa zu gehen. Anfang der 1990er waren wir idealistisch und hatten Traumvorstellungen. Dann kamen die Turbulenzen und wir sind Realisten geworden.“ 1990 hatte Kroatien die erste frei gewählte Regierung, 1991 erklärte es seine Unabhängigkeit von Jugoslawien. Als Meilensteine beschrieb  Kovač die Schaffung einer demokratischen Verfassung, den Umbau in eine Konföderation und die Europäisierung Kroatiens. Den Prozess zur Erfüllung der Voraussetzungen für den EU-Beitritt Kroatiens beschrieb Kovač als sehr hart. Seit die EU im Jahre 2007 27 Mitglieder gehabt habe, seien die Beitrittsbedingungen viel komplexer geworden. Bei jedem der 35 Kapitel habe es Eröffnungsmaßstäbe (englisch: Opening and Closing Benchmark) gegeben. Kroatien habe 13 Etappen durchlaufen müssen, um ein Kapitel zu schleißen. 2011 wurden die Verhandlungen abgeschlossen. „Wir sind heute im europäischen Mainstream angekommen“, so Kovač. Es gelte weiterhin für Kroatien, die Korruption zu bekämpfen. Auch die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, insbesondere der Jugendarbeitslosigkeit steht ganz oben auf der Agenda Kroatiens. Kovač zeigte sich zuversichtlich, dass Kroatien diese Probleme in den Griff bekommen wird. In seinem Buch über Angela Merkel hat der Autor Stefan Kornelius nach Angaben von Kovač zwei Voraussetzungen genannt, die Länder, die der EU beitreten wollen erfüllen müssen:

 1.   –  die Länder müssten in der Lage sein, die Staatsschulden zu bedienen (Haushaltskonsolidierung)

2.    – die Länder müssten gute Bedingungen für Investitionen schaffen. Dies betreffe die Wettbewerbsfähigkeit der Beitrittsländer.

Diese Voraussetzungen, so Kovač, erfülle Kroatien. So war er sicher, dass die Aufnahme Kroatiens in die EU für beide Seiten sehr fruchtbar sein wird.

Nicolaus Kern (Piratenpartei), Vorsitzender des Europausschusses des nordrhein-westfälischen Landtags erklärte „Der 1. Juli 2013 ist ein historisches Datum. Kroatien ist der 28. Mitgliedstaat der Europäischen Union. Seit dem Antrag auf Vollmitgliedschaft in der EU am 21. Februar 2003 hat Kroatien sehr große Anstrengungen unternommen.“

Europa als Friedensgemeinschaft

 

Foto: die in Düsseldorf ansässige kroatischen Trachtengruppe DORA (Aufnahme: Christian Dick)

Foto: NRW-Europaministerin Dr. Angelica Schwall-Düren, der kroatische Generalkonsul Vjekoslav Krizanece und der Düsseldorfer Oberbürgermeister Dirk Elbers bei der Nationalhymne (Aufnahme: Christian Dick)

Bei einem Festakt zum EU-Beitritt Kroatiens am 1. Jul 2013 im Ständehaus, dem ehemaligen Landtag und  heutigen Sitz des Museums K 21, der vom Kroatischen Generalkonsulat in Düsseldorf durchgeführt wurde, betonte Generalkonsul Vjekoslav Krizanec, dass für das kroatische Volk die Europäische Union für „Frieden, Freiheit, Sicherheit und Prosperität“ stehe und dankte insbesondere Nordrhein-Westfalen für die Pflege der guten Beziehungen zu seinem Land.


Foto zur aktuellen Rauminstallation im Düsseldorfer Museum K 21Tomás Saraceno – in orbit, Installationsansicht K21 Ständehaus, Photography by Studio Tomás Saraceno © 2013

In einer sehr bewegenden und von viel Pathos getragenen Rede betonte die Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Nordrhein-Westfalen Dr. Angelica Schwall-Düren, dass das Ständehaus genau der richtige Ort für diesen Festakt se, denn es stehe für „demokratische Tradition und kulturelle Vielfalt“. Die aktuelle Rauminstallation im K 21, so Schwall-Düren, heiße „In Orbit“, was Umlaufbahn eines Satelliten bedeute. „Nach gut acht Jahren hat Kroatien nun den Orbit verlassen und ist in die Gemeinschaft der EU-Mitgliedstaaten angekommen. Und das ist gut so!“, befand die Ministerin. Kroatien sei wirtschaftlich, kulturell und politisch längst ein Teil Europas gewesen. Das Land sei heute ein gefragter internationaler Partner.

 „Die EU ist nach wie vor attraktiv. Die EU lässt niemanden vor der Tür stehen! Die Anstrengungen vor dem Beitritt zahlen sich aus“, so Schwall-Düren. Sie brachte insbesondere ihre Freude über 12 neue kroatische Abgeordnete des Europäischen Parlamentes und den neuen kroatischen EU-Kommissar für Verbraucherschutz Neven Mimica zum Ausdruck. Dies werde frischen Wind nach Brüssel und Straßburg bringen.

In der Bevölkerung habe die Europapolitik derzeit einen nicht ganz einfachen Stand, konstatierte Schwall-Düren. Die Europäische Idee sei aber lebendig. Die Europäische Union sei eine Erfolgsgeschichte und Garant für Frieden und Stabilität. „Meine Hoffnung ist, dass wir uns in Kultur, Wirtschaft und Politik für ein Europa der Bürgerinnen und Bürger einsetzen […]. Kroatien ist, was die EU betrifft, jetzt nicht mehr in der Umlaufbahn, sondern mittendrin.

