Archiv der Kategorie: Kunst

Utilitas publica private est semper praeferanda

 

12.07.2019 Köln Rathaus Hansasaal OB Henriette Reker ist glücklich über die rückkehr der 8 Propheten auch wenn sie diesen ganz besonders vermisst nachdem er so lange in ihrem Vorzimmer stand Foto Andrea Matzker

12.07.2019 Köln Rathaus Hansasaal OB Henriette Reker ist glücklich über die rückkehr der 8 Propheten Der 4. von links ist ihr Lieblingsprophet Der einzige ohne Bart Das Gemeinwohl geht immer vor das Eigenwohl Foto Andrea Matzker

12.07.2019 Köln Rathaus Hansasaal OB Henriette Reker ist glücklich über die rückkehr der 8 Propheten Ebenso Schnütgen-Direktor Dr. Moritz Wölk Foto Andrea Matzker

12.07.2019 Köln Rathaus Hansasaal OB Henriette Reker ist glücklich über die rückkehr der 8 Propheten Foto Andrea Matzker

Autor: Dr. Anton Schlesinger

Seit 2012 sind die acht Propheten nun zum ersten Mal wieder auf ihren Podesten im Hansasaal des Rathauses zu sehen. Sie entstanden um 1430/1440 und sind jeweils fast 1,20 m hoch. Sie tragen keine Namen, aber dafür Spruchbänder, und geben dadurch moralische Richtlinien vor. Sie stehen symbolisch für die Freiheiten, die sich die Kölner Bürger mit dem Verbundbrief von 1396 errungen hatten.

Die originalen, mittelalterlichen Holzfiguren stehen seit 2012 aus konservatorischen Gründen im Museum Schnütgen und können dort sechs Tage pro Woche aus der Nähe besichtigt werden. Es gibt dort auch einen Katalog dazu mit dem Namen „Unter der Lupe“. Oberbürgermeisterin Henriette Reker fehlten die acht Propheten im Rathaus sehr. Daher regte sie an, Repliken anzufertigen. So wurden nach neuesten digitalen Standards Originale am Computer zu einem 3D Modell errechnet, verarbeitet und extra in Augsburg ausgedruckt. Die farbigen Oberflächen wurden jeweils von Künstlerhand in Köln gestaltet. Die Herstellung allein einer der Figuren dauerte mindestens einen Monat lang. Allein das Einscannen währte bereits mehrere Stunden. Die Qualität der Republiken ist das Beste, was es zur Zeit gibt.

Die Oberbürgermeisterin begeistert sich besonders für einen der Sprüche auf den Spruchbändern: Das gemeine Beste ist dem persönlichen immer vorzuziehen. D.h., das Gemeinwohl geht immer vor dem Eigenwohl. (Oben der Originaltext in Latein.) Lachend fügte sie hinzu: „Verschwiegenheit wäre allerdings auch recht oft zu wünschen hier im Rathaus…“ Als Spiritus Rector der gesamten Aktion ist sie überglücklich, dass die Rathausfiguren, wenn auch nur als so genannte Brüder der Originale, nun endlich wieder auf ihre Sockel zurückgekehrt sind.

Ihr fehlt der Prophet, der bislang in ihrem Vorzimmer stand, sehr. Aber sie freut sich, dass er nun wieder an seinem angestammten Platz steht. Besonders gerne hat sie den vierten von links, den einzigen ohne Bart, d.h. den einzigen jungen Propheten. Da die Spruchbänder nicht mehr gut leserlich sind, war man sich nicht so sicher, ob er derjenige des Gemeinwohls ist, oder ob es der so genannte Scharfrichter ist mit dem Spruch: Es ist billig, dass ein Meister des Totschlages durch sein eigenes Handwerk umkommt. D.h., jemand der andere tötet, soll selbst getötet werden.

Da das Rathaus nicht für jedermann und zu jeder Zeit zugänglich ist, wird ausdrücklich auf das Museum Schnütgen hingewiesen, dass sechs Tage die Woche geöffnet ist. Allerdings haben alle Interessierten am 8. September, dem Tag des offenen Denkmals in Köln, die Möglichkeit, die Propheten im Hansasaal zu besichtigen.

 

„Heute wäre es ein Milliardär“

14.07.2019 Köln Weiden Aachener Str. 1328 Römergrab Foto Andrea Matzker –  Römergrab Köln Weiden Herrenliege aus Marmor mit Büste Foto Andrea Matzker

 

14.07.2019 Köln Weiden Aachener Str. 1328 Römergrab Monika Schmitz vom Regierungspräsidium zeigt das betastbare 3D-Modell der Grabkammer für Blinde Foto Andrea Matzker

14.07.2019 Köln Weiden Aachener Str. 1328 Römergrab Spiritus Rector Prof. Dr. Heinz Günter Horn und Ausstellungsmacher Dr. Ulrich Hermanns Foto Andrea Matzker

