Archiv der Kategorie: Kultur

Was unverhoffter Geldsegen mit sich bringen kann

Autor: Christian Dick

„Funny Money“ heißt die neue Inszenierung im Kölner Theater am Dom. Diese Komödie von Ray Cooney ist sehr spritzig und voller Überraschungsmomente. All das garantiert einen äußerst kurzweiligen Theaterabend, entsprechend stark war der Beifall am Premierenabend. Im Mittelpunkt steht das liebe Geld. Wie die Jungfrau zum Kinde, so kommt die Hauptfigur Heiner B. Liebig völlig überraschend zu einem Koffer mit 1,5 Millionen EURO. Grund ist eine Verwechslung zweier Aktenkoffer. Heiner hat keinerlei Skrupel, als er den Plan fasst, das Geld einfach zu behalten. Er plant auf der Stelle mit dem Geld und seiner Frau aus Deutschland zu verschwinden, was jedoch ein extrem kompliziertes Unterfangen ist. Es zeigt sich plötzlich, dass das liebe Geld nicht unbedingt glücklicher macht, sondern stattdessen für viel Chaos sorgt. Zunächst wird Heiner durch seine Geburtstagsgäste gestört und auf einmal tauchen noch zwei Polizisten aus der Polizeiwache Altstadt-Süd bzw. Rodenkirchen auf, die Heiner nicht mehr aus den Augen lassen und deren Schweigen sich Heiner teuer erkaufen muss. Zu allem Überfluss wird schließlich der eigentliche Inhaber des Geldes tot im Rhein gefunden und anhand der Papiere in seinem Aktenkoffer als Heiner B. Liebig identifiziert. Als wäre das alles nicht schon genug, wird Heiner dann auch noch von einem mysteriösen Mr. Big verfolgt. Damit gerät Heiners zuvor heile Welt völlig aus den Fugen. Der Stoff dieser turbulenten Komödie ist ganz unverkennbar die bissige Art von Ray Cooney, der auch die Stücke AUßER KONTROLLE, TAXI-TAXI, MRS. MARKHAM und viele andere äußerst erfolgreiche Stücke schrieb.

Die acht mitwirkenden Schauspieler bestechen durch ihr natürliches Auftreten. Mit von der Partie sind Saskia Valencia, Peter Nottmeier, Jacques Breuer, Simone Pfennig, Thomas Gimbel, Stephan Schleberger, Stefan Preiss und Kleber Valim. Die Regie liegt in den Händen von.

Diese Inszenierung ist sehr sehenswert und ist bis zum 10. Februar 2018 im Programm.

Nähere Informationen gibt es bei Theater am Dom an der Theaterkassen, Opern Passagen – Glockengasse 11, 50667 Köln oder unter der Telefonnummer 0221 – 2580155 sowie unter auf der Internetseite des Theater am Dom unter folgender Adresse: http://www.theateramdom.de/

 

Grazie, Maestro Muti!

04.11.2017 Köln Philharmonie Stardirigent Riccardo Muti beim Signieren von CD’s etc. im Foyer im Anschluss an das Konzert Foto Andrea Matzker

