Archiv der Kategorie: Kunst

THE PROBLEM OF GOD

Ausstellung des Kunstprojekts zum Konzilsjubiläum öffnet in Kunstsammlung NRW, Museum K 21, dem alten Landtag

Autor: Christian Dick

Die Inspiration zum Titel der neuen Ausstellung in Düsseldorfer Museum K 21 geht auf das Buch „The Problem of God“ zurück, das der in Tschechien geborene Künstler Pavel Büchler im Jahre 2007 gefunden hat. „In diesem Buch liegt eine Lupe. Wenn man genau hinsieht, kann man das gespiegelte Wort „Invisible“ erkennen. Invisible, das heißt „das Unsichtbare“. Gott ist unsichtbar. Die Künstler wollen das Unsichtbare, das Unfassbare des Glaubens darstellen“, so die Kuratorin der Ausstellung Dr. Isabelle Malz, deren Herzblut an diesem Projekt liegt, bei dem die Recherchearbeit sehr tiefgehend und umfangreich war. Die Vorlaufzeit dauerte immerhin drei Jahre.

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Foto: Dieses Buch „The Problem of God“ hat der Künstler Pavel Büchler im Jahre 2007 gefunden.  (Aufnahme: Christian Dick)

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Foto: Hier sind die Künstler Pavel Büchler und Georges Adéagbo zu sehen (Aufnahme: Christian Dick)

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Foto: Dr. Isabelle Malz, Kuratorin der Ausstellung „The Problem of God“, Dr. Marion Ackermann, Künstlerische Direktorin der Kunstsammlung NRW und Friederike Tappe-Hornbostel von der Kulturstiftung des Bundes (Aufnahme: Christian Dick)

Das Museum K 21 in Düsseldorf wartet mit einer spektakulären Ausstellung zu Darstellung des christlichen Bildes in der Kunst auf. Die präsentierten Kunstobjekte rütteln den Betrachter auf, gehen oft unter die Haut. Einige Werke provozieren den Betrachter. Warum sieht man etwa bei zwei Kruzifix-Darstellungen mit dem Titel Schmerzensmann IV und Schmerzensmann V der belgischen Künstlerin Berlinde de Bruyckere keinen Kopf? Wie radikal dürfen Darstellungen mit Menschen sein, die Szenen aus der Bibel nachstellen? Welchen Einfluss haben die Ethnie und kulturelle Prägung – herausgestellt an einer Gegenüberstellung des Künstler Georges Adéagbo zwischen Afrika und Europa durch eine Sammlung Fundstücken von Zeitungsartikeln, Schallplatten, Büchern, Figuren afrikanischer Götter – auf unser Gottesbild? Welche Glaubensfragen werfen Künstler auf, die einen naturalistischen oder einen philosophischen Ansatz wählen? Das Gottesbild der Menschen ist individuell, die unterschiedlichen Vorstellungen der Menschen dazu sind mannigfaltig. Die Vorstellungen von Menschen zu respektieren und zu tolerieren, die nicht den eigenen entsprechen, das ist nicht immer einfach, entspricht jedoch der Geisteshaltung des 2. Vatikanischen Konzils und der Kirche von Papst Franziskus.

Die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Isabelle Malz, weist darauf hin, dass in der ersten Etage eine Kirchenglocke zu sehen ist, bei der Klöppel fehlt. Dieses Kunstwerk wurde von Kris Martin geschaffen. „Die Verkündigung der christlichen Botschaft wurde der Glocke entnommen. Es bleibt eine Leerstelle, die zum Nachdenken anregt. Und gerade diese Leerstellen sind es, die die Künstler in dieser Ausstellung aufgreifen“, so die Kuratorin weiter.

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Foto: Glocke, bei der der Klöppel fehlt des Künstler Kris Martin in der Ausstellung „The Problem of God“ (Foto: Christian Dick)

Sehr berührend, mitunter auch schockierend wirken Fotos von Boris Mikhailov, der aus der Ukraine stammt. Dieser hat Menschen armer und obdachloser Menschen in Russland angenommen, deren Situation in den vergangenen 20 Jahren schlechter geworden ist. Boris Mikhailov hat diese Menschen in Posen fotografiert, die an die christliche Ikonographie erinnern. Durch diese Fotos hat Boris Mikhailov nach Darstellung von Kuratorin Isabelle Malz diesen Menschen ihre Würde und ihr Selbstwertgefühl wieder gegeben.  Folgende Bilder zeigen dies eindrucksvoll. Das linke Bild erinnert zum Beispiel an die Kreuzabnahme Jesu Christi.

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(Fotos von Boris Mihailov, ausgestellt in der Ausstellung „The Problem of God“ (Aufnahme: Christian Dick)

Hier weitere Impressionen der Ausstellung „The Problem of God“

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Foto: Liegender Mann, 2014, Künstlerin: Paloma Varga Weisz,

Lindenholz verkohlt, Filzdecke,

Israel Museum Jerusalem Contemporary Art Acquisitions, Committee of American Friends of the Israel Museum, New York (Aufnahme: Christian Dick)

Die belgische Bildhauerin Berlinde de Bruyckere hat Skulpturen geschaffen, die äußerst ergreifend sind. Folgende Bilder zeigen zwei ihrer Objekte, die in Düsseldorf zu sehen sind:

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Foto: Berlinde de Bruyckere, Schmerzensmann IV, 2006, Wachs und Eisen (Aufnahme: Christian Dick)

 

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Foto: Berlinde de Bruyckere, Schmerzensmann V, 2006, Wachs und Eisen (Aufnahme: Christian Dick)

Es gibt weiterhin Rauminstallationen. So hat Georges Adéagbo aus Benin, der auch in verschiedenen Ländern Afrikas künstlerisch wirkt, einen Raum gestaltet, in dem er deutlich machen will, welche Bilder sich die Menschen in Europa von Afrika machen und umgekehrt.  Außerdem stellt er die Ethnographie aus afrikanischer Sicht dar.

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Foto: Georges Adéagbo in dem von ihm gestalteten Raum (Aufnahme: Christian Dick)

Interessant ist weiterhin eine Videoinstallation, in der sich der belgische Künstler Francis Alys selber dabei filmte, wie er in seinem Atelier in Mexiko in zehn Stunden 100 Kilometer „Weg zurücklegt“. Diese Strecke entspricht dem „englischen Jakobsweg“ zwischen Ferrol und Santiago de Compostela.