14.07.2019 Köln Weiden Aachener Str. 1328 Römergrab Reliefsarkophag  Foto Andrea Matzker

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

So Prof. Dr. Eckhard Deschler-Erb von der kunstwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln, bei seiner Führung durch Ausstellung und Grabkammer, als er von dem ursprünglichen Gutsherren und Erbauer der römischen Grabkammer auf der Aachener Straße 1328 in Köln spricht. Als sie vor knapp 2000 Jahren 9 km außerhalb des römischen Stadtkerns auf der Via Belgica angelegt wurde, konnte sich kaum einer der anderen Zeitgenossen einen solchen Luxus leisten. Die Stadt war damals von mehreren römischen Gutshöfen dieser Art, den sogenannten Villae rusticae, umgeben, die für jegliche Nahrung sorgten, so dass die Stadt völlig unabhängig war. Die Grabkammer in Köln Weiden ist eine absolute Sensation, nicht nur weil sie zu einer der reichsten Familien der damaligen Zeit gehörte, sondern weil sie mehrere Besonderheiten aufweist. Es handelt sich um einen äußerst ausgefallenen Bau, Hypogäon genannt, der nur sehr selten zu finden ist. Er ist nach typisch italienischer Manier wie ein luxuriöser Speisesaal dargestellt. In den drei großen Nischen der Kammer befinden sich Liegebänke aus Marmor, so genannte Klienen, auf denen die Herren zu Tisch lagen. Die Damen hingegen saßen auf einem Korbstuhl. Die zwei original römischen, in Kalkstein gearbeiteten Korbstühle sollten in der Grabkammer für die Ewigkeit halten, daher sind sie nicht aus ihrem ursprünglichen Material hergestellt. Wahrscheinlich sind sie die einzigen Exemplare überhaupt, die in dieser Art bekannt sind. Das Zentrum der Grabkammer jedoch bildet der marmorne Reliefsarkophag, auf dem die vier verschiedenen Jahreszeiten darstellt sind. Er wurde um 300 nach Christus in Rom angefertigt. Allein diese Tatsache spricht für den Reichtum des Auftraggebers. Da der Sarkophag viel zu groß für die schmale Treppe ist, nimmt man an, dass er zu schwer war und dann irgendwann einmal durch die Decke hinunter gestürzt ist. Demnach ist er auch nicht mehr ganz erhalten. Die Abbildungen von Jagdszenen und einem Schiff sind leider zerstört. Der Legende nach wurde damals eine Löwin mit einem Spiegel abgelenkt, so das man sich ihres Jungtiers bemächtigen konnte, das dann später für Jagdszenen eingesetzt wurde. Wegen seiner Ausstattung gehört das Römergrab Weiden zu den bedeutendsten Grabbauten der Römerzeit nördlich der Alpen.

 

Fast so wie bei Tutanchamun, nur ein wenig bescheidener, entdeckte ein Landwirt bei Bauarbeiten im Jahr 1843 eine Treppe, die letztendlich zum Grab führte. Der damalige Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner machte sie museal begehbar. Jahrelang war die Grabkammer geschlossen und ist nun wieder feierlich eröffnet worden dank der unermüdlichen Arbeit vieler Ehrenamtler und Förderer um den passionierten Denkmalpfleger Prof. Dr. Heinz Günter Horn herum. Sie wurde von Wissenschaftlern der Uni Köln und der TH Köln dreidimensional laservermessen, gescannt und rekonstruiert. Sie ist nun auch virtuell begehbar, so dass Gehbehinderte nicht die schmalen Treppen zur Grabkammer hinabsteigen müssen. Auch der Informationsbereich wurde neu gestaltet. Es gibt einen Bereich für die Lebenden und einen Bereich für die Verstorbenen. Er ist bildlich sehr übersichtlich, chronologisch geordnet und klar gegliedert dargestellt, so dass Erwachsene wie Kinder sich mit Freude informieren können. Sogar das Fenster zur Aachener Straße wurde mit integriert und zeigt den imaginären Ausblick von damals auf zart bemalten Scheiben. Es gibt Sitzmöglichkeiten mit Kopfhörern für akustische Führungen. Für Sehbehinderte gibt es ein betastbares, dreidimensionales Modell der Grabkammer mit ihrem Überbau. Die gesamte Anlage verfügt auch über einen idyllischen Garten, den die Besucher benutzen dürfen. Führungen an Donnerstagen zwischen 10.00 und 13.00 Uhr sowie an jedem dritten Samstag im Monat um 15.00 Uhr und um 16.00 Uhr sollten rechtzeitig angemeldet werden, da nur bis zu 15 Personen zugelassen sind wegen des beschränkten Platzes. Einzelbesichtigungen in Begleitung des Servicepersonals sind möglich samstags von 10.00 bis 13:00 Uhr und sonntags von 14.00  bis 17.00 Uhr. Ein Besuch versöhnt jedenfalls absolut mit dem zur Zeit geschlossenen Römisch-Germanischen Museum und bietet Erholung und Entspannung für gestresste Stadtmenschen.

Mathilde Franziska Anneke – Eine beeindruckende Persönlichkeit

Anneke als Reiterin Foto Wikipedia

Die Briefmarke mit Annekes Konterfei Quelle Wikipedia

03.04.2019 Köln Kölnisches Stadtmuseum Übergabe der originalen Rathausfigur von Mathilde Franziska Anneke zu ihrem 202. Geburtstag Portrait der 23jährigen Anneke Foto Andrea Matzker

03.04.2019 Köln Kölnisches Stadtmuseum Übergabe der originalen Rathausfigur von Mathilde Franziska Anneke zu ihrem 202. Geburtstag Foto Andrea Matzker

Von Dr. Egon Schlesinger

Als in den achtziger Jahren der Kölner Rathausturm mit 124 Figuren bestückt und verziert werden sollte, gelang es gerade fünf Frauen, in die Riege dieser erlauchten Persönlichkeiten zu gelangen. Inzwischen sind daraus acht geworden. Immerhin. Eine dieser Figuren stellte die Journalistin, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Mathilde Franziska Anneke dar. Sie wurde von der Bildhauerin Katharina Hochhaus erschaffen und trägt als Attribute eine Zeitung, zerbrochene Ketten und einen Reiterhelm. Leider wurden die Figuren damals im guten Glauben mit einer falschen Beschichtung versiegelt, sodass der Stein bald darunter litt, und sie wieder herab genommen werden mussten. Sie wurden ersetzt, und so ist auch Mathilde Franziska Anneke wieder vom Altermarkt aus am Rathausturm zu sehen. Die Originalstatue der Rathausturmfigur wurde nun an ihrem 202. Geburtstag, dem 3. April 2019, dem Kölnischen Stadtmuseum übergeben.