In Düsseldorf-Benrath gibt es übrigens eine kroatische Schule, auf der man die Mittlere Reife und das Abitur machen kann.

 

Foto: Zwei Schüler der kroatischen Schule in Düsseldorf (Aufnahme. Christian Dick)

 

Foto: Unter den Gästen beim Empfang des kroatischen Generakonsulats waren ebenfalls die aus Zagreb stammende Repräsentantin des Düsseldorfer Gesellschaftsmagazins DJournal Anita Kajfes (www.djournal.de) und Giuseppe Saitta (www.saitta.de), italienischer Gastronom der Spitzenklasse und Mitglied des Stadtrates (Aufnahme: Christian Dick)

Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Dirk Elbers  brachte ebenfalls seine Freude über den EU-Beitritt Kroatiens zum Ausdruck und betonte, in Düsseldorf gebe es eine große kroatische Gemeinde, hier lebten 3000 Kroaten, diese würden in der Kirche St. Apollinaris in Düsseldorf-Oberbilk jeden Sonntag den katholischen Gottesdienst feiern. Weiterhin gebe es in Düsseldorf bereits 120 kroatische Unternehmen, Tendenz steigend.

Im Interview mit der NRW-d-e-p-e-s-c-h-e gab Lutz Lienenkämer, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, zu bedenken „Die Anfangseuphorie auf Grund des EU-Beitritts ist gut und schön. Aber mit dem Beitritt ist der Anpassungsprozess an die anderen EU-Mitgliedstaaten noch lange nicht abgeschlossen. Für die Beitrittsländer gilt es, auch nach dem Beitritt weiterhin hart zu arbeiten.“ Stefan Engstfeld Landtagsabgeordneter der GRÜNEN und Mitglied des Europaausschusses des Landtags zeigte sich sehr glücklich über den EU-Beitritt Kroatiens. Die Grünen hätten sich allerdings gewünscht, dass es in Bezug auf Arbeitnehmerfreizügigkeit der Kroaten in der EU eine Übergangsfrist von sieben Jahren, wie von der deutschen Bundesregierung beschlossen, nicht gegeben hätte, um die Arbeitslosigkeit in Kroatien zu bekämpfen.

 

Foto: Stefan Engstfeld (GRÜNE) und Verkehrs- und Bauminister a. D. Lutz Lienekämper (CDU) (Aufnahme: Christian Dick)

Das musikalische Rahmenprogramm, das mit Werken von Mozart (La Turca), Bach und Beethoven (Ode an die Freude) sehr stimmungsvoll war, wurde von der Formation Renato Rozic Consort dargeboten. Renato Rozic ist  Komponist, Jazz-Gitarrist, Bach- und Mozart-Interpret und  Arrangeur. Geboren wurde er in Zagreb (Kroatien ) und ist mit Jazz-Musik aufgewachsen. Erlebt in Köln und studierte Jazz-Gitarre, Improvisation, Klassische Musik und Komposition an der Musikhochschule Köln. Während seiner Kölner Studienzeit entwickelte er eine neue„Modale Zwölfton-Kompositionstechnik“.

Unter folgendem Link finden Sie einen Video-Mitschnitt der „Ode an die Freude“ von Beethoven beim Empfang zum EU-Beitritt Kroatien im Ständehaus in Düsseldorf

http://youtu.be/G9FoX-hMYA0

Information über Renato Rozic finden Sie unter folgender Internetadresse:

http://www.renatorozic.com/

 

 

Foto: Die Kathedrale von Zagreb Autor: Željko Krčadinac, Quelle: Kroatische Zentrale für Tourismus, München

 

Mehr Informationen über Kroatien erhalten Sie unter folgender Adresse:

 

Kroatische Zentrale für Tourismus

Rumfordstraße 7

80469 München

Tel:  0049 / (0)89 / 22 33 44

Fax: 0049 / (0)89 / 22 33 77

Karlspreis 2013 und weitere Highlights der diesjährigen Europawoche

Autor: Christian Dick

Foto: Dr. Dalia Grybauskaité, Präsidentin der Republik Litauen, erhielt den Internationalen Karlspreis 2013 (Aufnahme: Christian Dick)

Das Herzblut der litauischen Präsidentin Dr. Dalia Grybauskaité hängt an Europa. Nach dem Beitritt ihres Landes zur EU am 1. Mai 2004 wurde sie EU-Kommissarin und überzeugte in diesem Amt von ihrer Tatkraft und ihre starkes Engagement für die europäische Integration. Später ging sie zurück nach Litauen, um ihren arg von der Wirtschafts- und Finanzkrise gebeutelten Land zu helfen. Am 9. Mai 2013, dem Europatag, wurde sie mit dem Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen gewürdigt. Sie wurde unisono als Verfechterin des Friedens, der Freiheit und Menschenrechte gelobt. Laudator Martin Schulz, der Präsident des Europäischen Parlaments, würdigte ihre Leistung als EU-Kommissarin, als sie unter anderem die Restrukturierung des EU-Haushalts und EU-Förderfonds nachhaltig vorangebracht hat.

