Archiv der Kategorie: Kunst

HA Schult rüttelt auf

18.09.2018 Düsseldorf Andreasquartier HA Schult The Spirit Of Freedom Der Autodom aus Köln bestehend aus allen Einzelteilen eines originalen Ford Fiesta OB Thomas Geisel und HA Schult Ich bin ein Düsseldorfer Jung Foto Andrea Matzker

18.09.2018 Düsseldorf Andreasquartier HA Schult The Spirit Of Freedom Der Autodom aus Köln bestehend aus allen Einzelteilen eines originalen Ford Fiesta OB Thomas Geisel und HA Schult Foto Andrea Matzker

18.09.2018 Düsseldorf Andreasquartier HA Schult The Spirit Of Freedom HA Schult in der Castle Suite vor seiner Venedig Aktion aus dem Jahr 1976 Foto Andrea Matzker

18.09.2018 Düsseldorf Andreasquartier HA Schult Thge Spirit Of Düsseldorf Foto Andrea Matzker

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

Der Kölner Künstler HA Schult ist immer eine Reise wert, ob es nun das goldene Flügelauto in Köln sei, seine Armee von Müllsoldaten in Köln, Rom oder auf der chinesischen Mauer, sein Kunsthaus für Obdachlose am Rhein oder Körper aus Cola-Dosen. Ihm zuzuhören, ist jedes Mal neu ein Erlebnis, denn er sagt ohne Umschweife, worum es ihm geht. “Kunst ist die höchste Form von Freiheit. Der Künstler spricht das aus, was der Gesellschaft auf der Zunge liegt. Freiheit ist ein Gut, das wir gemeinsam verteidigen müssen.“ Sein Name steht für außergewöhnliche und aufsehenerregende Kunstwerke. Diesmal schuf er mit der Wall Of Freedom ein bewegliches Symbol für die Freiheit. In der Landeshauptstadt Düsseldorf, der er als ehemaliger Absolvent der Kunstakademie seit längster Zeit verbunden ist, verewigte er einen Teil der über 20.000 Zuschriften zum Thema Freiheit auf der bunt gestalteten Fassade des Andreasquartiers und kehrte somit wiederholt zurück – back to the roots – zum Ort seines Studiums. Am 21. September wird seine große Ausstellung The Spirit Of Düsseldorf in Mitarbeit von drei bedeutenden Galeristen im Andreasquartier eröffnet und dauert voraussichtlich mindestens bis zum 25. November 2018. Das Ensemble ist ein Beispiel für gelungene Revitalisierung von Innenstädten und ihrer Wiedergewinnung für anspruchsvolles Wohnen. Benannt nach der benachbarten barocken Klosterkirche St. Andreas, steht im Zentrum des Quartiers das zu Beginn des 19. Jahrhunderts erbaute Amts- und Landgericht, das nach allen Regeln des Denkmalschutzes inmitten der Düsseldorfer Altstadt unmittelbar zwischen Kunstakademie und Kunstsammlung NRW in ein modernes Wohn- und Büroquartier umgewandelt wurde. HA Schult stattete Foyer, Treppenhaus, Wandelgänge, Suiten und den Garten mit seinen Kunstwerken aus. So sieht man zum Beispiel in der Castle-Suite seine Aktion auf dem Markusplatz von Venedig aus dem Jahre 1976 eindrucksvoll dargestellt. Der findige Künstler erfand im Rahmen dieser Ausstellung einen neuen Beruf: Der weltweit einzige Art Concierge arbeitet für ihn in seiner Galerie im Andreasquartier, wo man ihn persönlich besuchen kann. Während der Ausstellungsdauer finden verschiedene Führungen statt, die auch Einblick in die von HA Schult unterstützten Ateliers für junge Künstler bieten. Auch sei auf eine Plakette hingewiesen, die, an der Außenwand der Galerie angebracht, an einen bedeutenden Düsseldorfer erinnert, der durch die Wirklichkeit und im Anschluss durch den Roman Effi Briest zu trauriger Berühmtheit gelangte: Emil Hartwich, im Roman Major Crampas, der sich einstmals im Düsseldorfer Malkasten und im Schloss Benrath in dessen Bewohnerin Elisabeth von Plotho, verheiratete von Ardenne, und die Titelfigur in Fontanes Roman, verliebte und daraufhin von deren Ehemann viel zu jung erschossen wurde, denn ansonsten hätte er noch wesentlich mehr freidenkerische und gesundheitspolitische Erneuerungen auf internationalem Terrain erreicht. Hartwich war im Übrigen neben seinem Beruf als Amtsrichter ein anerkannter Maler und hervorragender Cellist. Der Kölner HA Schult gehört zu den Düsseldorfer Jonges, die von Emil Hartwich gegründet wurden und in der Düsseldorfer Kulturwelt eine große Rolle spielen. Von einer angeblichen Fehde zwischen den zwei Städten am Rhein ist bei diesem Projekt nichts zu spüren, denn der Künstler hat seinen berühmten Autodom, bestehend aus den gesamten Teilen eines Ford Fiesta, im Innenhof des Andreasquartiers installiert.