Anneke, die in den 1840er Jahren in Köln lebte, gilt als eine der bedeutendsten rheinischen Protagonistinnen der Frauenrechtsbewegung im 19. Jahrhundert. Ihr Leben war nicht einfach, was auch durch das Attribut der zerbrochenen Kette symbolisiert wird. Mathilde Franziska Anneke wurde damals zwangsverheiratet mit einem adeligen Weinhändler, der leider nur allzu sehr seinem eigenen Produkt zusprach, Alkoholiker war und sie regelmäßig schlug. Das schwierige Unterfangen einer damaligen Scheidung wurde insofern gewährt, danach musste sie allerdings zehn Jahre lang mit dem Tadel der Geschiedenen leben. Als sie ihren zweiten Mann Fritz Anneke kennenlernte, hatte auch der eine sogenannte unehrenhafte Vergangenheit, da er wohl einem anstehenden Duell aus dem Wege gegangen war. Beide führten eine für damalige Verhältnisse außerordentlich fortschrittliche Ehe, denn beide gingen gleichgeschlechtlichen Neigungen nach.

Ihre erste Schrift lautete “Das Weib im Konflikt mit den sozialen Verhältnissen” und ist heute im Reclam Verlag zu erhalten. Sie gründete das sogenannte Kommunistische ästhätische Clübchen (mit zwei “ä”). Die Neue Kölnische Zeitung ist ihr zu verdanken. Daher auch das Attribut der Zeitung in ihrer Hand. Ein weiteres Attribut sind die zerbrochenen Ketten, die auf ihr Werk mit dem gleichen Titel hin zielen und ihre Situation in sozialer Hinsicht zeigen. Karl Marx wünschte, dass sie sein Erbe antrete. Ein weiteres Attribut, der Reiterhelm zu ihren Füßen, lässt daran erinnern, dass die begeisterte Reiterin, für damalige Verhältnisse äußerst ungewöhnlich, im Herrensattel ritt und Ordonnanzoffizier war. Mit einer für damalige Verhältnisse recht ungewöhnlichen Größe von 1,80 m war sie eine äußerst imposante Erscheinung, nach vielen Zeitzeugen äußerst attraktiv und daher nicht zu übersehen.

Später wanderte sie mit ihrem Mann nach Amerika aus, wo sie weiterhin tätig war, sich für das Wahlrecht der Frauen einsetzte, auf vielen Kongressen sprach und bis zu ihrem Tod lebte. Sie bekam sieben Kinder, von denen fünf verstarben, da sie nicht gegen die Pocken geimpft waren.

Mathilde Franziska Anneke gilt als Vorbild der Frauenbewegung. Auch ist eine Briefmarke mit ihrem Konterfei erschienen.

Ausstellungseröffnung Dario Fo in Köln

Dario Fo Abelard und Heloise Foto Andrea Matzker

Dario Fo Die Künstler sollen gefeiert werden. Foto Andrea Matzker

Dario Fo Selbstbildnis Foto Andrea Matzker

Köln 15.11.2018 Eröffnung Dario Fo Mattea Fo Maria Mazza Pierluigi Ferraro Foto Andrea Matzker

Köln 15.11.2018 Eröffnung Dario Fo Stefano bertea marianne Rogée und Mattea Fo Foto Andrea Matzker

Von Dr. Egon Schlesinger

Die speziell für das Italienische Kulturinstitut von Köln zugeschnittene Ausstellung findet einzigartig und erstmalig nach dem Tod des italienischen Nobelpreisträgers Dario Fo außerhalb Italiens statt und zeigt bis zum 15. Februar 53 Gemälde aus der letzten Schaffensperiode des Meisters. Die Ausstellung ist den Räumlichkeiten entsprechend wie ein Spaziergang angelegt und führt durch fünf verschiedene Bereiche. Zu jedem Thema ist eine Tafel in zwei Sprachen angebracht, so dass sich jeder Besucher gut zurecht findet, auch ohne Anleitung oder Führung. Zusätzlich gibt es noch einen zweisprachig verfassten Katalog. Zur Eröffnung begrüßte der Italienische Generalkonsul Pierluigi Ferraro die Gäste, und Mattea Fo, die aus Gubbio angereist war, erläuterte die Gemälde ihres Großvaters, ins Deutsche übersetzt von der Direktorin des Italienischen Kulturinstituts, Maria Mazza. Zu den Gästen gehörten die Schauspielerin Marianne Rogée, die Dario Fo bisher hauptsächlich als Autor, Regisseur und Schauspieler kannte und schätzte, und der Künstler René Böll. Somit trafen sich die Enkelin Mattea Fo und der Sohn René Böll eines italienischen und eines deutschen Literaturnobelpreisträgers bei Pizza und Wein in Köln. Dario Fo erhielt die Auszeichnung im Jahr 1997, einige Jahre später als Heinrich Böll. Viele der Gäste wollten vom Fleck weg einige der Bilder käuflich erwerben. Ein Werk begeisterte gleich drei Interessenten auf einmal. Es führt den Titel: „Die Künstler sollten gefeiert werden solange sie leben und nicht erst wenn sie tot sind“ und gehört zu Fos Zyklus über Chagall.