Eine einzigartige Sternstunde in der Kölner Philharmonie

Von Andrea Matzker

Als Maestro Riccardo Muti pünktlich genau zwei Stunden vor Beginn der großen Messa da Requiem von Giuseppe Verdi am Künstlereingang der Philharmonie erschien, warteten dort bereits unzählige Autogrammjäger und ca. 300 Aspiranten auf Restkarten oder Stehplätze geduldig vor dem Haus. Die Schlange reichte fast bis zum Rhein hinunter. Zur Verwunderung aller Fans kam der Meister völlig unprätentiös allein und ohne jegliche Begleitung und bahnte sich mild lächelnd einen Weg durch die Massen. Der gesamte riesige Musikapparat von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks war erst soeben aus München angereist. Das Publikum in der Philharmonie, die bis auf den letzten Platz bereits wochenlang ausverkauft war, wartete mit Spannung auf den Auftritt Mutis im Konzertsaal. Als er endlich nach Orchester, Chor und Solisten auftrat, wurde er mit brandendem Applaus empfangen. Als er den Taktstock hob, hätte man eine Stecknadel fallen hören können, es schien, als ob das gesamte Publikum den Atem anhielt. Und dies während der ganzen 100 Minuten des Requiems. Muti verzauberte die Menschen mit seiner zurückhaltenden, tiefgehenden und feinen Interpretation Verdis derart, dass viele Zuschauer Tränen in den Augen hatten. Alle waren komplett in seinem Bann. Dafür spendete das Publikum auch zehn ganze Minuten stehende Ovationen, Bravo-Rufe und donnernden Applaus für Orchester, Chor, Sopran Krassimira Stoyanova, Mezzosopran Anita Rachvelishvili, die für die erkrankte Elina Garanca eingesprungen war, Tenor Francesco Meli, Bass Riccardo Zanellato und Riccardo Muti! Vielleicht war Muti gerade an diesem Tag auch so besonders mitreißend, weil der 4. November der Feiertag der nationalen Einheit in Italien ist, für die Verdi sich bereits selbst intensiv eingesetzt hatte. Nicht umsonst stammt auch von ihm die italienische Nationalhymne. Im Anschluss an das Konzert meinten auch einige Musiker des Bayerischen Symphonieorchesters selbst, dass Muti heute so besonders bewegend dirigiert habe. Es war auch ihnen aufgefallen. Treue Philharmonie-Besucher, die seit fast 30 Jahren regelmäßig zu Konzerten kommen, sagten, noch nie etwas derartig Wunderbares gehört und erlebt zu haben. Zur großen Freude der Fans gab der Maestro im Anschluss noch Autogramme im Foyer der Philharmonie, wo sich eine ebenso lange Schlange von Wartenden gebildet hatte, wie zu Beginn vor dem Haus. Alle Beteiligten waren sich einig, dass dieser Konzertabend der entschiedene Höhepunkt der Saison und eine unvergessliche Sternstunde für Köln und die Philharmonie war.

Inszenierung mit psychologischem Tiefgang im Theater KammerSPIELCHEN

Autor: Christian Dick

Foto: Edmund Willms (als Abel Znorko) und Stephan Tacke-Unterberg (als Erik Larsen) (Aufnahme: Wilfried Schröder)

Eric-Emmanuel Schmitt, geboren 1960 in Sainte-Foy-lès-Lyon, studierte Klavier in Lyon und Philosophie in Paris. Er lebt heute in Brüssel. Mit seinen kleinen Erzählungen über die großen Religionen der Welt wie »Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran«, »Oscar und die Dame in Rosa« oder »Das Kind von Noah« wurde er international berühmt und gehört zu den erfolgreichsten Gegenwartsautoren in Frankreich. Seine Werke wurden in 40 Sprachen übersetzt und haben sich mehr als zehn Millionen Mal verkauft. Mit einem eigenen Theater in Paris, das er 2012 erwarb, erfüllte sich Eric-Emmanuel Schmitt einen langersehnten Traum.