Der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp hob hervor, dass der Vorschlag des französischen Außenministers Robert Schuman am 9. Mai 1950 zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl ein ersten wichtiger Schritt in Richtung Einheit des Kontinents gewesen sei.

In  ihrer Dankesrede erklärte Dalia Grybauskaité „Europa muss heute gemeinsam vorgehen. Das europäische Handeln erwächst aus der Solidarität. Wir können das Vertrauen der Europäer in Europa nur wiederherstellen, wenn wir die Last der wirtschaftlichen Schwierigkeiten gemeinsam tragen. Solidarität heißt allerdings auch, dass wir sowohl gemeinsam entscheiden als auch gemeinsam danach handeln.“

Bei den Feierlichkeiten nach der Karlspreisverleihung auf dem Katschof in Aachen gab Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble ein klares Bekenntnis zu Europa ab, welches Sie unter folgendem Link sehen können:

https://vimeo.com/65994048?email_id=Y2xpcF90cmFuc2NvZGVkfGQ5YTEzN2U2M2ZiZDI2NmE4ZDc5OGI2NTYzNTdjZjdiMTUxfDE3OTEzNDQwfDEzNjgzNDkzMjk%3D&utm_campaign=7701&utm_medium=clip-transcode_complete-finished-20120100&utm_source=email

Hier einige Impressionen vom Tag der Karlspreisverleihung in Aachen.

Foto: Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble (Karlspreisträger 2012), Dr. Dalia Grybauskaité, der Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichtet (auch er ist ehemaliger Karlspreisträger), der ehemalige Präsident des Europäischen Parlament Pat Cox (er erhielt den Karlspreis 2004) und Martin Schulz, MdEP, derzeitiger Präsident des Europäischen Parlaments  (Aufnahme: Christian Dick)

Foto: ein Chor aus Litauen singt Staatspräsidentin Grybauskaité ein Ständchen (Aufnahme: Christian Dick)

Unter folgendem Link sehen Sie einen Videoausschnitt einer Theatrilisierten Bühnenvorstellung der Volkstrachtenkollektion von fünf ethnographischen Regionen aus  Litauen:

https://vimeo.com/65951968?email_id=Y2xpcF90cmFuc2NvZGVkfDE4ZjEwNjI3OGQzMTE0YTVmNDVlYjY0MjMxMzU4YWQwMTU5fDE3OTEzNDQwfDEzNjgyNjgzOTI%3D&utm_campaign=7701&utm_medium=clip-transcode_complete-finished-20120100&utm_source=email

Foto: der Aachener Dompropst Helmut Poqué, Bischof Jona Kauneckas aus Panvezy, der die Liturgie im Aachen Dom feierte und der Aachener Bischof  (Aufnahme: Christian Dick)

Bürgernähe im Düsseldorfer Landtag demonstriert

Foto: vordere Reihe (von links nach rechts): der Landtagsabgeordnete Markus Töns, SPD, Nicolaus Kern, Vorsitzender des Ausschusses für Europa und Eine Welt im Landtag von NRW (Piraten-Fraktion), Ilka Freifrau von Boeselager, CDU (Mitglied im Europaauschuss des Landtags), der Europaabgeordnete Jürgen Klute (Die Linke), Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD)  und EU-Kommissar Günther Oettinger,  hintere Reihe: Dr. Stephan Koppelberg, Leiter der Repräsentanz der EU-Kommission in Bonn, der Moderator der Veranstaltung Christoph Prössl (Brüssel-Korrespondet des WDR), Dr. Ingo Wolf, MdL, FDP und Stefan Engstsfeld, MdL, Grüne (Aufnahme: Christian Dick)

Düsseldorfer ist die einzige Stadt in Deutschland, in der in diesem Jahr ein sogenannter Bürgerdialog zum Thema Europa stattfand. Gerade im Jahr des 20jährigen Jubiläums der Unionsbürgerschaft, die in den Medien viel zu wenig thematisiert wird, ist es wichtig, die Europäische Zivilgesellschaft nachhaltig zu fördern. Und so gingen Politiker aus Landes- und Europaebene am 8. Mai im Landtag in Düsseldorf mit den Bürgern auf Tuchfühlung. In einer Podiumsdiskussion wurde von den Vertretern der SPD, der Partei DIE LINKE und der Grünen gefordert, die Jugendarbeitslosigkeit in den europäischen Krisenländern auch mit finanziellen Mitteln zu bekämpfen, aus Sorge, dass es sonst in Europa eine verlorene Generation gäbe. Finanzielle Transfers widersprach Ingo Wolf (FDP) mit Vehemenz, er forderte Hilfe zu Selbsthilfe, so müssten die Krisenländern ihre Haushalte sanieren und sparen, Griechenland müsse zum Beispiel sein Steuersystem restrukturieren, weil es jahrelang die Steuern nicht richtig eingetrieben haben, es sei aber schwierig, dem deutschen Steuerzahler zu vermitteln, dass jetzt – nach den bereits abgegebenen Bürgschafte – auch noch Zahlungen an die Krisenländer geleistet werden sollten.