Am Freitag, 25. September 2015, fand in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im Museum K 21, dem früheren Landtag, in Düsseldorf die Vernissage der Ausstellung „THE PROBLEM OF GOD“.

Die Ausstellung ist Teil eines Kunstprojekts zum 50jährigen Jubiläum des 2. Vatikanischen Konzils, das die Deutsche Bischofskonferenz in diesem Jahr bundesweit an zehn Standorten durchführt.   Die Ausstellung im K21 Ständehaus zeigt etwa 120 Werke mit Schwerpunkt auf aktuellen Arbeiten und Werkkomplexen von über 30 international bekannten Künstlern aus mehreren Kontinenten.

Navid Kermani, Träger des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2015, in seinem Buch „Ungläubiges Staunen: Über das Christentum“ beschreibt in seinem Buch wie er sich als Moslem auf die Suche nach der christlichen Kultur macht. Hier setzt er sich mit der Frage auseinander was heilige oder sakrale Kunst ist. Sein Resümee lautet „Religiöse Kunst fängt den Blick des Menschen, heilige Kunst den Plan Gottes ein.“ Diesen Satz zitierte Dr. Marion Ackermann, Künstlerische Direktorin der Kunstsammlung NRW, im Rahmen der Pressekonferenz im Vorfeld der Ausstellung „The Problem of God“, die ein Jahrhundert-Ereignis ist.

Navid Kermani verweist in dem genannten Buch auf Titus Burckhardt, einen Schweizer Sufiforscher und Vertreter der immerwährenden Philosophie des 20. Jahrhunderts, der in seinem Buch „Die Weltreligionen und ihre Sakralkunst“ festgestellt hat, „dass keineswegs jedes, das seinen Gegenstand vom Glauben borgt, deshalb schon heilig zu nennen wäre: Heilige Kunst setze ein Wissen um die „innere Gesetzmäßigkeit der Formen, um das Wesen des Sinnbildes“ voraus, das allein in der Überlieferung verbürgt sei und sich nicht der Schöpferkraft der Künstler und Handwerker verdanke.“

„Das christliche Thema, christliche Motive und die christliche Bilddarstellung sind Teil unserer Kultur, auch heute noch“, unterstrich Marion Ackermann in Vorfeld der Ausstellungseröffnung.

Wie man an diesen Ausführungen bereits erkennt, ist die Herangehensweise an religiöse Kunst und heilige Kunst äußerst diffizil. Ja, man muss die jeweiligen Kunstwerke regelrecht in sich aufsaugen. Es kommt immer darauf aus welcher Perspektive der Betrachter an die Kunstwerke herangeht, je nach Nähe zum Glauben kann sich schon eine unterschiedliche Interpretation ergeben. Dass diese Ausstellung einen großen Beitrag zur Bildung in Bezug auf die christliche Kultur leistet, sieht man schon an der Tatsache, dass die Kulturstiftung des Bundes diese Ausstellung mit einer halben Million Euro gefördert hat, solch einen hohen Zuschuss hat die Kunstsammlung NRW zuvor noch nie bekommen. Die Ausstellung wird nicht von der Kirche gesponsert, daher ist diese Ausstellung keine PR-Veranstaltung der Kirche. Die Kunstsammlung NRW hat im Sinne der Trennung von Staat in Kirche Wert auf ihre Autonomie bei der Konzeption dieser Ausstellung gelegt. Dies war er sehr wichtig, um die künstlerische Freiheit zu gewährleisten. Die Ausstellung ist ganz klar etwas  für Freidenker und Freigeister in Sachen Glaubensfragen.  Weiterlesen

Tourismus NRW ruft zum #Kunstpilgern auf

Autor: Christian Dick

Am 25. September 2015 findet in Düsseldorf die Vernissage zur Ausstellung „THE PROBLEM OF GOD“ in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im Museum K 21, dem ehemaligen Landtag (Ständehaus) statt. Die offizielle Eröffnung findet am 26. September 2015 statt. Vor diesem Hintergrund ist eine völlig neuer Projekt der Zusammenarbeit zwischen Tourismus NRW, Kulturkenner.de und dem Düsseldorfer Museum entstanden. Ziel dieses Projekts ist es, die Beziehung von Religiosität und zeitgenössischer Kunst in ganz NRW touristisch zu einem anschaulichen Erlebnis zu machen. Zu diesem Zweck wurden vier Reiserouten zu den Themen Lichtkunst, Paradies, sakrale Architektur und religiöses Leben entwickelt, die unter www.kunstpilgern.de in einem innovativen Multimedia-Format in deutscher und englischer Sprache sowie in einem Flyer dargestellt werden.

Der Startschuss zu dieser Kunstpilgertour ist am 25. September 2015 in Düsseldorf. Vier neue Reiserouten, die das Leitmotive #Kunstpilgern zum Gegenstand habe, wollen jetzt zu einer Erkundung der bedeutenden und imposanten Kunstorte und der Vielfalt religiösen Lebens in NRW animieren.

Tourismus NRW, das Kulturportal des Landes Kulturkenner.de und die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen bieten Interessierten dazu eine zweisprachige multimediale Internetpräsentation sowie einen Flyer. Zum Start schickt der Landesverband acht Testreisende auf die Kulturrouten. Die Erlebnisse können über den Hashtag Kunstpilgern ab dem 22. September in sozialen Medien nachverfolgt werden.

Um die Reiserouten einer noch größeren Öffentlichkeit näher zu bringen, wurden acht Kunstinteressierte ausgewählt, die vom 22. bis zum 25. September 2015 durch die Regionen des Landes reisen und unter dem Hashtag Kunstpilgern von den vier Routen berichten. Die acht Kunstpilger treffen sich am 25. September 2015 in Düsseldorf zur offiziellen Eröffnung der Ausstellung „THE PROBLEM OF GOD“.

