Archiv der Kategorie: Kirche

„Altbischof aber nicht Oberbischof“

war die Antwort des scheidenden und sichtlich relaxten Kardinals Joachim Meisner auf der Pressekonferenz in Vorbereitung der am Sonntag, dem 9. März 2014, für ihn stattfindenden gebündelten Feierlichkeiten auf die Frage, ob er sich als Ruheständler in die Belange des Erzbistums einmischen wird, und weiter: „Wenn man meinen Rat wie beim älteren Bruder nachfragt, werde ich selbstverständlich zur Verfügung stehen, denn ich hatte zumeist keinen, den ich freundschaftlich um Rat fragen konnte.“ Weiterhin zitierte er aus seinem Fastenhirtenbrief 2014: “Ich bitte alle sehr um Vergebung, wenn Ihnen mein Dienst nicht Stärkung, sondern vielleicht auch Ärgernis war. Der Herr möge alles ergänzen, was bruchstückhaft in meinem Dienst geblieben ist. Ich bleibe – so Gott will – bis zur Stunde meines Todes in eurer Mitte und werde wohl jetzt mehr Zeit haben, um für euch alle zu beten und eure Sorgen und Hoffnungen durch mein Gebet dem Herzen Gottes entgegenzuhalten.“

Andrea Matzker Joachim Kardinal Meisner Abschiedspressekonferenz 7.3.14  Köln

Foto: Joachim Kardinal Meisner bei seiner Abschiedspressekonferenz am 7. März 2014 (Aufnahme: Andrea Matzker)

Am Sonntag, dem 9. März, feiert das Erzbistum Köln drei Feste: Den 80. Geburtstag, das 25-jährige Orts-Jubiläum in Köln, sowie die Verabschiedung von Joachim Kardinal Meisner. Drei Veranstaltungen folgen an diesem Tag für verschiedene Gäste und Zielgruppen aufeinander:

10:30 Uhr Feierstunde im Gürzenich:

Eingeladen sind hierzu alle deutschen Bischöfe, dazu Vertreter aus Politik und Gesellschaft; Vertreter von Kirchengemeinden und Verbänden, Schülerinnen und Schüler, sowie Geistliche aus dem Erzbistum Köln. Zugesagt haben rund 890 Personen, und zusammen mit den mitwirkenden, helfenden, Medienvertretern usw. werden etwa 1100 Personen mitfeiern.

15:30 Uhr Pontifikalamt im Dom:

Am Pontifikalamt nehmen rund 60 Kardinäle und Bischöfe aus dem In-und Ausland teil, dazu 430 Priester und Diakone.

Der WDR und das Domradio übertragen den Gottesdienst live im Fernsehen bzw. Internet.

17:30 Uhr Maternushaus:

Persönliche Verabschiedung, hierzu sind pastorale Dienste aus dem Erzbistum und Mitarbeitende des Generalvikariats eingeladen, insgesamt etwa 750 Personen,; hinzu kommen Gratulanten der Stadtgesellschaft.

Autor: Dr. Egon Schlesinger

Empfang der Evangelischen Kirche Düsseldorf zum Reformationstag 2013

Autor: Christian Dick

 

Foto: Stadtsuperintendentin Henrike Tetz bei der Begrüßung zum Empfang (Aufnahme: Christian Dick)

Mit einer Andacht am Morgen und einem Gottesdienst am Abend erinnerte der Evangelische Kirchenkreis Düsseldorf an den 486. Jahrestag der Reformation. Am 31. Oktober 1517 machte Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablass bekannt und leitetete damit die Erneuerung der Kirche ein. Der Tag gilt volkstümlich als der Geburtstag der Evangelischen Kirche.

Pfarrerin Henrike Tetz, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf, erinnerte in einer Andacht in der Johanneskirche an den Reformator Luther. Es sei Luther wichtig gewesen, immer die Botschaft Jesu Christi vor Augen zu haben und danach zu leben. Henrike Tetz machte auf die Bedeutung des Auftritts des Reformators vor dem Kaiser und Reich in Worms 1521 aufmerksam. Damals wurde Luther aufgefordert, seine Schriften zu widerrufen. Doch Luther entgegnete: „Nur wenn mein Gewissen in Gottes Wort gefangen ist, will ich widerrufen. Denn es ist nicht geraten, etwas gegen das Gewissen zu tun“. Luthers reformatorische Entdeckung: Worauf sich das Leben des Menschen gründet, was ihm Halt gibt, liegt außerhalb seiner selbst.“

„Diese Glaubenshaltung macht frei gegenüber zu unbegründeter Autorität und frei im Verhältnis zu mir selbst. Denn sie befreit mich vom Geist der Sorge“, so Tetz. Mit der „Freiheit von der Sorge“ angesichts der zahlreichen Veränderungen und Umbrüchen in der Gesellschaft gehe keine Sorglosigkeit einher, so die Superintendentin weiter.

Im Sinne von Luther gehe es darum „nach bestem Wissen und Gewissen für das einzutreten, was wir erkannt haben. Dabei hilft uns zu unterscheiden, was wir planen und gestalten können und wo die Grenzen unserer Möglichkeiten liegen

Absolutheitsanspruch und Toleranz

Foto: Peter Steinacker beim Vortrag (Aufnahme: Christian Dick)

Professor Peter Steinacker, emeritierter Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, sprach über Absolutheitsanspruch und Toleranz beim Reformationsempfang des Düsseldorfer Kirchenkreises in der Johanneskirche.

„Worin besteht der Beitrag der Kirchen zur politischen Kultur unseres Landes? Kaum jemand bestreitet in der Öffentlichkeit – in der juristischen Wissenschaft sieht es etwas anders aus -, dass der säkulare Staat von Voraussetzungen lebt, die er selber nicht schaffen kann, und dass diese Voraussetzungen sich im Wesentlichen aus jüdisch-christlichen, das heißt religiösen Wurzeln speisen. Daran kann auch die historisch unbestreitbare Einsicht nichts ändern, dass dieser säkulare Staat gegen kirchlichen Widerstand entstanden ist. Man muss zwischen christlicher Tradition und ihrer kirchlichen Verwaltung unterscheiden. Kein staatliches Dekret kann die vorbehaltlose Anerkennung jedes Menschen ohne Unterschiede der sozialen Schicht, der Religion, des Bildungsstandes, des Geschlechtes, schaffen, die den Geist unserer Verfassung ausmacht. Dass der Mensch, und zwar jeder Mensch, Geschöpf und Bild Gottes ist, ist ein religiöser Satz und keinem säkularen Gedanken aus sich heraus zugänglich. Er nimmt das Menschsein des Menschen vor allen anderen Zuschreibungen in einem Horizont wahr, „der das umfasst und übersteigt, was am irdisch-geschichtlichen Dasein des Menschen empirisch wahrnehmbar ist.“ Der Mensch ist stets mehr als das, was man von ihm empirisch wahrnehmen kann, als das, was er sagt oder tut, ob er mit seinen Fähigkeiten angemessen umgeht oder nicht. Sein Bild-Gottes-Sein bestimmt sein grundsätzliches Begrenztsein als Verantwortung für sich und seine Welt vor Gott und zugleich seine Berufung zur Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, wie Paulus sagt ( Gal 5,1) und die in die Dimension des Ewigen Lebens hineinreicht. Schlechthinnige Abhängigkeit von dem Leben schenkenden Gott und menschliche Autonomie schließen sich nicht aus, sondern bedingen einander. Insofern geht den Formulierungen unserer Verfassung die Überzeugung voraus, dass das Wesen des Menschen nicht auf seine existenziellen Zwecke und deren vernünftige Regelung beschränkt werden kann, so wichtig das alles ist. Deshalb haben die Verfasser des Grundgesetzes die Präambel vorangestellt, dass sich das deutsche Volk dieses Grundgesetz aus Verantwortung vor Gott und den Menschen gegeben hat. Und diese Perspektive schlägt sich überall dort nieder, wo die Gesellschaft sich der Lösung ihrer Grundaufgaben zuwendet“, so Steinacker.