Mehr als 100 Skulpturen von Tony Cragg im Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal

Tony Cragg Porträt_klein

Foto: Ein Charakterkopf: Tony Cragg (Aufnahme: Christian Dick)

Autor:  Christian Dick

Tony Cragg – Retrospektive

Parts of the World   19. April – 14. August 2016

Diese Ausstellung ist eine Sensation und ein absolutes Novum: Das Von der Heydt-Museum würdigt aktuell mit einer imposanten Ausstellung im gesamten Haus einen einzigen Künstler, der ein Genius ist, wie ihn die Welt nur äußerst selten hervorbringt. Das Filigrane und die Formvollendung seiner Werke unterstreichen, dass diese besondere Akzentuierung von Tony Craggs Schaffen absolut ihre Berechtigung hat. Sein Werk, so wie es nun in Wuppertal zu sehen ist, hat sich seit den 1970er Jahren in einer Vielfalt entwickelt, die den Rundgang zu einem erhellenden Erlebnis auch für denjenigen macht, der die Arbeiten des in Wuppertal lebenden britischen Bildhauers schon zu kennen meint. Denn beim Betrachten der Werke entdeckt man ständig neue Facetten, die Werke lassen viel Spielraum für Interpretationen und gewiss wird jeder Betrachter dabei unterschiedliche Assoziationen haben.  Tony Cragg, so zeigte sich bei einem eineinhalbstündigen Presserundgang durch die Ausstellung, ist ein Freigeist, der nicht stur geradeaus denkt und für den die Welt nicht nur Schwarz und Weiß ist.

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Foto: Tony Cragg vor seinem Werk Versus, geschaffen im Jahre 2012, Bronze, 56 x 61 x 22 cm (Aufnahme: Christian Dick

„Tony Cragg ist ein Weltstar der Bildhauerei. Da er seit 40 Jahren in Wuppertal lebt, ist es nur folgerichtig, dass wir ihm hier im Von der Heydt-Museum die erste große Retrospektive widmen“, sagt Museumsdirektor Dr. Gerhard Finckh.

Tony Cragg vor seinem Kuntwerk_klein

Foto: Tony Cragg (Aufnahme: Christian Dick)

Die Ausstellung beginnt mit Fotos seiner frühen Experimente im Umkreis von Minimal Art, Konzept Kunst, Land Art und Arte Povera. Craggs Blick ist zunächst auf die nicht nur materiell, sondern auch ästhetisch „armen“ Materialien, auf den Zivilisationsmüll des Alltags gerichtet. Die Art und Weise, wie er sie in einem Kunstwerk verwandelt, entspricht dem ganz ursprünglich menschlichen, intuitiven Bedürfnis, aus Einzelteilen ein Ganzes zu bauen, zu gestalten, zu formen. Bekannt wurde Tony Cragg zuerst für seine Wand reliefs aus buntem Plastikmüll. Der Schritt ins Dreidimensionale ergab sich notwendigerweise aus seinem Interesse an der Vielfalt der Formen, die der moderne Alltag hervorbringt. Von der Architektur bis zum Mobiliar sind sie unendlich, und Tony Cragg fügt dieser Vielfalt neue Formen hinzu. „Er ist ein Ausnahmekünstler, denn er geht immer weiter, überschreitet Grenzen, auch die der Wissenschaft“, sagt Finckh.

Neben der vorgefundenen Form ist es das Material, an dem sich der Gestaltungsdrang des Künstlers entzündet. Von Plastik über hochpolierten Edelstahl, Gips, Bronze und Glas bis zu geschliffenem Schichtholz: Jedes Material ermöglicht besondere Formen, jede Form erfordert ihr Material. Die Werke, die über die Jahrzehnte entstanden sind, hängen zusammen wie eine weitverzweigte Familie mit vielen Generationen. Jede Form ist auf der Basis der Erfahrungen, die der Künstler an der vorangegangenen gemacht hat, entstanden.

Ende der 1980er Jahre schuf er die ersten Stücke der Gruppe der „Early Forms“, denen verschiedene Gefäßformen wie Kolbengläser, Flaschen und Kanister zugrunde liegen. Bereits während seiner Arbeit in einem biochemischen Labor in den 1960er Jahren hatten ihn diese organisch anmutenden Gefäße fasziniert. Zwei der frühesten stehen in imposanter Größe heute vor dem Museumsportal. Ihre Entwicklung wird im ersten Obergeschoss vorgeführt. Ganz frische Werke, die erst im Zuge dieser Ausstellung das Atelier von Tony Cragg bzw. die Gießerei verlassen haben, markieren einen Endpunkt dieser Reihe. Es ist höchst spannend nachzuverfolgen, wie das Thema Innenform/ Außenform einerseits zu Skulpturen von großer Harmonie und Ausgeglichenheit führt, andererseits auch höchst bizarre Exemplare hervor bringt.

Ein Werk wächst aus dem anderen, so dass sich Werke zu Gruppen und Serien ordnen lassen, was sich nicht zuletzt in ihrer Titelgebung spiegelt. Parallel entstehen Einzelwerke oder nur wenige Exemplare umfassende Serien, in denen der Künstler mit unterschiedlichen Ideen der Oberflächengestaltung oder Formentwicklung spielt. Deshalb folgt die Ausstellung auch nicht einer strengen Chronologie, sondern der Entwicklung der Werkgruppen und setzt die Einzelwerke dazu in Beziehung.

Im zweiten Obergeschoss beginnt die Werkfamilie der „Rational Beings“ mit der ersten, dreiteiligen Gruppe aus Fiberglas aus dem Jahr 1995. Von einfachen Formen geht die Entwicklung zu zunehmend komplexer werdenden Gestaltungen. Wie bei den „Early Forms“, die teilweise an Urtierchen oder Moleküle erinnern, meint man in den „Rational Beings“ häufig Lebewesen zu sehen. Das Porträt und die Ganzfigur sind klassische Themen der Bildhauerei, die sich wiederfinden. Drei monumentale, so  imposant wie elegant erscheinende, farbig gefasste Säulen sind die allerjüngsten Werke dieser Gruppe und bilden einen Blickfang in einem der insgesamt 26 von Tony Cragg gestalteten Räume.

Zeichnungen und Druckgrafiken aus allen Schaffensphasen sind im Mezzanin zu sehen. Manche dienen als Entwurfszeichnungen, andere stehen als Werke für sich oder zeigen Formexperimente, die sich gar nicht in Skulpturen umsetzen lassen. Die Arbeiten belegen Tony Craggs phänomenale Kapazität als analytischer Zeichner, der die Dinge durchdringt.