Informationen zu diesem Projekt sind unter folgendem Link zu finden: http://story.kulturkenner.de/entries/kunstpilgern/

Tourismus NRW lädt alle Interessierten dazu ein, im Herbst ebenfalls die Vielfalt sakraler Kunst in NRW zu entdecken und unter dem Hashtag Kunstpilgern persönliche Tipps in sozialen Medien zu teilen – auch abseits der vier Routen.

Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW begrüßt die gemeinsamen Anstrengungen: „Das Projekt #Kunstpilgern erzählt entlang neuer Reiserouten für Individualtouristen spannende Geschichten von sakraler Architektur, zeitgenössischer Gartenkunst, Lichtkunst und lebendiger religiöser Vielfalt und zeigt so exemplarisch, wie Tourismus- und Kulturmarketing ineinandergreifen um für zeitgenössische Kunst in Nordrhein-Westfalen zu werben.“

Dr. Heike Döll-König, Geschäftsführerin von Tourismus NRW e.V., ergänzt: „Die neuen Kunstpilger-Routen verbinden Kulturschätze unseres Landes und machen diese touristisch erfahrbar. Wir bedienen mit diesem Projekt die ungebrochen große Nachfrage nach kulturellen Reiseangeboten in NRW: Bereits 47 Prozent unserer Gäste interessieren sich für den Besuch von kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten.“

PwC verleiht in Düsseldorf Förderpreises und des  Publikumspreises für junge Künstler

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Foto: (von links nach rechts) Dr. Yvonne Wasserloos, Robert Schumann Hochschule Düsseldorf, Kuratorin Dr. Stefanie Lucci, Uwe Rittmann, Leiter der Düsseldorfer Niederlassung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, die Preisträgerin 2015 Jennifer López  Ayala und die Preisträgerin des Jahres 2014 Katharina Veerkamp (Aufnahme: Christian Dick)

Autor: Christian Dick

Das Thema Corporate Social Responsibility also die Wahrnehmung von gesellschaftlicher Verantwortung seitens Wirtschaftsunternehmen wird gerne von PR-Abteilungen verwendet. Aber nur wenige Unternehmens widmen sich diesem Thema mit so viel Herzblut wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers AG. In Düsseldorf fand am 18. Juni 2015 die Vernissage mit der  Verleihung des PwC-Förderpreises und des  Publikumspreises für junge Künstler statt. Beide Preise erhielt in diesem Jahr Jennifer López  Ayala aus der Meisterklasse von Professorin Katharina Grosse von der Düsseldorfer Kunstakademie. In ihrer Abschlussarbeit hatte Künstlerin ein Kunstwerk aus Eierschalen erstellt.

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Foto: Abschlussarbeit von Jennifer Lòpez Ayala im Haus der Firma PwC in Düsseldorf (Aufnahme: Christian Dick)

Bereits seit sechs Jahren verleihen wir den PwC-Förderpreis „Junge Kunst aus der Akademie“ im Rahmen einer Ausstellung mit den aktuellsten skulpturalen Positionen aus dem jährlichen Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf.

Der Publikumspreis wurde in diesem Jahr erstmalig ausgelobt.

Die Firma PwC hat es sich auf die Fahnen geschrieben, darzustellen, dass Kunst keineswegs etwas Elitäres ist, sondern etwas, was für die breite Gesellschaft interessant ist.

Die Gäste waren besonders von der großen Bandbreite an innovativer Kunst beeindruckt. Interessant war darüber hinaus der Dialog und mit den jungen Künstlerinnen und Künstlern sowie ihren außergewöhnlichen Arbeiten.

Zur Abrundung der Vernissage waren Studierende der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf zu Gast, die mit faszinierender Musik eine große Bereicherung für den Abend waren.

Die Ausstellung ist im Hause der Firma PwC in Düsseldorf in der Moskauer Straße 19, direkt beim U-Bahnhof Handelszentrum/Moskauer Straße, bis zum 19. Juli 2015, werktags von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

 

Studienreise der Universität Bonn nach Florenz

 

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Foto: Das Museum der Uffizien in Florenz (Aufnahme: Andrea Matzker)

Florenz der Ponte Vecchio von den Uffizien aus gesehen Foto Andrea Matzker_klein

Foto: Florenz der Ponte Vecchio von den Uffizien aus gesehen (Aufnahme: Andrea Matzker)

Die Doktoranden Pierrepaul und Silvia auf der Terrasse der Biblioteca delle Oblate Foto Andrea Matzker_klein

Foto: Die Doktoranden Pierrepaul und Silvia auf der Terrasse der Biblioteca delle Oblate (Aufnahme: Andrea Matzker)

 

Autorin: Andrea Matzker, Juni 2015

 