Steinacker mahnte allerdings, dass jede Religion zwar einen Absolutheitsanspruch habe, zugleich aber tolerant gegenüber dem Fremden müsse, das heiße jedoch nicht, dass man das Fremde anderer Religionen auch verstehen können müsse. Er warnte davor, dass Religionen immer wieder auch Ursache kriegerischer Auseinandersetzungen sind, wie zum Beispiel in Syrien. Sein Fazit lautete „Erstens: Die Religionen müssen erkennen, dass sie alle nicht nur in der Auseinandersetzung mit anderen Religionen, sondern im Blick auf die Verhältnisse in der Welt überhaupt intolerante und gewalttätige, nicht friedliche Anteile in sich selber haben. Das häufig gehörte Argument, diese oder jene Gewalttat gehöre nicht zur Religion, verfängt nicht. Der bewaffnete Djihad gehört ebenso zum Islam, wie die hinduistischen Pogrome zum Hinduismus gehören. Dass buddhistische Mönche in Thailand und Myanmar Moscheen und Kirchen anzünden, gehört zum Buddhismus. Die israelische Siedlungspolitik hat unbestreitbar religiöse Wurzeln und wird aus der hebräischen Bibel, der Landverheißung an Abraham abgeleitet. Und wenn wir Christen leugnen würden, „dass der alte christliche Hass auf die angeblichen jüdischen ‚Gottesmörder’ den Nazismus anheizte, entlässt man die Christen aus der Verantwortung, für den Beitrag ihrer Religion zum Schrecken Rechenschaft abzulegen“ , schreibt der amerikanische Religionswissenschaftler Stephen Prothero den Religionen ins Stammbuch. Diese Anteile dürfen nicht verleugnet werden, weil sie sonst nicht bearbeitet werden können. Diese Anteile gehören nicht nur als Versuchung zur Sünde, sondern als unausweichlicher Sünder auch zum Menschen als Bild Gottes, denn der Mensch ist auch und gerade als Bild Gottes nicht von der Zustandsbeschreibung der Welt ausgenommen, die darauf hinweist, dass etwas in der Welt grundsätzlich schief gelaufen ist. Der erste Beitrag der Kirchen zur politischen Kultur könnte dann der sein, in gläubigem Realismus darauf hinzuweisen, dass die Menschen von Natur aus nicht friedlich sind. Um es zu werden, brauchen sie symbolische Formen, welche die Friedlosigkeit benennen und sie  verwandeln. Alle zivilisierten Völker kennen die Gesten, die anzeigen, dass es nun um Frieden geht. Georg Simmel hat den Kompromiss als eine der bedeutendsten Errungenschaften der Menschheit bezeichnet. Im Blick auf die Religionen brauchen wir eine alle Religionen überschreitende Erziehung zum Frieden nach dem Modell der Toleranz, die Fremdes fremd sein lässt, ohne es sich gleichzumachen. In der christlichen Tradition wird dem Herrenmahl, der Eucharistie, diese geistliche Vergemeinschaftungskraft als Vergebung der Sünden zugeschrieben. Wie schwer diese Aufgabe ist, sehen wir daran, dass unsere beiden Kirchen, in dieser wichtigen Angelegenheit immer noch auf Respekt und Toleranz angewiesen sind.  

Zweitens besteht die politische Kultur nicht nur im Wettstreit der politischen Parteien um die Macht, ihre Interessen durchzusetzen und das Leben unseres Landes zu gestalten, sondern auch im Wettstreit der Religionsgemeinschaften und aller Weltanschauungen, die Menschen von ihrer Wahrheit zu überzeugen. Es ist ein religiöser Markt entstanden, und der Erfolg in einem säkularen Staat hängt davon ab, ob eine Religion pluralismusfähig ist oder nicht. Die Demokratie und damit die Pluralität des Denkens und Handelns, die Notwenigkeit von Opposition, ist nach unserer Verfassung irreversibel. Daher gibt es eine Grenze der Toleranz. Keine Toleranz für die Intoleranten, die keine Differenzen ertragen können und daher im Sinn Jürgen Habermas, weder liberal, noch der Moderne angemessen sind. Zu diesem Wettstreit gehört die „Zivilisierung der Differenz“, wie Michael Walzer17 das genannt hat, also das Stehen-Lassen von Unterschieden, das Recht auf unverwechselbare Identität und religiösen Absolutheitsanspruch, die insofern Solidarität fordert und erlaubt als Respekt vor dem Fremden und seiner Wahrheit die Grundbedingung von Toleranz ist. Das wird nur den Gemeinschaften gelingen, die zwischen sich, ihren Überzeugungen und Normen und denjenigen der Gesellschaft nicht zu trennen, aber zu unterscheiden wissen, wie es die Reformation vorgedacht hat, und die deshalb zu praktischer Kooperation fähig sind..

Drittens gehört zur politischen Kultur, dass die Religionsgemeinschaften und  Weltanschauungen ihre Interessen in der säkularen Gesellschaft frei vertreten dürfen, sofern sie eben die Differenz zwischen Interessen und unbedingter Wahrheit nicht verwischen und keinen Totalitätsanspruch erheben. Die Religionsgemeinschaften und ihre Gottes- und Weltvorstellungen, auch ihr Ethos haben Teil an den gesellschaftlichen Superstrukturen der Kommunikation Und dies geht nur, wenn die für ein Zusammenleben in einem Staat notwendige Gleichheit aller Staatsbürger als Gleichheit vor dem säkular begründeten Recht definiert und die Ungleichheit der religiösen Überzeugungen davon unterfangen wird. Gerade die Kirchen, die aus ihrer Geschichte gelernt haben, dürfen den Staat daran erinnern, was passiert, wenn die Rechtssetzung aus dem säkularen in einen göttlichen Bereich transformiert wird. Dann entsteht mitten im säkularen, durch das Volk veränderbaren Recht ein Ghetto göttlicher Rechtsetzung, und es wächst der schlimmste, nämlich totalitäre Fall von Parallelgesellschaften, den man sich denken kann. Wenn aus diesem Ghetto der Anspruch auf die ganze Gesellschaft und ihren Staat wächst, ist die Freiheit bedroht. Es war der Katholik Böckenförde, der den Staat davor gewarnt hat „in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“

 

 

 

 

Papst Franziskus – Wie er der Kirche ein neues Gesicht gibt

Am 21. Juni war Papst Franziskus 100 Tage im Amt. Wie ist sein Kurs zu bewerten? Wie wird das Schiff der Römischen Weltkirche künftig steuern? Einiges deutet darauf hin, dass künftig mehr dezentral entschieden werden könnte. In einem Interview mit der NRW-d-e-p-e-s-c-h-e zog der Publizist und Journalist Dr. Andreas Püttmann – Autor des Buches „Gesellschaft ohne Gott – Risiken und Nebenwirkungen der Entchristlichung Deutschlands“ – eine Bilanz der ersten hundert Tage des neues Pontifex.