Mit mehr als 100 Skulpturen und über 130 Fotografien, Zeichnungen und Druckgraphiken gibt die Retrospektive einen Einblick in das Werk eines der bedeutendsten Bildhauer unserer Zeit, wie es ihn bislang noch nicht gab.

Zur Ausstellung ist ein Katalog im Verlag Buchhandlung Walther König erschienen mit Texten von G. Celant, D. Davettas, L. Cooke, U. Wilmes, C. Lampert, P. Schjeldahl, T. McEvilley, G. Finckh, J. Wood, 472 S., ca. 558 Abbildungen, Hardcover, Museumsausgabe 38 €

DIE CRAGG FOUNDATION

Einen Besuch wert ist auf Grund der dort ausgestellten Werke der Skulpturenpark Waldfrieden, der sich an den Wuppertaler Südhängen, etwa an der Grenze zwischen Barmen und Elberfeld, oberhalb des Wicküler Parks befindet. Die Gründung und Einrichtung dieses Skulpturenparks ist der privaten Initiative von Tony Cragg zu verdanken. Dreißig Jahre nach Beginn seiner Ausstellungstätigkeit suchte er nach einem dauerhaften Ausstellungsgelände für Skulptur im Freien und entdeckte das verwaiste Anwesen Waldfrieden, das er 2006 erwarb. Noch im selben Jahr begann die Umgestaltung von Parkanlage und Gebäuden, die nach langem Leerstand umfassend saniert und modernisiert werden mussten. In Wertschätzung der historischen Anlage wurden vorhandene Bausubstanz und materieller Bestand möglichst weitgehend erhalten, und trotz Umrüstung von Park und Gebäuden für die neue Nutzung blieb ihre geschichtliche Dimension bewahrt. 2008 wurde der Skulpturenpark in der Trägerschaft einer gemeinnützigen Stiftung der Familie Cragg eröffnet. Er beherbergt eine stetig wachsende Skulpturensammlung, darunter Ausschnitte aus dem umfangreichen Werk Tony Craggs. Begleitend werden in Wechselausstellungen Werke international bedeutender Künstler gezeigt, Vorträge zu kulturwissenschaftlichen Themen angeboten und Konzerte veranstaltet. Darüber hinaus ist die Cragg Foundation auch der Forschung und Publikation zur Bildenden Kunst gewidmet.

Interessante Informationen zum Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal, in dem ebenfalls ein breites Spektrum Skulpturen  von Tony Cragg sind zum einen unter folgenden Internetadressen zu finden:

http://skulpturenpark-waldfrieden.de/startseite.html

Zum anderen hat der in Wuppertal aufgewachsene Otto Hucke eine sehr interessante Bilderstrecke der Skulpturen von Tony Cragg auf seiner eigenen Internetseite präsentiert:

http://www.otto-hucke.de/40250.html

Weiterführende Informationen zum zu Von-der-Heydt-Museum  sind unter folgendem Link abrufbar:

www.von-der-heydt-museum.de

 

 

Die Macht des Lachens – Dario Fo wird 90

24.3.16 Mailand Piccolo Teatro Studio Melato Nobelpreisträger Dario Fo feiert 90. Geburtstag Foto Andrea Matzker

24.3.2016 Mailand Piccolo Teatro Studio Melato Nobelpreisträger Dario Fo feiert 90. Geburtstag Foto Andrea Matzker

Foto: Dario Fo mit Geburtstagstörtchen und Champagner (Aufnahme: Andrea Matzker)

Von Andrea Matzker

Dario Fo war schon immer anders. Anders als alle Anderen. Ein Universalkünstler ganz in der Tradition der Italienischen Renaissance. Dementsprechend wurde auch sein 90. Geburtstag begangen. Es gab weder Stars noch Starallüren. Über 450 Familienangehörige, Freunde und Kollegen wurden ins Piccolo Teatro Studio Melato von Mailand geladen, wenige Meter von der Bühne entfernt, auf der er vor so langer Zeit debütierte. Der Maestro, auch als „menschlicher Vulkan“ oder als „italienisches Jahrhundertgewissen“ bezeichnet, und der vor Energie nach wie vor nur so sprüht, trat selbst als Sänger auf, begleitet von dem Orchestrino Archistorti, dessen Mitglieder maximal 14 Jahre alt sind. Dichter, Musiker und Weggefährten widmeten ihm diverse Ständchen, und Familienmitglieder erzählten Anekdoten, die das vollbesetzte Theater vor Lachen beben ließen. Auf der Bühne prangten drei der farbenfrohen und kraftvollen Bilder des Jubilars, darunter die „Landung in Lampedusa“ und „Santa Tecla“, eine Widmung an das legendäre gleichnamige Lokal Mailands, in dem nach dem Krieg die größten Jazzgrößen der Welt auftraten, und das heute noch existiert. Begleitet von seinen damaligen Musikfreunden sang Dario Fo auch noch einen selbst geschriebenen Blues, den er bereits damals dort aufgeführt hatte. Im Anschluss an das Konzert holte ihn eine große Blasmusikformation zu den Klängen von „Rosamunde“ von der Bühne ab und geleitete ihn, gefolgt vom gesamten, mitsingenden Publikum, durch das ganze Theater bis in das Foyer, wo es Erdbeertorte und Rosé-Champagner für alle gab.

Der einzige lebende italienische Nobelpreisträger steht selbst noch jeden Tag voller Spielfreude und Elan auf der Bühne, produziert neue Theaterstücke, malt, dokumentiert seine Ausstellungen und schreibt Bücher, zuletzt das Werk „Dario e Dio“, in dem sich der Atheist mit Gott auseinandersetzt. Ab Mai dieses Jahres geht er mit „Mistero Buffo“, seinem Paradestück auf der Basis von Volkstheater und Commedia dell’arte, auf Tournee, und am 1. Juni gibt er ein Jazz-Konzert zum Auftakt eines Festivals. Immer in seinen Gedanken ist seine 2013 verstorbene, geliebte Frau und künstlerische Partnerin über 60 Jahre hinweg, Franca Rame, die ein wesentlicher Bestandteil des gemeinsamen Lebenswerkes ist, und der die Stadt Mailand nun einen blühenden Park gewidmet und nach ihr benannt hat.