HA Schult rüttelt auf

18.09.2018 Düsseldorf Andreasquartier HA Schult The Spirit Of Freedom Der Autodom aus Köln bestehend aus allen Einzelteilen eines originalen Ford Fiesta OB Thomas Geisel und HA Schult Ich bin ein Düsseldorfer Jung Foto Andrea Matzker

18.09.2018 Düsseldorf Andreasquartier HA Schult The Spirit Of Freedom Der Autodom aus Köln bestehend aus allen Einzelteilen eines originalen Ford Fiesta OB Thomas Geisel und HA Schult Foto Andrea Matzker

18.09.2018 Düsseldorf Andreasquartier HA Schult The Spirit Of Freedom HA Schult in der Castle Suite vor seiner Venedig Aktion aus dem Jahr 1976 Foto Andrea Matzker

18.09.2018 Düsseldorf Andreasquartier HA Schult Thge Spirit Of Düsseldorf Foto Andrea Matzker

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

Der Kölner Künstler HA Schult ist immer eine Reise wert, ob es nun das goldene Flügelauto in Köln sei, seine Armee von Müllsoldaten in Köln, Rom oder auf der chinesischen Mauer, sein Kunsthaus für Obdachlose am Rhein oder Körper aus Cola-Dosen. Ihm zuzuhören, ist jedes Mal neu ein Erlebnis, denn er sagt ohne Umschweife, worum es ihm geht. “Kunst ist die höchste Form von Freiheit. Der Künstler spricht das aus, was der Gesellschaft auf der Zunge liegt. Freiheit ist ein Gut, das wir gemeinsam verteidigen müssen.“ Sein Name steht für außergewöhnliche und aufsehenerregende Kunstwerke. Diesmal schuf er mit der Wall Of Freedom ein bewegliches Symbol für die Freiheit. In der Landeshauptstadt Düsseldorf, der er als ehemaliger Absolvent der Kunstakademie seit längster Zeit verbunden ist, verewigte er einen Teil der über 20.000 Zuschriften zum Thema Freiheit auf der bunt gestalteten Fassade des Andreasquartiers und kehrte somit wiederholt zurück – back to the roots – zum Ort seines Studiums. Am 21. September wird seine große Ausstellung The Spirit Of Düsseldorf in Mitarbeit von drei bedeutenden Galeristen im Andreasquartier eröffnet und dauert voraussichtlich mindestens bis zum 25. November 2018. Das Ensemble ist ein Beispiel für gelungene Revitalisierung von Innenstädten und ihrer Wiedergewinnung für anspruchsvolles Wohnen. Benannt nach der benachbarten barocken Klosterkirche St. Andreas, steht im Zentrum des Quartiers das zu Beginn des 19. Jahrhunderts erbaute Amts- und Landgericht, das nach allen Regeln des Denkmalschutzes inmitten der Düsseldorfer Altstadt unmittelbar zwischen Kunstakademie und Kunstsammlung NRW in ein modernes Wohn- und Büroquartier umgewandelt wurde. HA Schult stattete Foyer, Treppenhaus, Wandelgänge, Suiten und den Garten mit seinen Kunstwerken aus. So sieht man zum Beispiel in der Castle-Suite seine Aktion auf dem Markusplatz von Venedig aus dem Jahre 1976 eindrucksvoll dargestellt. Der findige Künstler erfand im Rahmen dieser Ausstellung einen neuen Beruf: Der weltweit einzige Art Concierge arbeitet für ihn in seiner Galerie im Andreasquartier, wo man ihn persönlich besuchen kann. Während der Ausstellungsdauer finden verschiedene Führungen statt, die auch Einblick in die von HA Schult unterstützten Ateliers für junge Künstler bieten. Auch sei auf eine Plakette hingewiesen, die, an der Außenwand der Galerie angebracht, an einen bedeutenden Düsseldorfer erinnert, der durch die Wirklichkeit und im Anschluss durch den Roman Effi Briest zu trauriger Berühmtheit gelangte: Emil Hartwich, im Roman Major Crampas, der sich einstmals im Düsseldorfer Malkasten und im Schloss Benrath in dessen Bewohnerin Elisabeth von Plotho, verheiratete von Ardenne, und die Titelfigur in Fontanes Roman, verliebte und daraufhin von deren Ehemann viel zu jung erschossen wurde, denn ansonsten hätte er noch wesentlich mehr freidenkerische und gesundheitspolitische Erneuerungen auf internationalem Terrain erreicht. Hartwich war im Übrigen neben seinem Beruf als Amtsrichter ein anerkannter Maler und hervorragender Cellist. Der Kölner HA Schult gehört zu den Düsseldorfer Jonges, die von Emil Hartwich gegründet wurden und in der Düsseldorfer Kulturwelt eine große Rolle spielen. Von einer angeblichen Fehde zwischen den zwei Städten am Rhein ist bei diesem Projekt nichts zu spüren, denn der Künstler hat seinen berühmten Autodom, bestehend aus den gesamten Teilen eines Ford Fiesta, im Innenhof des Andreasquartiers installiert.