 

Das Interview führte Christian Dick

NRW-d-e-p-e-s-c-h-e: Mit Papst Franziskus ist zum ersten Mal seit 1272 Jahren ein Nichteuropäer im Konklave gewählt worden. Kommt das einer Palastrevolution gleich?

Püttmann: Dieser Begriff erscheint mir kategorial verfehlt. In der Kirche gibt es keine Revolution, sondern Reformen, weil sie eine „semper reformanda“ ist. Allerdings brach sich im Vorkonklave unter den Kardinälen Unmut Bahn nach Skandalen wie Vatileaks oder um die Vatikanbank. Kardinal Bergoglio erschien nach seiner treffenden Intervention als die geeignete Person, um die Kurie zu reinigen. Seine geographische Herkunft ist demgegenüber ein nachrangiges Kriterium. Es war allerdings nur eine Frage der Zeit, bis das Papsttum das geistlich ermattete Abendland verlassen würde, um sich aus den jüngeren Kirchenprovinzen Erfrischung zu holen. Schon Papst Benedikt XVI. war ja eigentlich ein unverdientes Geschenk eines vitaleren deutschen Katholizismus früherer Jahrzehnte an die heutige Kirche – und ist, vor allem in Deutschland, entsprechend unangemessen behandelt worden. Man braucht eben selbst ein gewisses Niveau, um Niveau zu erkennen. Unsere Mediokratie bringt aber massenhafte Mediokrität hervor.

NRW-d-e-p-e-s-c-h-e: Papst Franziskus ist 76, andere Menschen sind dann schon lange in Rente. Hat man diese Wahl getroffen, weil man wie im Jahr 2005 kein so langes Pontifikat wollte nach dem langen von Papst Johannes Paul II.? Hätten Sie sich einen jüngeren Papst gewünscht?

Püttmann: Das Alter ist für mich nicht wichtig. Ich denke das sahen die Kardinäle – geisterfüllt – ebenso. Joseph Ratzinger hat zwischen seinem 78. und 86. Lebensjahr noch Großes geleistet: auf 24 apostolischen Reisen – darunter sehr schwierige – in Länder aller Kontinente und auf 31 inneritalienischen Pastoralreisen, bei 348 Generalaudienzen, unzähligen Katechesen und Ansprachen, mit drei Enzykliken und drei Büchern über Jesus Christus, mit der Bewältigung des Missbrauchsskandals, der Versöhnungsinitiative gegenüber den verstockten Piusbrüdern, Impulsen für den interkonfessionellen und interreligiösen Dialog, insbesondere gegenüber der Orthodoxie und dem Islam, mit der Anregung so wichtiger Debatten wie über Glaube und Vernunft, Religion und Gewalt, Politik und Recht, „Humanökologie“ und „Entweltlichung“ – eine Herkulesarbeit, die fast schon einem Gottesbeweis gleich kommt.

NRW-d-e-p-e-s-c-h-e: Hatten Sie mit der Wahl des Namens Franziskus gerechnet? Und ist es nicht verwunderlich, dass bisher noch kein anderer Papst diesen Namen gewählt hat?

Püttmann:Die Namenswahl hat mich wie fast jeden überrascht und hätte in der Tat schon viel früher vorkommen können. Der weitsichtige Joseph Ratzinger schrieb 1957 in seiner Doktorarbeit, in der Kirche der Endzeit werde sich die Lebensweise des heiligen Franziskus durchsetzen.

NRW-d-e-p-e-s-c-h-e: Denkt Papst Franziskus vorwiegend an die Armen in Lateinamerika oder muss man nicht auch die Armut in Europa, als das „abgehängte Prekariat“, von dem vielfach die Rede ist, in den Blick nehmen? Gerade jetzt wurde berichtet, dass es in Deutschland 1 Million Millionäre gibt, dafür aber am anderen Ende der Skala Menschen, die von ihrer eigenen Hände Arbeit nicht leben können und Stütze vom Staat brauchen. Will Papst Franziskus also generell zu einem Umdenken auffordern?

Püttmann: Ganz sicher unterscheidet er bei den Armen nicht zwischen südamerikanischen und europäischen. Ebenso sicher wächst die Zahl der Armen aber nicht mit der Anzahl der Millionäre, die einfach mehr vom Kuchen ergattern, so dass die anderen weniger haben. Unsere Armutsberechnungen müssten sowieso mal kritisch hinterfragt werden. „Arm dran“ sind übrigens auch Einsame, Kranke, Verbitterte und Verirrte mit viel Geld.

NRW-d-e-p-e-s-c-h-e: Wie ist es um die geistige Armut in Europa bestellt?

Püttmann: Besorgniserregend. Materialismus und Hedonismus dominieren das Leben, Utilitarismus und Empirismus das Denken. Eine fundierte humanistische Bildung ist in den jüngeren Altersgruppen kaum noch zu finden, da die mit dem Schreiben von 3000 SMS im Monat, ihrer Daily Soap und dem Dschungelcamp sowie der Auswahl ihrer  Markenklamotten absorbiert sind.

NRW-d-e-p-e-s-c-h-e: Im Angelusgebet hat Papst Franziskus unlängst gesagt „Betet für mich, dass ich möglichst wenige Fehler mache“. Stellt er sich damit nicht zu sehr auf eine Stufe mit dem gemeinen Volk?

Püttmann: Der Papst ist bekanntlich „Diener der Diener Gottes“. Wie könnte er sich da „auf eine Stufe mit dem gemeinen Volk“ stellen? Er steht gleichsam eine Stufe darunter! Diese angemessene Demut hat schon Benedikt XVI. ausgezeichnet, der sich noch im hohen Alter unter das Joch dieses schweren Dienstes gebeugt und darin seine Kräfte verbraucht hat. Dass Franziskus ausdrücklich um ein Gebet für sich bat, ist auch nicht neu. Schon Papst Gregor der Große bekannte: „Ich habe den guten Hirten beschrieben, aber ich bin keiner; ich habe das Ufer der Vollkommenheit gezeigt, aber ich kämpfe noch gegen die Sturzwellen meiner Fehler und Nachlässigkeiten; darum werft mir euer Gebet als Rettungsring zu, damit ich nicht untergehe“.

NRW-d-e-p-e-s-c-h-e:  Wird Papst Franziskus die Macht der Kurie brechen können?

Püttmann: So martialisch sagt es natürlich der profane Jargon. Die Kurie braucht Macht und wird sie zu Recht immer haben, schon weil ein Papst nicht in jeder Hinsicht „Superman“ sein kann. Aber sie muss offenkundig gereinigt und an manchen Stellen effizienter strukturiert werden.

NRW-d-e-p-e-s-c-h-e: Was können wir von Papst Franziskus in Bezug auf Themen wie Ehe und Familie, Zölibat, Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexualität erwarten?

Püttmann: Dass er diesen Themen ihren gebührenden Platz zuweist: nicht im Zentrum der Verkündigung, nicht so eindimensional diskutiert wie bei uns üblich, nicht so zeitgeistsynchron beantwortet wie durch die Evangelische Kirche in Deutschland. Er dürfte wie seine Vorgänger versuchen, Wahrheit und Schönheit der Norm hoch zu halten und zugleich zur Barmherzigkeit in deren Anwendung auf den Einzelfall zu raten. Ich bin mir sicher: Auch der liebe Gott in seiner Weisheit und Güte macht Ausnahmen, weil er, anders als wir unverständige Menschen, in jedes Herz zu schauen vermag.

 NRW-d-e-p-e-s-c-h-e: Sehr geehrter Herr Dr. Püttmann, haben Sie vielen Dank für dieses Interview.