Foto: Günter Oettinger kümmerte sich auch um die Probleme der Jugend und diskutierte im Landtag mit ihnen (Aufnahme: Christian Dick)

Europatag auch im Rhein-Kreis Neuss gefeiert

Foto: Ruth Harte, Leiterin des Europe Direcht-Büros des Rhein-Kreis Neuss und Dr. Stephan Koppelberg, Leiter der Repräsentanz der EU-Kommission in Bonn (Aufnahme: Christian Dick)

Am 6. Mai wurde im Rhein-Kreis Neuss die Europawoche gefeiert. Der Hauptreferent der Veranstaltung Dr. Stephan Koppelberg, Leiter der Regionalen Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn, hielt bei dieser Veranstaltung einen Vortrag zum Thema „Welche Rechte haben wird?“. Er unterstrich unter anderem, dass die Unionsbürger das Recht auf Freizügigkeit haben, dass ein Diskriminierungsverbot gibt, dass die Unionsbürger ein Wahlrecht beim Kommunal- und Europawahlen in ihrem Wohnsitzstaat haben, dass sie die EU-Bürger im Ausland diplomatischen und konsularischen Schutz genießen, dass ein Petitions- und Beschwerderecht gibt, dass die EU-Bürger die Möglichkeit haben, neue EU-Rechtsvorschriften anzuregen und dass sie das Recht haben, in einer der Amtssprachen mit der EU zu kommunizieren.

Woran krankt Europa?

Foto: Monsignore Professor Dr. Peter Schallenberg, Direktor der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle Mönchengladbach (Aufnahme: Christian Dick)

Autor: Christian Dick

Welches sind die Ursachen der Misere, in der sich Europa gegenwärtig befindet? Wird die ausschließliche Betrachtung aus dem Blickwinkel der Wirtschafts- und Finanzkrise dem Projekt Europa gerecht? Und sind den Bürgern eigentlich die Vorteile der Europäischen Integration noch bewusst? Diese Fragen wurden im Rahmen der gemeinsam durch die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle in Mönchengladbach und die  Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) organisierten Sozialethischen Gespräche am 15. und 16. Juni 2012 zum dem Thema „Von der Euro-Krise zur Krise Europas?“ diskutiert.

Mahnung zu Umkehr in der Politik

In seinem Vortrag unter der Überschrift „Was auf dem Spiel steht: Das Projekt Europa“ beklagte der Erzbischof von Luxemburg Jean-Claude Hollerich, dass mit der EU-Osterweiterung keine Reform der Institutionen einhergegangen sei. Er konstatierte, dass die EU keine Krisenfähigkeit habe und dass es ein Zurückrudern in die Zeit der Nationalstaaten seitens einiger EU-Mitgliedstaaten und mangelnde Solidarität in Europa gebe. Die Politik der europäischen Integration, beginnend mit der Montanunion, und die Idee Richard Graf Coudenhove-Kalergis, so Hollerich, hätten auf der Verbesserung der Lebensqualität basiert. Heute verlange die Situation einen Paradigmenwechsel. Die jungen Menschen in Luxemburg verträten zwar die Auffassung, dass man jedes Jahr reicher werden müsse und sicherlich brauche man Wachstum im Sinn von Lebensqualität. „Wir brauchen eine Umkehr in der Politik, bevor die Postmoderne in Brand gerät und Europa zerstört“, mahnte Hollerich. 

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Neue Europaschulen zertifiziert

Foto: Nordrhein-Westfalen Europaministerin Angelika Schwall-Düren und Dr. Stefan Koppelberg, Leiter der Vertretung der Europäischen Komission in Bonn (Aufnahme: Christian Dick)

Foto: Die Bischöfliche Canisiusschule Ahaus war unter den neu zertifizierten Europaschulen (Aufnahme: Christian Dick)

Autor: Christian Dick

Am 4. Mai wurden auf der Floriade in Venlo durch das Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Nordrhein-Westfalen zwölf Schulen als Europaschulen zertifiziert. Damit gibt es in Nordrhein-Westfalen nunmehr 166 Europaschulen. Im Jahre 2007 fand die erste Zertifizierung von Europaschulen statt.

Chinesisch in der Grundschule

Die Schulen des Schulverbundes Franziskus-Schule Erkelenz & Houverath legen großen Wert auf Sprachenreichtum ihrer Schüler und den Austausch mit Schülern aus anderen europäischen Länder. Hervorzuheben ist hier ein Projekt „HELP – How European Little People can change the world“ im Zeitraum vom 01.08.2010 bis 31.07.2012 mit fünf Partnerschulen aus den Ländern Italien, Polen, Großbritannien und der Türkei.

Beachtlich ist weiterhin die nachhaltige Förderung interkultureller Fähigkeiten der Franziskus-Schule. An dieser Grundschule wird sogar Chinesisch angeboten.