Zum zehnjährigen Jubiläum der Deutsch-Italienischen Studien fand an der Universität von Florenz ein Trinationales Symposium mit Professoren und Doktoranden aus Bonn, Paris und Florenz statt. Drei Tage lang fanden Vorträge und Präsentationen in der Aula Magna, einer ehemaligen Kapelle, des heutigen Instituts für Italianistik statt. Im Rahmen dieser Studienwoche lernten die Teilnehmer auch ein europaweit einzigartiges Projekt kennen, das der jetzige Ministerpräsident Matteo Renzi in seiner letzten Amtszeit als Bürgermeister von Florenz mit in Gang gebracht und maßgeblich unterstützt hat: Den Mercato Centrale San Lorenzo, den größten umfangreichsten Genusstempel Europas, der inzwischen seit einem Jahr über den alten Markthallen existiert und bereits 2 Millionen Besucher anlockte, ebenso viele wie die Uffizien. Unter seinem Dach einen sich Florentiner und Besucher aller Länder und Schichten, die gesamte Palette der toskanischen Küche und gleichzeitig die Möglichkeit, kulturelle Ereignisse der Stadt näher kennen zu lernen. Besondere Veranstaltungen zu den sensationellen Ausstellungen laden auch Nicht-Italienisch-Sprechende ein zum besseren Verständnis und zum Kauf vergünstigter Eintrittskarten. Von der sagenhaften Bistecca fiorentina – unter einem Kilogramm gibt es sie erst gar nicht – über ausgefallene Spezialitäten bis zu Eis und Kaffee gibt es alles, was das Herz begehrt. Erfinder und Realisator dieses Unternehmens ist Umberto Montano, ein ausgebildeter Hotelfachmann und Gastronom, der bereits vor 10 Jahren in Eigeninitiative bei Bauarbeiten im mittelalterlichen Palast der Richter und Notare von Florenz das einzige frühe und authentische Bildnis Dantes als Detail der seit 1500 hinter Mauerwerk versteckten Fresken entdeckte und der Öffentlichkeit zugänglich machte, indem er ein Restaurant inmitten dieser römischen und mittelalterlichen Zeugnisse einrichtete. Zur Zeit gibt es eine einzigartige Sehenswürdigkeit in Florenz: Das große, runde Fenster der Fassade des Domes mit der Darstellung Mariä Himmelfahrt wird in diesem Sommer im Baptisterium ausgestellt, bevor es rechtzeitig vor dem Papstbesuch im November nach langjährigen Restaurationsarbeiten wieder an seinen ursprünglichen Platz gelangt. Dieses kostbare Werk, „Rosone“ genannt,  ist also ausnahmsweise aus einer Entfernung von wenigen Zentimetern zu betrachten. Ansonsten befindet es sich weit oben in der Fassade. Außerdem findet noch zweimal in diesem Juni, am 20. und am 25., jeweils um 12.30 Uhr, das seltene Phänomen des „Gnomone“ mit dem Einfall des Sonnenstrahls und seiner Markierung auf dem Boden des Domes zur Sommersonnenwende statt. Paolo dal Pozzo Toscanelli richtete 1475 diesen Vorläufer der Sonnenuhr ein. Ein einzigartig trauriges Zeugnis von Vandalismus bietet hingegen der noch nicht reparierte, gewaltsam  abgebrochene und entwendete kleine Finger der Statue „Raub der Polyxena“ von Pio Fedi aus dem Jahr 1866 in der Loggia dei Lanzi an der Piazza della Signoria. Der Frevel geschah Anfang Juni, seitdem ist die Loggia von der Polizei bewacht. Man zieht sogar in Erwägung, sie ganz für das Publikum zu schließen, was allerdings allseits sehr bedauert würde. Die Doktoranden des Trinationalen Doktorats trafen sich mehrmals im Mercato Centrale und genossen zum Abschluss des Kolloquiums einen Aperitif auf der Terrasse der Biblioteca delle Oblate mit direktem Blick über die Dächer auf die herrliche Domkuppel.

Wenn Sie die Überschrift dieses Artikels anklicken sehen Sie noch eine interessante Fotoserie. Weiterlesen

Düsseldorfer Nacht der Museen 2015 – Nachbetrachtung

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Foto: Eine Gruppe mit dem amerikanischen Generalkonsul aus Düsseldorf Stephen A. Hubler (vierter von links) hatte einen amerikanischen Schulbus gemietet und sich bei der Nacht der Museen durch Düsseldorf chauffieren lassen. (Aufnahme: Christian Dick)

Autoren: Christian Dick

Zugegeben, mit 21.000 Besuchern war die Düsseldorfer Nacht der Museen gut besucht. Gut besucht waren insbesondere das Museum Kunstpalast, die Kunstsammlung am Grabbeplatz K 20 und das K 21, der alte Landtag, wo moderne Kunst des Minimalismus im Mittelpunkt stand. Mit 14 Euro Eintritt war der Preis so attraktiv, dass sich man sich dies auch mit schmalem Budget leisten konnte. Und diese Philosophie ist genau richtig: Kunst und Kultur für das gemeine Volk. Denn eine Gesellschaft ohne Kunst und Kultur ist eigentlich tot.

Schade war nur, dass Publikum mit dem mannigfaltigen Angebot geradezu überfrachtet war. Denn außer den Museen gab es noch Musik- und Literaturveranstaltungen. Ein Weniger kann manchmal ein Mehr sein. Das soll heißen: Es wäre sehr viel besser, künftig eine eigene Nacht der Literatur zu veranstalten. Es war von großem Nachteil, dass ausgerechnet die Lesungen mit Manuel Andrack über seine Bücher, in denen er seine Wanderungen schildert, weit außerhalb im Schloss Benrath stattfinden, hier wäre ein zentralerer Ort, zum Beispiel die Rheinterrassen, sehr viel günstiger gewesen.

 

„Düsseldorf ist die Welthauptstadt der Fotografie!“

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Foto: Ein Charakterkopf – Wim Wenders (Aufnahme: Christian Dick)

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Foto: Manfred Neuenhaus (FDP), Vorsitzender des Kulturausschusses im Düsseldorfer Stadtrat, Ursula Wißborn (Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda Bank West), Wim Wenders und Beat Wismer, Generaldirektor des Museum Kunstpalast (Aufnahme: Christian Dick)

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Foto: Laura Schmidt, Geschäftsführerin der Wim Wenders Stiftung vor dem Bild „Forrest in Brandenburg 2014, welches ihr besonders gut gefällt (Aufnahme. Christian Dick)

Autoren: Christian Dick und Rolf Keller

Dies erklärte Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel am 17. April 2015 bei der Vernissage zur Ausstellung „4 REAL & TRUE 2 WIM WENDERS Landschaften. Photographien“ im Brustton der Überzeugung. Mit dieser Feststellung liegt das Düsseldorfer Stadtoberhaupt durchaus richtig. Denn wer sich beispielsweise einmal den Düsseldorfer Medienhafen anschaut, der wird schnell das feststellen, dass dieser Ort ein wahres Kleinod für Fotografen ist. Und die Düsseldorfer Museen und Galerien greifen das Interesse der Menschen aus Düsseldorf, der Umgebung und aus dem Ausland an Fotografie auf mannigfaltige Art und Weise immer wieder auf.