 

Foto: Dr. Andreas Püttmann (Quelle: Christlicher Medienverbund KEP)

Ein neuer Weihbischof für Köln

Von Dr. Egon Schlesinger

Foto: Monsignore Ansgar Puff (Aufnahme: Andrea Matzker)

Durch den Wechsel von Bischof Heiner Koch in das Erzbistum Dresden-Meißen wurde im Erzbistum Köln der Pastoralbezirk Süd vakant. Dieser umfasst die Stadt Bonn, die Kreise Euskirchen und Altenkirchen sowie Rhein-Sieg- und Rheinisch-Bergischen Kreis mit insgesamt gut 600.000 Katholiken. Nach Abstimmung mit der Erzdiözese Köln hat aus diesem Grunde Papst Franziskus den bisherigen Direktor der Hauptabteilung Seelsorge-Personal im Erzbischöflichen Generalvikariat, Monsignore Ansgar Puff (geb.1956 in Mönchengladbach), zum Weihbischof in Köln und Titularbischof von Gordo (Türkei) ernannt. In einem Pressegespräch äußerte der sympathisch und sehr offen wirkende Kirchenmann seine Freude darüber, nach seinem Schreibtischjob im Generalvikariat wieder seelsorgerisch tätig sein zu können. Die Bischofsweihe soll am Samstag, 21. September, um 10 Uhr im Hohen Dom zu Köln gefeiert werden. Gefragt nach seiner Vision für die Kirche, hält er es für wichtig, mit den  Menschen zusammen zu leben und auf sie zuzugehen, denn er ist überzeugt davon, dass sich Menschen durch die Annahme des Evangeliums positiv verändern können.

Was bleibt vom Nationalen Eucharistischen Kongress?

Autoren: Christian Dick und Damian Zidek

Foto: Joachim Kardinal Meisner und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch bei de Abschlusspressekonferenz des Nationalen Eucharistischen Kongresses (Aufnahme: Christian Dick)

Man hatte sich erhofft, dass dieses Fest des Glaubens eine ähnliche Wirkung entfaltet, wie der Weltjugendtag 2005 in Köln. Gute Stimmung brandete auf jeden Fall beim Schülertag am 6. Juni und beim Jugendfestival am 7. und 8. Juni auf. Aber Eventcharakter sollt diese Veranstaltung bewusst nicht haben. Denn es ging hier nicht um eine Belustigung oder eine Spaßveranstaltung, sondern wie Joachim Kardinal Meisner, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Zollitsch, der Mainzer Kardinal Lehmann und Kardinal Walter Kaspar und zahlreiche andere hohe kirchliche Würdenträger unermüdlich betonten, um die Besinnung auf das Zentrale, den Kern des christlichen Glaubens, nämlich um die Realpräsenz Jesu Christi in Gestalt von Brot und Wein bei der Wandlung in der katholischen Messe. Von vielen Kritikern wurde der Einwand erhoben, dass der Begriff „Nationaler Eucharistischer Begriff“ zu sperrig sei. Und Kardinal Lehmann antwortete auf die Frage, ob es möglich sei, durch diesen Kongress, vom Glauben abgekommene Menschen wieder zurückzuholen, dass dies bei dem Thema Eucharistie sehr schwierig sei. Hier müsse man andere Formen wählen, so zum Beispiel das Gespräch mit Zaungästen im Rahmen von Pfarrfesten. Und wenn glaubensferne Eltern keine Alternative hätten und ihre Kinder nur einen kirchlichen Kindergarten besuchen könnten und die Eltern dort gute Erfahrungen machten, wirke sich dies positiv aus, die Kinder seien „die besten Missionare ihrer Eltern“, erklärte Lehmann.

 

Foto: der Mainzer Kardinal Karl Lehmann und Christian Dick, Chefredakteur der NRW-d-e-p-e-s-c-h-e (Aufnahme: Damian Zidek)

Man könnte also kritisch fragen, ob sich bei dem Kongress die Kirche nicht zu sehr mit sich selbst beschäftigt hat und ob der Kongress nicht überwiegend von denjenigen besucht worden ist, die sowieso schon einen tiefen Glauben haben. Dies ist sicherlich richtig. Aber der Psychiater und Theologe Dr. Manfred Lütz stellte in zwei Vorträgen über seine Bücher „Gott – eine kleine Geschichte des Größten“ und „Der blockierte Riese – muss die Kirche auf die Couch“ fest, dass die Katholiken oft ihren Glauben nicht mehr erklären könnten. Außerdem hob er hervor, dass man im Gegensatz zur evangelischen Kirche der katholischen Kirche nur negative Attribute zuschreibe. So werde etwa die katholische Kirche für die Kreuzzüge verantwortlich gemacht, obwohl hier alle Deutschen involviert gewesen seien. Und die Hexenverfolgung sei ebenfalls nicht von der katholischen Kirche ausgegangen, sondern vielmehr von der deutschen Gerichtsbarkeit, so Lütz. Vor dem Hintergrund, dass sich die Katholiken also schnell in der Verteidigungshaltung befinden und oft eine Mehrheit bei einer Diskussion gegen sich haben, war der Kongress ganz sicher einer Stärkung im Glauben.

Foto: Dr. Manfred Lütz (Aufnahme: Christian Dick)

In einem hochinteressanten Vortrag in der Pfarrei St. Antonius im Seelsorgebereich Linksrheinisches Düsseldorf hob der emeritierte Professor Dr. Franz-Josef Nocke, der für Systematische Theologie an der Universität Duisburg-Essen zuständig war, am Vorabend des Nationalen Eucharistischen Kongresse, am 3. Juni hervor, dass ein solcher Kongress nicht nach dem Motto abgehalten werden dürfe „Wir zeigen Euch jetzt mal, was der richtige Glaube ist.“ Vielmehr kommt es Nocke zufolge darauf an, dass das die Eucharistie „gemeinschaftlich“ gefeiert wird, wie im Brief von des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 11,17 – 34) niedergeschrieben. Dies ist aber Nocke zufolge dann nicht der Fall, wenn sich beim Friedensgruß Banknachbarn nicht einmal anschauen. Nocke stellte auch klar, dass es als diskriminierend empfunden werden könne, wenn die evangelischen Mitschwestern und Mitbrüder in der katholischen Messe nicht zur Kommunion gehen dürften oder wenn wiederverheiratete Geschiedene von der Kommunion ausgeschlossen seien. Dieses Streitthema war beim Nationalen Eucharistischen Kongress leider ausgeklammert, aber es hätte vielleicht auch den Rahmen gesprengt. Allerdings sollte die katholische Kirche diese Thematik dringend ganz oben auf ihre Agenda setzen.

Foto: Helmut Pathe, Redakteur der Kölner Kirchenzeitung, interviewte bei einer Veranstaltung des ASG Bildungsforum am 3. Juni in Düsseldorf Professor Franz-Josef Nocke (rechts im Bild) (Aufnahme: Christian Dick)

Doch es kam auf jeden Fall zur Behandlung von Themen, die den Menschen unter Fingernägeln brennen. Interessant war zum Beispiel, dass in einer Podiumsrunde mit Kardinal Lehmann und Kardinal Kaspar von der Mitdiskutantin Resi König, ehemalige Vorsitzende des BDKJ, die vehemente Forderung erhoben wurde, die Rolle der Frau in der katholischen zu stärken und ein Diakonat für Frauen einzuführen, da die Frauen in der katholischen Kirche zwar die gleiche Würde hätten, aber ihnen die gleichen Fähigkeiten, wie den Männern, abgesprochen würden, was starken Beifall fand. Demgegenüber war Kardinal Kaspar aufgeschlossen, sagte allerdings, dass dies noch ein langer Prozess sein werde.