Mehr als 100 Skulpturen von Tony Cragg im Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal

Tony Cragg Porträt_klein

Foto: Ein Charakterkopf: Tony Cragg (Aufnahme: Christian Dick)

Autor:  Christian Dick

Tony Cragg – Retrospektive

Parts of the World   19. April – 14. August 2016

Diese Ausstellung ist eine Sensation und ein absolutes Novum: Das Von der Heydt-Museum würdigt aktuell mit einer imposanten Ausstellung im gesamten Haus einen einzigen Künstler, der ein Genius ist, wie ihn die Welt nur äußerst selten hervorbringt. Das Filigrane und die Formvollendung seiner Werke unterstreichen, dass diese besondere Akzentuierung von Tony Craggs Schaffen absolut ihre Berechtigung hat. Sein Werk, so wie es nun in Wuppertal zu sehen ist, hat sich seit den 1970er Jahren in einer Vielfalt entwickelt, die den Rundgang zu einem erhellenden Erlebnis auch für denjenigen macht, der die Arbeiten des in Wuppertal lebenden britischen Bildhauers schon zu kennen meint. Denn beim Betrachten der Werke entdeckt man ständig neue Facetten, die Werke lassen viel Spielraum für Interpretationen und gewiss wird jeder Betrachter dabei unterschiedliche Assoziationen haben.  Tony Cragg, so zeigte sich bei einem eineinhalbstündigen Presserundgang durch die Ausstellung, ist ein Freigeist, der nicht stur geradeaus denkt und für den die Welt nicht nur Schwarz und Weiß ist.

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Foto: Tony Cragg vor seinem Werk Versus, geschaffen im Jahre 2012, Bronze, 56 x 61 x 22 cm (Aufnahme: Christian Dick

„Tony Cragg ist ein Weltstar der Bildhauerei. Da er seit 40 Jahren in Wuppertal lebt, ist es nur folgerichtig, dass wir ihm hier im Von der Heydt-Museum die erste große Retrospektive widmen“, sagt Museumsdirektor Dr. Gerhard Finckh.

Tony Cragg vor seinem Kuntwerk_klein

Foto: Tony Cragg (Aufnahme: Christian Dick)

Die Ausstellung beginnt mit Fotos seiner frühen Experimente im Umkreis von Minimal Art, Konzept Kunst, Land Art und Arte Povera. Craggs Blick ist zunächst auf die nicht nur materiell, sondern auch ästhetisch „armen“ Materialien, auf den Zivilisationsmüll des Alltags gerichtet. Die Art und Weise, wie er sie in einem Kunstwerk verwandelt, entspricht dem ganz ursprünglich menschlichen, intuitiven Bedürfnis, aus Einzelteilen ein Ganzes zu bauen, zu gestalten, zu formen. Bekannt wurde Tony Cragg zuerst für seine Wand reliefs aus buntem Plastikmüll. Der Schritt ins Dreidimensionale ergab sich notwendigerweise aus seinem Interesse an der Vielfalt der Formen, die der moderne Alltag hervorbringt. Von der Architektur bis zum Mobiliar sind sie unendlich, und Tony Cragg fügt dieser Vielfalt neue Formen hinzu. „Er ist ein Ausnahmekünstler, denn er geht immer weiter, überschreitet Grenzen, auch die der Wissenschaft“, sagt Finckh.

Neben der vorgefundenen Form ist es das Material, an dem sich der Gestaltungsdrang des Künstlers entzündet. Von Plastik über hochpolierten Edelstahl, Gips, Bronze und Glas bis zu geschliffenem Schichtholz: Jedes Material ermöglicht besondere Formen, jede Form erfordert ihr Material. Die Werke, die über die Jahrzehnte entstanden sind, hängen zusammen wie eine weitverzweigte Familie mit vielen Generationen. Jede Form ist auf der Basis der Erfahrungen, die der Künstler an der vorangegangenen gemacht hat, entstanden.

Ende der 1980er Jahre schuf er die ersten Stücke der Gruppe der „Early Forms“, denen verschiedene Gefäßformen wie Kolbengläser, Flaschen und Kanister zugrunde liegen. Bereits während seiner Arbeit in einem biochemischen Labor in den 1960er Jahren hatten ihn diese organisch anmutenden Gefäße fasziniert. Zwei der frühesten stehen in imposanter Größe heute vor dem Museumsportal. Ihre Entwicklung wird im ersten Obergeschoss vorgeführt. Ganz frische Werke, die erst im Zuge dieser Ausstellung das Atelier von Tony Cragg bzw. die Gießerei verlassen haben, markieren einen Endpunkt dieser Reihe. Es ist höchst spannend nachzuverfolgen, wie das Thema Innenform/ Außenform einerseits zu Skulpturen von großer Harmonie und Ausgeglichenheit führt, andererseits auch höchst bizarre Exemplare hervor bringt.

Ein Werk wächst aus dem anderen, so dass sich Werke zu Gruppen und Serien ordnen lassen, was sich nicht zuletzt in ihrer Titelgebung spiegelt. Parallel entstehen Einzelwerke oder nur wenige Exemplare umfassende Serien, in denen der Künstler mit unterschiedlichen Ideen der Oberflächengestaltung oder Formentwicklung spielt. Deshalb folgt die Ausstellung auch nicht einer strengen Chronologie, sondern der Entwicklung der Werkgruppen und setzt die Einzelwerke dazu in Beziehung.

Im zweiten Obergeschoss beginnt die Werkfamilie der „Rational Beings“ mit der ersten, dreiteiligen Gruppe aus Fiberglas aus dem Jahr 1995. Von einfachen Formen geht die Entwicklung zu zunehmend komplexer werdenden Gestaltungen. Wie bei den „Early Forms“, die teilweise an Urtierchen oder Moleküle erinnern, meint man in den „Rational Beings“ häufig Lebewesen zu sehen. Das Porträt und die Ganzfigur sind klassische Themen der Bildhauerei, die sich wiederfinden. Drei monumentale, so  imposant wie elegant erscheinende, farbig gefasste Säulen sind die allerjüngsten Werke dieser Gruppe und bilden einen Blickfang in einem der insgesamt 26 von Tony Cragg gestalteten Räume.