Ein Stück ganz anderer Art, aber mit ebenso viel Tiefgang wie die anderen Werke des Autors steht auf dem Programm des Theater KammerSPIELICHEN in Mettmann, Solingen, Wuppertal und Oberhausen. Der Titel  heißt „Enigma“, und hierbei handelt es sich um einen Theaterstoff mit extremem psychologischen Tiefgang. Ebenso wie in dem Film „Enigma – eine uneingestandene Liebe“ spielen auch in dieser Bühnenfassung die Enigma-Variationen, ein Orchesterwerk (op. 36) des britischen Komponisten Edward Elgar eine zentrale Rolle. Im Vordergrund stehen zwei Charaktere,, der renommierte Schriftsteller Abel Znorko und der Lokaljournalist Erik Larsen, die so unterschiedlich sind, dass sie sich ganz einfach extrem aneinander aufreiben müssen.  Znorko ist völlig verschroben und extrem menschenscheu und gegenüber Fremden auch feindlich eingestellt, was daher resultiert, dass seit Jahren wie ein Einsiedler auf der norwegischen Insel Rösvannoy lebt. Er musste sich schon sehr herablassen, um auf Grund des Erscheinens seines neuen Romans Erik Larsen ein  Interview zu gewähren, was bei  Znorko estremen Seltenheitswert hat. Trotz dieses Zugeständnis macht Znorko allerdings keinen Hehl daraus, dass er eine Antipathie gegenüber Journalisten hegt, was er Larsen auch deutlich zu verstehen gibt, und daher muss Larsen sich regelrecht schikanieren und demütigen lassen. Larsen will einige Male die Brocken hinwerfen und das Interview beenden, doch Znorko macht es ihm unmöglich, zu gehen. Irgendetwas scheint im Raum zu stehen, was die beiden Männer verbindet. Was das ist, darüber kann das Publikum bei dieser spannenden und sehr gelungenen Inszenierung von Regisseur Marc Ossenbrink zwei  Stunden lang mitfiebern und miträtseln. Die Schauspieler Edmund Wilms als Schriftsteller Abel Znorko und Stephan Tacke-Unterberg als Journalist Eric Larsen sind bei diesem Stück extrem gefordert, weil die Dialoge sehr lang und tiefgehend sind und die Darsteller gleichzeitig auch darstellen, wie sehr die Dialoge die dargestellten Figuren innerlich aufreiben.

„Enigma“ wird an folgenden Terminen aufgeführt:

Mettmann

KammerSPIELCHEN Mettmann

Poststr. 15

40822 Mettmann

Sa, 30. September 2017, 20 Uhr

in Solingen-Gräfrath

KammerSPIELCHEN Solingen

Gerberstr. 8

42653 Solingen

Fr, 06. Oktober 2017, 20 Uhr

Fr, 13. Oktober 2017, 20 Uhr

So, 15. Oktober 2017, 15 Uhr

Oberhausen

KammerSPIELCHEN im Gdanska Oberhausen,

Am Altmarkt ​

Eingang: Gutenbergstr. 8

46045 Oberhausen:

Fr, 20. Oktober 2017, 20 Uhr

Sa, 28. Oktober 2017, 20 Uhr

in Wuppertal: (Mallack 11 42281 Wuppertal)

Sa, 02. Dezember 2017, 20 Uhr

Sa, 09. Dezember 2017, 20 Uhr

So, 10. Dezember 2017, 18 Uhr

Weitere Informationen zum Theater KammerSPIELCHEN sind unter folgendem Link im Internet zu finden: http://www.theater-kammerspielchen.de/

 

Generationenkonflikt als Theaterstoff

Autor: Christian Dick

„WIR SIND DIE NEUEN“ – so lautet der Titel der Komödie von Ralf Westhoff, die am 7. September 2017 im Kölner Theater am Dom Premiere feierte. Die NEUEN, das sind drei Alt-68er, die schon vor 35 zusammengelebt haben und sich nun erneut dazu entschließen, eine Wohngemeinschaft zu gründen und neu in ein Haus eingezogen sind. Diese werden von Simone Rethel, Joachim Luger und Lutz Reichert dargestellt. Ihre Überraschung ist alles andere als freudig als sie sich der Studenten-WG, die ein Stockwerk über ihnen wohnt, vorstellen. Dargestellt wird die Studenten-WG von Katarina Schmidt, Florian Gierlichs und Julie Stark. Bereits die erste Kommunikation zwischen den beiden Generationen funktioniert überhaupt nicht, weil die Studenten und die Alt-68er offensichtlich in völlig verschiedenen Welten leben. Und so reiben sich in diesem Stück die Gemüter all dieser Personen aneinander auf. Während die Alt-68er völlig relaxed sind, ihr Leben genießen, nachts trinken, philosophieren und die Hits aus ihren jungen und wilden Jahren hören, arbeiten die nur auf ihre berufliche Karriere fixierten jungen Leute, für die Lebensfreude und Leichtigkeit Fremdwörter sind, an der für sich optimalen Vereinbarkeit zwischen Arbeits- und Privatleben und an einem glatten Lebenslauf. Die Probleme unter Nachbarn gipfeln sich in dieser äußerst spannenden Inszenierung von Theatermitinhaber und Regisseur René Heinersdorff zu einer harten Auseinandersetzung zwischen den Generationen auf, die wie eine Spirale verläuft und zu eskalieren droht. Schließlich kommt es zu einer unerwarteten Wendung.