Foto: Bildmitte: Lehrerinnen und Schüler der Franziskus-Schule (Aufnahme: Christian Dick)

Schlüsselqualifikationen für Euregio

Unter den neu zertifizierten Europaschulen ist insbesondere das Berufskolleg Herzogenrath hervorzuheben. Dieses nutzt seinen exponierten Standtort in der Euregio Rhein-Maas strategisch optimal aus, um die Schüler speziell auf die Besonderheiten des Zusammenlebens in einer Euregio zu sensibilisieren und nachhaltig auf Kernkompetenzen zu schulen, die im vereinten Europa unerlässlich sind. Das Berufskolleg Herzogenrath ist seit dem Schuljahr 2007/2008 als „Euregiokompetenz-Zentrum“ zertifiziert und bietet seitdem die Zusatzqualifizierung  Euregiokompetenz an, in deren Fokus die sämtliche Berufsprofile übergreifende  Erweiterung der sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen sowie die Fähigkeit, sich Informationen über die Arbeitsmärkte der Partnerregionen in den Niederlanden und Belgien zu beschaffen, stehen. Umgesetzt wird das Angebot dieser Zusatzqualifizierung im Berufskolleg Herzogenrath in der Höheren Handelsschule. Die Schüler, die den Erwerbe der Kenntnisse in der französischen Sprache aus früheren Klassen weiter fortsetzen  oder Niederländisch neu beginnen, haben die Option, dieses Programm  zu belegen und durchlaufen in diesem Rahmen auch ein  Praktikum in einem Unternehmen in Belgisch- oder Niederländisch-Limburg. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten sie das Euregiokompetenz-Zertifikat, das in allen Partnerregionen anerkannt wird. Auf Grund der hohen Wertschätzung dieser Kompetenzen fördert dies die beruflichen Möglichkeiten der Absolventen auf dem deutschen sowie auf dem euregionalen Arbeitsmarkt erheblich.

Zusätzliche Details zum Lehrplan der beruflichen Zusatzqualifikation Euregiokompetenz finden Sie unter der Homepage www.euregiokompetenz.de. Hervorzuheben ist, dass Leben in einer Grenzregion nicht notwendigerweise einen Nachteil im Hinblick auf beruflichen Möglichkeiten auf Grund sprachlicher und kultureller Barrieren in sich birgt. Ganz im Gegenteil, die Grenzlage erweist sich im Falle eines gezielten Erwerbs der oben genannten Schlüsselqualifikationen als äußerst fruchtbar  für diejenigen, die an den Wirtschaftsaktivitäten in der Grenzregion partizipieren.  

Unternehmen bietet dies den großen Vorteil, dass sie auf Arbeitskräfte mit Expertise zurückgreifen können und Arbeitnehmer haben auf Grund ihrer Zusatzqualifikation eine größere Chance, einen Arbeitsplatz zu finden, an dem sie ihr Know-how einsetzen können. Ebenso ist es einen hochinteressante Erfahrung, in die Kultur der Nachbarregionen einzutauchen. Die Prämisse dafür, von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen zu können, ist, dass man so früh wie möglich mit der Sprache und der Kultur der jeweiligen Nachbarregion in Berührung kommt. Diese Erwägungen gaben in der Euregio Maas-Rhein den Anstoß für die Konzeption der beruflichen Zusatzqualifikation „Euregiokompetenz“, die seit zehn Jahren an vielen berufsbildenden Einrichtungen in den Partnerregionen Regio Aachen, Provinz Lüttich, Belgisch Limburg, Deutschsprachige Gemeinschaft und Niederländisch Limburg mit vermittelt wird und das Zusammenleben in diesem Grenzgebiet auf hocheffektive Weise stimuliert

Europäischer Wettbewerb

Der intensiven Förderung der Europakompetenz von Schüler dient der Europäischer Wettbewerb. Diesen gibt es in Nordrhein-Westfalen seit 1953. Begonnen hat es mit einem Aufsatzwettbewerb. 1954 zogen alle anderen Bundesländer.  Der Europäische Wettbewerb ist demzufolge der älteste Schülerwettbewerb in Deutschland.

Der Europäische Wettbewerb hat sich als schlagkräftiges Mittel praxisorientierter Schularbeit erwiesen. Er gibt Schulen das Handwerkszeug dafür in die Hand, ihren europäischen Bildungsauftrag, zuletzt formuliert im Beschluss der Kultusministerkonferenz „Europabildung in der Schule“ (05.05.2008) zu erfüllen. Der Wettbewerb verlangt von den Schüler, sich in profunder Weise mit den verschiedenen Facetten des Themas im Europa im Unterricht auseinanderzusetzen und hat von Tradition her Stärkung der Identifikation mit Europa im Blick.

Als Konsequenz aus der Erörterung der neuen Herausforderungen der Bildungspolitik wurde eine Neukonzeption des Europäischen Wettbewerbs beschlossen, deren Implementierung zum ersten Mal im Schuljahr 2009/10 stattfand. Beispielsweise wurden die klaren europäischen Konturen des Wettbewerbs durch die stringente europäische Ausrichtung der Themen in besonderer Weise akzentuiert. Das Spektrum denkbarer Arbeiten wurde durch die Freistellung der Wahl der Bearbeitungsmethoden sehr stark ausgedehnt. Es sind sowohl Einzelarbeiten als auch Arbeiten von Gruppen mit maximal Mitgliedern möglich. Zielgruppe des Wettbewerbs sind Schülerinnen und Schüler aller Schularten und Jahrgangsstufen. In vier Modulen (Altersgruppen) werden Themen zur Bearbeitung angeboten, die üblicherweise auf dem Motto des von der EU ausgerufenen jeweiligen Europäischen Jahres basieren.

 

Als Schirmherr des Europäischen Wettbewerbs fungiert der Bundespräsident. Gefördert wird der Wettbewerb durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Auswärtige Amt und die Kultus- und Senatsverwaltungen der Länder.

Weitere Informationen zum Europäischen Wettbewerb erhalten Sie auf der Homepage ww.europaeischer-wettbewerb.de/.