Zeichnungen und Druckgrafiken aus allen Schaffensphasen sind im Mezzanin zu sehen. Manche dienen als Entwurfszeichnungen, andere stehen als Werke für sich oder zeigen Formexperimente, die sich gar nicht in Skulpturen umsetzen lassen. Die Arbeiten belegen Tony Craggs phänomenale Kapazität als analytischer Zeichner, der die Dinge durchdringt.

Mit mehr als 100 Skulpturen und über 130 Fotografien, Zeichnungen und Druckgraphiken gibt die Retrospektive einen Einblick in das Werk eines der bedeutendsten Bildhauer unserer Zeit, wie es ihn bislang noch nicht gab.

Zur Ausstellung ist ein Katalog im Verlag Buchhandlung Walther König erschienen mit Texten von G. Celant, D. Davettas, L. Cooke, U. Wilmes, C. Lampert, P. Schjeldahl, T. McEvilley, G. Finckh, J. Wood, 472 S., ca. 558 Abbildungen, Hardcover, Museumsausgabe 38 €

DIE CRAGG FOUNDATION

Einen Besuch wert ist auf Grund der dort ausgestellten Werke der Skulpturenpark Waldfrieden, der sich an den Wuppertaler Südhängen, etwa an der Grenze zwischen Barmen und Elberfeld, oberhalb des Wicküler Parks befindet. Die Gründung und Einrichtung dieses Skulpturenparks ist der privaten Initiative von Tony Cragg zu verdanken. Dreißig Jahre nach Beginn seiner Ausstellungstätigkeit suchte er nach einem dauerhaften Ausstellungsgelände für Skulptur im Freien und entdeckte das verwaiste Anwesen Waldfrieden, das er 2006 erwarb. Noch im selben Jahr begann die Umgestaltung von Parkanlage und Gebäuden, die nach langem Leerstand umfassend saniert und modernisiert werden mussten. In Wertschätzung der historischen Anlage wurden vorhandene Bausubstanz und materieller Bestand möglichst weitgehend erhalten, und trotz Umrüstung von Park und Gebäuden für die neue Nutzung blieb ihre geschichtliche Dimension bewahrt. 2008 wurde der Skulpturenpark in der Trägerschaft einer gemeinnützigen Stiftung der Familie Cragg eröffnet. Er beherbergt eine stetig wachsende Skulpturensammlung, darunter Ausschnitte aus dem umfangreichen Werk Tony Craggs. Begleitend werden in Wechselausstellungen Werke international bedeutender Künstler gezeigt, Vorträge zu kulturwissenschaftlichen Themen angeboten und Konzerte veranstaltet. Darüber hinaus ist die Cragg Foundation auch der Forschung und Publikation zur Bildenden Kunst gewidmet.

Interessante Informationen zum Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal, in dem ebenfalls ein breites Spektrum Skulpturen  von Tony Cragg sind zum einen unter folgenden Internetadressen zu finden:

http://skulpturenpark-waldfrieden.de/startseite.html

Zum anderen hat der in Wuppertal aufgewachsene Otto Hucke eine sehr interessante Bilderstrecke der Skulpturen von Tony Cragg auf seiner eigenen Internetseite präsentiert:

http://www.otto-hucke.de/40250.html

Weiterführende Informationen zum zu Von-der-Heydt-Museum  sind unter folgendem Link abrufbar:

www.von-der-heydt-museum.de

 

 

Die Macht des Lachens – Dario Fo wird 90

24.3.16 Mailand Piccolo Teatro Studio Melato Nobelpreisträger Dario Fo feiert 90. Geburtstag Foto Andrea Matzker

24.3.2016 Mailand Piccolo Teatro Studio Melato Nobelpreisträger Dario Fo feiert 90. Geburtstag Foto Andrea Matzker

Foto: Dario Fo mit Geburtstagstörtchen und Champagner (Aufnahme: Andrea Matzker)

Von Andrea Matzker

Dario Fo war schon immer anders. Anders als alle Anderen. Ein Universalkünstler ganz in der Tradition der Italienischen Renaissance. Dementsprechend wurde auch sein 90. Geburtstag begangen. Es gab weder Stars noch Starallüren. Über 450 Familienangehörige, Freunde und Kollegen wurden ins Piccolo Teatro Studio Melato von Mailand geladen, wenige Meter von der Bühne entfernt, auf der er vor so langer Zeit debütierte. Der Maestro, auch als „menschlicher Vulkan“ oder als „italienisches Jahrhundertgewissen“ bezeichnet, und der vor Energie nach wie vor nur so sprüht, trat selbst als Sänger auf, begleitet von dem Orchestrino Archistorti, dessen Mitglieder maximal 14 Jahre alt sind. Dichter, Musiker und Weggefährten widmeten ihm diverse Ständchen, und Familienmitglieder erzählten Anekdoten, die das vollbesetzte Theater vor Lachen beben ließen. Auf der Bühne prangten drei der farbenfrohen und kraftvollen Bilder des Jubilars, darunter die „Landung in Lampedusa“ und „Santa Tecla“, eine Widmung an das legendäre gleichnamige Lokal Mailands, in dem nach dem Krieg die größten Jazzgrößen der Welt auftraten, und das heute noch existiert. Begleitet von seinen damaligen Musikfreunden sang Dario Fo auch noch einen selbst geschriebenen Blues, den er bereits damals dort aufgeführt hatte. Im Anschluss an das Konzert holte ihn eine große Blasmusikformation zu den Klängen von „Rosamunde“ von der Bühne ab und geleitete ihn, gefolgt vom gesamten, mitsingenden Publikum, durch das ganze Theater bis in das Foyer, wo es Erdbeertorte und Rosé-Champagner für alle gab.