Foto: Christian Dick, Chefredakteur NRW-d-e-p-e-s-c-h-e und Kardinal Walter Kaspar (Aufnahme: Damian Zidek)

Es wurde weiterhin das Thema einer glaubensfernen Gesellschaft intensiv behandelt und Dr. Andreas Püttmann referierte über sein Buch „Gesellschaft ohne Gott – Risiken und Nebenwirkungen der Entchristlichung Deutschlands“. Dieses Buch ist der eindringliche Appell an die Christen, mehr Präsenz im öffentlichen Leben zu zeigen und mit Nachdruck für christliche Werte einzustehen und appelliert an Menschen, die kirchenfern sind, nachzudenken.

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Jubelstimmung beim Nationalen Eucharistischen Kongress in Köln

Autoren: Christian Dick und Damian Zidek

Der liebe Gott muss in diesen Tagen ein Rheinländer sein. Und die Kölner haben einen besonders guten Draht zu Petrus. Anders ist das traumhafte Sommerwetter beim Nationalen Eucharistischen Kongress in Köln nicht zu erklären. Es herrschte am 6. Juni Jubelstimmung beim Schülerfestival mit der Band „Höhner“ auf dem Roncalliplatz.

Einen sehr lebendigen Vortrag über „Werte, Wahrheit und Glaube“ hielt Dr. Manfred Lütz. Er kam zu dem Fazit, dass man Gott auch auf humorvolle Weise darstellen kann, was aber nicht heiße, dass man ihn lächerlich mache. Schon Immanuel Kant habe die These aufgestellt, dass der Mensch wisse was das Gute sei. Laut Lütz habe Kant die Moralität durch folgende drei Argumente untermauert:

1. die Freiheit, die dem Menschen gegeben ist,

2. die Unsterblichkeit der Seele

und

3. Kant vertrat die Ansicht, dass es eine Instanz geben müsse, die nach dem Tod für Gerechtigkeit sorge.

Lütz hob hervor, dass Gott bei der Eucharistie gegenwärtig werde. Dies sei der  zentrale Aspekt beim Empfang der Heiligen Kommunion.

Weitere Highlights der Nationalen Eucharistischen Kongresses sind folgende:

lux eucharistica

Die Tübinger Lichtkünstler Sabine Weißinger und Friedrich Förster, die für die Lichtinstallation „lux eucharistica“ verantwortlich zeichnen, haben bereits die Pyramiden von Gizeh und die New Yorker Central Station in ein neues Licht getaucht. Nun verzaubern sie den Kölner Dom. Das einzigartige Schauspiel aus Lichtstrukturen und Farbklängen hat das Künstler-Duo, international bekannt als „Casa Magica“, eigens für den Eucharistischen Kongress entwickelt. Sechs Großbildprojektoren, viele Strahler und die Lichtanlage des Domes erwecken die hohen Wände der Kathedrale zum Leben – mit zentralen Motiven der Eucharistie: Fische tauchen im Wasser, Ähren wogen auf dem Feld. Vervollständigt wird die beeindruckende Sinneserfahrung durch Musik. Domorganist Winfried Bönig improvisiert an der Orgel, von leisen Tönen bis zu kräftigen Akkorden. Das Vokalensemble „Kölner Vokalsolisten“ bringt Stücke von Leon Boellmann, Samuel Barber und Olivier Messiaen zu Gehör. Noch bis Samstag einschließlich öffnet der Dom jeden Abend ab 21.30 Uhr seine Türen für die um 22 Uhr beginnende circa einstündige Veranstaltung. Sie bildet den Tagesabschluss des Eucharistischen Kongresses. Der Eintritt ist frei, das Platzangebot allerdings begrenzt. Für all jene, die keinen Platz mehr im Dom finden, wird das Lichtereignis auf eine Großbildleinwand vor dem Dom übertragen.

 http://erzbistumkoeln.mail-magazine.de/link.php?did=433&rid=819&auth=8c6c3d9cae4be4ba82deb106143ae29c&uid=1722

Bis Samstag finden jeden Tag um 10 Messen mit Katechese in verschiedenen Kölner Kirchen statt.                                                                                                                                                                                                                                          

Großen Andrang fand am Donnerstag Katechese in Groß St. Martin die Katechese mit Kardinal Lehmann.

Großer Andrang herrschte am Donnerstagvormittag in der Kölner Kirche Groß St. Martin. Viele Teilnehmer am Eucharistischen Kongress, die der ersten Katechese des Mainzer Bischofs Karl Kardinal Lehmann lauschen wollten, fanden keinen Sitzplatz mehr. Auch die aus dem Untergeschoss kurzerhand herbeigeschafften Kniebänke reichten nicht für alle, bald war die Kirche wegen Überfüllung geschlossen. Auf die Frage einer Rollstuhlfahrerin, ob es jemals ein gemeinsames Abendmahl geben werde, warb Kardinal Lehmann um Geduld. Er habe Verständnis, wenn Menschen die Theologen fragen: „Warum braucht Ihr so lange?“ Das sei wirklich eine „große Zumutung“ für viele. Angesichts der in den letzten Jahrzehnten im ökumenischen Gespräch erreichten Fortschritte habe er den Eindruck: „So viel fehlt eigentlich gar nicht, dass wir zusammenkommen können.“ Die noch zu klärenden Fragen rund um ein gemeinsames Verständnis von Amt und Kirche seien „wie der letzte Steilhang für einen Bergsteiger vor dem Gipfel“. Seine Sorge sei, dass „wir nicht die Kraft und den Mut haben jetzt weiterzusteigen“. Er gebe aber „die Hoffnung niemals auf“, so Lehmann.

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Ausstellung zum Grabtuch von Turin im Kölner Priesterseminar bis 19. Juni

Autor: Christian Dick

Am 4. Juni hat Kardinal Joachim Meisner im Kölner Priesterseminar eine vom Erzbistum Köln, gemeinsam mit Malteser Hilfsdienst und zahlreichen internationalen Wissenschaftlern konzipierte Ausstellung über das Turiner Grabtuch eröffnet. Während des Nationalen Eucharistischen Kongresses vom 6. bis 9. Juni und auch noch 10 Tage danach kann man die Ausstellung besichtigen.

Foto: In einer feierlichen Zeremonie segnete Meisner zu Beginn einen Korpus, dessen Gesicht dem Mann auf dem Turiner Grabtuch entspricht, rehchts neben dem Kardinal Andreas Süß, Subregens des Priesterseminars des Erzbistums Köln  (Aufnahme: Christian Dick).

Foto: Kardinal Meisner schneidet das Absperrband zur Ausstellung auf und eröffnet die Grabtuch-Ausstellung, neben ihm rechts: die Grabtuch-Experten Professor Giulio Fanti von Universität Padua und der Historiker und Buchautor Michael Hesemann (Aufnahme: Christian Dick)

Zunächst besichtigte Kardinal Meisner die Ausstellung und wurde dabei von dem Historiker Michael Hesemann, Autor des 2010 im Petra Kehl Verlag erschienenen Buches „Auf den Spuren des Turiner Grabtuchs“, begleitet, der viele interessante Informationen gab. So wurde zum Beispiel die Blutgruppe auf Tuch als A B identifiziert. Diese Bluttgruppe kommt Hesemann in Israel etwa acht Mal so viel vor, wie unseren Breitengraden. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass der Mann auf dem Tuch wirklich Jesus. Hesemanns Buch ist äußerst fesselnd und lässt den Leser nicht mehr los. Es ist sehr zu empfehlen.