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Foto: Lange Schlangen vor dem Museum Kunstpalast bei der Vernissage am 17. April 2015 (Aufnahme: Christian Dick)

„Wenn man viel unterwegs ist,“ schreibt Wim Wenders, „wenn man gern umherstreift, um sich zu verlieren, kann man an den merkwürdigsten Orten landen. Es muss wohl eine Art eingebauter Radar sein, der mich oft in Gegenden führt, die entweder sonderbar ruhig oder auf eine ruhige Art sonderbar sind.“

Wim Wenders (*1945 in Düsseldorf) ist vor allem durch seine Filme bekannt geworden. Sein Film „Das Salz der Erde“, ein Porträt des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado, ist in diesem Jahr für den Oscar nominiert und mit dem französischen Filmpreis César ausgezeichnet worden. Für sein filmisches Lebenswerk wurde er auf der 65. Berlinale mit dem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet. Sein neuer 3D-Spielfilm „Every Thing Will Be Fine“ ist kürzlich in den deutschen Kinos angelaufen. Das Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf würdigt den Filmemacher mit einer umfangreichen Filmretrospektive. Doch Wenders bekennt: „Die photographische Arbeit ist die andere Hälfte meines Lebens.“ Bereits seit Jahrzehnten entsteht ein von Wenders‘ filmischen Arbeiten unabhängiges fotografisches Werk: Aufnahmen von einsamen, manchmal skurril wirkenden Orten und Landschaften, von „Schau-Plätzen“ mit eigenen Geschichten.

Anlässlich des 70. Geburtstages des Künstlers im August 2015 zeigt das Museum Kunstpalast in Kooperation mit Wenders Images und der Wim Wenders Stiftung eine Auswahl von ca. 80 großformatigen Fotografien. Das Spektrum reicht von den frühen Schwarz-Weiß-Fotografien über die monumentalen Landschaftspanoramen bis hin zu erst im letzten Jahr entstandenen Fotografien. Wenders fotografiert stets analog, ohne Kunstlicht und ohne Stativ. Er bevorzugt für diesen Teil seines künstlerischen Schaffens die Schreibweise „Photographien“. Es ist ihm ein ehrwürdiger Begriff, der das geglückte Zusammenspiel von Licht (phos) und Malen (graphein) betont und die Möglichkeit, mit einem Foto einen einzigartigen Moment in der Zeit einzufangen.

Der Direktor des Düsseldorfer Museum Kunstpalast Beat Wismer bekundete, dass er vor zehn Jahren noch nicht daran gedacht hätte, dass eine solche Ausstellung einmal in Betracht kommen könne. Wim Wenders hatte im Museum Kunstpalast unter anderem im Jahre 2013 die Gursky-Ausstellung besucht, von der sehr angetan war. Bereits 2012 war ein Schlüsseljahr für Beat Wismer. Damals war er mit großer Spannung nach Hamburg zu Harald Falkenberg gefahren und hatte sich die große Fotoausstellung von Wim Wenders angesehen. Dies war gleichsam die Initialzündung für die Realisierung der imposanten Ausstellung in Düsseldorf. Sie dauert bis zum 16. August 2015.

„Ich habe irgendwie so eine Art 7. Sinn“, bekundete Wim Wenders bei der Pressekonferenz am 16. April. Was er gar nicht mag ist eine Situation, wenn er an einem Ort von Menschen umgeben ist, die ihm sagen, diese oder jenes Motiv müsse er unbedingt fotografieren. Wenders beschrieb, dass er ganz alleine an einem Ort sein muss und dass die Orte dann zu ihm sprechen. Die Ausstellung in Düsseldorf ist herausragend. Insbesondere Motive von Ground Zero, wo Wenders im November 2001, nur zwei Monate nach dem Terroanschlag des 11. September war, und Bilder von Fukushima, die wegen der Radioaktivität vor Ort anders wurden als zuvor angedacht, fesseln die Betrachter. Ebenso gibt es Bilder von Armenien. „In Pittsburgh riecht es wie Oberhausen“, schreibt Wenders. Und schließlich hat er Elblandschaften fotografiert.

Im Rahmen der Nacht der Museen war diese Ausstellung ein besonderer Publikumsmagnet.

Hier einige Impressionen:

Nur zwei Monate nach dem 11. September 2001 ist Wim Wenders nach New York geflogen und hat den Ground Zero fotografiert, der nach der Zerstörung des World Trade Center einer Hölle glich.

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Foto: Ground Zero. Dieses Foto zeigt eine Gebäude beim Ground Zero, das normalerweise meisten im Schatten ist. Wim Wenders hat das Foto gerade in einem Moment aufgenommen als die Sonne auf das Gebäude fiel. Beat Wismer, Generaldirektor des Museum Kunstpalast erklärte, dass das Sonnenlicht, das auf dieses Gebäude falle, an Ostern und die Auferstehung erinnere (Aufnahme: Christian Dick)

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Foto: Ground Zero (Aufnahme. Christian Dick)

 

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Foto:  Lake Galilee before Sunrise 2000 (Aufnahme: Christian Dick)

 

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Foto: At the Horizon: The Rocky Mountains, Montana 2000 (Aufnahme. Christian Dick)

 

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Foto: Dog on the Road to Ayers Rock #1, Uluru 1977 (Aufnahme. Christian Dick)

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Foto: Elblandschaft 2014 (Aufnahme. Christian Dick)

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Foto: Ferris Wheel Armenia 2008 (Aufnahme. Christian Dick)

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Foto: Auf diesen Bildern von Fukushima erkennt man die Radioaktivität (Aufnahme: Christian Dick)

Weitere Informationen finden Sie unter folgender Internetadresse: http://www.smkp.de/

 

 

Ausstellung “Karl Lagerfeld. Modemethode“ in der Bundeskunsthalle Bonn

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(Aufnahme: Andrea Matzker)