24.3.16 Mailand Piccolo Teatro Studio Melato Nobelpreisträger Dario Fo hier mit seiner Enkelin, die ihn gerade ins Foyer des Theaters zum Empfang begleitet, feiert 90. Geburtstag Foto Andrea Matzker

24.3.2016 Mailand Piccolo Teatro Studio Melato Nobelpreisträger Dario Fo hier mit seiner Enkelin, die ihn gerade ins Foyer des Theaters zum Empfang begleitet, feiert 90. Geburtstag Foto Andrea Matzker

Foto: Dario Fo mit seiner Enkelin Jaele Fo  (Aufnahme: Andrea Matzker)

24.3.16 Mailand Piccolo Teatro Studio Melato Nobelpreisträger Dario Fo feiert 90. Geburtstag Foto Andrea Matzker

24.3.2016 Mailand Piccolo Teatro Studio Melato Nobelpreisträger Dario Fo feiert 90. Geburtstag Foto Andrea Matzker

Foto: Dario Fo tritt mit dem Orchestrino Archistorti auf (Aufnahme: Andrea Matzker)

Filigraner Einsatz von Licht- und Schatteneffekten

 

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Foto: Portraitfoto von Zipora Rafaelov (Quelle: Weithorn Galerie)

Autor: Christian Dick

Licht und Schatten – das sind Gegensätze wie Leid und Freude, Tag und Nacht, Ying und Yang oder – abstrahiert betrachtet – wie die Höhen und Tiefen des Lebens. Es heißt oft, dass sich Gegensätze anziehen. Solche Gegensätze spiegeln die Darbietungen von Schattentheatern eindrucksvoll wider. In den vergangenen Jahren sind diese in Mode gekommen – nicht zuletzt die Show „Shadow Land“ hat weltweit Furore gemacht und zieht die Menschen in ihren Bann. Durch Schattentheater ist die Kunst des Scherenschnitts wieder in den Fokus des Interesses der Kunstszene geraten. Diese Technik wird oft verkannt und fälschlicher Weise als trivial eingestuft. Dass dem ganz und gar nicht so ist, stellt die in Düsseldorf lebende Israelin Zipora Rafaelov seit vielen Jahren erfolgreich unter Beweis. Dieser Weg war ein hartes Stück Arbeit. Die Künstlerin ist ihren Weg von der Pike auf gegangen, sie absolvierte ein Studium am Institute of  Beau-Art, Bat-Yam, Israel, und schloss als Meisterschülerin an der Kunstakademie Düsseldorf im Bereich Bildhauerei ab.

Am 3. März 2016 fand die Vernissage statt – die Kunstwerke sind in einer Ausstellung unter dem Titel „Zimchia“ in der Weithorn Galerie in der Mutter-Ey-Straße 5 im Herzen der Düsseldorfer Altstadt zu sehen. Die Ausstellung dauert bis zum 4. April 2016.

Zipora Rafaelovs Kunstwerke bestechen im Auge des Betrachters, wie die Künstlerin bei ihren Bildern fast ausschließlich die Farben Weiß und Schwarz einsetzt. Ihre Arbeit ist äußerst filigran, sie braucht viel Fingerspitzengefühl – denn bei ihren Bildern sitzt jede Linie und jede Kontur. Und ihre Bilder entstehen nicht mal eben so auf die Schnelle. Der Schaffensprozess erstreckt sich vielmehr über mehrere Monate. In dieser Zeit kann sich das Ursprungskonzept immer wieder ändern, die Emotionen und individuellen Stimmungen der Künstlerin fließen immer in ihre Werke ein. Auf einem Bild sind zum Beispiel zwei liegende Menschen dargestellt, die sich küssen. Auch Bilder der Frau als Verführerin, Sünderin, Mutter, Denkerin oder Gefährtin sind seit einigen Jahren Thema von Rafaelovs Kunst Die Figuren auf die Fläche zu bringen war ein rationaler Prozess im Kopf der Künstlerin. „Die Gedanken, die in meinem Kopf fließen, gehen dann in meine Handbewegungen ein. Im Moment des Zeichnens kommen mehrere Gedanken, Erinnerungen, Überlegungen, und diese kommen dann als Zeichnung als Bild“, beschreibt die Künstlerin ihren kreativen Prozess. Und so lassen ihre Bilder viel Interpretationsspielraum für die Betrachter. Oft schildern die Betrachter Eindrücke, an die die Künstlerin selbst zuvor noch gar nicht gedacht hat. Und gerade das ist das Spannende an den Kunstwerken von Zipora Rafaelov. Jedes einzelne Bild fordert den Betrachter zu einer Auseinandersetzung, zum Hinterfragen heraus.

Auf den ersten Blick wirken Rafaelovs Kunstwerke wie gezeichnet. Erst bei näherer Betrachtung wird das Papier erkennbar, von dem mit dem Skalpell sorgfältig Stücke entnommen wurden, um zur gewünschten Form zu gelangen. „Die Zeichnung ist grundsätzlich zweidimensional. Es ist jedoch meine Intention, die zweidimensionale Zeichnung in die dreidimensionale Räumlichkeit zu übertragen, Das Dreidimensionale meiner Kunstwerke ist der grundlegende Aspekt. Dieser verleiht den Bildern eine Lebendigkeit“, erläutert Rafaelov. Und die gewünschte Dreidimensionalität wird am schönsten durch das Licht erzeugt.