 

Foto: Michael Hesemann (rechts) führt Kardinal Meisner durch die Ausstellung (Aufnahme: Christian Dick)

Giulio Fanti, Professor für mechanisch-thermische Forschung, Universität Padua, stellt jüngste Forschungsergebnisse vor, die belegen, dass die Annahme, dass das Tuch aus dem 13. oder 14. Jahrhundert datiert, falsch sind.

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Unser neues Gotteslob bekommt eine starke „rheinische“ Note

 

Foto: Monsignore Wilfried Korfmacher – ein großer Marienverehrer, der auch die jungen Menschen in diesem Sinne prägt (Aufnahme: Christian Dick)

Im Erzbistum Köln und gerade am Niederrhein wird die Marienverehrung groß geschrieben. Marianische Pilgerstätten sind zum Beispiel Kevelaer, die Gnadenkapelle in Meerbusch-Niederdonk und der Wallfahrtsort Marienbaum. Und es ist auch bestimmt kein Zufall, dass unzählige Kirchen im Rheinland auf die Gottesmutter Maria geweiht sind. Besonders groß geschrieben wird die Marienverehrung durch Monsignore Wilfried Korfmacher, von 1989 bis 2009 Pfarrer der Neusser Pfarrei St. Marien und seit 2009 Pfarrvikar im Seelsorgebereich Neuss-Mitte. Für ihn ist die Muttergottes eine unerlässliche Stütze in seinem Priesterberuf und in seinem Glauben. Und so nimmt Monsignore Korfmacher immer wieder gerne als Prediger an der jährlichen Wallfahrtswoche zur Schwarzen Muttergottes in Düsseldorf-Benrath teil. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass er zum 100jährigen Jubiläum der Pfarrei St. Marien im Jahre 1996 den Marientext zu einer zu Herzen gehenden Melodie des damaligen Kantors Claudius Stevens schrieb. Dieses Lied heißt „O Maria sei gegrüßt“. Auffällig ist, dass dieses Lied sehr viel freudiger und kraftvoller von der Gemeinde mitgesungen wird, als viele andere Lieder.

Nun ist ein neues Gotteslob für Deutschland, Österreich und die Schweiz in der Entwicklung. „Dieses wird vom Leiter des Hauptverlages, des Katholischen Bibelwerks Stuttgart, Jürgen Schymura wegen der breiten Beteiligung bei der Konzeption, als „demokratischtes Projekt“, das der Verlag je gemacht hat, bezeichnet. Es verfolgt den Leitgedanken, den regionalen Aspekt besonders zu betonen. Hierdurch soll die gemeinsame Identifikation der Gemeinden gefördert werden“, so Richard Mailänder, Diözesanmusikdirektor des Erzbistums Köln, am 2. Mai im Rahmen einer Pressekonferenz.  „Diesem Ansatz folgend, erging im Rahmen der Entwicklung des neuen Gotteslob der Aufruf, auch Lieder vorzuschlagen, die in den Gemeinden gerne gesungen werden und bisher im Gotteslob nicht enthalten waren“, betonte Monsignore Markus Bosbach, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge des Erzbistums Köln. Derartige Lieder kommen nun in den sogenannten Eigenteil des neuen Gotteslob, der für das jeweilige Bistum typische Gebete und Gesänge enthalten wird. Es gibt weiterhin einen einheitlichen Stammteil für alle deutschsprachigen Gebiete. Im neuen Gotteslob werden neue Werke von heutigen Textern bzw. Komponisten aus dem Rheinland zu finden sein, genauso, wie alte, wohlbekannte Lieder, bereits verstorbener Texter bzw. Komponisten aus dem Rheinland, wie etwa Caspar Ulenberg und Graf Friedrich von Spee. Im Eigenteil des Gotteslob wird künftig nun auch das Lied „O Maria sei gegrüßt“  von Stevens/Korfmacher zu finden sein. Sicherlich ist dies ein gutes Omen, denn es ist davon auszugehen, dass durch das neue Gotteslob, das am 1. Advent, dem 1. Dezember 2013, eingeführt werden soll, die rheinische Marienverehrung eine noch größere Strahlkraft entfalten wird. Zu hoffen ist, dass dieser Termin eingehalten wird. Denn dann könnte eine Woche später, am 8. Dezember 2013, dem Patronatsfest der Pfarrei St. Marien, dieses Lied bereits aus dem neuen Gotteslob gesungen werden.

Foto: Monsignore Markus Bosbach, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge des Erzbistums Köln, und Diözesanmusikdirektor Richard Mailänder beim Betrachten eines Musters des neuen Gotteslobs (Aufnahme: Christian Dick)

Autor: Christian Dick

Zum Nationalen Eucharistischen Kongress und zur Ergründung des Geheimnisses der Eucharistie

Autor: Christian Dick

Foto: Mottoschild des Nationalen Eucharistischen Kongresses (Aufnahme: Christian Dick)

Am Freitag, dem 19. April, beim Medienempfang anlässlich des Nationalen Eucharistischen Kongresses, der vom 5. bis 9. Juni 2013 in Köln stattfindet, zeigte sich Kardinal Meisner in bester Laune, man könnte fast sagen in Jubelstimmung. Er ist fest davon überzeugt, dass bei diesem Ereignis ein ähnlicher Geist wehen wird, wie beim Weltjugendtag 2005, nur mit dem Unterschied, dass dieser Kongress sich auf die nationale Ebene beschränkt und im Mittelpunkt die heilige Eucharistie, also die Feier des Todes und der Auferstehlung Jesu Christi steht und nicht, wie etwa bei einem Katholikentag, der durch das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken organisiert wird, vorrangig Podiumsdiskussionen zu kirchenpolitischen, gesellschaftspolitischen und sozialen Fragestellungen. Der Nationale Eucharistische Kongress wird von der Deutschen Bischofskonferenz ausgerichtet und in finanzieller Hinsicht basiert er auf einem Budget von rund 1 Million Euro.

Kardinal Meisner legte dar, dass der Kongress alle Generationen anspricht. Es wird spezielle Schwerpunkte für die Jugend und für Familien geben. An vier Tagen finden 80 Katechesen statt.

 

Foto: Joachim Kardinal Meisner (Aufnahme: Christian Dick)

„Auch wer keine Zähne hat, kann noch Biss haben!“

Kardinal Meisner lässt dieses bevorstehende Großereignis viel Schwung und Dynamik aufkommen. Trotz seiner bald 80 Jahre mangelt es ihm keineswegs an Vitalität. Bevor Kardinal Meisner um 11:00 Uhr wegen eines Zahnarzttermins den Medienempfang verlassen musste, erklärte er mit Vehemenz: „Auch wer keine Zähne hat, kann noch Biss haben!“

Der Kongress ist zwar gewissermaßen, eine Krönung des Zeit von Meisner als Hirte des Erzbistums Köln, bevor er voraussichtlich Anfang des nächsten Jahres in den Ruhestand gehen wird. Doch eine Verehrung seiner Person bei dem Kongress soll dieser Kongress keineswegs darstellen, das verbittet er sich ausdrücklich, im Mittelpunkt soll die Anbetung und Verehrung Jesu Christi stehen.