Der einzige lebende italienische Nobelpreisträger steht selbst noch jeden Tag voller Spielfreude und Elan auf der Bühne, produziert neue Theaterstücke, malt, dokumentiert seine Ausstellungen und schreibt Bücher, zuletzt das Werk „Dario e Dio“, in dem sich der Atheist mit Gott auseinandersetzt. Ab Mai dieses Jahres geht er mit „Mistero Buffo“, seinem Paradestück auf der Basis von Volkstheater und Commedia dell’arte, auf Tournee, und am 1. Juni gibt er ein Jazz-Konzert zum Auftakt eines Festivals. Immer in seinen Gedanken ist seine 2013 verstorbene, geliebte Frau und künstlerische Partnerin über 60 Jahre hinweg, Franca Rame, die ein wesentlicher Bestandteil des gemeinsamen Lebenswerkes ist, und der die Stadt Mailand nun einen blühenden Park gewidmet und nach ihr benannt hat.

24.3.16 Mailand Piccolo Teatro Studio Melato Nobelpreisträger Dario Fo hier mit seiner Enkelin, die ihn gerade ins Foyer des Theaters zum Empfang begleitet, feiert 90. Geburtstag Foto Andrea Matzker

24.3.2016 Mailand Piccolo Teatro Studio Melato Nobelpreisträger Dario Fo hier mit seiner Enkelin, die ihn gerade ins Foyer des Theaters zum Empfang begleitet, feiert 90. Geburtstag Foto Andrea Matzker

Foto: Dario Fo mit seiner Enkelin Jaele Fo  (Aufnahme: Andrea Matzker)

24.3.16 Mailand Piccolo Teatro Studio Melato Nobelpreisträger Dario Fo feiert 90. Geburtstag Foto Andrea Matzker

24.3.2016 Mailand Piccolo Teatro Studio Melato Nobelpreisträger Dario Fo feiert 90. Geburtstag Foto Andrea Matzker

Foto: Dario Fo tritt mit dem Orchestrino Archistorti auf (Aufnahme: Andrea Matzker)

Filigraner Einsatz von Licht- und Schatteneffekten

 

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Foto: Portraitfoto von Zipora Rafaelov (Quelle: Weithorn Galerie)

Autor: Christian Dick

Licht und Schatten – das sind Gegensätze wie Leid und Freude, Tag und Nacht, Ying und Yang oder – abstrahiert betrachtet – wie die Höhen und Tiefen des Lebens. Es heißt oft, dass sich Gegensätze anziehen. Solche Gegensätze spiegeln die Darbietungen von Schattentheatern eindrucksvoll wider. In den vergangenen Jahren sind diese in Mode gekommen – nicht zuletzt die Show „Shadow Land“ hat weltweit Furore gemacht und zieht die Menschen in ihren Bann. Durch Schattentheater ist die Kunst des Scherenschnitts wieder in den Fokus des Interesses der Kunstszene geraten. Diese Technik wird oft verkannt und fälschlicher Weise als trivial eingestuft. Dass dem ganz und gar nicht so ist, stellt die in Düsseldorf lebende Israelin Zipora Rafaelov seit vielen Jahren erfolgreich unter Beweis. Dieser Weg war ein hartes Stück Arbeit. Die Künstlerin ist ihren Weg von der Pike auf gegangen, sie absolvierte ein Studium am Institute of  Beau-Art, Bat-Yam, Israel, und schloss als Meisterschülerin an der Kunstakademie Düsseldorf im Bereich Bildhauerei ab.

Am 3. März 2016 fand die Vernissage statt – die Kunstwerke sind in einer Ausstellung unter dem Titel „Zimchia“ in der Weithorn Galerie in der Mutter-Ey-Straße 5 im Herzen der Düsseldorfer Altstadt zu sehen. Die Ausstellung dauert bis zum 4. April 2016.

Zipora Rafaelovs Kunstwerke bestechen im Auge des Betrachters, wie die Künstlerin bei ihren Bildern fast ausschließlich die Farben Weiß und Schwarz einsetzt. Ihre Arbeit ist äußerst filigran, sie braucht viel Fingerspitzengefühl – denn bei ihren Bildern sitzt jede Linie und jede Kontur. Und ihre Bilder entstehen nicht mal eben so auf die Schnelle. Der Schaffensprozess erstreckt sich vielmehr über mehrere Monate. In dieser Zeit kann sich das Ursprungskonzept immer wieder ändern, die Emotionen und individuellen Stimmungen der Künstlerin fließen immer in ihre Werke ein. Auf einem Bild sind zum Beispiel zwei liegende Menschen dargestellt, die sich küssen. Auch Bilder der Frau als Verführerin, Sünderin, Mutter, Denkerin oder Gefährtin sind seit einigen Jahren Thema von Rafaelovs Kunst Die Figuren auf die Fläche zu bringen war ein rationaler Prozess im Kopf der Künstlerin. „Die Gedanken, die in meinem Kopf fließen, gehen dann in meine Handbewegungen ein. Im Moment des Zeichnens kommen mehrere Gedanken, Erinnerungen, Überlegungen, und diese kommen dann als Zeichnung als Bild“, beschreibt die Künstlerin ihren kreativen Prozess. Und so lassen ihre Bilder viel Interpretationsspielraum für die Betrachter. Oft schildern die Betrachter Eindrücke, an die die Künstlerin selbst zuvor noch gar nicht gedacht hat. Und gerade das ist das Spannende an den Kunstwerken von Zipora Rafaelov. Jedes einzelne Bild fordert den Betrachter zu einer Auseinandersetzung, zum Hinterfragen heraus.