Bis zum 19. November 2017 ist diese Komödie im Theater am Dom zu sehen. Weitere Informationen sind unter folgender Internetadresse zu finden: http://www.theateramdom.de/

Historische Komödie im Theater an der Kö

Autor: Christian Dick

Das Ensemble des Stücks „The King’s Speech – Die Rede des Königs“ im Düsseldorfer Theater an der Kö (Foto: Dennis Häntzschel, Quelle: Theater an der Kö)

Der Film The King’s Speech ist eine britische Filmbiographie aus dem Jahre 2010 und stellt den britischen König George VI. in den Mittelpunkt. Der Film gewann bei der Oscarverleihung im Jahre 2011 Auszeichnungen in den Kategorien bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller und bestes Originaldrehbuch. Nun hat sich das Düsseldorfer Theater an der Kö dieses authentischen Stoffs angenommen und ihn in einer schauspielerisch ausgezeichneten Inszenierung auf die Bühne gebracht. Die Premiere am 1. September 2017 wurde mit lang anhaltendem Beifall bedacht. Der Besuch dieses Theaterstücks ist sehr zu empfehlen.

Die deutsche Bühnenfassung „THE KING`S SPEECH – DIE REDE DES KÖNIGS“ stammt aus der Feder von David Seidler. Das Stück ist schauspielerisch eine enorme Herausforderung, acht Schauspieler wirken hierbei mit. Sehr stark ist Hauptdarsteller Christopher Krieg gefordert, der „Bertie“, den Herzog von York und späteren König George VI. verkörpert, der seit seiner Kindheit ein Stotterer war und extrem starke Nerven brauchte, um die strenge Erziehung seines Vaters und auch viel Spott und Häme zu ertragen.

Als Schauspieler sind mit von der Partie HARTMUT VOLLE, CHRISTOPER KRIEG, SUSANNE STEIDLE, INES ARNDT, FRANK BÜSSING, CLAUS THULL-EMDEN, MANFRED MOLITORISZ, THOMAS GIMBEL, HORST R. NAASE.

Regie führt Claus Helmer.

Handlung

Das Londoner Wembley-Stadion im Jahre 1925. Albert, Herzog von York, der zweitgeborene Sohn des britischen Königs, soll eine Rede halten, die durch das neue Massenmedium Radio in Abertausende Haushalte übertragen wird. Die Ansprache wird zum Desaster – denn Albert ist seit frühester Kindheit Stotterer.

Kein Arzt scheint ihm helfen zu können – bis seine Frau Elizabeth Kontakt zu dem exzentrischen Sprachtherapeuten Lionel Logue aufnimmt. Und tatsächlich: anfangs von dessen direkter Art und seinen unkonventionellen Methoden irritiert, fasst der Herzog langsam Vertrauen zu seinem Lehrer. Bald stellen sich erste Erfolge ein, und zwischen Lionel und „Bertie“ entsteht eine vorsichtige Freundschaft.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Alberts Vater, König George V. stirbt; sein Bruder Edward verzichtet aus Liebe auf den Thron – und so wird Albert unter dem Namen George VI. zum König gekrönt. Der Druck auf ihn wächst – nicht zuletzt durch den drohenden Krieg gegen Nazideutschland. Wie wird der junge König seine öffentlichen Auftritte meistern?

Weitere Informationen über das Theater an der Kö, zur Kartenreservierung und zur neuen Spielzeit 2017/2018 sind unter folgender Internetadresse zu finden: www.theateranderkoe.de

 

„Honig im Kopf“ erfolgreich im Theater an der Kö gestartet

Autor: Christian Dick

Foto: das Ensemble von „Honig im Kopf“: Astrid Kohrs, Anne Bedenbender, Karsten Speck, Achim Wolff (Aufnahme, copyright: Christian Dick)