Der Erfolg gibt Zipora Rafaelov Recht. Im Jahre 2014 hat sie den Rheinischen Kunstpreis erhalten. Und ab April wird sie ihre Bilder im Rheinischen Landesmuseum in Bonn ausstellen. Die Künstlerin wird seit 2015 von der Weithorn Galerie vertreten.

Die Düsseldorfer Galeristen Henrietta Weithorn und Zipora Rafaelov kennen sich schon lange und beschreiben sich als „Sandkasten-Freundinnen“. Henrietta Weithorn war daran gelegen, diese Ausstellung auszurichten, weil die Künstlerin auf Grund ihrer Arbeit mit viel Licht und Schatten, Schwarz und Weiß anders arbeitet als andere Künstler. „Zipora Rafaelov hebt sich von der Masse ab“, so Henrietta Weithorn. Generell ist es der Galeristin wichtig, die Vielfalt der Künstler und deren Stärken besonders zu akzentuieren.

Zusatzinformationen

Der in der Mitte des 18. Jahrhunderts aufkommende Schwarzschnitt wird allgemein mit dem Scherenschnitt assoziiert, wobei der Weißschnitt parallel weiter existierte.

In Deutschland war der Scherenschnitt beliebt in der Kultur der Goethezeit und des 19. Jahrhunderts; auf den künstlerischen Scherenschnitt spezialisiert hat sich Paul Konewka. Ein bedeutender Vertreter des Scherenschnitts im Jugendstil ist der Illustrator Marcus Behmer, der seine Scherenschnitte teils auch als Vorlage für ornamentale Gestaltungen herangezogen hat. Der Deutsche Scherenschnittverein e. V. widmet sich der Pflege dieser Kunst und der Archivierung von Künstlerbiographien und Werkbeispielen.

Am 17. März 2016 findet wird der Film „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ von Lotte Reiniger-Animation und Avantgarde der absolute Film – in der Weithorn Galerie vorgeführt wird – 66 Min,s/w und Farbe Der Eintritt ist frei.

Weitere Impressionen des Scherenschnitts und Information über Zipora Rafaelov sind unter folgender Internetadresse zu finden:

http://www.rafaelov.com/

Die Website der Weithorn Galerie ist unter folgendem Link abrufbar:

http://www.weithorn-galerie.de/

 

750 Jahre Dante Alighieri

 

Dante als junger Mann Das wahrscheinlich älteste authentische Abbild wurde erst kürzlich entdeckt_klein

Foto: Dante als junger Mann Das wahrscheinlich älteste authentische Abbild wurde erst kürzlich entdeckt . (Aufnahme: Andrea Matzker)

Dante Dalì Aufbruch zur großen Reise Hölle 1. Gesang_klein

Foto: Dante Dalì Aufbruch zur großen Reise Hölle 1. Gesang (Aufnahm: Andrea Matzker)

Dante Dalì Die Erscheinung des Königs der Hölle Hölle 34. Gesang_klein

Foto: Dante Dalì Die Erscheinung des Königs der Hölle Hölle 34. Gesang (Aufnahme: Andrea Matzker)

Autor: Dr. Egon Schlesinger

Salvador Dalì erhielt zum 700. Geburtstag Dantes vor über 50 Jahren den Auftrag, einen Zyklus zur Göttlichen Komödie zu gestalten. Somit gesellte er sich als einer mehr in die hehre Reihe der Künstler, die dem großen europäischen Dichter ihren Tribut zollten, so wie beispielsweise Sandro Botticelli. Es entstanden 100 Farbxylographien, die jeweils einem Gesang aus Hölle, Fegefeuer und Paradies zugeordnet wurden. Von diesen Zyklen gibt es nur 150 von Dalì handsignierte Ausgaben. Die Nummer 49 davon existiert komplett und wird nun bis zum Ende des Jahres aus Anlass des 750. Geburtstages am 3. Dezember 2015 im Italienischen Kulturinstitut von Köln gezeigt. Diese seltene Gelegenheit sollte man sich nicht entgehen lassen, zumal normalerweise nur einzelne Episoden dieses Werkes ausgestellt werden. Die Ausstellung umrahmt ein hochkarätig besetztes Seminar, das gemeinsam mit der Abteilung für Romanistik der Friedrich-Wilhelms-Universität und der Società Dante Alighieri in Bonn konzipiert wurde. Das Programm umfasst einen Vortragstag am 11. Dezember im Italienischen Kulturinstitut mit Ausstellungsbesichtigung und anschließendem Konzert sowie ein weiteres Symposium am Folgetag im Senatssaal der Universität Bonn.

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Foto: Prof. Dr. Paul Geyer und Ulrich Forster (Aufnahme: Andrea Matzker)

Walter Hanel stellt aus

 

Walter Hanel wurde zum 85. Geburtstag im Bensberger Rathaus geehrt Foto Andrea Matzker_klein

Foto: Walter Hanel wurde zum 85. Geburtstag im Bensberger Rathaus geehrt (Aufnahme: Andrea Matzker)

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Foto: Hanels Rabe, Original-Zeichnung des Künstlers (Aufnahme: Andrea Matzker)

Dr. Egon Schlesinger

Kaum zu glauben, dass er tatsächlich bereits seinen 85. Geburtstag feiert! Der deutschlandweit bekannte Zeichner und Maler dankt seinen Ruhm hauptsächlich den vielen Karikaturen, die uns alle seit vielen Generationen alltäglich in den Tageszeitungen des Landes begegnen. Dazu gehören die FAZ oder der Kölner Stadt-Anzeiger. Sein Markenzeichen ist der Rabe.  Das Kunstmuseum Villa Zanders in Bergisch Gladbach zeigt bis zum 10. Januar 2016 40 seiner Werke. Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass der Künstler diese Arbeiten selbst als seine wichtigsten betrachtet und demnach ausgesucht hat.