Auf den ersten Blick wirken Rafaelovs Kunstwerke wie gezeichnet. Erst bei näherer Betrachtung wird das Papier erkennbar, von dem mit dem Skalpell sorgfältig Stücke entnommen wurden, um zur gewünschten Form zu gelangen. „Die Zeichnung ist grundsätzlich zweidimensional. Es ist jedoch meine Intention, die zweidimensionale Zeichnung in die dreidimensionale Räumlichkeit zu übertragen, Das Dreidimensionale meiner Kunstwerke ist der grundlegende Aspekt. Dieser verleiht den Bildern eine Lebendigkeit“, erläutert Rafaelov. Und die gewünschte Dreidimensionalität wird am schönsten durch das Licht erzeugt.

Der Erfolg gibt Zipora Rafaelov Recht. Im Jahre 2014 hat sie den Rheinischen Kunstpreis erhalten. Und ab April wird sie ihre Bilder im Rheinischen Landesmuseum in Bonn ausstellen. Die Künstlerin wird seit 2015 von der Weithorn Galerie vertreten.

Die Düsseldorfer Galeristen Henrietta Weithorn und Zipora Rafaelov kennen sich schon lange und beschreiben sich als „Sandkasten-Freundinnen“. Henrietta Weithorn war daran gelegen, diese Ausstellung auszurichten, weil die Künstlerin auf Grund ihrer Arbeit mit viel Licht und Schatten, Schwarz und Weiß anders arbeitet als andere Künstler. „Zipora Rafaelov hebt sich von der Masse ab“, so Henrietta Weithorn. Generell ist es der Galeristin wichtig, die Vielfalt der Künstler und deren Stärken besonders zu akzentuieren.

Zusatzinformationen

Der in der Mitte des 18. Jahrhunderts aufkommende Schwarzschnitt wird allgemein mit dem Scherenschnitt assoziiert, wobei der Weißschnitt parallel weiter existierte.

In Deutschland war der Scherenschnitt beliebt in der Kultur der Goethezeit und des 19. Jahrhunderts; auf den künstlerischen Scherenschnitt spezialisiert hat sich Paul Konewka. Ein bedeutender Vertreter des Scherenschnitts im Jugendstil ist der Illustrator Marcus Behmer, der seine Scherenschnitte teils auch als Vorlage für ornamentale Gestaltungen herangezogen hat. Der Deutsche Scherenschnittverein e. V. widmet sich der Pflege dieser Kunst und der Archivierung von Künstlerbiographien und Werkbeispielen.

Am 17. März 2016 findet wird der Film „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ von Lotte Reiniger-Animation und Avantgarde der absolute Film – in der Weithorn Galerie vorgeführt wird – 66 Min,s/w und Farbe Der Eintritt ist frei.

Weitere Impressionen des Scherenschnitts und Information über Zipora Rafaelov sind unter folgender Internetadresse zu finden:

http://www.rafaelov.com/

Die Website der Weithorn Galerie ist unter folgendem Link abrufbar:

http://www.weithorn-galerie.de/

 

750 Jahre Dante Alighieri

 

Dante als junger Mann Das wahrscheinlich älteste authentische Abbild wurde erst kürzlich entdeckt_klein

Foto: Dante als junger Mann Das wahrscheinlich älteste authentische Abbild wurde erst kürzlich entdeckt . (Aufnahme: Andrea Matzker)

Dante Dalì Aufbruch zur großen Reise Hölle 1. Gesang_klein

Foto: Dante Dalì Aufbruch zur großen Reise Hölle 1. Gesang (Aufnahm: Andrea Matzker)

Dante Dalì Die Erscheinung des Königs der Hölle Hölle 34. Gesang_klein

Foto: Dante Dalì Die Erscheinung des Königs der Hölle Hölle 34. Gesang (Aufnahme: Andrea Matzker)

Autor: Dr. Egon Schlesinger

Salvador Dalì erhielt zum 700. Geburtstag Dantes vor über 50 Jahren den Auftrag, einen Zyklus zur Göttlichen Komödie zu gestalten. Somit gesellte er sich als einer mehr in die hehre Reihe der Künstler, die dem großen europäischen Dichter ihren Tribut zollten, so wie beispielsweise Sandro Botticelli. Es entstanden 100 Farbxylographien, die jeweils einem Gesang aus Hölle, Fegefeuer und Paradies zugeordnet wurden. Von diesen Zyklen gibt es nur 150 von Dalì handsignierte Ausgaben. Die Nummer 49 davon existiert komplett und wird nun bis zum Ende des Jahres aus Anlass des 750. Geburtstages am 3. Dezember 2015 im Italienischen Kulturinstitut von Köln gezeigt. Diese seltene Gelegenheit sollte man sich nicht entgehen lassen, zumal normalerweise nur einzelne Episoden dieses Werkes ausgestellt werden. Die Ausstellung umrahmt ein hochkarätig besetztes Seminar, das gemeinsam mit der Abteilung für Romanistik der Friedrich-Wilhelms-Universität und der Società Dante Alighieri in Bonn konzipiert wurde. Das Programm umfasst einen Vortragstag am 11. Dezember im Italienischen Kulturinstitut mit Ausstellungsbesichtigung und anschließendem Konzert sowie ein weiteres Symposium am Folgetag im Senatssaal der Universität Bonn.

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Foto: Prof. Dr. Paul Geyer und Ulrich Forster (Aufnahme: Andrea Matzker)