Mit lang anhaltendem Applaus wurde am 28. April 2017 die Premiere einer Theaterfassung des Films „Honig im Kopf“ von Til Schweiger und Hilly Martinek bedacht. Florian Battermann und der Direktor des Düsseldorfer Theater an der Kö René Heinersdorff, der auch Regie führte, hatten das Thema des Kinofilms für die Bühne adaptiert. Es handelt sich in diesem Fall um eine Co-Produktion mit dem Schlossparktheater in Berlin und der Komödie am Altstadtmarkt in Braunschweig. Der Inhaber des Berliner Schlossparktheaters Dieter Hallervorden hat in dem Kinofilm „Honig im Kopf“ die Hauptrolle des an Demenz erkrankten Amandus Rosenbach gespielt.

René Heinersdorff hat die Theaterfassung auf vier Personen reduziert. Bei dem Thema Demenz reagieren die meisten Menschen erschrocken, mit Betroffenheit oder Mitleid. Wie verhält man sich gegenüber einem Menschen, der Demenz hat? René Heinersdorff hat bei dieser Theaterfassung sehr gut herausgearbeitet, deutlich zu machen, dass Zuneigung, Liebe und natürlicher Umgang mit von Demenz Betroffenen unter Umständen eine größere medizinische Wirkung zeitigen, als der konventionelle Ansatz. „Da Demenz nicht eine organische Erkrankung ist, sondern auch von psycho-sozialen Faktoren abhängt, besteht eine Vielzahl von Möglichkeiten, Humor als Lebenselixier oder Therapeutikum einzusetzen“ – so legt es Professor Dr. Dr. Rolf D. Hirsch von den Rheinischen Landeskliniken Bonn und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. im Programmheft zu dem Stück „Honig im Kopf“ dar.

Die Theaterversion von „Honig im Kopf“ macht also nicht traurig, sondern lädt gerade dadurch zum Schmunzeln und Lachen ein, dass man hier hautnah mitbekommt, dass ein Mensch, der Demenz hat, dadurch Lebensfreude erfahren kann, dass ihm gezeigt wird, dass er als Mensch noch gebraucht wird und nicht alleine ist. Diese Inszenierung im Düsseldorfer Theater an der Kö ist sehr zu empfehlen. Bis zum 18. Juni steht „Honig im Kopf“ auf dem Programm.

Inhalt des Stücks

Amandus wird alt. Alt und vergesslich. Seine Enkelin Tilda will aber nicht, dass er in eine Alters – Residenz abgeschoben wird, und so versucht die Familie alles, ihn bei sich zu behalten. Die Katastrophen lassen nicht lange auf sich warten. Bis Tilda beschließt, ihrem Opa noch einmal Venedig zu zeigen. Die Reise dorthin wird ein Wettlauf gegen die Zeit…

Achim Wollff hat sich sehr einfühlsam in die Rolle des an Demenz erkrankten Amandus Rosenbach hineinversetzt. Anne Bedenbender spielt die Rolle seiner Enkelin auf sehr natürliche Weise. Karsten Speck stellt Niko Rosenbach, den Sohn von Amandus Rosenbach dar, und macht sehr gut deutlich, wie tief den Angehörigen eine solche Situation unter die Haut geht. Astrid Kohrs in der Rolle von Sarah Rosenbach, der Schwiegertochter von Amandus Rosenbach, stellt in ihrer Rolle sehr gut dar, dass es problematisch wird, wenn man mit einem von Demenz betroffenen Menschen nicht genug Geduld hat.

Weitere Informationen gibt es unter folgender Internetadresse: http://www.theateranderkoe.de/ .

Festakt 60 Jahre Kölner Oper am Offenbachplatz

11.03.2017 Köln Staatenhaus Festakt 60 Jahre Kölner Oper Uschi Cöbler Dr. Karl Zieseniß im 103. Lebensjahr und Dr. Birgit Meyer Foto Andrea Matzker