 

Europafähigkeit der Schüler ist das A und O

Dass die Schüler in europäischen und globalen Zusammenhängen denken, ist in der heutigen Zeit unerlässlich.  Es sind nicht nur die gemeinsame Währung und Wirtschaftsfaktoren, die Europa verbinden, sondern in erster Linie sind Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Frieden unter den Völkern die tragenden Säulen Europas. Und so ist es gerade in beruflicher Hinsicht wichtig, dass man europaweite Mobilität mitbringt.

Die weiteren ausgezeichneten Europaschulen waren folgende:

Anne-Frank-Realschule Ahaus

Bischöfliche Canisiusschule Ahaus

Burggymnasium Altena

Gymnasium Brede Brakel

Realschule der Stadt Horn -Bad Meinberg

Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Lünen

Otto-Hahn-Gymnasium Monheim a. Rhein

Städtische Realschule Broich Mülheim an der Ruhr

Berufskolleg Simmerath/Stolberg der StädteRegion Aachen Stolberg

Städtische Realschule Waltrop

 

 Foto: Schülerinnen des Otto-Hahn-Gymnasiums Monheim am Rhein mit Lehrerin Miriam Beckmann, die dort Koordinatorin für das Projekt Europa-Schule ist im Interview (Aufnahme: Christian Dick)

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Lebendige Diskussion über Europas Zukunft beim Dreikönigsforum des NWTH

Foto: Die Sternsinger war beim Dreikönigsempfang des Nordrhrein-Westfälischen Handwerkstages selbstverständlich mit von der Partie, hier mit Handwerkskammer-Präsident Wolfgang Schulhoff (Aufnahme: Christian Dick)

Foto: Die Diskutanten: Josef Zipfel, Sven Giegold, MdEP, Grüne, Klaus Hänsch, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments, Moderator der Diskussion und FAZ-Mitherausgeber Professor Günterh Nonnenmacher, Handwerkskammer-Präsident Professor Wolfgang Schulhoff, Klaus-Heiner Lehne, MdEP, CDU und Professor Gebhard Kirchgässner (Aufnahme: Christian Dick)

Wenn der Nordrhein-Westfälische Handwerkstag sein traditionelles Dreikönigsforum veranstaltet, dann ist deutliche Aussprache angesagt, die werden beim Namen genannt, es wird nichts schöngeredet und es wird kein Blatt vor den Mund genommen. Dies kristallisierte sich am 12. Januar 2012 direkt in der Begrüßungsrede von Handwerkskammerpräsident Professor Wolfgang Schulhoff heraus. Zu dem Thema der anschließenden Podiumsdiskussion „Muss Europa neu gedacht werden?“ stellte er fest, dass der Europäische Rat in Bezug auf das Nationale Reformprogramm für Deutschland zu dem Ergebnis gekommen sei, dass es in Deutschland zu wenig Studenten gebe. Die Arbeitslosigkeit betrage in Spanien 20, in Italien 10 und in Deutschland 8,5 Prozent, führte Schulhoff vor Augen. Deutschland habe ein ganz anderes Ausbildungssystem als andere Länder. Der Wert des deutschen dualen Ausbildungssystems werde von anderen Ländern weitgehend unterschätzt. An den gut ausgebildeten deutschen Arbeitskräften hänge die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Entscheidend sei der gute Mix aus Allgemeinbildung und beruflicher Bildung.  „Es ist falsch anzunehmen, die Menschen merken nicht, dass man von Europa in bewährte Strukturen eingreift. Ich bitte jeden, dem Europa am Herzen liegt, mehr mit den Menschen zu sprechen! Sie sehen, dass hier die Menschen viel mehr mitdenken. Über 80 Prozent sind der Meinung, dass die bisherigen Maßnahmen nicht zur Bewältigung der Schuldenkrise ausreichen. Es gibt kein Vertrauen mehr in die europäischen Institutionen. In der Bundesrepublik Deutschland glauben nur noch 34 Prozent an die Lösungskompetenzen der Politik“, stellte Schulhoff mit Nachdruck fest. Was ökonomisch falsch sei, könne auf Dauer politisch nicht richtig sein, fuhr er fort. Der Euro sei politisch gewesen. Angela Merkel habe von den „Sünden der Vergangenheit“ in Bezug auf die Einführung des Euro gesprochen. Eines habe der Euro nicht gebracht, nämlich die Integration Europas zu vertiefen. „Wir brauchen eine Fiskalunion und eine transparente, parlamentarische Kontrolle der Regeln“, forderte Schulhoff. „Ich bin froh, dass die Griechen jetzt selbst darüber nachdenken, die Drachme wieder einzuführen. Sie müssen eine eigene Währung haben, die sie abwerten können, um ihre Produkte wieder auf den Markt bringen zu können. Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, sonst müssen wir die Griechen noch 40 Jahre subventionieren“, mit diesen Worten lieferte er eine Steilvorlage für die anschließende Podiumsdiskussion.

An der Podiumsdiskussion nahmen die Düsseldorfer Europaparlamentarier Sven Giegold (Grüne), Klaus-Heiner Lehne (CDU), Josef Zipfel, Hauptgeschäftsführer des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstages, der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments Klaus Hänsch (SPD) und Professor Dr. Gebhard Kirchgässner, Inhaber des Lehrstuhls  Volkswirtschaftslehre und Ökonometrie an der Universität St. Gallen und Direktor des Schweizerischen Instituts für Aussenwirtschaft und Angewandte Wirtschaftsforschung (SIAW), teil.