Unter folgendem Internetadresse finden sie Information zum Kunstmuseum Villa Zanders: http://www.villa-zanders.de/htdocs_de/home/index.html

 

Preis der Cologne Fine Art 2015

Dirk Heinrich und Dr. Wibke von Bonin am Stand der Stilikonen_klein

Foto: Dirk Heinrich und Dr. Wibke von Bonin am Stand der Stilikonen (Aufnahme: Andrea Matzker)

Dr. Egon Schlesinger

Der Bundesverband Deutscher Galeristen und Kunsthändler (BVDG) verleiht alljährlich zur Cologne Fine Art den mit 10.000 € dotierten Preis für außergewöhnlich einflussreiches künstlerisches Schaffen. Bisherige Preisträger waren unter anderem Sigmar Polke, Thomas Schütte, Georg Baselitz, Günter Uecker, Tony Cragg, Jürgen Klauke und Leiko Ikemura. In diesem Jahr wurde die Kölner Fotografin Candida Höfer für Ihr außergewöhnliches künstlerisches Schaffen ausgezeichnet. Candida Höfer fotografiert „Begegnungsorte“ ohne Menschen mit einer einzigartigen, großformatigen Technik und es gelingt ihr immer wieder, die Aura von öffentlichen und halböffentlichen Räumen wie Wartesälen, Museen, Bibliotheken, Universitäten, Banken, Kirchen, Opernhäusern, die nach ihrer Meinung „alle eine Aufgabe haben“  aus unterschiedlichen Epochen und Ländern einzufangen und faszinierend darzustellen. Die Cologne Fine Art zeigt eine große und beeindruckende Sonderschau ihrer Werke. Ein weiteres Highlight der Kunstmesse ist der alljährliche AXA-VIP-Empfang auf dem Stand der „Stilikonen“, der in diesem Jahr zum dritten Mal von Philippe Mulders aus Maastricht gestaltet wurde, und an dem den Liebhabern von ausgefallenen, kostbaren, originalen und immer noch fahrbaren Oldtimern das Herz aufgeht. Weiterhin zeigen Galerien und Kunsthändler aus Deutschland und aller Welt ihr Angebot aus 2000 Jahren Kunstgeschichte – von der Antike bis zur Klassischen Moderne, Nachkriegskunst sowie zeitgenössische Kunst.

Bert-Gerresheim-Ausstellung in Neuss

Autor: Christian Dick

„Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt, und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Muthe. Ich bin dort geboren und es ist mir, als müsste ich gleich nach Hause gehn. Und wenn ich sage nach Hause gehn, dann meine ich die Bolkerstraße und das Haus, worin ich geboren bin …“ (Heinrich Heine 1827 in Ideen. Das Buch Le Grand.)

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Foto: das Heinrich-Heine-Denkmal von Bert Gerresheim am Schwanenmarkt in der Düsseldorfer Altstadt (Aufnahme: Christian Dick)

In Walhalla in Donaustauf bei Regensburg wurde im Jahre 2010 eine von Bert Gerresheim geschaffene Heinrich-Heine-Büste aufgestellt.

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Foto: Bert Gerresheims Heinrich-Heine-Büste in der Walhalla (Aufnahme: Christian Dick)

Im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich der aktuellen Ausstellung über das künstlerische Schaffen des Düsseldorfer Bildhauers Bert Gerresheim im Clemens-Sels-Museum in Neuss, bekundete Bert Gerresheim, dass ihm das Heinrich-Heine-Denkmal am Schwanenmarkt am meisten am Herzen liegt. Bert Gerresheim ist am 8. Oktober 2015 80 Jahre alt geworden.

Bert Gerresheim vor Ausstellungsobjekten_klein

Foto: Bert Gerresheim vor Ausstellungsobjekten der aktuellen Ausstellung im Neusser Clemens-Sels-Museum (Aufnahme: Christian Dick)

Das Heinrich-Heine-Denkmal am Schwanenmarkt in Düsseldorf wurde anlässlich des 125. Todestages Heinrich Heines, am 17. Februar 1981, errichtet: Der 30. Geburtstag dieses Monuments im Jahre 2011 wurde nun zum Anlass dafür genommen, dass Michael Serrer, Leiter des Literaturbüros NRW, den Bildhauer Bert Gerresheim interviewte, der diese „vexierte Physiognomie“ geschaffen hat. Es handelte sich um eine Veranstaltung im Rahmen der Literaturtage, die unter dem Motto „Heines Europa heute“ stehen. Der Andrang im Heinrich-Heine-Institut auf der Bilker Straße war so groß, dass 30 Personen aus Sicherheitsgründen nicht mehr in den Vortragssaal Einlass bekamen.

In sehr versierter Weise kitzelte Michael Serrer sehr viel interessante Hintergrundinformationen aus Bert Gerresheim heraus. Mit Bezug auf die Erstellung des Heinrich-Heine-Denkmals bezeichnete Michael Serrer Bert Gerreheim als „Schöpfer des größten künstlerischen Kommentars zu Heinrich Heine der letzten dreißig Jahre“.

Interessant ist zum Beispiel die Frage, wie überhaupt die Idee zu dem Denkmal auf dem Düsseldorfer Schwanenmarkt entstanden ist. Bert Gerresheim beschrieb, wie im Jahre 1978 der Münchener Mäzen Stefan Kaminsky an ihn herangetreten ist und ihm seine Idee unterbreitete, ein großes Heinrich-Heine-Denkmal zu finanzieren. Bert Gerresheim ergriff diese Gelegenheit beim Schopf und begann mit der Planung des Monuments.