Autor: Dr. Egon Schlesinger

Am 18. Mai 1957 wurde das damals von der Presse als „schönster Theaterbau Deutschlands“ gerühmte Opernensemble des Architekten Wilhelm Ripahn am Offenbachplatz feierlich eröffnet. Am 19. fand die Premiere des Oberon statt, und im Juli des gleichen Jahres gab die Mailänder Scala ein Gastspiel mit Maria Callas in der Titelrolle der Sonnambula von Vincenzo Bellini. Ehrengast beim Festakt zum 60jährigen Jubiläum im Interimsquartier Staatenhaus war Dr. Karl Zieseniß, heute im 103. Lebensjahr, und damals Verwaltungsdirektor der Bühnen der Stadt Köln. Er war es auch, der Maria Callas vom Bahnhof mit einem großen Blumenstrauß abgeholt hatte. In einer launigen Rede schilderte er plastisch, dass das damalige Haus punkt- und zeitgerecht, wenn auch nicht so ganz vollendet, eröffnet werden konnte. Die Intendanz schlug jeden Abend drei Kreuze, wenn der Vorhang aufging, „mit oder ohne Pfusch“. Das Haus wurde damals im Volksmund auch als „Grabmal des unbekannten Intendanten“ bezeichnet. Dr. Zieseniß beendete seine Ansprache in Anspielung auf die stark verzögerte Wiedereröffnung des Hauses mit Blick auf die Intendantin: „Ich hoffe, dass Sie auch möglichst bald einziehen, denn ich möchte es gerne erleben und es nicht „vom Himmelspötzche“ („von der Himmelspforte“ auf Hochdeutsch) aus ansehen!“ Intendantin Dr. Birgit Meyer widmete den Festakt ausdrücklich dem für Köln und seine Nachkriegszeit so wegweisenden Architekten und Erbauer des Hauses Wilhelm Ripahn und zugleich dem kürzlich verstorbenen Opernsänger Kurt Moll, der im Alter von 20 Jahren am Kölner Opernhaus zu Beginn seiner Weltkarriere debütiert hatte. In einem Filmbeitrag wurde auch der damalige Kölner Oberstadtdirektor Max Adenauer eingespielt, der von dem Entwurf und der Realisierung Wilhelm Ripahns von Anfang an überzeugt gewesen war. Köln verdankt Ripahn einige der eindrucksvollsten Stadtteile, Gebäude und Wohnhäuser der Nachkriegszeit. Er selbst sei in die von ihm entworfene Bastei am Rhein geradezu verliebt gewesen und trug sein Leben lang ein Foto von ihr in seinem Portemonnaie. Er war kein so genannter Betonkopf, und Adenauer vertraute ihm komplett bezüglich des Opernbaus: „Bau dat Ding, aber mach’ et schön!“ (auf Hochdeutsch: „Bau das Ding, aber mache es schön!“) Die Vertreterin der Stadt betonte die Bedeutung der Kölner Oper am Offenbachplatz für die kulturelle Identität der Stadt und erinnerte an den Vater von Jacques Offenbach, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Kantor in der vormals dort angesiedelten Synagoge tätig war. Sie gratulierte allen Mitarbeitern des Hauses und wünschte der Intendantin weiterhin viel Erfolg bei der Führung durch das Interim.

Immergrüner Evergreen

Foto: Peter Millowitsch und Heidi Mahler (Aufnahme, copyright; Christian Dick)

Autoren: Christian Dick und Ralf Roeb

Tratsch im Treppenhaus – es handelt sich hier um eine alternative Gewissenserforschung, die sehr in die Fastenzeit passt. Dem Vernehmen waren bei der Premiere in der Düsseldorfer Komödie in der Steinstraße am 22. März 2017 auch Priester im Publikum, um sich über die Untiefen der menschlichen Seele zu informieren, denn in Ermangelung der eigentlich üblichen Beichtgespräche ist ein Priester nun auf andere Erfahrungshintergründe angewiesen. Eines der 10 Gebote heißt „Du sollst kein falsches Zeugnis geben“. Der aus der Bibel bekannte Pilatus sucht nach einer Antwort die Frage „Was ist Wahrheit?“ und er weiß, dass es zumindest im Treppenhaus alternative Fakten gibt. Vermutlich handelt es sich also um ein Lieblingsstück des amtierenden US-Präsidenten.