Autor: Dr. Egon Schlesinger

Nicht nur wegen  Beethoven ist die Bundesstaat Bonn ein lohnendes Reiseziel. Großartige Museen locken auch mit außergewöhnlichen Ausstellungen: Die Bonner Bundeskunsthalle zeigt eine neue Ausstellung mit dem Titel „Karl Lagerfeld. Modemethode“ (bis 13. September 2015). Sicherlich gehört der deutsche Modefürst zwar zu den am meisten polarisierenden Persönlichkeiten weltweit, doch unbestritten ist er nicht nur einer der innovativsten Modedesigner sowie Ikonen unserer Zeit, aber es ist nicht untertrieben, wenn man ihn wegen seiner mannigfachen Kreativität als universellen Künstler bezeichnet. Die Ausstellung beleuchtet erstmals umfassend Lagerfelds Karriere in der  Modewelt und gibt somit einen wunderbaren Einblick in die Modegeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, der er von Anfang an ständig neue Impulse durch die mit scheinbar leichter Hand umgesetzten klassischen Formen in die Moderne gab. Inzwischen überdauert seine großartige und überaus erfolgreiche Karriere  als Modemacher bis heute 60 Jahre und, glücklicherweise für uns alle, ist hier kein Ende in Sicht. Von Balmain über Fendi bis hin zu Chloé: Karl Lagerfeld arbeitete stets für große Modehäuser und ist bereits seit 1983 als künstlerischer Direktor und Chefdesigner bei Chanel tätig. Wer sonst hätte besser in die Fußstapfen der großen Modelegende Coco Chanel treten können? Doch nicht nur die „gehobene Schneiderei“, die Haute Couture bzw. Alta Moda gehört zum alleinigen Beschäftigungsfeld von  Karl Lagerfeld: Bereits in den frühen 1960er Jahren erkannte der Designer das Potential im jüngeren Prêt-à-Porter Bereich, der tragbaren und somit eigentlichen Zukunft der Mode. „Mode ist erst Mode, wenn sie auf die Straße kommt” (Lagerfeld). Sein Faible für Ready-to-Wear Kollektionen zeigt sich auch an der Zusammenarbeit mit High Street Labels wie H&M, für die er 2004 eine exklusive Linie zu erschwinglichen Preisen entwarf. Die Ausstellung „Karl Lagerfeld. Modemethode“ beschäftigt sich vorwiegend mit allen Facetten des berühmten Designers. Von ersten Entwurfsskizzen über das fertige Kleidungstück bis hin zu Accessoires findet man hier alles, was ein (Mode-)Herz begehrt und man kann die unbändige Kreativität Lagerfelds, die sich ja nicht nur auf den Mode-Ausdruck beschränkt, quasi einatmen. Ein Highlight ist sicherlich auch die Präsentation von Architekturkulisse und Musik der Modenschauen sowie Pressematerialien, Katalogen und Schaufensterdekorationen, deren Entwürfe sämtlich der Hand des Meisters entstammen. Hervorzuheben ist der opulente Katalog zur Ausstellung, der als Vogue Ausgabe erscheint, in der die bekannte Modezeitschrift dem Mode-Visionär 160 Seiten  widmet. Diese Sonderausgabe wird sicherlich zu einem Sammler Objekt werden. Man kann sich gespannt  freuen auf einen baldigen Wochenendtrip nach Bonn!

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(Aufnahme: Andrea Matzker)

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(Aufnahme: Andrea Matzker)

Arp Museum präsentiert imposante Gemälde französischer Maler

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(Paul Signac, Frau auf der Terrasse, 1898, © u. Foto: Dublin, National Gallery of Ireland)

Autor: Christian Dick

Das Arp Museum im Bahnhof Rolandseck kann jetzt mit einer grandiosen Ausstellung aufwarten. Eine wahre Augenweide sind die Gemälde von Poussin, Watteau und David über die Impressionisten bis hin zu van Gogh und Cézanne, die im Fokus der Ausstellung „Revolution der Bilder. Von Poussin bis Monet“ stehen.

Frankreich hat mit seiner Malerei vom 17. bis in das 20. Jahrhundert der Kunstentwicklung in Europa ein ganz besonderen Stempel aufgesetzt – die aktuelle Ausstellung im Arp Museum Bahnhof Rolandseck stellt in eindrucksvoller Weise dar, dass der Schöpfergeist der französischen Maler während dieser Periode geradezu einer Revolution in der europäischen Kunst gleichkam. Entstanden im Barock-Zeitalter durch den königlichen Hof geprägte Historienbilder, so brachten das Zeitalter der Aufklärung und der Revolution neue Themen hervor. Den Weg Frankreichs in die Moderne kennzeichnen das wachsende Selbstbewusstsein der Künstler und die Befreiung der Farbe im Impressionismus.

Rund 50 Gemälde werden präsentiert. Künstler der Ausstellung sind unter anderem: François Boucher, Eugène Louis Boudin, Gustave Caillebotte, Paul Cézanne, Jean-Siméon Chardin, Gustave Courbet, Jean-Baptiste-Camille Corot, Jacques-Louis David, Edgar Dégas, Alexandre-François Desportes, Jean-Honoré Fragonard, Jean-Antoine Houdon, Claude Lorrain, Vincent van Gogh, Nicolas Lancret, François Millet, Jean-Baptiste Pater, Nicolas Poussin, Auguste Renoir, Paul Signac, Alfred Sisley, Pierre-Jacques Volaire, Simon Vouet, Jean-Antoine Watteau. Die Werke aus der Sammlung Rau für UNICEF werden ergänzt durch zahlreiche hochkarätige Leihgaben aus der Sammlung der National Gallery of Ireland in Dublin, die in diesem Umfang erstmalig in Deutschland gezeigt werden.

Rund 250 Jahre liegen zwischen dem Wirken von Nicolas Poussin und Claude Monet. In dieser Zeit war die französische Malerei Vorbild für die Entwicklung der Kunst in Europa. Im 17. Jahrhundert entstanden in Frankreich die strengen Regeln der Königlichen Akademie. Die avantgardistischen Künstler des 19. Jahrhunderts definierten sich durch den Bruch mit diesen Regeln. Gesellschaftliche Umbrüche im 18. Jahrhundert leiteten die Moderne in der Bildenden Kunst ein. Im Zeitalter der Aufklärung gewann die bürgerliche Öffentlichkeit an Bedeutung und Macht. Aufträge des erstarkten Bürgertums ermöglichten es den Künstlern, neue, unerprobte Wege zu gehen – bis zum revolutionären Einsatz von Licht und Farbe im Impressionismus.

»In dieser Ausstellung werden 300 Jahre französischer Malerei vom 17. bis zum 19. Jahrhundert vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen erkundet. Dabei markiert die Französische Revolution von 1789 eine Zeitenwende und war – wie der Rheinland-Pfälzer Karl Marx bemerkte – eine ‚Lokomotive der Geschichte‘, ein entscheidender Motor für grundlegende Neuerungen in Gesellschaft und Wissenschaft. Diese geistigen Revolutionen spiegeln sich in den Werken herausragender Künstler Frankreichs«, so der Staatssekretär Walter Schumacher (Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Rheinland-Pfalz) zu der Präsentation im Arp Museum Bahnhof Rolandseck.