Wenn Sie die Überschrift dieses Artikels anklicken, erhalten Sie weitere Informationen über die Podiumsdiskussion sowie über den abendlichen Dreikönigs-Empfang des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstages.

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Ausblick auf die Polnische EU-Ratspräsidentschaft

Autor: Christian Dick

Foto: Der polnische Botschafter in Deutschland Dr. Marek Prawda, die Generalkonsulin der Republik Polen Jolanta Róża Kozlowska und der Landtagspräsident von Nordrhein-Westfalen Eckhard Uhlenberg (Aufnahme: Christian Dick)

„Ohne Polen ist Europa nicht Europa.“ Auf diese Aussage Johannes Raus verwies Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg bei einem Parlamentarischen Abend am 21. Juli 2011, bei dem Polens Rolle in der Europäischen Union im Mittelpunkt stand.

Der Fall des Eisernen Vorhangs und die Wiedervereinigung Deutschlands haben auch das Verhältnis zwischen Polen und Deutschland auf eine völlig neue Grundlage gestellt. In diesem Jahr können Polen und Deutsche das 20jährige Jubiläum dieses neuen Kapitels in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern feiern. Der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag (amtlich Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit) wurde am 17. Juni 1991 in Bonn von Bundeskanzler Helmut Kohl, Bundesaußenminister Hans Dietrich Genscher, dem polnischen Premierminister Jan Krzysztof Bielecki und dem polnischen Außenminister Krzysztof Skubiszewski unterzeichnet.

Nicht zuletzt dem vehementen Einsatz Papst Johannes Paul II. ist es zu verdanken, dass der Eiserne Vorhang gefallen und dass Polen heute ein pro-europäisch eingestelltes Land par excellence ist. Mit den Worten „Es geht darum, dass Europa endlich mit beiden Lungenflügeln atmen kann“ sprach sich Papst Johannes Paul II. für die Einigung des europäischen Kontinents aus. Im Jahre 2011, 22 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, ist Polen seit sieben Jahren Mitglied der Europäischen. Und das Gewicht Polens in der Europäischen Union ist nicht zu unterschätzen. Am 21. Juli 2011 fand nun ein Parlamentarischer Abend statt, der gemeinsam vom Polnischen Generalkonsulat in Köln und dem Landtag organisiert worden war. Im Mittelpunkt stand ein Vortrag des Polnischen Botschafters in Berlin, Dr. Marek Prawda, in dem er einen Überblick über die Ziele der EU-Ratpspräsidentschaft gab, die Polen seit dem 1. Juli 2011 innehat. Er machte vor allem deutlich, dass Polen in Bezug auf die EU Visionen hat und der Gemeinschaft dadurch neue Dynamik geben kann.

Das „Weimarer Dreieck“ – Motor für Europa

Marek Prawda lobte das sehr gute Verhältnis zwischen dem polnischen Premierminister Donald Tusk und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern habe vor allem während der Wirtschafts- und Finanzkrise sehr gut funktioniert. Während es in Europa früher bei Problemen als Reflex nationale Antworten gegeben habe, habe Europa während der Wirtschafts- und Finanzkrise gemeinsam gehandelt, betonte Prawda. Die Krise habe Europa verändert. Er mahnte jedoch an, dass in Europa gemeinsam mehr gemacht werden müsse. Als sehr konstruktiv stellte Prawda den Dialog im sogenannten „Weimarer Dreieck“ zwischen Polen, Frankreich und Deutschland dar. Diese drei Staaten verstehen sich als „Motoren der Europäischen Union“. Prawda unterstrich die Bedeutung, die Polen heute für Europäische Union habe. Während Polen im Jahre 2004 beim EU-Beitritt als Problem angesehen worden sei, so sei Polen heute Teil der Problemlösung. Beispielhaft berichtete er davon, dass Polen als erstes europäische Land im Jahre 1997 eine Schuldenbremse in der Verfassung eingeführt habe. Demzufolge darf in Polen die Staatsverschuldung 55 Prozent des Bruttoninlandsprodukts nicht überschreiten. Polen habe 1989 eine harte Finanzreform umgesetzt. Dank seiner guten ökonomischen Verfassung sei Polen trockenen Fußes durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gegangen.

Polen ist absolut pro-europäisch eingestellt. Die Zustimmungsrate zur EU, so berichtete Prawda, betrage 80 Prozent.

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Aachener Karlspreis 2011

Karlspreisträger des Jahres 2011 Jean-Claude und seine Ehefrau Aline Trichet in der Aula Caroline (Foto: Andrea Matzker)

Von Andrea Matzker

Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hat als Hüter des stabilen Euro den Aachener Karlspreis 2011 erhalten. Das Direktorium würdigte auch seine Verdienste um die Währungsunion. Der Franzose stehe für die Unabhängigkeit der Zentralbank. Der Karlspreis wird seit 1950 an Persönlichkeiten und Institutionen vergeben, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Trichet  ist der 53. Träger des Karlspreises. Zugegen waren Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Bundespräsident a. D. Horst Köhler und Ehefrau Marie Luise, Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher mit Gattin Barbara, viele Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur, wie Dr. Hermann Bühlbecker, sowie viele Karlspreisträger der Vorjahre, wie z. B. Jean-Claude Juncker. Laudator war der Preisträger des vergangenen Jahres, José Manuel Barroso, der Präsident der Europäischen Kommission. Während die geladenen Gäste den Abschluss der Festivitäten in der Aula Carolina feierten, vergnügten sich die Aachener unter strahlend blauem Himmel bei dem alljährlichen Volksfest zu diesem Anlass auf dem Katschhof zwischen Rathaus und Dom.