Beeindruckend an diesem Denkmal ist, dass es in mehrere Teile zerlegt ist. Der Kopf Heinrich Heines ist in der Mitte durchgeschnitten. Das Denkmal ist begehbar, was 1981 den damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens dazu veranlasste Bert Gerresheim zu fragen, ob er es gut fände, wenn Kinder auf der Nase dieses bedeutenden Schriftstellers herumtanzten. Hierauf antwortete Bert Gerresheim, dass dies besser sei, als wenn die Kinder Kriegsspiele machten. Der Hintergedanke Gerresheims dabei, als er kein Standbild Heinrich Hernes, sondern ein in mehrere Einzelteile zerlegtes Denkmal schuf, war der, dass er die Vielschichtigkeit Heinrich Heines darstellen wollte. Zu diesem Zweck hatte Gerresheim, wie er darlegte, in der Planungsphase für das Kunstwerk die Möglichkeit, Zeichnungen anhand der Totenmaske Heinrich Heines zu erstellen, die ihm vom Heinrich-Heine-Institut zur Verfügung gestellt worden war. Anschließend erstellte er unterschiedliche plastische Entwürfe. Beim Betrachten dieser Maske stellte sich Bert Gerresheim immer mehr die Frage, wer dieser Mensch überhaupt war. Folglich zog er Sekundärliteratur heran, wie etwa eine Biographie von Fritz J. Raddatz, der festgestellt hat „Heinrich Heine ist ein Plural“ und weiterhin ausgeführt hat, dass sich eine Vexierantologie aus den widersprüchlichsten Zeugenaussagen zusammenstellen lässt. Gerresheim, der sich schon lange der Schaffung von Vexierporträts gewidmet hatte, griff diese Idee auf. Er wollte Heine zunächst plastisch abbilden, angefangen mit kleinen Vexierporträts des jugendlichen, später des alten Heine. Diese Porträts hatten schließlich ein Gesicht, wie das des Lazarus. Dann entstand eine Sitzfigur, anschließend eine Matratzengruft, was an das Leiden des Dichters während der acht Jahre seiner Krankheit erinnern sollte, und zu guter Letzt entstand  eine physiognomische Vexierlandschaft. Das im Ergebnis entstandene Vexiergesicht im Bronze ist auf unterschiedliche Art und Weise interpretierbar. Charakteristisch für Bert Gerresheim ist, dass er in seinen Werken immer wieder das Thema Leid aufgreift. Bert Gerresheim merkte hierzu beim 30jährigen Jubiläum des Denkmals an, dass er bei seinem künstlerischen Schaffen dem Hl. Augustinus folge, der bereits festgestellt habe, dass der Mensch verletzt sei. Das Denkmal weist einen „Reißverschluss“ auf. Dies ist allgemein ein Symbol für die Zugänglichkeit von Reliquien. Außerdem findet man bei dem Denkmal eine Trommel mit dem Leitspruch der Französischen Revolution „liberté – égalité – fraternité“. Dies ist eine Anspielung Bert Gerresheims auf die Figur eines Trommlers, die in Heines Buch Le Grand vorkommt. „Ich wollte, dass das mit dem Denkmal geschieht, was mit Heine selbst geschieht, nämlich, dass man immer wieder neue Schichten erfährt. Man kann Dichter nicht wie Heiligenfiguren in einen Kasten tun. Das ist keine Reliquie.“, stellte Gerresheim fest im Juni 2011 bei einer Führung durch dieses Denkmal fest.

Widerstand und Zuspruch

Etwa drei Jahre lang erhielt Bert Gerresheim auf Grund der Schaffung des Denkmals Drohbriefe von Antisemiten. Seitens der Jüdischen Gemeinde Düsseldorfs kam Zuspruch. Diese interpretierte den durchgeschnittenen Kopf Heinrich Heines in der Weise, dass hierdurch Auschwitz nicht in Vergessenheit gerate.

Nach Meinung Gerresheims wäre es heute nicht mehr möglich, ein solches Denkmal aufzustellen, da derartige Dinge „tot diskutiert“ würden. Dass sein Denkmal etwa die Düsseldorfer Universität dazu bewogen haben könnte, sich nach Heinrich Heine zu benennen, glaubt Gerresheim nicht. Er habe die Debatte damals nicht angezettelt.

Trotz aller religiöser Motive, kein Missionar

Seit 1976 ist der Bert Gerresheim Mitglied des weltlichen Franziskanerordens. Die katholische Kirche ist ein großer Auftraggeber von ihm. Dennoch erklärte Bert Gerresheim, dass es ihm als Künstler fernliegen etwa dem Glauben fernstehende Menschen zu missionieren. Dies sei nicht Aufgabe des Künstlers. Der Künstler wolle vielmehr zu einer Auseinandersetzung mit dem von ihm geschaffenen Werk anregen.

Von 1956 bis 1960 studierte Bert Gerresheim an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Otto Pankok zusammen mit Günther Uecker und German Becerra. Es folgten ab 1960 Studien der Kunstgeschichte, Archäologie und Germanistik an der Universität Köln. Bert Gerresheim war bis 1990 als Studiendirektor am Düsseldorfer Lessing-Gymnasium als Deutsch- und Kunstlehrer tätig. Dies war engte ihn jedoch in seinem künstlerischen Schaffen zu sehr ein, er wollte nicht wie viele Erdkundelehrer enden, die nur dem Globus durch die Schule laufen. Berr Gerresheim wollte den Schüler ein authentisches Beispiel sein, anstatt kluges Gerede von sich zu geben. Als Lehrer war er bereits ein Individualist. Wenn etwa bei Elternsprechtag in der Schule fragten, wo sie ihn finden könnten, sagte man ihnen „Folgen Sie den Gipsspuren im Treppenhaus, dann kommen Sie zum Zimmer von Herrn Gerresheim.“

Hier einige Monumente, die Bert Gerresheim geschaffen hat.

Das Denkmal zum Kölner Weltjugendtag im Jahre 2005 ist eines seiner Werke.