»Kunst braucht kreative Freiräume – heute wie gestern«, sagt Dr. Oliver Kornhoff, Direktor des Arp Museums Bahnhof Rolandseck. »Von unserem diesjährigen Leitmotiv spricht auch die »Revolution der Bilder«, spricht von einer Revolution des Sehens in der bildenden Kunst. Die Ausstellung erzählt von der Loslösung von den erstarrten Regeln der stilbildenden Kunst-Akademie. Sie erzählt von der Demokratisierung der Kunst, von den lichtdurchfluteten Freiräumen der Impressionisten, die der Moderne den Weg bereiteten, und sie schließt mit einem flirrenden, atmosphärisch dichten Gemälde von Signac, überschrieben mit einem Spruch des Künstlers: ‚Gerechtigkeit in der Gesellschaft, Harmonie in der Kunst – ein und dasselbe.‘«

Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit dem Bucerius Kunst Forum, Hamburg statt. Dort läuft die Ausstellung unter dem Titel »Von Poussin bis Monet. Die Farben Frankreichs« vom 10. Oktober 2015 bis zum 17. Januar 2016.

Zur Ausstellung ist ein sehr ausführlicher, in die Tiefe gehender Katalog erschienen. Er umfasst die Essays der Vorträge, die im Rahmen des internationalen Symposiums »Die Farben Frankreichs. Von Poussin bis Monet« am 1. April 2014 im Bucerius Kunst Forum, Hamburg gehalten wurden. Dieser Katalog lässt das Herz jedes Kunstliebhabers höher schlagen und ist darüber hinaus für jeden, der sich für die Meilensteine europäischer Malerei  interessiert, zur Vertiefung der Eindrücke dieser Ausstellung sehr zu empfehlen. Angaben zum Katalog:

»Revolution der Bilder. Von Poussin bis Monet«, hg. v. Arp Museum Bahnhof Rolandseck / Bucerius Kunst Forum, Remagen und Hamburg 2015, Hirmer Verlag München, 226 S.

Informationen zur Ausstellung

Kunstkammer Rau:

Revolution der Bilder

Von Poussin bis Monet

Ausstellungseröffnung: Sonntag, 22. März 2015, 11 Uhr

Dauer: 22. März bis 6. September 2015

Begeben Sie sich im Arp Museum auf eine große Revolution des menschlichen Geistes zu Voltaire (1694 – 1778).

Weitere Informationen zum Arp Museum sind unter folgender Internetadresse zu finden:

http://www.arpmuseum.org/

Kunst für den guten Zweck

 

Paolo Campi mit Trashman Nr. 506 von HA Schult  klein

Foto: Paolo Campi mit Trashman Nr. 506 von HA Schult (Aufnahme: Andrea Matzker)

Autor: Dr. Egon Schlesinger

„Casa Colonia“ heißt eine private Initiative für obdachlose Menschen, die von der Straße wollen. 2012 gegründet, hat sie bislang die Hälfte des benötigten Eigenkapitals durch Benefiz-Kunstausstellungen sowie Spenden von Privatpersonen und Unternehmen gesammelt. Um ihr Ziel, ein menschenwürdiges Haus für Obdachlose als Leuchtturmprojekt in Köln, zu errichten, müssten noch einmal ca. 160.000 € aufgebracht werden. Dann könne man eine geeignete, bezahlbare Immobilie suchen. Um diese Summe zusammen zu bekommen, hat die Initiative um den Vorstandsvorsitzenden Dirk Kästel über den Verein „kunst hilft geben e. V.“ eine Benefiz-Kunstausstellung organisiert und hierzu Kölner Künstler von Weltrang gewinnen können, ihre Werke für einen guten Zweck zu spenden. Dazu gehören HA Schult, Anton Fuchs, Candida Höfer und Rosemarie Trockel. Auch Gerhard Richter, der ein Originalkunstwerk schenkte, das bereits 2013 für 55.000 € versteigert wurde, stellte dem Projekt weitere wertvolle, handsignierte Unikate zur Verfügung. Die Ausstellung befindet sich in den Räumlichkeiten der bekannten Restauration Campi Volksbühne am Rudolfplatz im historischen Colonia-Haus neben dem Millowitsch-Theater und ist täglich bis zum August zu besichtigen. Bereits Gigi Campi, der Vater des heutigen Besitzers Paolo, war als großer Förderer vieler Künstler bekannt. Was in dieser Exposition nicht verkauft wird, geht an ein großes Auktionshaus. Dann aber dürften die Preise sicherlich um ein Vielfaches höher sein.

Handsignierte Kerze von Gerhard Richter  klein

Foto: Handsignierte Kerze von Gerhard Richter (Aufnahme: Andrea Matzker)

Aschermittwoch der Künstler in Köln 2014

 Erteilung des Aschekreuzes Köln2014_klein

 Foto: die Erteilung des Aschekreuzes (Aufnahme: Damian Zidek)

Autor: Christian Dick

Da Joachim Kardinal Meisner soeben in den Ruhestand versetzt worden ist, hielt die Messe in St. Kunibert am 5. März 2014 Weihbischof Manfred Melzer. „Dass der Aschermittwoch eine Erinnerung daran ist, dass das Almosen-Geben und Beten unverzichtbar zum christlichen Leben gehört, wird niemand bestreiten. Doch es hat auch etwas mit Veräußerung zu tun. Die Bußzeit ist eine Zeit Stelle“, erklärt er. Die Gemeinde, wie sie Paulus im Korintherbrief 5,20 – 6,2 darstelle, sei ungeschminkt. In Korinth habe es keine Eliten gegeben, sondern das Prekariat und die Bildungsfernen. „Mit denen war kein Staat zu machen“, so Melzer und fuhr fort „Heute, hier in Köln, sieht es anders aus. Sicherlich, es geht uns in mancher Hinsicht nicht gut. Wir haben es heute mit verschiedenen Milieus mit unterschiedlichen Ansprüchen zu tun. Wer heute missionarisch, volkskirchlich tätig sein will, muss auch milieuorientiert sein. Paulus stellt nicht eine defizitäre Gemeinde vor, der wir auf die Beine helfen müssen. Paulus baut auf Menschen, die sich gering vorkommen. Wenn Paulus im Korintherbrief sagt ‚Das hat Gott erwählt“, will er, dass die Menschen wieder erkennen ‚Mich hat Gott erwählt‘. Wenn dieser Blick fehlt, dann wird alles nicht nur schräg und schief, sondern gnadenlos und unbarmherzig in der Kirche“, so Melzer weiter. Abschließend mahnte er daran, dass die Christen wieder auf Gott hören müssten und sich die Frage stellen müssten „Gott, woran hängt Dein Herz?“. Der Katholizismus sei eine Offenbarungsreligiion. „Wenn wir nicht mehr von dem leben, was Gott angestiftet hat, dann sollten wir die Koffer packen! Es gilt, die Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes auszurichten, ihr Raum zu geben, damit sie wirken kann!“