Der Kölner Erzbischof warb im ehemaligen Diözesanmuseum im Schatten des Kölner Doms um eine Teilnahme am Eucharistischen Kongress, bei dem es an fünf Tagen nahezu 800 Veranstaltungen, davon 80 Katechesen und Messfeiern in 32 Kirchen geben wird. „Die Feier der Eucharistie, die Begegnung mit Christus soll der Mittelpunkt des Eucharistischen Kongresses sein, dazu auch die Begegnung untereinander“, so Kardinal Meisner.

Das werde auch bei den großen Gottesdiensten zum Auftakt und zum Abschluss des Kongresses deutlich. „Im Kölner Tanzbrunnen, wo der Eucharistische Kongress eröffnet wird, ist ein Altar und dem weithin bekannten Sternwellenzelt aufgestellt, umringt von Wasser und farbenprächtigen Blumen. Extra für diesen Auftakt-Gottesdienst wird auch ein großes, beleuchtetes Kreuz aufgestellt, das weithin sichtbar sein wird. Es erinnert an das Motto des Kongresses: ‚Herr, zu wem sollen wir gehen? (Joh 6,68)’.“ Das Kreuz sei ein Orientierungspunkt und eine Antwort für die Menschen: „Hierhin könnt ihr gehen, kommt zu uns und zu dem, der in Gestalt der Eucharistie mitten unter uns ist“, sagte Kardinal Meisner.

Im Rahmen des Medienempfangs fand die Premiere des Liedes zum Eucharistischen Kongress statt. Oliver Sperling, Domkantor und Chorleiter am Kölner Dom, hat das Lied mit dem Titel „Brot und Wein, Zeichen des Lebens“ komponiert. Das Pilgerlied soll die Teilnehmer auf ihrer Pilgerreise nach Köln begleiten und auf das große Glaubensfest vorbereiten. Vorgetragen wurde das Lied von Kommunionkindern der Kölner Domsingschule. Ein Video mit diesem Lied kann unter folgendem Link abgerufen werden: https://vimeo.com/64711474

Foto: Kinderchor (Aufnahme: Christian Dick)

Kardinal Meisner hat in einem Kinderhirtenbrief die Kinder persönlich zum Abschlussgottesdienst des Eucharistischen Kongress ins RheinEnergieStadion eingeladen. Die Atmosphäre bei diesem großen  Abschlussgottesdienst stelle er sich ein bisschen so vor, wie bei der Abschlussmesse auf dem Marienfeld zum Weltjugendtag in Köln 2005, merkte er an. Bei diesem Gottesdienst, der live im ZDF übertragen wird, werden fast alle deutschen Bischöfe erwartet.

Der Eucharistische Kongress wird von einem umfangreichen Kulturprogramm begleitet. Mit Musik und Gesang treten zahlreiche Bands und Chöre auf, wie zum Beispiel die Newcomer Kasalla und Cat Ballou. Außerdem ist die Kölner Mundartband Höhner am Programm beteiligt.

Insbesondere freue man sich auch auf zahlreiche junge Menschen aus ganz Deutschland, die an dem Jugendfestival während des Kongresses teilnehmen, das unter dem Leitwort „Nicht weniger als die Welt retten wollen“ steht.

Die Jugendlichen erwartet ein zielgruppengerechtes Programm mit Workshops zu Glaubensthemen, Filmvorführungen und einer Schifffahrt mit Pilgermahl auf dem Rhein.

Kardinal Meisner hob hervor, dass beim Nationalen Eucharistischen Kongress der Verehrung Gottes in Stille und der inneren Einkehr großer Raum geboten wird: „Während wir mit dem vielfältigen Programm tagsüber beim Eucharistischen Kongress zu Katechesen, Gottesdiensten, Beichtgelegenheiten und der Möglichkeit zur stillen Anbetung des Allerheiligsten einladen, wird es zur Nacht hin, von Mittwoch bis Samstag, im Dom einen ganz besonderen Ausklang für den Geist und die Sinne geben. Lux eucharistica – die Lichtinstallation zum Eucharistischen Kongress, wird unsere Hohe Domkirche mit Lichtstrukturen und Farbklängen, mit Musik und Gesang fluten. Hier laden wir alle ein, zu Staunen, Stille und Gebet. Lux eucharistica schließt mit dem Segen zur Nacht“, sagte Kardinal Meisner. Mit dem Wort aus dem Johannesevangelium, „Herr, Du hast Worte des ewigen Lebens“ (Joh 6,68), sei der Abschlusstag überschrieben.

Kardinal Meisner: „Diese Erkenntnis und die Gewissheit, dass Christus sich uns selbst überlassen hat und bei uns ist alle Tage – das wollen wir beim Eucharistischen Kongress gemeinsam feiern.“

 

Foto: Janus Fröhlich von der Gruppe „Höhner“ vor dem Kölner Dom (Aufnahme: Christian Dick)

Der Projekleiter Hermann Josef Johanns interviewte im Anschluß Janus Fröhlich, Schlagzeuger und Lead-Sänger der Band Die Höhner. Janus Fröhlich berichtete von den Vorbereitungen zum Schülertag, der am Donnerstag, dem 6.6. im Rahmen des Eucharistischen Kongresses stattfindet. Er sei bei der Auslobung des Schulwettbewerbes auf der großen Bühne auf dem Roncalliplatz auch selbst mit dabei.

Seine Erwartungen an das Glaubensfest beschreibt er euphorisch: „Ich erwarte eine Stärke des eigenen Glaubens, diesen nach außen tragen zu können auch in caritativem und nachhaltigen Handeln.“ Janus Fröhlich berichtet ebenfalls, dass er selbst ein gläubiger Mensch sei und von seinem Fenster aus die St. Agnes-Kirche in Köln sehen könne. Das schönste sei für ihn das Glockengeläut morgens um 8:00 Uhr, denn dann wisse er, dass jetzt Messe sei. Scherzhaft merkte an, dass auch in Liedern der Höhner der Bezug zu Gott gegeben sei, so etwa in dem Lied „Der liebe Gott weiß, dass ich kein Engel bin“. Und in dem Lied „Viva Colonia“ heiße es „Wir glauben an den lieben Gott und ham noch immer Durst“, womit nicht der Bierdurst, sondern der Wissensdurst gemeint sei.

Am Schluß warb Domdechant und zugleich Sekretär des Nationalen Eucharistischen Kongresses Monsignore Robert Kleine noch einmal um Helfer für den Kongress. Auch Quartiere für die aus ganz Deutschland anreisenden Pilger würden noch benötigt.

 

Foto: das Team des Eucharistischen Kongress: Frau Nicola Löffler, Herr Hermann-Josef Johanns, Kardinal Meisner, Sarah Meisenberg, Janus Fröhlich, Monsignore Robert Kleine, Dr. Andrea Imig (Aufnahme: Christian Dick)

Weitere Informationen erhalten Sie unter der Internetadresse www.eucharistie2013.de.