Die Komödie „Tratsch im Treppenhaus“ ist ein legendärer Erfolg des Hamburger Ohnsorg-Theaters und ist aus dem Boulevardtheater nicht mehr wegzudenken. Die Uraufführung auf Plattdeutsch fand am 1. Januar 1962 statt. Infolge einer Fernsehausstrahlung in der ARD am Silvesterabend 1966 wurde das Stück bundesweit zu einem großen Erfolg.

Die Premiere in Düsseldorf war wurde mit stehenden Ovationen bedacht. Heidi Mahler als war brillant in der Rolle der Meta Boldt, die dereinst ihre Mutter, die unvergessene Heidi Kabel, im Ohnsorg-Theater gespielt hat. Ihr Spielpartner auf der Bühne ist Peter Millowitsch. Auch er war in der Rolle des Miesepeters namens Ewald Brummer hervorragend.

Inhalt des Stücks

Meta Boldt „wacht“ über das Treppenhaus des Hauses, in dem sie wohnt; sie meint es besonders gut mit ihren Mitbewohnern und lässt sich deshalb nichts entgehen. So bleibt ihr auch nicht lange verborgen, dass Frau Knoop, die Nachbarin in der zweiten Etage, dargestellt von Birgit Brockmann, ein Zimmer untervermietet hat, was laut Mietvertrag strengstens verboten ist. Da muss man doch schleunigst den Hauswirt benachrichtigen und den anderen Nachbarn, den Steuerinspektor a. D. Brummer, den die laute Musik, die aus dem Zimmer der Untermieterin tönt, doch wirklich in der wohlverdienten Ruhestand stören muss. Meta Boldt erreicht zwar zunächst, dass Hauswirt und Nachbar sich empören und Frau Knoop in ihre Schranken weisen wollen, doch die junge Untermieterin verdreht den älteren Herren den Kopf und nimmt Ihnen so allen Wind aus den Segeln. Ihr allerdings verdreht der junge Mann den Kopf, der- auch gegen das strenge Verbot im leeren Zimmer bei dem Herrn Steuerinspektor a.D. Brummer eingezogen ist. So werden alle Karten neu gemischt: Die Untermieterin bekommt den Untermieter, Frau Knoop bekommt den Herrn Brummer und Frau Boldt, die das alles empörend findet, bekommt gehörig ihr Fett weg.

Anna Kretschmer spielt ihre Rolle der Untermieterin Heike Seefeld mit viel Charme, Fabian Goedecke besticht in der Rolle des jungen Untermieters Dieter Brummer mit vielen kessen Sprüchen. Und in der Rolle des biederen Hauswirts, der sich gerne als Schürzenjäger gibt, ist Jürgen Goldkamp ausgezeichnet. Rolf Berg macht ebenfalls eine sehr gute Figur als zunächst strenger, aber später wandlungsfähiger Vater der Untermieterin.

Dieses Stück sollte man nicht verpassen.

Darsteller

Frau Boldt Heidi Mahler

Herr Brummer Peter Millowitsch

Frau Knoop Birgit Bockmann

Schlachtermeister Tramsen Jürgen Goldkamp

Dieter Brummer Fabian Goedecke

Heike Seefeld Anna Kretschmer

Herr Seefeld Rolf Berg

Regie Michael Koch

Weitere Informationen sind unter folgender Internet-Adresse zu finden: www.komoedie-steinstrasse.de

Gegenüberstellung zweier berühmter Schriftstellerinnen mit viel Emotionen und Herzblut