 

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Foto: rechts Bild Weihbischof Manfred Melzer, der am 28. Februar sein 70. Lebensjahr vollendet hat (Aufnahme: Damian Zidek)

Dr. Moritz Woelk Direktor des Kölner Schnütgen Museum hielt im Rahmen der Akademie zum Aschermittwoch im Kölner Maternushaus einen Vortrag zum Thema „Die Ganzheit des Widersprüchlichen. Zur spirituellen Aktualität der christlichen Kunst des Mittelalters“.  Kerngedanke seines Vortrages war es, durch die Beschreibungen von Kruzifixdarstellungen  zu zeigen, dass  eine besondere künstlerische Leistung der mittelalterlichen Künstler darin bestand, den Widerspruch zwischen tot und lebendig, Gott und Mensch zugleich, nicht aufzulösen oder nur eine der beiden Seiten darzustellen, sondern in einer einzigen Gestalt beides zu veranschaulichen. Aus der daraus resultierenden Spannung beziehe die Kunst des Mittelalters eine besondere Aura, brachte Woelk zum Ausdruck.

Zur Zeit von Alexander Schnütgen wurde die mittelalterliche Kunst aus historistischer Perspektive als Vorbild gesehen. Diese Art der Nachahmung, wie sie die Kunst der Neugotik prägte, ist heute nicht mehr überzeugend. Moritz Woelk legte dar dass die Kunst des Mittelalters dennoch auch heute eine Inspirationsquelle sein kann, besipielsweise in ihrer Art, in einer Person Charakterzüge darzustellen, die sich für eine rein rationale Betrachtung eigentlich ausschließen.

 

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Foto: Monsignore Josef Sauberborn, Leiter der Künstlerseelsorge des Erzbistums Köln und Dr. Moritz Woelk, Direktor des Schnütgen Museum (Aufnahme: Christian Dick)

Das Museum Schnütgen befindet sich in einer der ältesten Kölner Kirchen und es ist überaus eindrucksvoll, da es eine sehr wertvolle Sammlung mittelalterlicher Kunstwerke präsentiert. Jedes einzelne dieser Objekte ist schon für sich genommen einen Besuch in diesem Museum wert, insbesondere die strahlende Parlerbüste und der einzigartige sogenannte Heribertkamm, eine filigrane Elfenbeinschnitzerei.

Woelk ging zunächst auf den 1843 geborenen Mäzen Alexander Schnüttgen, der zwar nicht Kunst, sondern 1860 bis 1866 Theologie an der Akademie zu Münster sowie den  Universitäten Tübingen und Löwen studiert hat. Am 7. April 1866 empfing er in der Kölner Minoritenkirche das Sakrament der Priesterweihe und eine Woche fand die Ernennung zum Domvikar und Pfarrkaplan am Kölner Dom statt. Am 18. April 1887 ernannte ihn die Preußische Regierung zum Domherren in Köln. 1903 wurde er Honorarprofessor der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Universität Bonn. Somit war Schnütgen ein äußerst profunder Kenner der kirchlichen Kunst. Er vermachte der Stadt Köln seine Sammlung

Schnütgens Interesse an der Kunst wurde zu seiner Zeit als junger Domvikar stimuliert, als er auf einer Firmungsvisitation mit Weihbischof Johann Anton Friedrich Baudri in einer verstaubten Sakristei wertvolle, aber vernachlässigte Kunstwerke fand. Infolgedessen nahm er in der Folgezeit mit der Unterstützung von Weihbischof Baudr die Inspizierung vieler Kirchenspeicher und Sakristeien im ganzen Erzstift Köln vor. Auf diese Weise vermochte er sehr viele Kunstwerke vor dem Verfall zu bewahren. Sehr viele Objekte kaufte er bei Antiquitätenhändlern oder sogar an der Haustür. Alexander Schnütgens Sammlung entstand aus dem Bedürfnis, Kunstgegenstände über eine Zeit hinweg zu retten, in der sie als altmodisch oder wertlos galten. Sein Motto war „colligite fragmenta, ne pereant“ (Sammelt die übrig gebliebenen Stücke, damit sie nicht zugrundegehen). Zunächst hatte er die Absicht, seine ca. 6.500 Stücke umfassende Kunstsammlung dem Erzbistum Köln unter der Auflage zu übereignen, dass das Erzbistum einen eigenen Museumsbau für diese errichtete.  Kardinal Fischer entsprach jedoch diesem Wunsch nicht. Als Konsequenz hieraus vermachte Schnütgen seine Kunstsammlung im Jahre 1906 der Stadt Köln. Aktuell sind mehr als 11.000 Kunstgegenstände in der Obhut des Museum Schnütgen. Moritz Woelk beschrieb Schnütgen als „Sammler aus Leidenschaft“. Schnütgen gründete im Jahre 1888 die „Zeitschrift für Christliche Kunst“, deren Herausgeber er sein Leben lang war.

Unter folgendem Link findet man die Internetseite des Museum Schnütgen: http://www.museenkoeln.de/museum-schnuetgen/

Außer im Museum Schnütgen kann man in Köln auch in der Domschatzkammer und im Diözesanmuseum Kolumba kirchliche Kunstgegenstände sehen.

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