Zu dem Thema Heilige Eucharistie fand am Montag, dem 22. April, ein interessanter Vortrag von Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp statt. Mehr hierzu erfahren Sie, wenn Sie die Überschrift dieses Artikels anklicken. Weiterlesen

Zum 1300. Todestag: Gedenken an den Heiligen Suitbertus in Düsseldorf-Kaiserswerth

Autor: Christian Dick

Foto: die Basilika St. Suitbertus in Düsseldorf-Kaiserswerth (Aufnahme: Christian Dick)

Der Heilige Suitbertus ist der erste namentlich erwähnte Düsseldorfer Bürger. Am 1. März 713 ist der Heilige Suitbertus gestorben. Er wurde etwa im Jahre 692 zum Bischof geweiht und hat den katholischen Glauben insbesondere am Niederrhein verbreitet und in Düsseldorfer-Kaiserswerth ein Kloster gegründet, aus dem Stiftsschulen entstanden sind, in deren Tradition das Suitbertus-Gymnasium in Düsseldorf-Kaiserswerth noch heute steht. Daher wird in diesem Jahr in Düsseldorf-Kaiserswerth, wo in der Basilika St. Suitbertus der Schrein mit den Gebeinen des Heiligen aufbewahrt wird, in besonderer Weise seiner gedacht. Das ganze Jahr über finden Düsseldorf-Kaiserswerth interessante Veranstaltungen anlässlich dieses Jubiläumsjahres statt.

Foto: der Schrein mit den Gebeinen des Hl. Suitbertus (Aufnahme: Christian Dick)

Foto: Weibbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp (Aufnahme: Christian Dick)

In Vertretung von Kardinal Meisner zelebrierte Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp am 3. März ein Pontifikalamt in Düsseldorf-Kaiserswerth. In seiner Predigt hob er folgende drei zentrale Charakteristika des Hl. Suitbertus hervor:

 

1. Frömmigkeit

Das Evangelium dieses Sonntags (Lukas 13,1-9), ausgedrückt im Gleichnis des Feigenbaumes, der keine Frucht bringt, der aber dennoch nicht umgehauen werden soll, weil er vielleicht im nächsten Jahr noch Frucht bringen kann und die 1.  Lesung (Exodus 3.1-8a.13-15) in der heiße  „Wenn ihr nicht umkehrt, werdet Ihr umkommen“, so Schwaderlapp, passe eigentlich auf den ersten Blick gar nicht zu diesem Festtag in Düsseldorf Kaiserswerth. Doch das Evangelium des dritten Fastensonntags und die 1. Lesung zeigten auch einen gnädigen Gott, der aber auch herausfordere. Zum nächsten, zum neuen Schritt. Es gehe um die Frag ob ein Mensch anders werden, ein neues Leben anfangen könne. In der 1. Lesung werde der Mensch dazu aufgefordert, sein Leben zu gestalten, seine Berufung zu finden. Und der Mensch werde ermutigt, das in den Blick zu nehmen, was der Veränderung bedürfe, wo Umkehr notwendig sei. Und genau dies habe der Hl. Suitbertus gemacht, als er von England umgekehrt und an den Niederrhein gegangen sei.

2. Begeisterung

Seine Begeisterung, so Schwaderlapp, habe den Hl. Suitbertus nach Außen gedrängt, den Menschen die Frohe Botschaft zu verkünden.

3. Tapferkeit

Schließlich, so Schwaderlapp, sei der Hl. Suitbertus auch tapfer gewesen. Seine Mission sei auch auf Widerstand gestoßen. So sei er insbesondere von den Sachsen bekämpft worden. Der Hl. Suitbertus habe aber immer im Glauben standgehalten und sei tapfer gewesen.

Im Rahmen des anschließenden Festakt im Suitbertus-Gymnasium verlaß Weihbischof Schwaderlapp folgendes Grußwort von Kardinal Meisner:

„Der Erzbischof von Köln

Köln,

im Februar 2013

Grußwort zum 1.300. Todestag des hl. Suitbertus in Kaiserswerth

Liebe Festversammlung in Kaiserswerthl

Im ganzen Erzbistum Köln gedenken wir in diesem bewegten Kirchenjahr 2013 der Wurzeln und Entfaltung unseres christlichen Glaubens. Neben dem Nationalen Eucharistischen Kongress in Köln in der Mitte des Jahres feiern wir das Bistumsjubiläum von 1.700 Jahren Geschichte der Christen am Rhein. Es gab sicher früher schon zahlreiche Christen im nördlichen Rheinland, doch wenige Jahre vor dem Jahr 313 waren sie im römischen Reich wegen ihres Glaubens an Christus noch verfolgt worden. Als dann im Jahre 313 Kaiser Konstantin die „Religionsfreiheit“ auch für die Christen einführte, wirkte schon ein bedeutender Bischof in Köln, der später als Heiliger verehrt wurde. Zweimal berichten die Quellen über Bischof Maternus, woraus erkennbar wird, dass das linksrheinische Gebiet – neben Trier – auch in Köln schon einen gesamtkirchlich bekannten Ort hatte.

Jenseits der römischen Rheingrenze brauchte die christliche Mission noch größeren Glaubenseifer, wie er in irischen Klöstern des 7. Jahrhunderts erblüht war. Wie uns der Zeitgenosse Beda Venerabilis berichtet, zog mit der Schar der angelsächsischen Missionare um den Friesenmissionar Willibrord auch der um das Jahr 637 geborene Suitbertus zunächst mit nach Rom. Nachdem auch Suibertus zum Bischof geweiht worden war, wandte er sich selbständig der Bekehrung zunächst der fränkischen Brukterer zwischen Ruhr und Lippe zu und missionierte dann u. a. im Bergischen Land Mit Unterstützung des fränkischen Machthabers und Hausmeiers Pippin des Mittleren konnte Bischof Suitbertus nahe der fränkisch-sächsischen Grenze auf einer Rheininsel ein Kloster gründen, welches das erste Benediktinerkloster auf der rechten Rheinseite im Bistum Köln war. In diese „Bleibe“ des Klosters Kaiserswerth zog sich Bischof Suitbertus zurück und starb dort im „biblischen Alter“ von über 70 Jahren am 1. März des Jahres 713.

Die bald danach einsetzende lebendige Verehrung seiner Reliquien in der Kaiserswerther Stiftskirche fand ihren Ausdruck in dem reich verzierten Suitbertus-Schrein, der in die Reihe der bedeutenden mittelalterlichen Reliquienschreine des Rhein-Maas-Gebietes gehört. Eine um 1500 erschienene Lebensbeschreibung berichtet sogar von einer Heiligsprechung am Ort durch Papst Leo III. im Jahre 803 im Beisein Karls des Großen. Nach der Aufhebung des Kaiserswerther Kanonikerstiftes 1803 wurde die Suitbert-Prozession durch die Pfarrei kontinuierlich und rege, beispielsweise im Jahre 1842, von Düsseldorf aus fortgeführt. Während zeitweise nur alle 25 Jahre sein Jubiläum würdig gefeiert wurde, bekommt im 21. Jahrhundert diese besondere Feier zu seinem 1.300 Todestag eine größere und tiefere Dimension für den Pfarrverband Angerland-Kaiserswerth, in ökumenischer Dimension und im Rahmen des Bistumsjubiläums.

Möge der Stern, der dem hl. Suitbertus der Legende nach bei seiner Geburt aufleuchtete und ihn zu den Menschen der Region an Rhein, Ruhr und Wupper führte, auch aufleuchten über Ihren Christengemeinden und Sie alle auf den Weg zu  Christus in seiner Kirche führen. Was Suitbertus in seinem missionarischen Leben in Erfüllung des biblischen Auftrages „Ihr sollt meine Zeugen sein“ (Apg. 1,8) verwirklicht hat, ist Ihr Jubiläums-Motto und uns allen als Christen aufgegeben, im Alltag, in der Gesellschaft und in der Weltkirche zu leben. Dazu sende ich Ihnen im Jahr unseres Bistumsjubiläums auf die Fürsprache des Hl. Petrus, des hl. Suitbertus und der Gottesmutter Maria meinen bischöflichen Segen.

Ihr

Joachim Kardinal Meisner.“