Autor: Christian Dick

Am 4. und 5. März ließ das Neusser Kulturforum Alte Post das Leben zweier bedeutenden Schriftstellerinnen Revue passieren, die ihrer Zeit einen ganz besonderen Geist eingehaucht haben, der bis heute kräftig nachhallt. In die Rollen der 1926 in Klagenfurt geborenen Ingeborg Bachmann und der 1901 geborenen Marie Luise Kaschnitz schlüpften Petra Kuhles und Christiane Lemm. Die beiden sehr temperamentvollen Schauspielerinnen drücken den beiden Schriftstellerinnen dadurch ihren ganz besonderen Stempel auf, dass sie mit viel Herzblut die starken Emotionen und die besondere Genialität der beiden Schriftstellerinnen darstellen. Ingeborg Bachmann und Marie Luise Kaschnitz waren von der ewigen Stadt Rom so sehr fasziniert, dass sie nicht von dieser Stadt loslassen konnten. Die Wege der beiden Schriftstellerinnen kreuzen sich in dieser Inszenierung immer wieder im Caffè Greco in Rom. Die beiden Frauen erörtern dabei ihre jeweilige emotionale Stimmungslage und suchen gemeinsam nach Lösungen für Probleme in ihrem Leben. In dieser Inszenierung wird mit viel Tiefgang aufgezeigt, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede die beiden Schriftstellerinnen haben. Beide sind auf Grund ihrer Liebe zu Rom Seelenverwandte. Obwohl beide Frauen in Rom sterben, ist ihr Leben jedoch sehr unterschiedlich verlaufen. Eine Collage aus Prosatexten und Gedichten, Geräuschen und italienischer Musik rundete diese Aufführung, die sehr fesselnd und sehenswert war, ab.

Informationen über das Neusser Kulturform Alte Post sind unter folgender Internetadresse zu finden: https://www.altepost.de/

Spritzige Inszenierung im Theater an der Kö

Foto: Hugo Egon Balder, der die Regie führte, Jeanette Biedermann und René Heinersdorff und im Hintergrund Bühnenbildner Alexander Roy (Aufnahme: Christian Dick

Am 27. Januar 2017 fand im Düsseldorfer Theater an der Kö die Premiere des Stücks „Rita will es wissen“ statt. Bei dieser Komödie aus der Feder von Willy Russell wechselte Hugo Egon von Balder quasi die Seiten. Während er zuvor schon mehrfach mit großem Erfolg in diesem Theater als Schauspieler auf der Bühne stand, führte er diesmal erstmalig im Theater an der Kö Regie. Die Darsteller sind Jeanette Biedermann und René Heinersdorff, der zugleich auch Direktor des Theater an der Kö ist. Die Inszenierung hat viel Pepp und Wortwitz. Das Stück hat Esprit. „Rita will es wissen“ ist gerade deswegen sehr sehenswert, weil sich hier die in Berlin geborene Jeanette Biedermann als freche und kesse „Berliner Göre“ namens Rita präsentieren kann und bis zum Exzess im Berliner Dialekt spricht, was vom Publikum mit viel Applaus bedacht wurde.

Die Initiatorin der Gründung des Theater an der Kö, Barbara Heinersdorff, die Mutter von René Heinersdorff, ist an Heiligabend 2016 gestorben, auch der Vater von Jeanette Biedermann ist im vergangenen Jahr gestorben. Aus diesem Grunde widmeten die beiden Schauspieler die Premiere den beiden verstorbenen Angehörigen.

Handlung des Stücks

Vorwiegend des Geldes wegen hat Frank, ein Dozent für englische Literatur, verkörpert von René Heinersdorff, den Lehrauftrag für einen Erwachsenenbildungskurs angenommen. Seine Arbeit hat Frank über all die Jahre hinweg zu einem Sarkast und Zyniker werden lassen, die Hoffnung auf berufliche Erfüllung hat er aufgegeben. Daher ahnt er, dass seine neue „Herausforderung“ wieder ein Horrorszenario wird. Und seine Befürchtungen werden Realität, es wird schrecklich! Rita, eine aufgeweckte, quirlige, kesse und junge Friseuse, die nach Selbstverwirklichung strebt,  raubt Frank dadurch, dass sie für ihr Studium der englischen Literatur weder Plan noch Struktur hat, den letzten Nerv.

Aber Ritas Unbeirrbarkeit und ihr großer Ehrgeiz, sich dieses ihr völlig unbekannte Gebiet zu erschließen, sowie ihr gesunder Menschenverstand, an dem sie Frank unverblümt teilhaben lässt, wirbeln seine Welt und Ansichten kräftig durcheinander. Und durch ihr Bestreben, die neu entdeckte Welt der Literatur in ihr alltägliches Umfeld zu integrieren, gerät auch Ritas Leben allmählich aus den gewohnten Bahnen…