Der luxemburgische Premierminister und ehemalige Karlspreisträger Jean-Claude Juncker (Foto: Andrea Matzker)

José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission (Foto: Andrea Matzker)

Karlspreis-Entscheider Heiner Höfken (Foto: Andrea Matzker)

Kommunen haben herausragende Rolle in Europa

Buchrezension von Christian Dick

Vielfach wird in Diskussionen über die beklagt, die Brüsseler EU-Behörden hätten auf Grund ihrer Bürokratie und ihres immensen Verwaltungsapparates nicht genug im Blick, wie sich ihre Politik vor Ort auswirkt. Zugegeben, die vor drei Jahren ins Leben gerufene und von Edmund Stoiber geleitete Expertengruppe für den Bürokratieabbau, deren Auftrag im Frühjahr dieses Jahres bis 2012 verlängert worden ist, hat hier eine Herkulesaufgabe. Viel zu oft wird allerdings übersehen, dass 70 bis 80 Prozent der in Brüssel beschlossenen Vorschriften auf Ebene der EU-Mitgliedstaaten und auf regionaler Ebene umgesetzt werden. Europa geht uns also alle an. Es sind vor allem die Kommunen, die tagtäglich mit EU-Gesetzen in Berührung kommen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Aufträge ausgeschrieben werden. Überschreitet das Auftragsvolumen einen bestimmten Schwellenwert, so muss der Auftrag europaweit ausgeschrieben werden. Es gelten nach gegenwärtigem Stand folgende Regelungen. Für Liefer- und Dienstleistungsaufträge liegt diese Grenze bei 193.000 Euro (zzgl. MwSt.), für Liefer- und Dienstleistungsaufträge im Sektorenbereich bei 387.000 Euro (zzgl. MwSt.), für Liefer- und Dienstleistungsaufträge der obersten oder oberen Bundesbehörden bei 125.000 Euro (zzgl. MwSt.), für Bauaufträge bei 4.845.000 Euro (zzgl. MwSt.). Weiterhin wird auf kommunaler Ebene die Unionsbürgerschaft am deutlichsten erkennbar, denn EU-Bürger haben, sofern sie in einem EU-Mitgliedstaat leben, der nicht ihr Heimatland ist, auch dort das Kommunalwahlrecht. Ebenso ist die öffentliche Daseinsvorsorge der Kommunen stark vom EU-Recht beeinflusst. All diese Faktoren haben in den vergangenen Jahren bewirkt, dass die EU-Behörden nicht an den Forderungen der kommunalen Ebene vorbeikommen. Für die Kommunen ist es von nicht zu unterschätzender Bedeutung, sich zusammenzuschließen und durch ein konzertiertes Handel eine starke Verhandlungsposition zu bekommen. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang das bereits 1986 gegründete Städtenetzwerk EUROCITIES sowie der Rat der Gemeinden und Regionen Europas.

Einen profunden Einblick in die Rolle, welche die Kommunen, im europäischen Mehrebenensystem spielen, gibt das Buch „Emanzipation der lokalen Ebene? – Kommunen auf den Weg nach Europa“. Dieses Buch ist ein absolutes Muss für all jene, die auf kommunaler Ebene tätig sind. Das Buch ist aber ebenso für diejenigen empfehlenswert, die ihr Wissen über die Auswirkungen der Europapolitik auf die Kommunen vertiefen möchten.

Die Autorin Dr. Claudia Münch hat bereits mehrere Bücher zur Europapolitik herausgegeben. Seit dem Jahre 2007 ist sie im Europareferat der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen tätig.

Dr. Claudia Münch
„Emanzipation der lokalen Ebene? – Kommunen auf den Weg nach Europa“
Broschiert: 309
VS Verlag
Wiesbaden
1. Auflage
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3531148508
ISBN-13: 978-3531148502
Preis: 39,95 €

Analyse zum Ausgang der Europawahl von Jo Leinen

Anläßlich der Pressekonferenz  zur Europawahl hat sich Jo Leinen, Vorsitzender des Verfassungsausschusses (AFCO), dem Ausschuß für Konstitutionelle Fragen im Europäischen Parlament und Ehrenpräsident der Union Europäischer Föderalisten, im Europäischen Haus in Berlin, wie folgt geäußert: „So kann es mit den Europawahlen nicht weiter gehen. Ein neues Konzept für Europäische Wahlen ist notwendig. Nach 30 Jahren Direktwahl zum Europäischen Parlament ist jetzt eine Zäsur erforderlich. Ein Konvent für ein „Europäisches Wahlsystem“ muss einberufen werden.“ Jo Leinen regte weiterhin an, dass nach der konstituierenden Sitzung des Europäischen Parlamentes im Juli eine parlamentarische Intergroup zur Unterstützung der Europäischen Wahlrechtsrefom etabliert werden soll. Weiterlesen