Weltjugendtagsdenkmal_Gerresheim_Kölner Dom 6_klein

(Aufnahme: F. N. Otterbeck)

Vor dem Kölner Priesterseminar Bert Gerresheim die Hl. Edith Stein in drei Gestalten entworfen, um die verschiedenen Facetten von Edith Stein darzustellen. Einmal Edith Stein als junge Frau, die auf einem Hocker sitzt und sich nachdenklich auf einen Davidstern stützt. Dahinter steht eine Frau, die aussieht als sei der Kopf gespalten und wieder zusammengesetzt worden. Daneben steht eine Ordensfrau, die den gekreuzigten Jesus in ihren Händen trägt.

Edith-Stein-Denkmal Köln 3_klein

Foto: Monument zu Ehren von Edith Stein, geschaffen von Bert Gerresheim (Aufnahme: Christian Dick)

In der Kapelle des Heiligen Papst Johannes Paul II. im Towhouse, Bilker Straße 36, in der Düsseldorfer Altstadt hat Bert Gerresheim die gesamt Ausstattung, wie Altar, Ambo, Kruzifix und die drei Kupferbilder geschaffen. Nachfolgend sehen Sie zwei dieser Kupferbilder.

Kreuzabnahme durch Mutter Theresa links und Papst Johannes Paul II rechts_klein

Foto: Kreuzabnahme durch Mutter Theresa links und Papst Johannes Paul II rechts (Aufnahme: Christian Dick)

Papst Johannes Paul II trägt das Kreuz Jesu Christi_klein

Foto: Papst Johannes Paul II trägt das Kreuz Jesu Christ (Aufnahme: Christian Dick)
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Foto: Stadterhebungsdenkmal, geschaffen von Bert Gerresheim, am Burgplatz in Düsseldorf (Aufnahme: Christian Dick)

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Foto: Denkmal für den Hl. Jakobus auf dem Freithof in Neuss (Aufnahme: Christian Dick)

Im Frühjahr 2016 wird in Düsseldorf ein neues Denkmal von Bert Gerresheim zu Ehren der bedeutendsten Düsseldorfer Galeristin und Kunstförderin der 1920er Jahre, Johanna Ey, besser bekannt als Mutter Ey, aufgestellt. Diese konnte Bert Gerresheim noch kennenlernen als er 12 Jahre alt war. Das Modell von Bert Gerresheim für dieses Monument ist in der aktuellen Ausstellung im Clemens-Sels-Museum in Neuss zu sehen.

Bert Gerresheim neben Mutter Ey-Büste_klein

Foto: Bert Gerresheim vor dem Modell des neue Mutter-Ey-Monuments (Aufnahme: Christian Dick)

Die Ausstellung im Clemens-Sels-Museum – Adresse Am Obertor, 41460 Neuss – kann noch bis zum 7. Februar 2016 besichtigt werden.

Cover_Bert Gerresheim alles vexiert

Zu Ausstellung ist ein Katalog unter dem Titel „Bert Gerresheim – Alles vexiert – Hommage zum 80 Geburtstag im B. Kühlen Verlag erschienen, der reich an interessanten Bildern ist und Bert Gerresheim auch in seiner Werkstatt zeigt. Das Buch enthält auch viele Zitate des Künstlers. Die Lektüre dieses Buches ist sehr zu empfehlen. Hier die Angaben zum Buch:

Gerresheim – Alles vexiert – Hommage zum 80. Geburtstag

Uta Husmeier-Schirlitz

Preis    29,90 €

ISBN   978-3-87448-460-2

Bestell-Nr.       1080

Einband          Hardcover mit Fadenheftung

Umfang          192 Seiten

Preis der Cologne Fine Art 2015

 

17.11.15 Köln Cologne Fine Art Candida Höfer erhält den Cologne Fine Art Prize 2015 Foto Andrea Matzker

Dr. Egon Schlesinger

Der Bundesverband Deutscher Galeristen und Kunsthändler (BVDG) verleiht alljährlich zur Cologne Fine Art den mit 10.000 € dotierten Preis für außergewöhnlich einflussreiches künstlerisches Schaffen. Bisherige Preisträger waren unter anderem Sigmar Polke, Thomas Schütte, Georg Baselitz, Günter Uecker, Tony Cragg, Jürgen Klauke und Leiko Ikemura. In diesem Jahr wurde die Kölner Fotografin Candida Höfer für Ihr außergewöhnliches künstlerisches Schaffen ausgezeichnet. Candida Höfer fotografiert „Begegnungsorte“ ohne Menschen mit einer einzigartigen, großformatigen Technik und es gelingt ihr immer wieder, die Aura von öffentlichen und halböffentlichen Räumen wie Wartesälen, Museen, Bibliotheken, Universitäten, Banken, Kirchen, Opernhäusern, die nach ihrer Meinung „alle eine Aufgabe haben“  aus unterschiedlichen Epochen und Ländern einzufangen und faszinierend darzustellen. Die Cologne Fine Art zeigt eine große und beeindruckende Sonderschau ihrer Werke. Ein weiteres Highlight der Kunstmesse ist der alljährliche AXA-VIP-Empfang auf dem Stand der „Stilikonen“, der in diesem Jahr zum dritten Mal von Philippe Mulders aus Maastrecht gestaltet wurde, und an dem den Liebhabern von ausgefallenen, kostbaren, originalen und immernoch fahrbaren Oldtimern das Herz aufgeht. Weiterhin zeigen Galerien und Kunsthändler aus Deutschland und aller Welt ihr Angebot aus 2000 Jahren Kunstgeschichte – von der Antike bis zur Klassischen Moderne, Nachkriegskunst sowie zeitgenössische Kunst.

Philippe Mulders Cornelia  Zinken und Gerald Böse am Stand der Stilikonen vor einem Voisin_klein

Foto: Philippe Mulder, Cornelia Zinken und Gerald Böse am Stand der Stilikonen vor einem Voisin (Aufnahme: Andrea Matzker)